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Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Wacker geschlagen! Kommentar zum Spiel CFC vs. Nordhausen

Frahn Jubel

Nach dem 0:4 Auswärtssieg am 29. Tag der Deutschen Einheit stand für den Chemnitzer FC wieder ein Heimspiel im Stadion an der Gellertstraße an. Mit dem Gegner, FSV Wacker Nordhausen, traf der CFC mit der stärksten Offensive auf die bisher beste Defensive nach dem 11. Spieltag der Regionalliga Nordost Saison 2018/2019. Beide Teams bisher ungeschlagen, der CFC jedoch mit 11 Siegen in Folge. Nur die besten Zutaten für ein Topspiel. Der MDR entschied sich glücklicherweise für eine Live-Übertragung, so dass für alle Verhinderten wie mich das Spiel im TV verfolgt werden konnte. Wenn auch in der Konferenz-Schaltung mit dem Thüringen-Duell Rot-Weiß Erfurt vs. ZFC Meuselwitz.

Mit dem pünktlichen Anstoß der Gäste erspielten sich diese auch gleich die erste Chance. Die war allerdings nicht mehr in der Wiederholung zu sehen, da es direkt rüber nach Erfurt ging. Nunja, an sich ist Konferenz gucken schon ziemlich geil, irgendwo fällt immer ein Tor, Langeweile gibt es selten. Aber Erfurt vs. Meuselwitz? Bei aller Liebe zur Bratwurst, dieses Spiel interessierte mich herzlich wenig.

Nach 5 Minuten Höhepunktlosigkeit folgte die Rückkehr zur Fischerwiese. Der Kommentator sprach von hohem Pressing und allgemein großem Druck der Nordhausener. Frühes Anlaufen des Gegners, müde spielen, das hatten sich die Gäste wohl vorgenommen. Dazu fiel mir potz blitz ein, dass die Himmelblauen bisher jede englische Woche bestens weggesteckt haben. In Anbetracht dessen war das vorerst beruhigend. Weniger beruhigend, sondern die Gemüter erhitzend, war die Spielweise der Thüringer. Exemplarisch dafür stand das Foul der Marke „dumm“ an Kapitän D. Grote in der 12. Minute.

Nach 15 Minuten ging es wieder nach Erfurt. Dort tat sich immer noch herzlich wenig, so dass wieder kurzum nach Chemnitz geschaltet wurde. Dort wurde bereits die dritte gelbe Karte vergeben und ich fragte mich, wie das mit dem bisherigen Verlauf weitergehen sollte. Aufgrund des hohen Anfangstempos verflachte das Spiel etwas und die Himmelblauen versuchten es auch mal aus der 2. Reihe, wie D. Grote in der 32. Minute. Durch die Konferenz kam unser Kapitän auch immer wieder farbig ins Spiel. In der 40.ten Minute holte er sich in einer strittigen Szene die gelbe Karte ab. Mit dem pünktlichen 1. Halbzeit-Abpfiff ging es natürlich direkt ins Steigerwaldstadion, in dem auch weiterhin versucht wurde, das erste Tor dieser Sachsen-Thüringen-Konferenz zu schießen.

Mit dem 2. Halbzeit-Anpfiff ging es für beide Teams unverändert weiter. Unverändert in der Tor-Bilanz blieb es jedoch nicht lange, denn D. Frahn köpfte nach einem R. Garcia Freistoß in der 49. Minute zur 1:0 Führung ein. Ein ganz wichtiger Treffer, auch um zu zeigen wer hier Tabellenführer ist und wer es werden will. Das könnten, wenn sie wollten auch die Erfurter. Die schossen in der 51. Minute auch den 1:0 Führungstreffer und die Konferenz-Schalte konnte endlich mal wegen eines Tores umschalten. Und in Chemnitz, Erfurt und überall ist es doch so: Ein Tor tut dem Spiel gut.

Grote 11er

Die Nordhausener versuchten es jetzt etwas offensiver. In der 60.ten Minute scheiterte O. Genausch mit einem Lattenknaller. Im Gegenzug scheiterte R. Garcia mit einem Schuss, der zwar knapp, aber dennoch erfolglos blieb. Der Kommentator gab dann auch mit „der Physis“ das passende Stichwort. Jene würde entscheidend für den weiteren Spielverlauf sein. Und da war ich in Anbetracht der englischen Woche und der fitten Himmelblauen weiterhin guter Dinge. Die Nordhausener konnten sich hingegen leider nur noch mit rüdem Einsteigen behelfen und holten sich weiter gelbe Karten ab. Das zweite Tor kassierten sie dann durch D. Grote, der dieses nach einem Handspiel per 11Meter schoss. D. Frahn hatte diesen rausgeholt. Ausgerechnet Frahn, der auch heute wieder viel unterwegs war. Auf dem Spielfeld und in Gesprächen mit dem Schiedsrichter. Abgesehen davon bilden Grote&Frahn die Eckpfeiler der neuen Himmelblauen Mannschaft, die ja, das kann gerne nochmal erwähnt werden, vor der Saison nahezu komplett neu zusammengestellt wurde.

Mit einem „Tooooor in Erfurt“-Ruf ging es weiter. Dieser kurze Adrenalin-Stoß, zwischen Hoffen und Bangen, auf den Ausgleich oder das zweite Tor der Erfurter. Und siehe da, die Meuselwitzer Jubeltraube lässt nur einen Schluss zu. 1:1 Ausgleich in der 80. Minute. Im Hinblick auf die Tabelle kein schlechtes Ergebnis.

Auf der Fischerwiese kam es nicht mehr zum Ausgleich. Dafür zu einigen Rudelbildungen, denen unnötige Fouls auf beiden Seiten vorausgingen. Dieses ganze Gehabe und Gemache gehört wohl zu einem richtigen Spitzenspiel dazu. Die Fans stimmten hingegen „einer geht noch, einer geht noch rein“ an und feierten die Himmelblauen mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter hey hey“-Gesängen. Die ersteren Gesänge wurden wohl auch in Erfurt gehört, denn dorthin wurde wiederum mit einem „Tor-in-Erfurt“-Ruf um geschalten. Und siehe da, diesmal eine Erfurter-Jubelbratwurst, ähm Traube. 2:1 Siegtor in der 91. Minute.

Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel in Chemnitz schon abgepfiffen und der CFC feierte einen letztendlich verdienten 2:0 Heimsieg gegen Wacker Nordhausen. Nach diesem aufreibenden, intensiven Spiel bleibt ganz nüchtern festzuhalten: Der Chemnitzer FC e.V. gewinnt das 12. Spiel in Folge. 12 Siege, 36 Punkte. Der CFC ist das Maß aller Dinge.

Alle Chemnitz-Nordhausen-Duelle enden somit immer auch weiterhin im „Zu-Null-für- den-Sieger-Modus“. Den Wackerern aus Nordhausen empfehle ich zur Verdauung der Niederlage einen Korn, einen echten doppelten vielleicht.

Für den CFC geht es nun weiter am dritten Spieltag im Sachsenpokal gegen Kickers Markkleeberg. Danach führt der Weg wieder in die Hauptstadt Berlin. Zur zweiten Mannschaft von Hertha BSC. Die steht aktuell auf dem 3. Rang. Einen Tag später duellieren sich der Berliner AK (als 2.ter) vs. Wacker Nordhausen (als 4.ter). Interessante Wochen in der Spitzengruppe der Regionalliga Nordost, an deren Ende der Chemnitzer e.V. jedenfalls weiterhin Spitzenreiter bleiben wird.

By Nino