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Die Wiederauferstehung des Fußballgotts

WiederauferstehungHSV

Endlich ist es soweit: der Hamburger Sportverein ist aus der 1. Bundesliga abgestiegen. Nach 54 Jahren ist es endlich soweit. Das Ende des Dinos der 1. Fußball-Bundesliga. Das Ende von „Niemals 2. Liga“. Das Ende von „Unabsteigbar“. Das Ende der Erzählungen, dass der HSV in die erste deutsche Spielklasse gehört, weil Hamburg die zweitgrößte Stadt in Deutschland sowie die achtgrößte in der EU ist. All das hat ein Ende. Auch deswegen, weil der HSV eben keine Wurst ist.

Allein solche Argumente hatten noch nie wirklich eine durchschlagende Kraft. Jetzt können sie endlich ad acta gelegt werden. Auch solche wie der „tollen Fans“ und „des schönen Stadions“ ziehen nicht mehr, da sie immer schon den Eindruck erweckten, dass der HSV der einzige Verein gewesen wäre, der das für sich behaupten kann. Mit all diesen Argumenten und halbseidenen Beschwörungen ist nun für ein und allemal Schluss. Fin! Fine! Fino!

Dieses Ende ist mich für gleichzeitig auch die Wiederauferstehung des Fußballgotts. Jener war für mich in der 2015er Relegation gegen den Karlsruher SC gestorben , als sich die Hamburger mit mehr Glück als Verstand gegen die Badener durchgesetzt hatten.

Nun glaube ich wieder daran, dass es sowas wie Gerechtigkeit im Fußball gibt, eine ausgleichende Instanz, die dafür sorgt das die kleinen Sünden direkt und die großen vielleicht etwas später, aber dennoch nicht ungestraft bleiben.

Der Hamburger SV hat in den letzten Jahrzehnten viele Sünden begangen. Misswirtschaft und Arroganz der Vereinsoberen sowie gnadenlose Selbstüberschätzung gepaart mit fehlender Demut, um nur ein paar Beispiele des Hamburger Sündenpfuhls zu nennen.

Die Jahre seit 2014 waren da sozusagen der krönende Abschluss, der darin gipfelte, dass der HSV nun seinen ersten Abstieg nach 55-jähriger Zugehörigkeit in der 1. Bundesliga selbst besiegelt hat. Allein dafür gilt es dem HSV Respekt zu zollen. Kein anderer Verein hat dies so lange geschafft. In der ewigen Bundesligatabelle sind sie deshalb zu Recht auf Platz 3.

Die Saison 2017/2018 steht noch einmal mustergültig für den Untergang des HSV. In der Kurzversion heißt das: Start mit zwei Siegen. Dem eigenen Selbstverständnis folgend auf dem Weg zurück auf die Bühnen der europäischen Spitzenklasse. Weitere Siege folgten aber nicht. Der Unruhe-Stifter und #Edelfan Klaus-Michael Kühne brachte sich wieder mal öffentlich in Stellung und kritisierte Verein und Spieler #Luschen. Es folgte die erste Trainerentlassung von Markus Gisdol. Auf ihn folgte Bernd Hollerbach #Stallgeruch, der für sieben (!) Spieltage auf der Trainerbank, besser gesagt dem Schleudersitz Platz nehmen durfte. Auf einer emotional überhitzten Mitgliederversammlung konnte Ex-Präsident Bernd Hoffmann sein Comeback feiern. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Freistellung/Beurlaubung (beim HSV weiß man das nie so genau) vom Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt. Danach wurde mit Christian Titz der dritte Trainer in der Saison installiert. Der schaffte es zwar überraschenderweise, dass die Mannschaft halbwegs ordentlich Fußball spielte und sogar Siege feiern konnte. Doch dieses letzte Aufbäumen war im Enddefekt zu spät.

Die Rechnung für alle Sünden kommt dann eben doch irgendwann. Kurzum: Wieder einmal wurden die gleichen Muster durchexerziert, um die gleichen Probleme zu lösen. Aus Fehlern nix gelernt. Aber wirklich auch rein gar nichts.

All jene Skandale und Klatsch&Tratsch wurden überaus freundlich von den landesweiten Boulevard- sowie ortsansässigen Haus- und Hofmedien fast täglich begleitet. Nix war zu billig, um mit dem HSV Quote und Klicks zu machen.

Und der Blick in die Zukunft? An der Spitze des Vereins steht wieder eben jener Bernd Hoffmann, der zwar für die erfolgreicheren Jahre des HSV steht, sein Ego aber immer noch größer als der HSV ist. Und das ist langfristig nie gut ausgegangen. Der Gönner und Stänker Kühne soll weiterhin mit an Bord bleiben und seine Millionen in den HSV stecken. Zukünftige Unabhängigkeit von ihm? Adè! Von Altersmilde keine Spur. Exemplarisch wieder seiner öffentlichen Einlassungen vor dem 33. Spieltag: „Rein wirtschaftlich betrachtet, ist der HSV die schlechteste Investitionsentscheidung meines Lebens“ … Es wurde nicht das richtige Management verpflichtet. Insgesamt ist es eine Schande. Furchtbar für Hamburg.“ Kommt denn da in Hamburg eigentlich gar niemand mal auf die Idee, darauf hinzuweisen, dass dies vereinsschädigendes Verhalten ist?

Abgesehen davon wird der Gang in die zweite Bundesliga richtig bitter. Der Slogan, der schon zu DSF-Zeiten genervt hat, „die beste zweite Liga aller Zeiten“ wird wohl in der nächsten Saison wirklich passend sein. Diese Saison hat jedenfalls schon gezeigt, wie eng es zugehen kann und wie nötig dafür ein ruhiges Vereins-Umfeld notwendig ist. Aus der 3. Liga kommen der SC Paderborn und der 1. FC Magdeburg. Beide Vereine werden von der Aufstiegseuphorie durch die nächste Saison getragen (erst die zweite Saison wird die schwierigere) und können ordentlich Paroli bieten. Ein sofortiger Wiederaufstieg des HSV ist daher keineswegs sicher. Jeder Zweitligist wird die Rothosen gerne begrüßen. Auf seiner Kennenlern-Tour durch die Stadien der zweiten Liga. Das mediale Interesse wird sicherlich riesig sein, denn der HSV wird sehr oft, das erste Mal zu Gast sein.

Wahrscheinlich wird es keine rosige Zukunft. So lange Kühne mitmischt und die Erwartungshaltung der Medien und der Fans nicht auf ein gesundes Maß gestampft wird. Ohne Demut wird der HSV seinen Niedergang weiter vorantreiben. Die großen Sünden, wie man so hört, werden noch länger bestraft.

Markus Gisdol hatte bei seiner Vorstellung gesagt: „Ich habe schon gezuckt, aber vor Freude. Hamburg ist ein Brett, es ist ein wahnsinnig geiler Club“. Das mag aus HSV-Sicht auch stimmen, aber jetzt ist der HSV ein Fußball-Zweitligist. Willkommen in der Realität.

By Nino

 

 

Ein Kommentar zur Trainersuche beim Chemnitzer FC

TrainerSuche

Zum Jahresbeginn 2018 wurde der Cheftrainer Horst Steffen beim Chemnitzer FC beurlaubt, nach gerade mal einem halben Jahr. Ein Abbruch ist immer auch ein Aufbruch und dieser soll mit einem neuen Trainer gelingen.

Jede Trainersuche hat ja auch immer etwas Spezielles an sich. Ich erinnere mich noch an die dilettantische Suche des DFB mit ihrer „Trainerfindungskommission“, um einen neuen Nationaltrainer zu verpflichten. Ein gewisser Jürgen Klinsmann ist es letztendlich geworden. Ein damals noch unbeschriebenes Trainerblatt, der aber mit bahnbrechenden Methoden zu Werke ging, von denen die National11 heute noch profitiert.

Nun wird heutzutage keine solche Kommission mehr ins Leben gerufen. Nicht weniger aufregend sind allerdings die medialen Begleiterscheinungen, verstärkt durch die sozialen Netzwerke. In diesen wird jeder gerade arbeitssuchende, beurlaubte oder sogar arbeitende oder längst im Ruhestand befindliche Trainer ins Spiel gebracht. Somit wird die Gerüchteküche ordentlich am brodeln gehalten und tägliche Wasserstandsmeldungen der örtlichen Medien und Interviews mit potenziellen Kandidaten werden als erste Hinweise gedeutet, dass hier sich der kommende Trainer schon mal in Stellung bringen könnte.

Und die Zeiten sind auch verrückter und schnelllebiger geworden: Wer hätte gedacht, dass Jupp Heynckes beim FC Bayern München noch mal antritt oder Peter Stöger nach einer desaströsen Hinrunde beim 1. FC Köln eine Woche später bei Borussia Dortmund das Traineramt übernimmt? Alles scheint möglich, außer vielleicht das Lothar Matthäus und Peter Neururer irgendwo noch mal auf der Trainerbank Platz nehmen.

Im Falle des CFC lief die Trainersuche nicht sonderlich anders ab. Es machten einige Namen die Runde und diese wurden von den Fans kritisch diskutiert. Von „der kann nix – Abstieg ist sicher“ bis „Interessant, mal abwarten“ war alles dabei.

Das Anforderungsprofil wurde von Sportvorstand Steffen Ziffert wie folgt umschrieben: „Er muss eine Kämpfernatur sein und unsere Baustellen, vor allem in der Defensive, beseitigen. Und er muss aus jedem einzelnen Spieler noch die paar Prozent mehr herauskitzeln, die in der Hinrunde gefehlt haben“. Also eher ein Trainer, der kein Offensivspektakel will und die Defensivarbeit als Fundament für ein erfolgreiches Spiel ansieht. Obendrein ein Trainer, der Spieler weiterentwickeln kann.

Für mich kamen da junge Trainer in Betracht. Also solche, die sogar mit dem Laptop arbeiten und ein Konzept haben. Mit der von Mehmet Scholl losgetretenen Debatte um die Zukunft des deutschen Fußballs (hier geht’s zum Kommentar) sind ja ganz neue Perspektiven und Erwartungen entstanden…

Glücklicherweise war die himmelblaue Trainersuche schon nach drei (!) Tagen beendet. So schnell wie der CFC 124.000 Euro besorgen kann, so schnell geht’s auch bei einem neuen Trainer. Hut ab, solche Entscheidungsschnelligkeit wünsche ich mir in aller Bescheidenheit auch von den Spielern auf dem Platz.

Die Wahl fiel auf David Bergner. Der ehemalige Trainer von Rot-Weiß Erfurt erhielt einen Vertrag bis zum Saisonende mit Option auf Verlängerung. Unterstützt wird er vom bisherigen Co-Trainer Ristic. Bergner kommt als neuer Hoffnungsträger, der einzig den Chexit verhindern soll: den Abstieg in die Regionalliga Nordost. Die Grundlagen dafür sollen im Wintertrainingslager in Salou (Spanien) gelegt werden. Zum ersten Punktspiel in 2018 ist der Tabellenzweite SC Paderborn zu Gast.

Möge das Glück stets mit dem CFC sein!

By Nino

Kommentar zum himmelblauen November und Dezember 2017

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Im November und Dezember des Jahres 2017 standen für den Chemnitzer FC noch sechs Spiele in der 3. Fußball-Bundesliga an. Nach der bitteren (und völlig unnötigen) 1:2 Niederlage im Sachsenpokal beraubte sich der CFC einer von zwei Möglichkeiten im nächsten Jahr am DFB-Pokal teilnehmen zu können. Aber nicht nur diese Chance wurde vertan. Da war ja noch jene auf eine positive Wende im tristen Liga-Alltag. Auch wenn das Restprogramm es in sich hatte, so wurde es nix mit einem versöhnlichen Jahresabschluss 2017. Oder um es kurz und knapp zu sagen: Alle 6 Spiele wurden verloren, nicht einmal ein Unentschieden stand am Ende zu Buche. Oder um es für die Masochisten lang zu machen:

Meppen: 2:3 Auswärtsniederlage

Würzburg: 0:3 Heimniederlage

Münster: 0:1 Auswärtsniederlage

Magdeburg: 2:3 Heimniederlage (hier geht’s zum Spielbericht)

Rostock: 1:3 Auswärtsniederlage

Zwickau: 2:3 Auswärtsniederlage

Kein Sieg in zwei Monaten, ohne Punkte bis auf den 17. Tabellenrang abgerutscht. Wie man es auch formulieren will: Das himmelblaue Elend bleibt das Gleiche. Nicht nur auf dem Rasen herrschte Unordnung, auch im Verein selbst brannte der Baum schon vor Weihnachten. Austritte von Aufsichtsratsmitgliedern, Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden, Rücktritt des Präsidenten Dr. Hänel und fehlende 124.000 Euro als Nachweis für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die Saison 2017/2018. All dies ließ einem die Haare zu Berge stehen. Zumindest die Auflagen zur Nachlizenzierung konnten innerhalb von zwei (!) Tagen erledigt werden, d.h. das ein oder mehrere Personen ihr himmelblaues Herz erwärmen konnten und die Geldschatulle geöffnet wurde. Nur allzu gern wüssten wir, ob es sich um interne oder externe Sponsoren handelte. Für sachdienliche Hinweise haben wir rund um die Uhr ein offenes Ohr…

Aber nicht nur bei der Produktion von negativen Schlagzeilen kann der CFC überzeugen, nein, er tut auch einiges dafür was zum Prädikat „Traditionsverein“ gehört. Hier seien die Auftaktveranstaltung zum Traditionstreffen mit über 90 Gästen bzw. Ehemaligen und die Aktion rund um das Auswärtsspiel in Meppen genannt. Dabei wurden den 450 mitgereisten Anhängern als Dankeschön zwei Freikarten oder ein CFC-Fanschal im Gegenzug der Eintrittskarte angeboten. Eine kleine, aber sehr feine Aktion.

Auch was die Arbeit in den Gremien betrifft, so zeigte der CFC zumindest zum Jahresende noch Handlungsfähigkeit. Bei der ordentlichen Mitgliederversammlung wurden drei neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt. Neue Gesichter, dafür alt bekannt und dem CFC lange verbunden. Mit viel Herzblut und Sachverstand wollen sie sich verantwortungsvoll der Arbeit im Aufsichtsrat widmen. Dafür braucht es zurzeit wohl ebenso gute Nerven.

Die wurden um den Jahreswechsel dann auch bei allen Himmelblauen nochmal strapaziert. Meldungen über „Entscheidungen die getroffen werden sollen“ machten die Runde. Dabei ging es offensichtlich nicht um die Verpflichtung von weiteren Spielern, sondern um die Frage, ob Cheftrainer Horst Steffen weiterhin auf der Trainerbank sitzen bleiben kann oder sich hier ein Wechsel andeutet. Uns stellte sich dabei wieder mal die Frage, wie ein Trainerwechsel finanziell abgesichert sein soll. Ein neuer Trainer (vermutlich mit neuem Co-Trainer) und weiterhin Steffen (und vermutlich alten Co-Trainer Ristic) auf der Gehaltsliste haben!? Also, wären summa summarum 4 Trainer zu bezahlen.

Die Antwort folgte dann auch prompt nach dem Neujahrsfest: Beurlaubung von Cheftrainer Steffen. Die branchenüblichen Erklärungen von „nach eingehender sportlicher Analyse“ und „Danke für die geleistete Arbeit“ durften selbstverständlich nicht fehlen. Immer freundlich bleiben, man sieht sich ja immer zweimal im Leben, mindestens.

Das Training wird vorerst von Co-Trainer Ristic geleitet. Die Suche nach einem neuen Trainer läuft auch Hochtouren. Das Problem mit der mehrfachen Gehälterzahlung wird über die Finanzierung von externen Sponsoren geregelt. Auch hier wüssten wir nur allzugern, welche himmelblaue Herzen sich dazu erwärmen lassen konnten.

Für die Arbeit an der himmelblauen Pressefront konnte sich die Pressesprecherin N. Oeser nicht mehr erwärmen. Nach sieben Jahren wird sie den CFC auf eigenen Wunsch verlassen und sich einer neuen Herausforderung widmen. Das verflixte siebente Jahr, da geht so einiges in die Brüche. Aber soviel dazu.

Im ersten Jahr nach 2017 ist die Herausforderung klar, denn Abstiegsplatz bedeutet Abstiegskampf. Und in diesem geht das Abstiegsgespenst schon um, nicht nur in den Köpfen der Spieler.

Die restlichen 18 Spiele werden also Abstiegskampf pur. Nur Masochisten haben die pure Freude daran. Für Januar und Februar 2018 stehen Paderborn, Aalen, Jena, Osnabrück, Unterhaching und der Karlsruher SC als Gegner auf dem Programm.

Wir hoffen, dass wir da zumindest schreiben könnten, dass der CFC die Abstiegsplätze verlassen hat. Mit welchem Trainer auch immer. Mehr dazu im Kommentar zum himmelblauen Januar und Februar 2018…

By Baba und Nino