Schlagwort-Archive: Ultras

Himmelblaue Wut

Ärger

Ein Monat ist nach der Trauerfeier im Stadion An der Gellertstraße für den Verstorbenen Thomas H. vergangen. Seit diesem 9. März 2019 befindet sich der Chemnitzer FC nicht mehr nur in einer finanziellen Krise, sondern auch in einer Image- und Identitätskrise. So war das ganze Zustandekommen und die ersten Reaktionen und Aktionen des CFC schon beschämend genug, so geben die Geschehnisse der letzten Wochen nur noch Anlass wütend zu sein. Allen voran macht es mich wütend, wie einerseits die Verantwortlichen und Teile der Fans den Chemnitzer FC für ihre ganz eigenen Zwecke instrumentalisieren.

An der Spitze der beiden Gruppen stehen für mich einerseits der Insolvenzverwalter K. Siemon und andererseits die Ultras Chemnitz 99. Siemon, als Insolvenzverwalter gekommen, als Krisenmanager eher überfordert, als Reizfigur bei den Ultras jedoch herzallerliebst willkommen. Diese wiederum standen ganz vorne in der Trauerfeier-Reihe. Sie agieren als Meinungsmacher und präsentieren sich im Stadion als lautstärkste Gemeinschaft. Das Ergebnis dieses Konflikts: „Siemon raus!“ vs. „eine kleine bösartige Minderheit“. Die örtliche Freie Presse umschrieb die Situation mal mit „Eine Tribüne, zwei Meinungen- Ein Riss geht durch den CFC“, die überörtliche Süddeutsche Zeitung mit „Chemnitzer FC – der zerrissene Verein“. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit.

Die Wahrheit, ein großes Wort in diesen turbulenten Tagen. Nicht nur Wörter, nein, die ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens bzw. zum Tod werden aufgeworfen. Ob man noch um einen Verstorbenen trauern darf? Obendrein um einen immer loyal gewesenen CFC-Fan! Selbstverständlich darf man trauern. Man darf, gerade vor dem Hintergrund der Vergangenheit des Verstorbenen (von der er sich nie distanziert hat), auch hinterfragen, ob das in einem Fußball-Stadion unbedingt notwendig war. Und selbst diese simplen Fragen offenbaren die tiefen Gräben innerhalb der himmelblauen Fanszene. Für die eine Seite war es nur eine Trauerminute, die ja sogar vom Verein quasi legitimiert, zumindest nicht verhindert wurde. Für die andere Seite ist gerade dieses Nicht-Verhindern genau das Problem und der Ausdruck von rechter Blindheit. Mehr denn je frage ich mich, für was der CFC eigentlich steht bzw. für was er stehen will? Himmelblau oder Himmelbraun?

Diese zugegebenermaßen provokative Frage steht bei manchem gar nicht zur Debatte. Welche Probleme, mal von den Finanzen abgesehen, gibt es denn beim CFC? Rechtes Gedankengut? Nicht bei uns! Und warum sollte das denn überhaupt ein Problem sein? Rassisten? Wir doch nicht! Nazi-Verein? Der CFC doch nicht! Rechtsradikal? Na da schauen wir erstmal im Duden nach und sezieren die Definition dafür. Frei nach dem Motto: Irgendwas ins-Weltbild-passende wird schon drinstehen. Ganz sicher für jedes Weltbild. Die Antwort dieser Fans ist jedenfalls klar wie Kloßbrühe: Jahrelang hatte der CFC kein Problem mit rechten Gedankengut und jetzt auf einmal soll das nicht mehr möglich sein? Großes Gelächter darüber inklusive.

Es verwundert auch nicht wirklich, dass eine Vielzahl der Fans dieser Einschätzung bierernst zustimmen. Der CFC hat nämlich ein Umfeld geschaffen bzw. konnte sich ein solches entwickeln, in dem man offensichtlich kein größeres Problem damit hat, für einen Rechtsextremisten eine Trauerfeier zu veranstalten. Bezeichnenderweise war es der neue Pressesprecher S. Wunderlich (seit Mitte Februar 2019 im Einsatz) der bei der Beratung zu diesem Vorhaben als Einziger darauf hinwies, dass diese Trauerfeier wahrlich keine so gute Idee ist. Bei allen anderen Involvierten herrschte wohl himmelblaue Betriebsblindheit.

Und die Reflexe derjenigen Fans auf das Thema „rechtes Gedankengut“ sind immer die gleichen: Ablehnung, Verharmlosung, Relativierung, ins Lächerliche ziehen, auf die Gegenseite zeigen (hier also: die Linke/Linksradikale/Linksextremisten). Wie heißt nochmal dieses Sprichwort? Getroffene Hunde bellen! Diese vor allem viel und laut.

Auch die Sprache ist bezeichnend: „Lügenpresse“, „systemtreu“, „Volkswille“, „von oben gesteuert“. Die Alu-Hut-Fraktion ist da nicht mehr weit weg. Eine wirkliche Diskussion ist kaum noch möglich und endet alsbald an dem Punkt, den ich schon mal zum himmelblauen Fan-Ultra-Mitglied-Wesen beschrieben hatte. All jene die auf diese Missstände hinweisen und auch mal auf Grundwerte oder sogar auf das Grundgesetz (!) Bezug nehmen, werden pauschal in die Schubladen „Linke/Grüne“, „Mainstream“ und nicht zu vergessen der Klassiker: „Gutmenschen“ gesteckt. Der Ton ist definitiv rauer geworden und das Verständnis auf allen Seiten immer weniger.

Vielleicht sehen die Kritiker auch alles viel zu engstirnig. Ist der Chemnitzer FC einfach nur der Verein, dem es schlicht und herzlich egal ist, welche politische Einstellung seine Fans haben? Dass man schlicht und herzlich einfach nur den Menschen sieht, der sich für die Himmelblauen interessiert? Jeder ist willkommen! Alle können himmelblaue Fans sein! Egal was du machst, was du denkst, wie du aussiehst, frei von allen Kategorien. Das himmelblaue Paradies, hier treffen sich alle. Von links, mittig, rechts, linksextrem, rechtsextrem, nur um mal die politischen Richtungen zu nennen. Von der Vielzahl der Religionen ganz zu schweigen. Aus dieser Denke heraus, ist es nur konsequent solch eine Trauerfeier zu veranstalten. Aus Gründen der Menschlichkeit. Aber dann soll man bitte auch dazu stehen und sich nicht bei aufkommender Kritik kleinlaut und hastig wegducken.

Ist es wirklich so einfach? Ist es wirklich so einfach, das Kunststück zu vollbringen, dass der Mensch und seine himmelblaue Leidenschaft von allem anderen was ihn ausmacht, getrennt zu betrachten? Egal welche Ansichten man hat, egal welche Vergangenheit man hat? Alles Wurscht, Hauptsache man ist ein Himmelblauer?! Vielleicht ist der CFC wirklich derjenige Verein, indem Toleranz nicht nur gepredigt wird, nein sogar vollends konsequent ausgelebt wird. Wenn dem so ist, dann ist es umso verständlicher, dass solche Plakate mit Toleranz, Weltoffenheit und Fairness gar nicht vonnöten sind. Die Besserwessis und all jene, die noch von „neuen Bundesländern“ reden, vergessen ja gerne, dass der Ostdeutsche schon ein Problem mit Bevormundung und politischer Einflussnahme hat. Der „Zonen-Hintergrund“ bleibt dann eben doch und ist nicht wegzudiskutieren. Das ist allerdings mehr eine Erklärung als eine Entschuldigung.

So nah der CFC an der Tür zur Rückkehr in die 3. Liga steht, so dringend ist zunächst die Auseinandersetzung mit der Trauerfeier und den bisherigen Konsequenzen. Diese sind schließlich schon jetzt deutlich spürbar: Entlassung langjähriger Mitarbeiter, Austausch des Ordnungsdienstes, Verschiebung der längst überfälligen Mitgliederversammlung und selbst das neue Fan-Gremium schafft nicht mal die Hürde der ersten Sitzung. Hier hat sich ordentlich was zusammengebraut und unterm Kessel ist noch mächtig Druck.

Das zeigt sich eindrucksvoll an zwei Beispielen:

Erstes Beispiel: die neue Stadionsprecherin. Was wurde sie nicht ausgepfiffen (in Bezug auf FC Chemnitz zu Recht) und in den sozialen Netzwerken beschimpft. Ein ganz Eifriger war sich nicht zu fein dafür und schnüffelte in der Vergangenheit und präsentierte seine Rechercheergebnisse in einem großen sozialen Netzwerk. Ohje ohje, sie war privat bei einem RB Leipzig-Spiel. Nun kann man von RB halten was man will, aber Privatsache bleibt doch Privatsache. Aber soweit ist das Niveau schon gesunken. „Fußball-Gott“ D. Frahn war übrigens auch mal bei RB, als Spieler u. sogar Kapitän. Die Scheinheilige Doppelmoral lässt freundlich grüßen. Und die so oft eingeforderte Toleranz wird hierbei leichtfüßig weggegrätscht.

Zweites Beispiel: Die öffentliche Ausschreibung für die oder den neuen Fanbeauftragten. Der Großteil der Reaktionen war überdeutlich: Zurück in die Vergangenheit. Der Blick in die Zukunft, zugegebenermaßen pessimistisch: Wer es auch wird, die Arbeit und Akzeptanz der Person hat jetzt schon ein hohes Scheiter-Potenzial. Ein dickes Fell und eine breite Brust sind da sicherlich ganz hilfreich.

Neben all diesen Nebenkriegsschauplätzen macht es mich besonders wütend, dass keine Seite merkt, wie sehr das Ansehen des Chemnitzer FC dabei Schaden nimmt. Man will ja nur das Beste für den CFC! Bewirkt wird aber genau das Gegenteil. Allein mir fehlt der Glaube, dass in dieser Konstellation irgendjemand einen Fehler oder Zugeständnisse macht. Die Ultras Chemnitz 99 vielleicht? K. Siemon vielleicht? Da wird doch lieber Wasser gepredigt und Bier gesoffen.

Es reicht auch nicht mehr aus, auf andere Vereine mit ähnlichen Problemen wie Dortmund, Bremen, Aachen, Cottbus, Berlin, Hannover zu verweisen. Diese Vereine stellen sich wenigstens mehr oder weniger ihren Problemen und tun etwas aktiv dagegen. Allein das scheint bei den Himmelblauen nicht möglich. Plakataktionen und kostenlose Bekenner-Shirts bleiben dann eben nur teure Lippenbekenntnisse und Weg-Werf-Ware.

Nun überdeckt der sportliche Erfolg zwar einiges. Aber ohne eine offen-ehrliche Debatte über die Geschehnisse am und nach dem 9. März 2019 sowie über die zukünftige Ausrichtung der Himmelblauen werden spätestens in Liga 3 die alten Kämpfe wieder ausgetragen. Daher ist jetzt guter Rat teuer. Aber da sind wir ja beim zweiten Hauptproblem des CFC: das laufende Insolvenzverfahren. Einen weiteren Bankrott kann sich der CFC moralisch nämlich nicht leisten.

By Nino

 

 

Die Bubis der Alten Dame. Der CFC vs. Hertha BSC II

Abschluss Fans

13.ter Sieg? Erstes Unentschieden? Oder sogar erste Niederlage? Ausrutscher oder Ausbau der Rekordserie? Immer wieder diese Fragen rund um den fabelhaften Start des Chemnitzer FC e.V. in die Regionalliga Nordost Saison 2018/2019.

Neben dem grünen Platze stellen sich auch gerade eine Menge anderer Fragen. Wer ist z.B. der ominöse Investor mit dem die Gründung der Chemnitz Fußball GmbH durchgeführt wurde? Ich tippe mal auf die KPM Bau GmbH. Wie soll die Etatlücke von 493.000 Euro geschlossen werden? Ist das vielleicht nur eine eingeplante Finte des Insolvenzverwalters, die alles zukünftige Handeln als alternativlos erscheinen lässt? Die Antworten wird’s erstmal nicht geben, daher lieber Fußball, der ist zum Glück meistens auch keine so komplexe Sache wie ein Insolvenzverfahren. Der Ball muss ins Tor, um zu gewinnen, einmal mehr als es der Gegner schafft.

So stand zur willkommenen Ablenkung, nach dem mühevollen 3:1 Pokalsieg gegen die Kickers Markkleeberg, wieder der Alltag der Regionalliga an. Und in diesem gastierten die, auch in Zukunft weiterhin so heißenden, „Himmelblauen“ am 13. Spieltag bei der Nachwuchsmannschaft U23 von Hertha BSC. Der zweiten Mannschaft, den Bubis der Alten Dame. Abseits solcher Beschreibungen standen sich der tabellarisch betrachtet der aktuell Tabellendritte mit der zweitbesten Offensive gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter mit der besten Offensive gegenüber. Die zweitbeste Heim- gegen die auswärtsstärkste Mannschaft. So oder so ein Spitzenspiel. Viele Tore könnten also bejubelt werden.

Der Wettergott Petrus zeigte sich allerdings nicht von seiner besten Seite: 12 Grad bei bedecktem Himmel. Die 516 mitgereisten CFC-Fans hielten sich auch bedeckt. Stimmungsboykott war die Ansage.

Stadion Wetter

Das Spiel begann zunächst mit dem üblichen Spitzenspiel-Abtasten, bloß keine Fehler machen. Etwas offensiver waren zunächst die Herthaner, die mit ersten Torschüssen unseren Torhüter J. Jakubow prüften. Den ersten Aufreger für die Chemnitzer gab es in der 22.ten Minute. Nach Foul an D. Frahn war ein sächsisches „meine Fresse“ im ganzen Stadion zu hören. Alle Achtung dafür 😉 Der zweiter Aufreger folgte prompt. Hertha Bubi F. Egerer holte sich nach einem Foul als letzter Mann an D. Bozic den roten Karton ab. Dieser diente gewissermaßen als Initialzündung. Allerdings nicht für ein anschauliches Spiel, sondern für die weitere Verteilung von Karten. Es folgten innerhalb von vier Minuten drei Gelbe Karten, mit dem Höhepunkt der roten Karte für K. Velkow in der 42. Minute. Somit ging es 10 gegen 10 weiter. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass einige Spieler nur ihr dünnes Nervenkostüm übergestreift hatten. Fußballerisch lief es für den CFC dann auch noch schlechter. Ein erst abgewehrter Freistoß konnte nicht unter Kontrolle gebracht werden, so dass R. Morack zur 1:0 Führung traf.

Mit diesem weiteren Stimmungssenker ging es in die Halbzeitpause, in der Zeit blieb sich alkoholfreies Bier zu kaufen. Im Ernst, liebe Herthaner. Nur alkfreie Plörre im gesamten Stadion? In Berlin? Bei einem Spiel in der Regionalliga? Das war mitnichten ein Risikospiel!

Unverändert ging es in die zweite Runde, in der die Himmelblauen von Beginn an zeigten, hier noch was holen zu wollen. Eine gelbe Karte wollte auch S. Kurt, das ehemalige Supertalent des deutschen Fußballs. Eine gelbe Karte für die Blockierung des Abstoßes. Jugendlicher Leichtsinn oder erfahrene Dummheit, ich weiß es nicht so genau. Mehr Cleverness und erfrahner machte es dann unsere Sturmspitze, in dem er den vorher von N. Hoheneder herausgeholten 11er sicher verwandelte.

Frahn 11er

Im Folgenden ließen sich die Chemnitzer nicht aus der Ruhe bringen, denn es folgten die 3G der Hertha Bubis: Geschiebe, Gefoule und Gemaule. Zweiteres hörte dann zum Glück auf, denn R. Garcia packte sich ein Herz, ließ am Mittelkreis zwei Bubis aussteigen und fand Kapitän D. Grote. Dieser traf aus 16 Metern unhaltbar für J. Klinsmann zum 2:1 Führungstreffer in der 71. Minute. 4 Minuten später schaffte es D. Bozic, nach toller Vorarbeit von D. Frahn, auf 3:1 zu erhöhen. Von diesen Schocks erholten sich die Bubis nicht mehr. Die Schlussminuten wurden von Cheftrainer D. Bergner genutzt, um die Torschützen R. Garcia und D. Bozic auszuwechseln. Das quittierten die still gebliebenen CFC-Fans, außer dem dreifachen Torjubel und „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen, mit einem warmen Applaus. Publikumsliebling K. Hovi durfte ab der 89. Minute ran, konnte aber keine Akzente mehr setzen.

So blieb es beim 3:1 Auswärtssieg und dem unfassbar 13.ten Sieg in Folge. Große Freude brach dann nach Abpfiff aber nicht aus. Zumindest kam es noch zum Abklatschen der Fans mit den Spielern. Mehr Versöhnliches gab es dann aber nicht mehr. Vielleicht teilen sich Wacker Nordhausen und der Berliner AK noch die Punkte, das wäre das i-Tüpfelchen dieses Spieltags.

Endstand

Am 14. Spieltag kommt der FC Oberlausitz Neugersdorf zum Heimspiel ins Stadion Chemnitz. Ein neuer Name soll bis Ende des Jahres 2018 gefunden sein. Bis dahin wohl auch ein Investor bzw. dessen Name. Diskussionsstoff gibt es auch weiterhin in Hülle und Fülle bei den Himmelblauen.

By Nino

 

 

Chemnitzer FC vs. FC Rot-Weiß Erfurt

Premiere, Premiere! Seit dem Blog zur WM 2014 schreiben wir, Baba und Nino, über Dies und Das im weltweiten Fußballgeschehen. Wir freuen uns, dass wir nun erstmalig einen Gastbeitrag veröffentlichen können. Der Blogger Chasing hat sich dem Spiel Chemnitzer FC vs. Rot-Weiß Erfurt und hier insbesondere dem Support der Ultras gewidmet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Chemnitzer FC vs. FC Rot Weiß Erfurt

An diesem Wochenende musste ich leider auf das Spiel meines Herzensvereins verzichten. Dafür aber besuchte ich am Freitagabend ein kleines Ost-Duell unter Flutlicht. Der Einladung meines Chefs folgend, machte ich mich gemeinsam mit seinem Sohn auf den Weg nach Sachsen, genauer gesagt nach Chemnitz. Hier galt es, Berufliches mit einem hoffentlich interessanten Fußballspiel zu verbinden. Doch genug davon.

Die „Community4you ARENA“ in der Chemnitzer Gellertstraße füllte sich nur sehr langsam und die jeweiligen Fanlager schienen ziemlich unbeeindruckt von der Gegenseite zu sein. Zur Stadionhymne deutete sich eine kleine Schalparade an, doch im Stadionrund, wie auch auf der Südtribüne gelang dies nicht flächendeckend. Aufgrund der spärlichen Mitmachquote blieben viele Lücken. Erst beim Einlaufen der Spieler erwachte nun auch der Gästeblock, der mit 1000 Schlachtenbummlern doch recht ordentlich gefüllt war.

Mein Interesse galt vor allem der Südtribüne, da diese nach einem Zwischenfall auf dem Heimweg des Auswärtsspieles bei Wehen Wiesbaden eine kleine Umstrukturierung hatte vornehmen müssen. Seitdem wird diese nur noch von einer Ultra-Gruppe angeführt. Da die „Ultras Chemnitz“ somit den alleinigen Führungsanspruch stellt, war ich gespannt, wie der Support der Gastgeber ausfallen würde.

„ULTRAS“ – schlicht in Weiß auf schwarzem Hintergrund bildete das Herzstück der Beflaggung der Südtribüne. An den Seiten waren außerdem weitere Gruppenfahnen angebracht, was für ein einfaches, aber dennoch gut gefülltes und schickes Gesamtbild sorgte. Die Mitte des Blocks legte ebenso einen guten, engagierten und beherzten Auftritt hin, wobei es allerdings schwer schien, die gesamte Südtribüne am Support zu beteiligen. Hier besteht mit Sicherheit noch viel Luft nach oben. Ebenfalls viel Potenzial sehe ich in punkto Schal und Schalparaden, denn hier könnte die Südtribüne als geschlossene Formation optisch noch sehr viel bessere Akzente setzen.

IMG-20171102-WA0002

Der Einsatz der Schwenkfahnen und Doppelhalter war ebenfalls sehr simpel gehalten und beschränkte sich auf einige wenige mit Bezug zu alten FC Karl Marx Stadt Zeiten. Der Farbeinsatz dabei ist geprägt von Blau-Weiß und Himmelblau. Somit ist der optische Gesamtauftritt der Chemnitzer als mager zu bewerten und auch akustisch gelang es ihnen nicht, mit den Gästefans mitzuhalten. Dies bringt mich zum Auftritt der Gäste aus der thüringischen Landeshauptstadt.

Etwa 45 Minuten vor Anpfiff war der Gästeblock nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt. Zu Spielbeginn war der Eckblock dann jedoch prall besetzt und der couragierte, laute und gut koordinierte akustische Support der mitgereisten RWE-Anhänger begann. Angeführt wurde die Fangemeinschaft der „Steigerwaldkurve“ von den „Erfordia Ultras“. Diese lieferten mit schlichter Zaunbeflaggung sowie drei bis vier Schwenkfahnen, jedoch ohne Doppelhalter eine gute Performance ab. Optisch war der Gästeblock vor allem durch die Farbe Schwarz geprägt. Die Mehrheit der Schlachtenbummler war eher schlicht gekleidet und von dem zu erwartenden „Rot-Weiß“ war nichts zu sehen.

IMG-20171102-WA0001

Was mir am meisten imponierte, war definitiv die Mitmachquote der Gäste, da mindestens der halbe Block die gesamte Zeit über mit voller Motivation supportete. Immer wieder war auch der komplette Block beteiligt. Was die Lautstärke betrifft, so konnten die Chemnitzer nicht mit ihren Rivalen mithalten. Melodische Lieder im Wechsel mit lauten Anfeuerungen sorgten für eine gute akustische Stimmung der Gäste. Auch das späte 1:0 und somit Endstand der Gastgeber konnte für keinen Stimmungsabbruch sorgen. In den letzten Minuten gab die Gastmannschaft noch einmal alles, um wenigstens mit einem Punkt aus dem Spiel hervorzugehen. Der unermüdliche Support der Gäste reichte dem RWE jedoch leider nicht und so musste der Verein die Heimreise ohne Punkte antreten.

Alles in allem blieb der Spieltag ruhig. Auch der Derbycharakter blieb gänzlich aus, obwohl dies vor dieser Partie noch groß vom Stadionsprecher angekündigt worden war.  Beide Fanlager beschränkten sich auf den Support der eigenen Mannschaft, sodass Spruchbänder oder Dergleichen völlig ausblieben. Dass der CFC Probleme damit hat, die Zuschauer in Chemnitz anzuziehen, merkte man auch an diesem Abend. Trotzdem sahen sich an diesem Abend rund 7.000 Zuschauer das Spiel vor Ort an.

Das Ergebnis ist mit 1:0 völlig in Ordnung und ist dem Spielverlauf gerecht, wobei zu sagen ist, dass die Erfurter einen ihrer besseren Auswärtsauftritte hinlegten. Für sie wird dies vermutlich die schwierigste Drittliga-Saison seit Gründung, weshalb zu erwarten ist, dass sie am Ende gegen den Abstieg anspielen werden müssen. Letztlich bleibt die „Community4you ARENA“ als schickes und modernes Fußballstadion zu loben, weshalb ein Besuch der Spiele auch immer zu empfehlen ist. Die „Ultras Chemnitz“ und die Südtribüne haben noch einen weiten Weg vor sich, aber nach der Auflösung zweier anderer Gruppen kann man die Bildung einer neuen, großen Einheit sicher nicht über Nacht erwarten.

By Chasing

 

Kommentar zur fehlenden Ignoranz für RB Leipzig

RBvs.Dresden

„Tradition gegen Kommerz“. Das war das Motto zum DFB-Erstrundenpokalspiel zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig. Nicht nur ein Sachsen-Duell, nicht nur 1. Bundesliga gegen 2. Liga, sondern auch noch das ganz große Thema: „Traditionsclubs vs. Plastikclubs“. Auch Baba und ich haben uns diesem schon mit mehreren Beiträgen gewidmet. Angefangen mit Baba’s Dunkler Vorhersage, dem Anfang der Gegenrede dazu sowie dem ersten Teil vom Traditionsclubs vs. Plastikclubs. Nun muss man kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass diese Thematik nichts an ihrer Aktualität verlieren wird, nicht zuletzt durch den Aufstieg von RB Leipzig in das Oberhaus des deutschen Fußballs.

Mit diesem Aufstieg scheint nämlich für einige Fan-Gruppierungen das Hass-Fass übergelaufen zu sein. Nehmen wir nur drei Beispiele die illustrieren, in welcher Art und Weise versucht wird, den Verein RB Leipzig zu bekämpfen.

Numero uno: Beim Vorbereitungsspiel vs. FC Frankfurt wurden in der Nacht vor dem Spiel Steine und Schrauben auf dem Rasen des Frankfurter Stadion der Freundschaft verteilt. Diese wurden von den Frankfurtern entfernt und Leipzig gewann das Spiel mit 10:0.

Numero due: Die BVB-Ultras-Gruppe The Unity hat mit einem offenen Brief dazu aufgerufen, das kommende Bundesliga-Auswärtsspiel vs. RB zu boykottieren. „[…] Das Konstrukt des Aufsteigers aus Leipzig steht gegen alles, was wir mit Fußball verbinden. Es ist ein Skandal, dass eine rein kommerzielle Marketingaußenstelle eines österreichischen Getränkeherstellers tatsächlich in Deutschlands höchster Spielklasse antreten darf. Dies widerspricht allen sportlichen und emotionalen Werten […].“

Numero tre: Im Vorfeld des DFB-Pokalspiels haben die Dresdner Veranstalter den Leipziger Fans empfohlen, aus Gründen der Deeskalation mit einem getarnten Bus eine alternative Route zum Stadion zu fahren. Die Leipziger lehnten ab, mit der Begründung, dass man sich nicht verstecken wolle.

Diese Beispiele könnten noch durch weitere bereichert werden, allen voran dem Pokalspiel 2015 vs. Osnabrück, bei dem ein „Fan“ ein Feuerzeug auf Spieler D. Selke werfen wollte, allerdings den Schiri traf und somit die Entscheidung am „grünen Tisch“ herbeiführten bzw. das Weiterkommen über den unsportlichen Weg wählten.

Leider werden noch viele weitere solcher Geschichten/Aktionen dazukommen. Leider deswegen, weil es wohl mehr dümmliche statt humoristische Aktionen geben wird. Ich wünschte ich könnte diese Aussage irgendwann revidieren und sagen, dass es viel mehr zum Lachen, als zum fremdschämen gab.

Denn eines müssen sich die Gegner von RB Leipzig immer wieder bewusst sein: Mit jeder Protestaktion, mit jedem Boykott, mit jeder Spielunterbrechung oder Entscheidung über das DFB-Sportgericht, mit jedem Spießrutenlauf der RB-Fans wird dieses Thema von den Medien äußerst dankbar aufgenommen. Dann wird dieses immer und immer wieder rauf und runter gespielt und der Vorwurf…RB sei nur ein Marketing-Instrument…von den Traditionalisten konterkariert. Der RB-Medienfuzzi hat wohl jetzt schon feuchte Träume, wenn er nur daran denkt, wie oft RB in den Schlagzeilen sein wird. Denn der hat auch schon von Alfred Selacher’s Spruch gehört: „bad news are good news“.

Nun habe ich auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen oder könnte die eine Lösung dieses Problems präsentieren.

Vielleicht sollten sich die Traditionsclubs und ihrer Anhängerschaft mehr darauf konzentrieren, dass sie die Mannschaft von RB Leipzig sportlich fair auf dem Rasen besiegen. Wenn es dabei bleibt, dass RB nur Spieler unter 23 Jahren und mit einem maximalen Jahresgehalt von 3 Mio. Euro einstellt, dann sollten sich einige Vereine mal hinterfragen, ob sie nicht gegen eine bessere Jugendmannschaft gewinnen sollten. Denn das ist meines Erachtens der einzige Weg, diesem Konstrukt die sportliche Stirn zu bieten. Auch auf Verbandsebene sollte mehr Energie aufgebracht werden, denn dort muss über die Statuten #50+1Regel konstruktiv diskutiert werden. Gerne wird dabei gegenargumentiert, dass der Konzern Red Bull bereits 100 Millionen Euro in das Projekt gesteckt habe. Das haben sie jedoch über den Zeitraum von 7 Jahren getan. By the way: Borussia Dortmund hat in der letzten Transferperiode über 100 Millionen Euro für Spieler ausgegeben. Aber ok es wäre unredlich, den BVB als einzigen (!) börsennotierten (!) Bundesligist (!) aus dieser Diskussion rauszuhalten…

Bei einem bin ich mir jedenfalls sicher: Bisher fehlt dem Ganzen die nötige Ignoranz gegenüber RB Leipzig. Um diesen Verein nicht die Aufmerksamkeit teil werden zu lassen, nach der er so strebt, so muss man RB einfach ignorieren. Bestes Beispiel dazu ist TSG Hoffenheim. Nach anfänglicher Euphorie ist auch dem „Retortenklub“ eine graue Maus geworden, die vor allem in den letzten Jahren um den Abstieg gespielt hat.

Und während ich diesen Text schreibe und bei einem dieser Anbieter von Informationen zum Thema Sport die neuesten News durchlese, kommt die Meldung „Wechselwitz: Großkreutz ätzt gegen RB Leipzig“ auf den Bildschirm. Mit einer ironischen Meldung über #Instagram „schockte“ er seine Fans, indem er den Wechsel zu RB bekannt gab. Schlauerweise hat er seine Meldung noch mit dem Hinweis #spaßGehörtDazu, #ironie und #isso verfeinert, damit es wohl auch der kleinste unter den Hellsten versteht.

Es lässt sich darüber streiten, ob das nun eine dümmliche oder humoristische Aktion ist. Auf jeden Fall eine weitere, die dem Marketinginstrument von Red Bull ein paar Schlagzeilen ohne jeglichen eigenen Aufwand geliefert hat. Also ein klassisches Eigentor!?

By Nino