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Interview mit der Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“

2017 konnte der Blogger Chasing mit einem Text zum Spiel Chemnitzer FC vs. Rot Weiß Erfurt und hier insbesondere dem Support der Ultras in der Kategorie „Gastbeitrag“ Premiere feiern. Nun steht die Premiere in der Kategorie „Interview“ an. Dazu war die Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“ unser Gesprächspartner. Im Interview spricht die Gruppe u.a. über die Entstehungsgeschichte, bisherige Aktionen und Ziele sowie zur Frage wie die Zukunft des CFC aussehen könnte. Viel Spaß beim Lesen!

 Vielfalt

Mit freundlicher Genehmigung der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus.

Was war der Anlass zur Gründung der „CFC-Fans gegen Rassismus“?

CFC-Fans gegen Rassismus: Die Stimmung im Stadion wird seit langer Zeit von Gruppen dominiert, die klar dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Man konnte das als normaler Fußballfan immer ausblenden, sich damit abfinden oder man konnte dem Stadion fernbleiben. Mehr Optionen gab es nicht. Man dachte wohl lange, dass es sich mit der Zeit von selbst erledigen würde. Aber an den Ausschreitungen Ende August, Anfang September 2018 haben sich bestimmte Fangruppen des Chemnitzer FC beteiligt, die damit ihren Einfluss auch außerhalb des Stadions demonstriert haben. Die Ereignisse am 9. März 2019 beim Spiel gegen Altglienicke und individuelle Erfahrungen der Mitglieder in diversen Fanclubs haben dann den Stein ins Rollen gebracht und waren der Impuls, sich zusammenzufinden. Die ‚CFC-Fans gegen Rassismus‘ sind kein Fanclub, sondern eine Initiative, die Fans eine Stimme geben möchte, die rechtsradikales, rassistisches, antidemokratisches Gedankengut ablehnen. Wir fordern ein, dass die Werte unseres Grundgesetzes auch im Fußballstadion gelten und Diskriminierung gleich welcher Art bei aller sportlicher Rivalität im Fußball nichts zu suchen haben. Die ‚Sektion Vielfalt‘ ist ein Projekt im Rahmen unserer Initiative.

Welche Aktionen habt ihr bisher gestartet und sind in Zukunft geplant?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben bereits eine Reihe von Aktionen gestartet, die jedoch nicht alle in die Öffentlichkeit gelangt sind. Zum einen hatten wir in den letzten Monaten mit einigen organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum anderen sehen wir unsere Hauptaufgabe nicht darin, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege für den Chemnitzer FC zu treiben. Medienwirksame Spruchbänder oder öffentliche Bekundungen sind als Signal nützlich, werden aber allein langfristig kaum etwas ändern. Wir sind uns bewusst, dass ein langer Weg vor uns liegt und dass es viele kleine Schritte braucht, um etwas zu bewegen. Dafür arbeiten wir an Projekten gemeinsam mit dem Verein bzw. der GmbH. Wir suchen Kontakt zu anderen Gruppierungen und Fanclubs, die unseren Zielen positiv und offen gegenüberstehen und loten aus, was wir gemeinsam tun können. Wir schauen dabei auch auf Initiativen anderer regionaler und überregionaler Vereine, nicht nur im Bereich Fußball. Die Probleme, die wir beim Chemnitzer FC haben, kennen andere Vereine natürlich auch und wir suchen den Erfahrungsaustausch.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem CFC, hier insbesondere mit dem Fanbeauftragten und dem Anti-Rassismus-Beauftragten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir stehen mit dem Anti-Rassismus-Beauftragten und dem Fanbeauftragten in Kontakt. Die Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer FC könnte jedoch besser laufen. Dort hat man momentan viele andere Probleme auf dem Tisch und irgendwas fällt immer hinten runter. Wir können die schwierige Situation des Vereins nachvollziehen, wünschen uns aber, dass die Zusammenarbeit mit uns intensiver und verbindlicher als in der Vergangenheit stattfindet. Bisweilen haben wir den Eindruck, unsere Initiative wird zur Zeit eher als lästiges Randthema wahrgenommen. Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen den strukturellen Problemen, dem schlechten Image des Vereins und den Versäumnissen in der Vergangenheit. Wir sind der Meinung, dass man auch ohne großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand einiges tun könnte, um das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Dazu haben wir auch konkrete Vorschläge gemacht, die bislang aber nicht umgesetzt wurden. Wir hoffen, dass das Insolvenzverfahren bald abgeschlossen werden kann. Denn in Zukunft muss hier deutlich mehr passieren.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen innerhalb der Chemnitzer Fanszene? Gibt es Vorbehalte und/oder Unterstützung?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben Kontakt zu einzelnen Gruppierungen und Fanclubs, die unser Anliegen unterstützen. Es gibt auch Gruppen, die unsere Positionen ablehnen. Wir haben bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, sind auch konkret bedroht worden. Wir sind deshalb vorsichtig, legen es nicht auf eine Konfrontation an. Wir haben bereits eine Vielzahl von Unterstützern im und außerhalb des Stadions und wir werden stetig mehr. Unser Ziel ist es, eine relevante Größe im Fanspektrum zu werden.

Was entgegnet ihr Kritikern, die fordern, dass Politik nichts im Stadion zu suchen hat?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sehen diese Aussage kritisch. In der Vergangenheit wurde sie vor allem benutzt, um Diskussionen abzuwürgen, um Kritiker ruhig zu stellen. Das Stadion kann kein politikfreier Raum sein, denn normalerweise bildet sich dort die Breite der Bevölkerung ab mit allen ihren Meinungen und Lebensentwürfen. Und das soll auch so sein. Der kleinste gemeinsame Nenner ist der Fußball, die lautstarke Unterstützung der Mannschaft, aber eben auch das Grundgesetz. In dem Moment, wo Menschen zum Beispiel aufgrund ihrer Herkunft, Rasse oder sexuellen Orientierung beleidigt und diskriminiert werden, werden Grundwerte mit Füßen getreten. Genau das passiert leider regelmäßig im Stadion und meist wird dem nicht widersprochen. Widerspruch gegen diese Aktionen wird aber immer wieder als politische Stellungnahme abgelehnt. Das geht nicht. Dumme Kommentare wird es immer geben. Aber wir wünschen uns eine Tribüne, wo rassistische Beleidigungen nicht unwidersprochen bleiben. Wir sehen hier alle Fans, aber vor allem auch die aktive Fanszene in der Pflicht. Wenn die nicht mitmacht, wird es nicht klappen.

Wie kann der CFC seine Probleme mit Rechtsradikalismus lösen? Welchen Beitrag wollt ihr dazu leisten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Der CFC muss sich zunächst eingestehen, dass er Probleme hat und dass diese gelöst werden müssen. Wir sind uns nicht sicher, ob diese Erkenntnis bereits überall gegeben ist. Vielleicht herrscht auch der Eindruck, man habe bereits genug getan. Wir sehen das anders. Wir erwarten nach wie vor eine detaillierte Aufarbeitung der Vorgänge rund um den 9. März 2019. Vieles ist in Bruchstücken bereits an die Öffentlichkeit gelangt, aber es existieren auch einige Widersprüche, die aufzuklären sind. Es wurden unmittelbar danach mehrere Personen entlassen und mittlerweile teilweise wieder rehabilitiert, ohne dass deren Verantwortlichkeiten jemals abschließend geklärt wurde. Wir hören immer nur von allen Distanzierungen, keiner will etwas gewesen sein oder für etwas Verantwortung gehabt haben. Das kann doch nicht stimmen. Die Aufklärung ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass das in Zukunft nicht wieder geschehen kann. Es müssen Maßnahmen getroffen und durchgesetzt werden, die Ähnliches in Zukunft effektiv verhindern. Darüber hinaus muss der Verein sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen und Farbe bekennen. Entsprechend § 2 Absatz 1 seiner Satzung sieht der Verein seine Aufgaben auch in der charakterlichen Bildung seiner Mitglieder und laut Absatz 4 tritt er rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Das kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn der Verein als Partner im Bereich Aufklärung und politischer Bildung zur Verfügung steht. Wir sehen hier in allen Bereichen noch ungenutzte Möglichkeiten, auch im Profibereich müssen Angebote geschaffen werden. Wir unterstützen den Verein gern bei der Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, Vereinen und Bildungsträgern. Wir bieten auch unsere Mitwirkung bei der Durchführung solcher Angebote und Veranstaltungen an.

Wie stellt ihr Euch den CFC in Zukunft vor?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sind Fans des Chemnitzer FC und wollen natürlich in erster Linie unsere Mannschaften sportlich erfolgreich sehen. Untrennbar gehört dazu aber unserer Ansicht nach auch ein aktives Vereinsleben und ein gesellschaftspolitisches Engagement, das der Verantwortung des größten Sportvereins der Stadt gerecht wird. Wenn es gelingt, dass der Verein in der öffentlichen Wahrnehmung wieder ein Abbild der Bevölkerung der Stadt und der Region darstellt, wird sich dadurch auch die Identifikation mit dem Verein verbessern. Das könnte sich widerspiegeln in besseren Mitglieder- und Besucherzahlen und auch der Attraktivität für Sponsoren, die letztlich das nötige Geld zur Verfügung stellen. Wir sehen einen langen steinigen Weg vor uns. Aber wir wollen ihn gehen.

thebeautifulgameblog bedankt sich bei der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus für das Interview.

Entwurf Fancharta Chemnitzer FC e.V.

Dok1

Seit der Trauerzeremonie für den verstorbenen Thomas H. im Stadion An der Gellerstraße und den sich anschließenden Irrungen&Wirrungen befindet sich der Chemnitzer FC in einer schweren Krise. Zwischen Vereinsvertretern und Fans sowie innerhalb der Fanszene, wird das Für und Wider dieser Aktion heiß diskutiert. Es stellt die Himmelblauen vor die Zerreißprobe. Sportvorstand T. Sobotzik beklagte bereits: „Die Jungs hören, dass sie bei einem Nazi-Verein spielen.“ Das tun sich selbstverständlich nicht. Der CFC und Teile seiner Fans haben jedenfalls (k)ein Problem mit extremistischen Gedankengut. Hier gilt es klar zu unterscheiden und das es eher nicht links ist, das dürfte auch klar sein. Die Vereinsziele sind an sich in der Satzung verankert. Aber was sind schon wohlmeinende Aussagen, wenn sie doch nur Lippenbekenntnisse bleiben!?

Wir schlagen daher vor, dass der Chemnitzer FC mit seinen Fans eine Fancharta erarbeitet, dessen Grundlage das weitere Zusammenwirken abbildet. Dabei haben wir uns rotzfrech bei der SG Dynamo Dresden bedient und deren Fancharta hergenommenem (in der Hoffnung, dass keine urheberrechtlichen Konsequenzen drohen). Diese dient nämlich als hervorragende Grundlage für einen ersten himmelblauen Entwurf, der in den entsprechenden Gremien des CFC beraten werden sollte. Alle himmelblauen Fans, die an Diskussion teilnehmen wollen&können, sind aufgerufen, diesen Entwurf zu diskutieren. So sieht nämlich gelebte Fankultur aus. Auf geht’s!

By Baba&Nino

 

„Präambel

Die Fancharta beschreibt die Zusammenarbeit zwischen allen Fans und dem Verein Chemnitzer FC e.V. mit dem Ziel, ein dauerhaftes, auf wechselseitigem Vertrauen basierendes Verhältnis zu schaffen und die angemessene Berücksichtigung der Interessen aller zu gewährleisten. Alle Parteien verpflichten sich selbst zur Einhaltung aller Punkte und stehen im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv für die Umsetzung ein.

 

1. Grundsätze

Die Grundsätze stellen das Fundament der Fancharta dar. Alle weiteren Punkte bedürfen der Akzeptanz dieser Prämissen.

1.1   Respektvolles Miteinander

Alle Fans und Vereinsvertreter verpflichten sich sowohl in der öffentlichen Darstellung, als auch im direkten Gespräch oder in schriftlichen Auseinandersetzungen (z.B. in Internet-Foren) zu einem angebrachten, ehrlichen und respektvollen Umgang. Das umfasst auch die Einhaltung von rechtlichen Gegebenheiten (umfasst z.B. Gewalt, Persönlichkeitsrechte, körperliche Unversehrtheit, Stadionordnung).

1.2   Gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung

Der Verein Chemnitzer FC e.V. und die Fans stehen aktiv gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung (aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, religiöser und sexueller Orientierungen sowie körperlicher und geistiger Beeinträchtigung) innerhalb und außerhalb des Stadions ein.

1.3 Im Mittelpunkt steht immer der Verein. Beide Seiten setzen alles daran, Schaden von diesem abzuwenden.

1.4 Eine inhaltliche Zensur von Choreographien, Spruchbändern und nicht-kommerziellen Publikationen findet nicht statt, sofern sie den Grundsätzen dieser Fancharta entsprechen.

1.5 Öffentliche Verlautbarungen sollen nicht über Medien kommuniziert werden, bevor dem fraglichen Sachverhalt zugrundeliegende Informationen und Motive gründlich geprüft worden sind.

 

2. Regelungen im Stadion

2.1 Fankultur

2.1.1 Ein von Fans und Vereinsvertretern gemeinsam definierter Bereich im Stadion ist Sammelpunkt für die aktivsten Fans. Darauf wird von Vereinsseite ausdrücklich hingewiesen. Sammelpunkt für die aktivsten Fans ist die Südtribüne Block 6A-6C.

2.1.2 Die Südtribüne wird von den Fans selbstverwaltet. Verein und Fanszene setzen sich für ein mögliches Minimum an Sicherheitskräften in diesen Blöcken ein.

2.1.3 Es bestehen keine Reglementierungen bezüglich der Anzahl und dem Inhalt von Fahnen und Doppelhaltern. Für Auswärtsspiele setzt sich der Verein auch beim jeweiligen gastgebenden Verein dafür ein. Bei Missachtung der Fancharta behält sich der Verein vor, sich beim gastgebenden Verein diesbezüglich nicht einzusetzen.

2.1.4 Die Südtribüne ist inklusive der dazugehörigen Stadionmauer ausschließlich Zaunfahnen vorbehalten und wird nicht vermarktet.

2.1.5 Choreographien müssen bis spätestens fünf Werktage vor dem Spiel (Inhalt, Umfang, Materialien) ausschließlich bei den Fanbeauftragten angemeldet werden. In Ausnahmefällen ist dies auch bis einen Werktag vor dem Spiel möglich. Die/Der Veranstaltungsleiter und der die Sicherheitsträger entscheiden über die Zulässigkeit der Aktionen in brandschutz- und sicherheitstechnischer Hinsicht. Kurzfristige Änderungen werden durch die Fanbeauftragten, dem Sicherheitsbeauftragten und der Veranstaltungsleitung genehmigt. Sollte es Unstimmigkeiten bzgl. der Choreographie geben, verpflichten sich die beiden Parteien, umgehend das Gespräch zur Klärung des Sachverhalts zu suchen.

2.1.6 Spruchbänder werden in der Regel bis einen Werktag vor dem Spiel bei den Fanbeauftragten angemeldet. In Ausnahmefällen ist eine Anmeldung bis 90 Minuten vor Anpfiff möglich.

2.1.7 Nichtkommerzielle Publikationen zur Fankultur (Fanzines, Flugblätter etc.) dürfen im Stadion verteilt werden. Flugblätter, Informationen etc. können im Stadion an Informationstafeln angebracht werden. Der Verein verpflichtet sich, in allen Stadionbereichen Informationstafeln anzubringen.

2.1.8 Die Fans können an Ständen im Stadion eigene Fanartikel oder Publikationen zur Refinanzierung von Choreographien oder Fanveranstaltungen verkaufen. Für jeden Stand muss ein Verantwortlicher, auch in Bezug auf steuerrechtliche Belange benannt werden. Die zu verkaufenden Artikel sind vorher mit den Fanbeauftragten abzustimmen.

2.1.9 Ermäßigungen für Schüler, Auszubildende, Studenten, ALG II-Empfänger und Inhaber eines Schwerbehinderten-Ausweises sind während des Vorverkaufs in ausreichender Anzahl verfügbar, Kinder unter 6 Jahren erhalten ohne Anspruch auf einen Sitzplatz und in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt, Kinder zwischen 6 und 15 Jahren eine Kinderkarte. An der Tageskasse sind ermäßigte Karten je nach Verfügbarkeit erhältlich. Eine Limitierung unterhalb der Stadionkapazität ist nicht vorgesehen.

2.1.10 Einlasskontrollen finden in angemessener Form statt. Ganzkörper-/Nacktkontrollen werden nicht durchgeführt. Ansprechpartner für Fans bei Problemen am Einlass sind die Fanbeauftragten.

2.1.11 Der Chemnitzer FC e.V. lehnt die Personalisierung von Tageskarten aus eigenem Antrieb ab.

2.1.12 Der Chemnitzer FC e.V. bestreitet keine Freundschafts- bzw. Testspiele gegen FC Erzgebirge Aue.

 

2.2 Fanbetreuung

Der Chemnitzer FC e.V. und der Fanszene Chemnitz e.V. betreiben gemeinsam Fanbetreuung im Stadion. Hierfür wird ein Team aufgestellt, das allen Fans zur Verfügung steht. Der Chemnitzer FC e.V. stellt für eine effektive Fanbetreuung geeignete Stände zur Verfügung, die einen optischen Wiedererkennungswert verzeichnen. Mit jedem Fanbetreuer ist ein Ehrenamtsvertrag abzuschließen. Um eine effektive und nachhaltige Fanbetreuung zu gewährleisten, erhalten die Fanbetreuer Zugang zu den erforderlichen Stadionbereichen, um die entsprechende Arbeit ausführen zu können. Diese Arbeitskarte ist bei Bedarf bis einen Werktag vor dem Spiel bei der Fanabteilung anzumelden.

 

2.3 Bewahrung der Ursprünglichkeit eines Fußballspiels

2.3.1 Die Stimmung und der Support gehen ausschließlich vom Publikum aus. Innerhalb des Vorprogramms gibt es eine Fanzeit, in der Informationen von Fans für Fans präsentiert werden. Sie beginnt in der Regel 30 Minuten vor Anpfiff und dauert etwa 5 Minuten. Verantwortlich für die Organisation und Durchführung ist das Fanzeit-Team

2.3.2 Ein Maskottchen und/oder Cheerleader kommen nicht zum Einsatz.

2.3.3 Klatschpappen oder ähnliche akustische Instrumente kommen nicht zum Einsatz.

2.3.4 Die Lautstärken der Stadionansagen, Werbung und Musikeinspielungen sind so zu wählen, dass die Stimmung im Stadion nicht unterdrückt wird. Werbebotschaften werden während des Spiels nicht durch akustische Signale unterstützt.

2.3.5 Auf die Verbreitung von sichtbar durch Sponsoren beeinflusste Fanartikel, die das ursprüngliche Kurvenbild beeinflussen, wird verzichtet.

2.3.6 Fußball muss für alle Fans bezahlbar sein und bleiben. Bevor die Kartenpreise für die neue Saison veröffentlicht werden, tauschen sich Verein und Fanvertreter über die Kartenpreise aus.

 

2.4 Gästefans

2.4.1 Gästefans erfahren nach Möglichkeit eine Gleichbehandlung in allen sie betreffenden Punkten der Fancharta (außer Punkt 2.1.7).

2.4.2 Um möglichst vielen Gästefans einen Stadionbesuch zu ermöglichen, sollte nach Verfügbarkeit, jedem Gästefan der Zutritt am Spieltag zum Stadion ermöglicht werden (bei Ausverkauf ist dies nicht möglich).

2.4.3 Der Chemnitzer FC e.V. gibt im Bedarfsfall jedem Gastverein mind. 10% der insgesamt zur Verfügung stehenden Eintrittskarten zum Verkauf frei.

 

2.5. Auswärtsspiele

2.5.1 Bei Auswärtsspielen besteht prinzipiell das Recht auf individuelle Anreise. Beim Erwerb des Auswärtstickets gibt es keinen Zwang zum Kauf eines Fahrscheines für Beförderungsmittel. Davon ausgenommen sind vertragsbedingte Kombi-Tickets für den Öffentlichen Personennahverkehr. Die Regelungen bei organisierten Fanzügen werden im Einzelfall miteinander abgestimmt.

2.5.2 Die Fans fördern auswärts im gesetzlichen Rahmen und unter Beachtung der Stadionordnung des gastgebenden Vereins selbstregulierende Maßnahmen.

2.5.3 Der Verein behält sich vor, über bereits vor dem Spieltag bekannte sicherheitsrelevante Maßnahmen vor Ort (Wegeverengungen, Vorkontrollen, zwangsweise Zuführungen zum oder vom Stadion, ungeeignete Gitter etc.) zu informieren, damit entsprechende Verhaltensanforderungen zu den Fans transportiert werden können.

2.5.4 Die Fanbetreuer werden mit einem Ehrenamtsvertrag gebunden und sind durch eine bereichsbezogene Arbeitskarte zu entschädigen. Die gemeinsame Anreise soll vom Verein organisiert werden. Die ehrenamtlichen Fanbetreuer haben einen direkten verantwortlichen Ansprechpartner zu benennen, welcher mit den Ansprechpartnern (Fanbeauftragte, Sicherheitsbeauftragter o.a.) seitens des Vereines kommuniziert

 

3. Regelungen zum allgemeinen Miteinander

Die Fans des Chemnitzer FC e.V. sind neben den Mitgliedern, den Gremien und Angestellten und den Sponsoren eine der tragenden Säulen des Vereins. Daraus ergeben sich für die Fans Verpflichtungen, insbesondere in der würdigen Vertretung des Vereins, aber auch Rechte. Um diesem Aspekt öffentliche Anerkennung zu verleihen, werden folgende Vereinbarungen getroffen:

3.1 Der Chemnitzer FC e.V. beschäftigt mindestens zwei Fanbeauftragte. Die Fanbeauftragten sind Ansprechpartner und Mittelsmann zwischen Fans und Verein. Sie holen, zu speziell die Fans betreffenden Entscheidungen des Vereins bereits im Vorfeld Meinungen aus der Fanszene und tragen diese an die Entscheidungsträger im Verein heran.

3.2 Die Verwendung des Vereinslogos und der Schriftzüge „Die Himmelblauen“ und „Chemnitzer FC“ für nicht-kommerzielle Zwecke ist für Fans kostenfrei. Weitere Ausnahmen zur kostenfreien Verwendung stellen Aktivitäten zur Finanzierung von Choreographien und Fanarbeit dar. Im Gegenzug erklären sich die Fans bereit, die Art der Verwendung bei der Marketingabteilung zur Abstimmung vorzulegen.

3.3 Der Verein bietet den Fans die Möglichkeit, Informationen und Inhalte von Fans für Fans auf der offiziellen Homepage des Vereins zu veröffentlichen. Die Inhalte sind vor der Veröffentlichung im Bereich „Fans“ mit den Fanbeauftragten abzustimmen.

 

4. Umgang mit Stadionverboten

(durch den Chemnitzer FC e.V.)

Bei Stadionverboten besteht die Möglichkeit durch Kontaktaufnahme mit den Fanbeauftragten und der Stadionverbotsanhörungskommission (SVAK) eine kurzfristigere Bearbeitung der Stellungnahme zu erreichen.

Der Chemnitzer FC e.V. weist den Ordnungsdienst an, bei zweifelhaften Problemsituationen am Spieltag vor deren Klärung Rücksprache mit dem Sicherheitsbeauftragten und den Fanbeauftragten zu halten.

4.1 Personen, denen die Aussprache eines (bundesweiten) Stadionverbots droht, erhalten eine schriftliche Information über die Möglichkeit einer freiwilligen mündlichen bzw. schriftlichen Anhörung vor der SVAK. Bei erfolgtem Antrag eines Betroffenen findet die Anhörung in jedem Fall vor Aussprache des Stadionverbots statt.

Wird die betroffene Person von Ordnungsdienst und/oder Polizei direkt überführt, behält der Verein sich vor noch vor Ort ein Stadionverbot auszusprechen.

4.2 Bei drohenden Stadionverboten für CFC-Fans durch andere Vereine/den DFB unterstützt und berät der Chemnitzer FC e.V. betroffene Fans bei der Wahrnehmung all ihrer Rechte.

 

5. Allgemeiner Umgang mit der Fancharta

5.1 Bei Verstößen gegen die Fancharta verpflichten sich beide Seiten Gespräche aufzunehmen, um den Sachverhalt zu klären und gemeinsam Maßnahmen zur zukünftigen Vermeidung von Zuwiderhandlungen zu erreichen. Ausgenommen hiervon sind Handlungen, die gegen geltendes deutsches Recht verstoßen und daraus resultierenden Maßnahmen.

5.2 Alle Parteien verpflichten sich, jährlich in der Winterpause die Fancharta gemeinsam auf eventuell notwendige Veränderungen zu überprüfen.

5.3 Die weitere Bearbeitung der Fancharta wird unter der Moderation des AWO Fanprojekt Chemnitz e.V. von Vertretern des Chemnitzer FC e.V. und den Unterzeichnern durchgeführt.

 

6. Salvatorische Klausel

Sollten einzelne Bestimmungen der Fancharta unwirksam oder undurchführbar sein oder nach Unterzeichnung unwirksam oder undurchführbar werden, bleibt davon die Wirksamkeit der Fancharta im Übrigen unberührt. An die Stelle der unwirksamen oder undurchführbaren Bestimmung soll diejenige wirksame und durchführbare Regelung treten, deren Wirkung der Zielsetzung am nächsten kommt, die bei der Aushandlung der Fancharta mit der unwirksamen bzw. undurchführbaren Bestimmung beabsichtigt wurde. Die vorstehenden Bestimmungen gelten entsprechend für den Fall, dass sich die Fancharta als lückenhaft erweist. Zur Ausfüllung der Lücke verpflichten sich die Parteien auf die Etablierung angemessener Regelungen in dieser Fancharta hinzuwirken, die dem am nächsten kommen, was bei der Aushandlung unter Berücksichtigung des entsprechenden Punktes nach dem Sinn und Zweck der Fancharta bestimmt worden wäre.“

 

 

 

 

Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

10Gebote

 

Mit GoPro-Kameras an Biergläsern, Musik-Auftritten in der Halbzeitpause #HeleneFischer #DFB-Pokal, Anastacia #BayernMünchen oder vor dem Spiel #CL-Finale Real Madrid vs. #Juventus Turin hat der Fußball-Kommerz-Zug nochmal richtig an Fahrt und die Diskussion um ihn an Chili-Schärfe zugenommen. Die Stichwörter #SuperBowlisierung und #Eventisierung sind dabei nur die Spitze des Kommerz-Berges.

Nüchtern betrachtet muss dabei zunächst darauf hingewiesen werden, dass die Debatte um die Kommerzialisierung des Fußballs nicht neu ist. Diese gibt es schon sehr viel länger. Da waren die meisten noch Quark im Schaufenster, auch wir. Im Jahr 1973 erschloss sich Eintracht Braunschweig mit seiner Trikotwerbung #Jägermeister eine neue Geldquelle und sorgte damit für einen weiteren Sündenfall. Also, historisch betrachtet nix Neues im hiesigen Fußball-Geschäft. Es geht beim Fußball auch um’s Geld. Punkt.

Die Frage ist also nur, wie es mit der Kommerzialisierung des Fußballs weitergeht? Wann und mit was sind die Grenzen erreicht? Ab wann wendet sich die große Masse an Fans ab? Wann sind die Fans vom Fußball gesättigt?

Sollte man in diesem Zusammenhang dem FC Bayern München nicht auch dankbar sein? Dass er die Grenzen des Möglichen austestet und sofern es nicht bejubelt wird, gleich noch die Kritik dafür einsteckt? Einer muss ja mal für eine Weiterentwicklung sorgen, neue Akzente setzen. Ohne Weiterentwicklung kommt es zum Stillstand. Stillstand bedeutet Langeweile. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite beschäftigt sich mit dem, was man gegen die zunehmende Kommerzialisierung tun kann. Nun wäre der radikalste Ansatz dem Fußball einfach fernzubleiben. Kompletter Entzug. Kein Stadionbesuch. Kein Lesen eines Magazins. Kein Besuch einer Webseite. Keine Sportschau oder sonst irgendeine Fernsehsendung. Kein Youtube usw. Das ist auch so utopisch wie das Donald Trump mal eine vernünftige Entscheidung treffen wird.

Also muss es schrittweise gehen. Wir haben dazu, im Jahr 750 nach Martin Luther und dessen Geboten, die 10 Gebote für den Protest gegen die Kommerzialisierung formuliert:

Das erste Gebot:
Der Fußball ist das schönste Spiel. Du sollst kein Fan von anderen Sportarten sein.

Das zweite Gebot:
Du sollst Fußball nicht für andere Zwecke wie Gewalt, Hass, Intoleranz oder Rassismus missbrauchen. Zelebriere Fußball als das schönste Spiel.

Das dritte Gebot:
Du sollst den Spieltag heiligen. Du sollst dazu ins Stadion gehen. Kaufe dir kein Streaming-Dienst-Abo, mit dem Du z.B. die Champions-League schauen kannst. Treffe dich lieber mit Freunden in der Kneipe deines Vertrauens. Spende dem Besitzer ein bisschen mehr Trinkgeld, damit er die Kosten für die Live-Übertragung begleichen kann.

Das vierte Gebot:
Du sollst deinem Verein ehren. Trainer, Spieler, Manager werden kommen und gehen. Der Verein bleibt.

Das fünfte Gebot:
Du sollst ins Stadion gehen. Schau dir nach Möglichkeit keine Spiele im Fernsehen an. Das vollendete Fußball-Erlebnis kriegst du nur im Stadion.

Das sechste Gebot:
Du sollst deinem Verein treu bleiben. Kaufe dir nur Andenken von deinem Verein. Unterstütze deinen Verein, damit er sich nicht von Investoren abhängig machen muss.

Das siebte Gebot:
Du sollst nur Fußball-Magazine mit Qualität kaufen. Die #SportBild und der #Kicker (nur die Sonderhefte) gehören nicht dazu.

Das achte Gebot:
Du sollst nicht falsch über andere Fans reden. Beachte dies z.B. bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken #Facebook #Twitter #Instagram.

Das neunte Gebot:
Du sollst deinen Freunden von den 10 Geboten erzählen und von der Umsetzung überzeugen. Du sollst dich dabei nicht wie ein Missionar anstellen.

Das zehnte Gebot:
Du sollst die Gebote 1 bis 9 einhalten.

 

By Baba und Nino