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Schafft den Transferticker ab!

 

Ticker

#Transfer-Wahnsinn #Transfer-Irrsinn #Transfer-Theater…wie man’s auch nennen will, dass was in der 2017er-Sommer-Transferperiode gespielt wurde, war hochgradig nervend und ich war froh, dass das ganze Bohei Anfang September ein Ende gefunden hat.

Keine Frage, diesmal gab es mit dem 222-Mio-Wechsel von Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain (den ich sportlich durchaus nachvollziehen kann, warum steht hier), und der erstmal einjährigen Ausleihe von Mbappè vom AS Monaco zu PSG, mit Möglichkeit zum Kauf für 180 Millionen im nächsten Jahr auch sehr, sehr viel zu berichten. Nicht zu vergessen: die streikenden Profis Dembelè #BVB #FCB und Coutinho #LFC.

Was mich aber nicht weniger nervt, ist die Tatsache, dass die Schließung des „Transferfensters“ nicht dazu geführt hat, dass dieses Thema von den üblich verdächtigen Sportmedien #Kicker #Sport1 #SportBild #SkySport #SPOX vorerst beendet wurde. Ganz im Gegenteil: Es wird weiter munter drauf los spekuliert, welcher Verein welchen Spieler „jagt“, „ins Auge fasst“, „auf dem Einkaufszettel hat“ und/oder in den jeweiligen „Poker um Spieler XY einsteigt“.

Das ganze Schmierentheater ist leicht erklärt: Die Zeitung A schreibt „nach unseren Informationen“ (wahlweise im „Eilmeldung“- und/oder „Exklusiv“-Modus) das Verein B den Spieler C will. Die Zeitung X berichtet über das Gerücht von Zeitung A und schmückt die „Geschichte“ noch etwas aus. Dann wird von Zeitung X der Verein B zum Gerücht von Zeitung A befragt. Ob denn was dran wäre, an dem Gerücht von Zeitung A. Im besten Fall antwortet Verein B auf die Frage von Zeitung X und Zeitung X macht daraus wieder eine „Geschichte“. So läuft das dann die ganze Zeit. Nicht mehr während einer Transferperiode, sondern das ganze komplette Jahr. Das die Sportmedien, allen voran deren Online-Angebote von Klickzahlen gewissermaßen abhängig sind, weil mehr Werbung geschaltet werden kann, dafür habe ich ja sogar noch Verständnis. Aber doch nicht mit jedem Sch…

Nehmen wir nur mal zwei der letzten Stilblüten des oben beschriebenen Spiels… Numero Uno:
Bayern Spieler Vidal wurde letztens von den beiden Mailänder Vereinen #Milan #Inter „heiß umworben“. Auffällig dabei auch die Kriegssprache „man plane einen neuen Angriff“ … mehr dazu später auf diesem Blog. Glücklicherweise war die Antwort von Bayerns Vorstandsboss Rummenigge eineindeutig: „Ich kann einen Abgang von Arturo zu 100 Prozent ausschließen.“

Numero Due:
Das von M. Basler in die Welt gesetzte Gerücht Bayern Trainer C. Ancelotti würde im Winter 2017 nach China wechseln und hätte sogar schon einen Vorvertrag unterschrieben. Nicht nur die Sportmedien nehmen diesen Ball dankbar auf und berichten über dieses „irre Gerücht“ und machen daraus wieder weitere „Storys“. Und was antwortet M. Basler auf die Frage, woher er das denn wüsste: „Das wurde mir zugetragen“. Der Quellen-Schutz geht natürlich bei Ehrenmann Basler vor, nannte sie zumindest „vertrauenswürdig“. Ahaa. Und so dreht sich das Spielchen weiter #GagaGerücht #SportBild

Nun kann das alles als Lappalie abgetan und gesagt werden: „Es gibt wichtigere Themen, kümmere dich um diese.“ Schon in der Kindheit wurde einem oft gesagt: „Der Klügere gibt nach.“ Was man damals noch nicht kapiert und einem auch nicht gesagt wurde (wohl aufgrund des Lerneffekts): „Dann gewinnt der Dumme.“

Auf den Transfer-Wahnsinn übersetzt heißt das: „Lies doch den ganzen Sch… nicht mehr.“ #Dumme Aber dann bleibt eben auch alles beim Alten. Nur wenn ich sage, was mir nicht passt, kann die Sache verbessert werden. Auf diese Weise kann doch Fortschritt stattfinden #Klügere.

Also liebe Sportmedien XYZ: Bald ist ja Weihnachten und da darf man sich bekanntlich was wünschen: Bitte schafft den Transferticker ab! Widmet euch anderen Themen, Themen die Substanz haben. Überlegt bitte zweimal, ob ihr jede noch so absurde Nachricht und/oder Informationen von Sportmedium XYZ abschreibt, weiter spinnt oder auf irgendwelche Spekulationen von sogenannten Experten hört. Es ist doch sicherlich auch für jeden Journalisten immer wieder frustrierend, wenn man bei Verein B nachfragt, ob an dem Gerücht von Zeitung X was dran ist und die Antwort erhält: nein. Gerade in Zeiten von Fake News sind sauber recherchierte Meldungen eine Wohltat.

Es wäre ein kleiner Mosaik-Stein, dem ganzen Wahnsinn um #Kommerzialisierung #Eventisierung des Fußballs Einhalt zu bieten. Ansonsten muss sich der Fußball-Fan an die Einhaltung der 11-Anti-Kommerz-Gebote halten und so seinen Beitrag leisten.

Ich bin mir nämlich fast sicher, dass auf dem Transfermarkt weiterhin mit aller Ausdauer und Entschlossenheit täglich jedes noch so lausige Gerücht heiß und fettig gehandelt wird…Wetten, dass..?

By Nino

 

Pro Neymar Wechsel

GeldFußball

Drei Wochen ist es nun her: der brasilianische Fußballspieler Neymar wechselte vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain. Für 222 Millionen Euro. Weltrekord-Transfer. Dieser Wechsel beschäftigte die Sport- und Medienwelt über Wochen. +++Eilmeldung+++BreakingNews+++gehörten zur Tagespflicht aller üblichen Verdächtigen Sportmedien. Es bestand so gut wie keine Chance sich dem Wechsel-Theater zu entziehen. Es dauert bei jedem Gespräch über Fußball nicht lange und die Frage „Und was sagst du zum Neymar-Wechsel?“ wurde gestellt. Da die Diskussionen bisweilen kontrovers geführt wurden, ist es mal wieder an der Zeit für ein „Pro“ und „Contra“. Ich nehme das runde Leder auf und nehme die Position Pro Neymar-Wechsel ein.

Vorab dazu einige Anmerkungen: Die 222 Millionen Euro Transfersumme und das Zustandekommen über Beraterverträge usw. sind der bisherige, bittere Höhepunkt des allseits kritisierten Transferwahnsinns. Aber auch diese Eskalation hat es etwas Gutes, denn nur dadurch wird auch dem letzten Fußball-Fan klar, in welchen Sphären sich der Fußball im Allgemeinen und das Finanzgebaren von Vereinen und Investoren im Speziellen entwickelt hat. Von schwer bis gar nicht ist beispielsweise zu vermitteln, welche Gehälter mittlerweile gezahlt werden (müssen).

Neymar hat auf seiner ersten PSG-Pressekonferenz gesagt, dass es ihm nie um Geld gegangen sei. Er sei seinem Herzen gefolgt. Dies kann verständlicherweise als die typische Folkore abgetan werden, wenn Spieler zu einem anderen Verein wechseln… der einem das doppelte Gehalt zahlt.

Überdies zeigt dieser Wechsel auf, dass es noch viele Schlupflöcher im Rahmen der Regeln des Financial Fair Play gibt. Wenn es die UEFA damit ernst meint, dann besteht die Möglichkeit Konsequenzen zu ziehen. Das Ausreizen der Regeln hat, so bitter das auch ist, auch immer eine positive Seite. Umso eher verschärft man sie oder schafft sie wieder ab.

Zudem ist Neymars Formulierung bedauerlich, dass er hier Teil eines Projektes sein will. Ein Projekt ist eben ein Vorhaben, was zeitlich begrenzt ist. In den wenigsten Fällen ist es ein langfristiges Vorhaben, ein auf Nachhaltigkeit angelegtes. Dies steht eben im Widerspruch zu den bisherigen Traditionen im Fußball. Ein Verein ist kein Projekt. Hätte er doch einfach gesagt, er will bei PSG Teil einer Entwicklung sein. Einer Vision meinetwegen. Das er etwas mit aufbauen will. Das ist, neben der obszönen, finanziellen Dimension, ein weiterer Wermutstropfen.

Aus sportlicher Sicht kann ich jedoch den Wechsel verstehen.

Der englische Telegraph kommentierte den Wechsel so: „Es ist längst bekannt, dass Neymar gut mit hohem Druck umgehen kann und aufblüht, wenn er in einem Team hinter niemanden zurücksteht. Die gigantische Transfersumme wird ihn nicht beunruhigen. Befreit von Lionel Messis Schatten hat Neymar die Chance zu glänzen.“

Ich ergänze hier noch, dass er aus dem Schatten des Traum-Trios Messi/Suarez/Neymar hervortritt. Jeder Abwehrreihe wurden Kopfzerbrechen bereitet. Messi schoss in der vergangenen Saison 2016/2017 in der Primera División 37 Tore, Suarez 29, Neymar hingegen „nur“ 13. Nur einer von dreien zu sein, das ist auf Dauer für einen Spieler mit den Ambitionen von Neymar zu wenig.

Ich teile daher die Einschätzung, dass er bei PSG der unangefochtene Chef einer Mannschaft sein will. Er führte 2016 schließlich auch als Kapitän die Seleção zu olympischen Gold im eigenen Land.

Die BBC konzentrierte sich auch auf den Sportler Neymar und stellte fest: „Mit 25 im besten Alter und kurz vor einer WM, die seine Karriere definieren kann, hat sich Neymar für einen Club entschieden, der ihm zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit macht, sowohl auf dem Platz als auch abseits davon.“

Selbstverständlich stellt sich die Frage, warum ein Spieler von einem der besten Clubs der Welt zu Paris Saint Germain wechselt. Von der besten europäischen Liga in die nach aktuellem UEFA-Ranking an Nummer 5 herumdümpelde französische Ligue 1. Warum also so ein sportlicher Abstieg? Weil er mit Barcelona alle auf Klubebene zu gewinnenden Titel gewonnen hat!? Sicherlich wäre eine Wiederholung dieser Titel eine Herausforderung. Aber es auch mit einem anderen Team zu schaffen, das ist die nächste große Herausforderung. In der Nordamerikanischen Basketball-Liga NBA steigt ein Spieler in den Rang einer Legende schneller auf, wenn er es schafft mit zwei verschiedenen Teams den Meistertitel zu holen.

Neben den Titeln auf Klubebene sind für Neymar auch die persönlichen Titel eines der treibenden Motive. Nehmen wir die Wahl zum Weltfußballer: Seit 2008 wird dieser Titel lediglich zwischen L. Messi oder C. Ronaldo vergeben. Da bei dieser Wahl meist nicht mehr nur sportliche Aspekte die Hauptrolle spielen, sondern z.B. auch weltweite Bekanntheit, hat hier Neymar eine wichtige Weichenstellung vorgenommen. Als herausragender Spieler von Paris Saint Germain hat er die Möglichkeit allein im Glanze der Anerkennung zu stehen, die Leistungen auf Weltklasse-Niveau vorausgesetzt.

Zudem ist er, wie die BBC schon anmerkte, im besten Fußballer-Alter. Mit 25 Jahren hat er noch einen großen Vertrag vor sich. Danach wird ihn wahrscheinlich auch das Schicksal der „älteren“ Spieler ereilen und junge Spieler seinen Stammplatz streitig machen. Ein Wechsel in eine andere Liga, USA und China lassen grüßen, bietet sich zum Ausklang einer Karriere mittlerweile an.

Ergänzend zur Argumentation des Telegraph und der BBC ist noch auf das große Risiko hinzuweisen. Neymar geht hier sportliches All-In. Paris Saint Germain wird das Gelingen oder Scheitern einer Saison am Abschneiden in der Champions-League festmachen. Es wird daher auf ein paar wenige Spiele, der Gruppenphase und der dann ggf. erreichten K.o.-Spiel-Phase hinauslaufen. In dieser stehen höchstens sieben Spiele an, in denen sich das Schicksal einer ganzen Saison entscheiden wird.

Und in diesen Spielen entscheiden Tagesform, die Liste der verletzten Spieler und andere Einflüsse. Hier kommt es z.B. auf die Breite des Kaders von PSG an. Dieser ist m.E. nicht in einer Verfassung, wie das bei den TOP Five 5 #Real Madrid #Atlético Madrid # FC Barcelona # FC Bayern München #Juventus Turin der Fall ist.

So, jetzt liegt der Ball im Feld Contra.

By Nino

Einmal China und zurück

China

Ein Kommentar von Baba:

Nun will ich mich auch einmal in einem Beitrag über den aufstrebenden chinesischen Fußball äußern:

Je nachdem wie sich jeder Fußballfan so fühlt werden entweder die chinesischen Millionen willkommen geheißen und oder die Absurdität und Exklusivität, welche in den vergangenen 1-2 Jahren auf dem Transfermarkt entstanden ist, angeklagt oder negativ dargestellt. Irgendwie wird diese Diskussion nicht vollständig und sachlich geführt und da mir das schon seit einer Weile krumm liegt hier mal meine Darstellung der gegenwärtigen Situation:

  1. China versucht seinen nationalen Fußball unbedingt voranzubringen. Da werden Fußballschulen gebaut, Fußball als Pflichtfach eingeführt und die nationale Liga stark promoted.
  2. Es werden viele europäische Trainer angestellt, sowohl in den Schulen als auch in der Liga.
  3. Pro Erstliga Team sind drei, 3, DREI Ausländer erlaubt, da sich das nationale Niveau steigern soll.
  4. Wohlhabende Besitzer und oder Gönner der Vereine kaufen für viel Geld gute Fußballer ein, welche ohne den Geldanreiz wahrscheinlich nicht nach China gewechselt wäre, siehe Oscar.
  5. Wenn diese hohen Ablösesummen fließen, müssen die Spender extra Geld in die Ausbildung des nationalen Fußballs investieren.
  6. Der chinesische Fußballverband lässt seine U20 Nationalmannschaft in der Regionalliga Südwest starten, als Freundschaftsspiel und mit einer guten Summe für die Vereine obendrauf.

Wenn ich mir diese Punkte so ansehe kann ich keine negativen Aspekte dieses Aufstrebens erkennen:

zu Punkt 1: Das China versucht seinen Fußball auf ein anderes Niveau zu heben, kann keiner verdenken und gibt mir als Fußballfan doch nur einen neuen Anreiz, sollten sie es denn schaffen so stark zu werden, dass sie auf internationalen Level sich duellieren können.

Zu Punkt 2: Es ist durchaus zu begrüßen, dass viele top ausgebildete Trainer in China eine Anstellung finden.

Zu Punkt 3: Eine Ausländerquote pro Team ist durchaus nützlich und sinnvoll, wenn man eine Sportart verbessern will.

Zu Punkt 4: Die hohen Summen kommen den Vereinen in Europa zu Gute und sie hätten wohl beim Verkauf in ein anderes Land weniger kassiert.

Zu Punkt 5: Ich finde der nationale Fußballverband hat damit eine großartige Struktur geschaffen, um auf lange Sicht davon wegzukommen Spieler aus dem Ausland zu kaufen und dafür die Geldgeber einzuspannen.

Zu Punkt 6: Dieser Punkt wurde kontrovers diskutiert, doch finde ich, dass dieser Austausch doch nur jedem hilft: Die Vereine bekommen ein extra Spiel mit Einnahmen durch die Fans, die Extrasumme und Catering. Zusätzlich kann sich die chinesische Mannschaft einspielen und sich einige Spieler vielleicht vorstellen. Dazu kommt das viele der in Deutschland lebenden Chinesen es wahrscheinlich begrüßen, das ihr Nationalteam hier spielt und wahrscheinlich die Spiele besuchen werden. Damit können neue Fangruppen erschlossen werden und ein kultureller Austausch findet statt.

Wie gesagt, ich kann beileibe nichts Negatives an dem Aufstreben des Fußballs erkennen, ganz im Gegenteil, ich denke dies bedeutet die Chance zu einem schönen Austausch und vielleicht zum Aufkommen einer neuen Fußballnation auf höchstem Niveau.

Keiner weiß was die Zukunft bringt, aber man muss sich gewiss nicht vor einem Aufstreben des Fußballs in China fürchten.

By Baba