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Sportliche Grüße vom Mia-san-Mia-Experten-Medien-Hof

FCB Ball

FC Bayern München. Immer wieder der FC Bayern München. Kein Tag ohne eine Nachrichtenmeldung zum FC Bayern München. Klar, der FCB ist der Rekordmeister, der Rekordpokalsieger, der Primus unter den Fußballclubs in Deutschland, weltweit die meisten Vereinsmitglieder, international unter den TOP drei. Da gibt’s genug Stoff für tägliche Schlagzeilen, die dann später z.B. in Kolumnen münden oder Teil einer Talksendung oder für eine Umfrage genutzt werden. Irgendwas ist an der Säbener Str. immer los und wird als berichtenswert erachtet. Soweit so erfreulich für die Bayern-Fans, so weit so nervig für alle anderen. Aber warum ist das so?

Der Stellenwert des FCB ist dabei nur eine Erklärung für die omnipräsente Berichterstattung. Daher lohnt ein zweiter Blick und ich stelle fest, dass es bei den Meinungsführen unter den ganzen Fußballexperten eine verblüffende Gemeinsamkeit gibt: Denn was haben die Experten Oliver Kahn, Dietmar Hamann, Lothar Matthäus, Thomas Helmer, Thomas Strunz, Stefan Effenberg, Matthias Sammer, Thomas Berthold, Olaf Thon, Mario Basler, Ottmar Hitzfeld gemeinsam? Sind sie alle männlich? Ja, aber unwichtig. Sind sie Journalisten? Nein, dafür Experten. Sind sie sind mal Spieler und/oder Trainer gewesen? Ja, aber nicht mehr aktiv. Und bei welchem Verein? Ja genau! Beim FC Bayern München!

So weit zu dieser Stammtischwissen-Erkenntnis. Nun sind alle der genannten Experten bei den meinungsstärksten Magazinen, weitreichenstärksten TV-Sendern untergebracht. Oliver Kahn kommentiert beim ZDF die Championsleague-Spiele, Dietmar Hamann und Lothar Matthäus sind bei SkySport tätig, mit Auftritten in den verschiedenen Shows und haben obendrein noch eine eigene Kolumne („Hamanns TOP 3“ und „So sehe ich das“). Zu einer eigenen Kolumne hat es auch Stefan Effenberg geschafft. Bei T-Online darf er in der „Effenberg-Kolumne“ seine Meinung über aktuelle Fußball-Themen kundtun. Olaf Thon ist bei Sport1 angestellt und ist u.a. in der Spieltagsanalyse zu sehen. Das Thomas-Duo Helmer und Strunz ist auch bei Sport1 beschäftigt. Helmer moderiert den Doppelpass, in dem Strunz als Sport1-Experte auftritt. Und keine Sendung vergeht, in der sich nicht ein Thema um den FCB dreht. Nicht zu vergessen, dass sich die beiden alte Anekdoten aus der Bayern-Zeit hin und her spielen. Das mag bisweilen interessant sein, diese „gute-alten-Zeiten-ach-was-waren-wir-doch-toll“-Erzählungen können aber auch ganz schön auf die Nerven gehen.

Auf die Nerven gehen, das war ein Teil des Sportdirektor-Jobs von Matthias Sammer beim FCB. Nun kommentiert er bei Eurosport das sportliche Geschehen, wie immer detailversessen und eloquent. Ähnlich präsentiert sich Ottmar Hitzfeld (meist bei Sport1), der spätestens bei bayerischen Trainerdiskussionen seinen Beitrag pflichtgemäß leistet.

Weniger inhaltlich in die Tiefe geht dafür Mario Basler. Er tritt bei Sport1 in Erscheinung, hier insbesondere beim Fantalk. Bei diesem werden bierselig die Champions-League-Spiele der deutschen Clubs kommentiert. Würde er doch auch sprachlich die Ecken direkt verwandeln können, dann würde sich ein Einschalten wieder lohnen. Ähnlich erging mir es auch bei Thomas Berthold, der seine zweite Karriere als Mecker-Rentner bei Sport1 (Experte beim Doppelpass und eigene Kolumne) hoffentlich dauerhaft ruhend gestellt hat.

Beim Lesen der ganzen Kolumnen und schauen der vielen Sendungen verstärkt sich der Eindruck, dass die ehemaligen Alphatiere von einst, diese Attitüde auch in der zweiten Karriere konsequent an den Tag legen wollen. Das führt bei Lothar Matthäus unfreiwillig gewollt (?) zu Fehlpässen („Wäre, wäre Fahrradkette“) oder wie bei Effe-Cheffe „übers Ziel hinausschießen“. Er bezeichnete z.B. die unbestrafte Aktion von Julian Nagelsmann (unbeabsichtigter Becher-Treffer eines Fans) als Mega-Skandal. Mega-Skandal, das ist ja eher das Vokabular, welches man von der BLÖD leider gewohnt ist. So ist es aber wohl ein Indiz dafür, dass jeder Einzelne das Ziel verfolgt, möglichst viel Aufmerksamkeit erreichen zu wollen.

Als Vorbild gilt da hoffentlich nicht der ehemalige ARD-Sportmoderator und Überraschung: Ex-Bayern-Spieler Mehmet Scholl. Denn dieser hatte die Niveau-Latte nicht wirklich hoch gehängt. Die Aussage („ich hatte Angst, dass er sich wundliegt“) war nur der traurige Höhepunkt, an den sonst eher bemitleidenswerten Auftritten bei der ARD. Das Mario Gomez zu dieser Zeit ein Spieler des FCB war, geschenkt.

Zu den ehemaligen Sprachrohren in Sachen FCB gehörte auch Franz Beckenbauer, der zuletzt bei SkySport kaisern durfte und noch früher eine eigene Kolumne bei der BLÖD hatte.

Und wenn noch der Sportjournalist und 11Freunde Chefredakteur Philipp Köster in seiner Stern-Stimme-Kolumne „Kabinenpredigt“ auffallend oft den FCB zum Thema hat, dann braucht man sich nicht wundern, dass der FCB zu einer medialen Dauerpräsenz hofiert wird, unterstützt von der Arbeit ehemaliger Spieler, Trainer und Sportdirektoren.

Es wird dabei mal mehr, mal weniger hart Kritik am FCB geübt. Selbstverständlich oft mit einem „zu meiner Zeit…“, „als ich noch bei Bayern spielte…“.

Auffällig ist aber auch, wie die direkten Konkurrenten beurteilt werden. Am besten zeigt sich das am Beispiel Borussia Dortmund. Hier habe ich mich schon des Öfteren gefragt, ob bei der Beurteilung des Leistungsstandes nicht eher der Ex-Bayern-Angestellte spricht als der fachlich unabhängige Experte es tun sollte. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Nicht das der Eindruck erweckt wird, dass das alles eine Verschwörung ist und die TV-Sender Sport1 und Eurosport ihren Sitz in München haben, nur reiner Zufall ist. Nein, so unsachlich wird’s dann nicht 🙂

By Nino

 

Die 22 Antworten zur EM 2016…die zweiten 7

ThomasMüllerEM

Mit dem ersten Teil der Beantwortung unserer 22 Fragen zur EM 2016 sind wir der Wahrheit ein kleines Stück näher gekommen, nun heißt es weiter zu suchen…hier kommen die zweiten 7 Antworten. Viel Spaß!

8. Baut sich der DFB in der Normandie ein Campo Baguette?

Der DFB hat sich im Gegensatz zur WM 2014 in Brasilien etwas bescheidener verhalten, schließlich gab es ungeplante Sonderausgaben für die rechtliche Aufarbeitung der Vergabe des „Sommermärchens 2006“. Beziehen statt Bauen war daher das Motto. In dem kleinen Städtchen Évian-les-Bains wurde ein passendes Hotel gefunden, was den Ansprüchen des DFB-Tross genügen soll: Dazu O. Bierhoff in der FAZ: „Es ist wichtig, eine kleine Oase zu haben. Wir haben das Hotel exklusiv für uns. Es liegt hoch, hat eine schöne Weite und gutes Licht.“ Das passt ja wie der Arsch auf den Nachttopf. Und wie Bierhoff ins drei Wetter Saft Studio – bitte abschalten den Mann und seine Fanweichspülung. Getreu dem Motto: „Ich habe dir was mitgebracht … Hass … Hass… Hass!!!“

9. Wird B. Schweinsteiger im Finale zur Vollendung seines Kämpfergesichts einen zweiten Cut erleiden?

Das Leiden des jungen B. Schweinsteiger zog sich bis kurz vor dem Beginn der EM hin. Er stoß ohne Spielpraxis zur Mannschaft und sollte sich diese über das Training und Kurzeinsätze holen. Das klappte im ersten Gruppenspiel vs. Ukraine noch famos, nach seiner Einwechslung in der 89. Minute Drop-kickte er 3 Min. später zum 2:0 Endstand. Einer der deutschen Highlight-Szenen. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Frankreich blieb Schweinsteiger die Chance verwahrt sein Kämpfer-Gesicht zur Vollendung zu bringen. Auch wird es spannend sein zu sehen ob er auch bei ManU wieder auf die Beine kommt und Akzente setzen kann.

10. Wird J. Löw seine Einwechslungsideen live bei der BLÖD Zeitung abstimmen lassen?Löw hat bei den Aufstellungen stets ein oder zwei Änderungen vorgenommen. Die einen meinen, dass dies die taktische Flexibilität betont, andere wiederum meinen „never change a winnig team“. Zum Glück ist die Verbindung des DFB und BLÖD nicht mehr so arschtief, dass Löw irgendwelche Tipps bräuchte. Die BLÖD wusste vor dem 2. Gruppenspiel gegen Polen immerhin, unter Heranziehung allen vorhandenen fußballerischen Sachverstandes „Jetzt kommt unser Problem-Spiel“. Die Betonung liegt auf „unser“. Denn die BLÖD bildet sich nämlich ein, ganz nah dran zu sein. Einbildung ist auch eine Bildung!!!!!! (Til Schweiger Gedächtnis Ausrufezeichen)

11. Wird R. Erdogan bei Niederlagen der türkischen Nationalmannschaft seine Gegner verklagen und damit sein Land kampflos zum Europameister machen?

Die türkische Mannschaft startete mit einer 0:1 Niederlage gegen Kroatien, es folgte eine 0:3 Schlappe vs. Spanien. Nach diesen Niederlagen ließ R. Erdogan verkünden: „Das hat mich als Staatspräsident sehr traurig gemacht.“ Dem Vernehmen nach kam es zu keiner Anklage gegen Kroatien und Spanien. Die Stimmung hellte sich nach dem 2:0 Sieg gegen Tschechien etwas auf. Kurzzeitig wähnte man sich als einer der besten Dritten im Achtelfinale, doch Nordirland, Slowakei, Irland und der spätere Europameister Portugal sicherten sich diese Plätze. Auch hier ist bisher nix von geplanten Anklagen bekannt. Die Wahrheit liegt dann doch auf dem Platz!

12. Wird M. Balotelli als Alptraum nachts P. Lahm erscheinen und diesem ins Gewissen reden?

Soweit man hört hat M. Balotelli viel Spass mit seiner Katze und bald auch noch mehr Tagesfreizeit. Es kann stark angenommen werden, dass seine Karriere zu Ende geht.

13. Wird T. Müller in der Lage sein die französischen Räume richtig zu deuten und diese zu nutzen?

Der Raumdeuter T. Müller wusste so gar nix mit den französischen Räumen anzufangen. Kein einziges Tor gelang dem sonst so treffsicheren Stürmer. Selbst im dramatischen 11er-Schießen gegen Italien brachte er den Ball nicht hinter die Tor-Linie. Zumindest hat er, wie er selbstkritisch-ironisch anmerkt, „100% Torquote, ich habe in keinem Spiel getroffen“. Humor ist wenn man trotzdem lacht und man dem Italiener Grimassen schneidet #Baba:meinpersönlicherhöhepunkt

14. Wird H. Fischer mit der Nationalmannschaft den Song „Mit Jever Fun durchs Turnier – (ich trink lieber richtiges Bier)“ einsingen?

Bisher ist diese Kollaboration leider nicht zustande gekommen. Im Anbetracht bzw. des Hörens der sog. „EM-Songs“ von ARD und ZDF kann es nicht viel schlimmer werden. Für die ARD sangen Herbert Grönemeyer feat. Felix Jaehn das Lied „Jeder für jeden“. Beim ZDF schickte man Mark Forster mit „Wir sind groß“ ins Rennen. Beide Songs haben das Ziel eines euphorisierenden Songs fußballfeldweit verfehlt. Wir erinnern uns daher gerne an Die Toten Hosen mit „Tage wie diese“. Früher war eben manches doch besser. Damit bleibt die Erkenntnis, dass sich ein Fußballsong NICHT planen lässt. Schaurig Brrrr…

By Baba und Nino

EM-Berichterstattung OHV!?

EM-Berichterstattung 

In Berlin und Umland kennt man das KfZ-Kennzeichen „OHV“. Spötter sagen dazu „Ohne Hirn und Verstand“. Diese Bezeichnung fiel mir in letzter Zeit immer wieder ein…als ich so durch die deutschen Sportmedien #Sport1 #SportBild #SPON #11Freunde #Kicker und deren Berichterstattung über die Fußball-Europameisterschaft klickte. Durch die Ersatzbank scheinen alle von der Idee beseelt zu sein, die EM in allen Facetten bis auf die kleinste Story ausschlachten zu wollen. Hier zählt nicht mehr die gut recherchierte Geschichte, nein hier geht es um Klicks, Aufrufe, Viewer, Follower.

Damit lässt sich vielleicht auch erklären, warum es z.B. ein Video mit dem Titel „Der Bus-Thriller von Paris“ gibt. SPORT1 schreibt dazu „Das DFB-Team hat Schwierigkeiten auf dem Weg ins Mannschaftshotel in Paris: Die Einfahrt ist so eng, dass der Fahrer mehrfach korrigieren muss – eine Millimeteraufgabe“. Ich schwöre, dass ich mir dieses Video nicht angeschaut habe! Es war mir einfach zu blöd. Leider berichtete tatsächlich die Tagesschau über dieses Schauspiel…

Ein anderes Video habe ich mir hingegen schon angesehen. Das Magazin für Fußballkultur #11Freunde veröffentlichte ein Video mit dem Titel „Die beste Grätsche der EM kommt von einem Fan. Dunkelgelb auf dem Parkplatz“. In typischer „Oh, muss ich sehen“-Manier hab ich’s angeschaut und festgestellt, dass es sich hier eher um vorsätzliche Körperverletzung handeln könnte, als um eine sportliche Leistung. Denn dieser „Fan“ grätsche zwei unbeteiligte Personen um…auf Asphalt…von hinten! Pietätvollerweise hat die Redaktion auf die Reaktionen der Leser*I_nnen reagiert: „Liebe Leser, offensichtlich haben wir in einem Anflug von EM-Wahn das Video falsch eingeschätzt. […]“.

Leider vergeht kein Tag an dem irgendeine Fußball-Sau durch’s Medien-Dorf getrieben wird. Im ZDF kommentierte erstmals eine Frau ein Männer-Fußball-Spiel. OMG. Eine Frau. Was erlaube das ZDF? Nur zur Erinnerung: Wir leben im Jahr 2016. Dann greift sich Joachim Löw in die Hose und schnüffelt danach an seiner Hand. OMG. Ist er ein Rechts- oder Links-Ausleger? Fragen, die die Welt interessieren. Ok, das Löw gerne mal schnüffelt war schon bekannt und dummerweise passt es gar nicht zu seinem Nivea-zarte-Haut-und-schöne-Haare-Saubermann-Image.

Und das Gelaber von den angeblich „80 Millionen Bundestrainern“, die wissen welche Aufstellung die Beste ist und so weiter und so weiter. In all dem EM-Fieber vergessen die Sportjournalisten gerne, dass es auch Menschen gibt, die sich nicht für Fußball interessieren und manche noch gar nicht #Kinder oder nicht mehr #Hooligans sich über Fußball eine Meinung bilden können.

Das dabei auch sehr viel schief geht und der ein oder andere auch mal ein Eigentor schießt, dazu will ich keine Lebenszeit mehr verschwenden. Lieber auf gute Storys und Analysen. Ein bisschen mehr Hirn und Verstand weniger inhaltsloses Gedöns würde dem beautifulgame und der Berichterstattung gut tun.

By Nino