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„Was bisher geschah…“ Teil 9

Neun

Das letzte Mal einstellig, dann sind wir schon bei Numero 10. Vorher können wir in aller gebotenen Bescheidenheit in unserer Rückblicks-Kategorie „Was bisher geschah…“ wie eh und je auf einen bunten Strauß an Themen zurückblicken. Wir haben uns dem ewigen Thema „Relegation“ mit einem Pro und Contra gewidmet und so wie es aussieht, werden wir wohl dazu niemals einer Meinung sein. Wenn schon dann beim Thema Kommerz. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote sind immer noch eine gute Orientierung, etwas proaktiv gegen die Kommerzialisierung im Fußball-Geschäft zu tun. Bei aller Schwierigkeit der konsequenten Umsetzung.

Eine luftige Geschäftsidee hatten wir allerdings für Timo Werner. Leider aufgrund der ihn ereilenden Schmäh-Rufe aus der Not geboren. Einen empörten und immer noch unbeantworteten Leserbrief an den 11Freunde Chefredakteur und u.a. auch SternStimme Philip Köster hatte dies auch noch zur Folge.

Fehlen durfte unser geliebter Chemnitzer FC selbstverständlich nicht. Diesmal vertreten mit einem Kommentar zum Sieg im Sachsenpokal 2017, der wiederum zum vermeintlichen Traumlos FC Bayern München in der 1. Runde des DFB-Pokals geführt hatte.

Wie immer: Viel Spaß beim Stöbern!

By Baba und Nino

81. Was bisher geschah…Teil 5

82. Relegation ist Mist

83. Der unabsteigbare HSV – der Traum von einer Huldigung!

84. Kommentar zum Sachsenpokalfinale Lok Leipzig vs. CFC

85. Relegation ist geil! Alles oder Nichts! Es lebe die Relegation!

86. Die luftige Geschäftsidee für Timo Werner

87. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

88. CFC vs. FCB – Das Pokal-Traumlos!?

89. Leserbrief zur stern-Stimme Philipp Köster

90. Ein Bericht vom Spiel Houston Dynamo vs. FC Dallas

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7 und last but not least Teil 8.

 

Go Beijing Guoan Go

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Diesen Sommer habe ich mit meiner Familie in Peking Urlaub gemacht und mit meinem Sohn das Vorhaben durchgesetzt, ein Spiel des Hauptstadtteams aus Peking zu sehen. Ich hatte schon einmal ein Spiel von Beijing Guoan F.C. gesehen. Im Jahr 2010 hatte sich das Team im Regen von Peking zu einem mageren 0-0 geschleppt und ich erinnere mich nur noch an das Wachpersonal, welches auf kleinen Hockern auf der Tartanbahn saß und grimmig in die Fans schaute. Für mich war das einprägsamste, dass die Polizisten oder Security Leute damals Ausgehuniformen trugen, welche denen der NVA stark ähnelten. Ein wenig Heimat in der Ferne dachte ich mir damals.

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Nun fast 9 Jahre später freute ich mich auf einen sehr warmen Sommerabend, bei dem der Spitzenreiter der Chinesischen Super League das Team von Chongqing Dangdai Lifan F.C. empfing. Beijing hatte die letzten 8 Partien allesamt gewonnen und die letzten 14 von 15 Spiele für sich entschieden. In jedem Heimspiel der Saison hatte Beijing mindestens 2 Tore geschossen, also konnte wir getrost davon ausgehen, dass es diesmal kein mageres 0-0 geben würde. Es war zu erwarten, dass unter der Regie von Trainer Roger Schmidt (ehemals Leverkusen, Salzburg, Münster, Paderborn) mit seinem bekanntestem Spieler Renato Augusto (ehemals Leverkusen, Corinthias, Flamengo und brasilianisches Nationalteam) die Zuschauer auf ihre Kosten kommen würden.

Außerdem wollte ich unbedingt meinem 6-jährigen Sohn ein Spiel in Chinas oberster Spielklasse zu Gute kommen lassen. Bisher hatte er ausschließlich den CFC und in New York den NYCFC gesehen. In diesem Jahr hatte er große Fortschritte in seinem Fußballspiel erzielt und einen schönen strammen Schuss (The Hammer) erlangt.

Leider konnten wir im Vorfeld keine Eintrittskarten erwerben, da in China derzeit alles und jeder nur noch mit WeeChat bezahlt wird (Bargeldlos mit dem Handy) und wir als Touristen dazu aber keinen Zugang hatten. So waren wir auf die Ticketverkäufer vor dem Stadion angewiesen, welche uns für 300RMB zwei Tickets in der Nordkurve verkauften. Das sind rund 50$ und nahe am Originalpreis. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Verkäufer Offizielle sind oder aber sich mit den Tickets etwas hinzuverdienen. In unserem Fall hat der Ticketmann 10$ verdient. Dann haben mein Sohn und ich uns noch mit Fan-Utensilien eingedeckt (Schals und Tröte) und ab ging‘s Richtung Beijing Workers Stadium. Als Ausländer mussten wir zu einem speziellen Einlass, wo unsere Pässe gescannt und unsere Eintrittskarten abgerissen worden. Was auffiel war, dass das gesamte Personal vom Verkäufer bis zur Security sehr freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend auftraten. Insgesamt fühlte ich mich sehr sicher und konnte mich mit meinem Sohn auf die Eindrücke konzentrieren.

Im Stadion haben wir dann noch den offiziellen Fanshop besucht und den Presseraum von außen betrachtet. Genau davor trafen wir dann auch wieder auf die fast vertrauten Männer in Uniformen, die für Recht und Ordnung sorgen. Nachdem wir uns mit Sandwiches, Popcorn und Wasser eingedeckt hatten ging es ins Stadion. Leider habe ich keinen Bier-Stand gesehen und auch gab es wie zu erwarten keine Stadionwurst.

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Unsere Plätze waren im Unterrang der Nordkurve rechts neben einer der Ultragruppen von Beijing Guoan F.C., die während des gesamten Spiels sangen. Viele der Melodien waren mir bekannt und mein Sohn hatte den größten Spaß mitzusingen und auf den Stühlen zu stehen. Im Laufe des Spiels standen alle Zuschauer neben den Ultras wie auch die Ultras selbst auf den Stühlen und ahmten die Gesänge nach. Es gab zwei weitere Ultragruppierungen: eine auf der Gegentribüne und eine auf dem Nordwestlichen Oberrang. All diese Gruppen waren ca. 200 – 300 Mann stark und sehr gut organisiert, aber auch sehr freundlich. Alle Energie wurde in das Singen von Liedern, rufen von Slogans und Fahnen schwenken gesteckt. Viele von den sehr jungen Fans hatten sehr viel Spaß dabei und zeigten mir eine sehr lebendige, ausgelassene und vor allem friedliche Fankultur. Zum Anpfiff war das Stadion gut gefüllt mit einem sehr vielseitigen Publikum.

 

 

UltrasLinks

UltrasRechts

Das Spiel ist schnell erzählt: Chongqing Dangdai Lifan F.C. ging in der 3. Minute nach individuellem Abwehrfehler in Führung. Danach drückte Beijing auf den Ausgleich und hatte viele Möglichkeiten. Währen dessen blieb Chongqing Dangdai Lifan F.C. immer durch Konter gefährlich und hätte durchaus die Führung ausbauen können, wenn sie ihre Konter konsequenter zu Ende gespielt hätten. In der 39. Minute war es dann soweit und Beijing schoss den Ausgleich per Flanke und Kopfball. Dies hatte sich angedeutet, war doch Beijing von Minute zu Minute stärker geworden.

In der Halbzeitpause gab es das Maskottchen – ein Löwe – der durchs Stadionrund tobte und mit Kinder Fußball spielte. In der Halbzeitpause stoppten auch die Ultras bei Zigaretten und Wasser, um sich auf die 2. Halbzeit vorzubereiten.

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Kurz nach Wiederanpfiff gab es einen berechtigten Elfmeter direkt vor unserer Kurve für Bejing. Renato Augusto ließ sich nicht lange bitten und netzte zur verdienten Führung des Spitzenreiters ein (48. Minute). In der 64. und 70. Minute erhöhte dann Beijing auf 4-1 und machte so jeden Heimfan glücklich. Danach plätscherte das Geschehen auf dem Rasen dahin und zollte dem hohen Tempo bei extrem heißen Temperaturen Tribut. Nur auf den Rängen schwappte die Laola-Welle durch das Stadion.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend, mit fantastischen Fans, einem sehr gut organisierten Team aus Peking, vielen schönen Toren und einem absolut verdienten Sieg.

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Beijing Guoan F.C. wir kommen wieder und diesmal werden wir nicht 9 Jahre warten!

Mein Sohn singt heute noch die Lieder und hat jetzt erst seine Leiterin in den Ferienspielen mit den Gesängen konfrontiert und die anderen Kinder instruiert. Ich glaube, hier wächst ein enthusiastischer Nachwuchsfan heran – alles richtiggemacht –.

By Baba

 

Ein Blick in die himmelblaue Glaskugel

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Hurra, Hurra die Chemnitzer sind wieder da! Zurück in Liga 3 der Fußball-Bundesliga. Oder wie die Spötter von den Dächern rufen: „Pleite-Liga!“, „Insolvenzliga!“, „Millionengrab!“ Diesen Rufen wollen wir uns hier aber nicht anschließen. Stattdessen widmen wir uns frei nach dem Motto von Ron Atkinson „Ich wage mal eine Prognose: Es könnte so oder so ausgehen.“ einer nicht ganz ernstgemeinten himmelblauen Hinrunden-Aussicht.

Ernst meint es dagegen nunmehr die MDR-Sportredaktion. Für die ausschließliche Berichterstattung über den Chemnitzer FC wird ein zusätzlicher Praktikant eingestellt. Laut Aussage des MDR-Sportchefs Raiko Richter soll der Anschein einer „ausgewogenen Berichterstattung“ weiter gefestigt werden.

Offiziell startet die 3. Liga mit dem trost-wie-torlosen Duell zwischen dem TSV 1860 München und Preußen Münster. Der CFC startet hingegen mit zwei Siegen gegen die Mitaufstiegs-Teams Waldhof Mannheim und Viktoria Köln. Der erste Tabellenplatz wird auch in der Englischen Woche in den Duellen vs. SV Meppen und Hallescher FC überraschend verteidigt. In Halle reicht es allerdings nur zu einem Unentschieden. Trainer David Bergner begründet dies mit „die Spieler sind mit dem Kopf schon im Pokal“. Damit meint er das anstehende DFB-Pokal-Duell gegen die Traditionsmannschaft Hamburger SV. Die zweitklassigen Elbstädter liefern sich vor ausverkauften Stadion ein mitreißendes Duell, welches letztendlich durch einen verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit entschieden wird. Sportvorstand Thomas Sobotzik bedankt sich insbesondere bei den Mitgliedern des CFC, die mit den Ticketkäufen maßgeblich zum ausverkauften Stadion beigetragen haben.

Das erste Freitagsspiel bestreitet der CFC gegen den 1. FC Magdeburg. Die Magdeburger haben aufgrund der Pokal-Niederlage vs. SC Freiburg eine gehörige Portion Wut im Bauch und besiegen die Himmelblauen mit einem Tor Unterschied. Die Bergner-Schützlinge bekommen dennoch zwei Tage Urlaub. Diese nutzt die Mannschaft u.a. zu einem gemeinsamen Abendessen. Es wird Zigeuner-Schnitzel serviert. Der MDR-Praktikant wittert den ersten handgeschriebenen Skandal. Jedoch gibt es keine Videoaufnahmen, so dass sein Chefchen Tom Scheunemann grimmig dreinschauend entscheidet, dass die prallgefüllte Skandal-Akte des CFC zunächst keinen weiteren Eintrag erhalten soll. Der Praktikant wird unterdessen in der MDR-Sportreporter-WhatsApp-Gruppe freundlich auf die Laufzeit seines Praktikums hingewiesen.

Das himmelblaue Trainer-Team ruft dagegen die bayerischen Wochen aus. In den Duellen gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München, den TSV 1860 München und die Börsianer aus Unterhaching sollen mindestens sieben Punkte eingefahren werden. Als Belohnung wird ein Besuch auf dem Münchner Oktoberfest ausgerufen. Der MDR-Praktikant wittert Skandal-Luft und sucht schon mal günstige Mitfahrgelegenheiten gen München. Trotz dieses Anreizes verpasst das Team die angestrebte Punktezahl. Nach harten Duellen auf dem Platz werden am Ende vier Punkte aus Bayern mitgenommen. Der Mannschaftsrat kann das Trainer-Team dennoch vom Besuch des Oktoberfests überzeugen. Dem MDR-Praktikanten wird geflüstert, dass wohl ein Obazda-Wettessen mit anschließender Wetteinsatz-Einlösung vor Ort erfolgen soll. A riesen Gaudi soll’s werden. Erste Entwürfe für eine reißerische Überschrift werden noch direkt nach Bekanntwerden der Eilmeldung von TAG24 erstellt.

Das dritte Ost-Duell vs. Carl Zeiss Jena kann der CFC überzeugend für sich entscheiden. Die Tabellensituation entschärft sich somit langsam aber sicher. Die Mannschaft nutzt dieses Momentum und tritt die Reise zum Oktoberfest an. Der MDR-Praktikant scheitert an der Einlass-Kontrolle zum Käferzelt. Somit bewahrheitet sich das Mannschafts-Motto „Was in München passiert, bleibt in München“. Per Anhalter tritt der geknickte MDR-Praktikant die Heimreise nach Chemnitz an. Währenddessen erhält er wohlmeinende Recherche-Tipps (#Rassismus #Insolvenz #Gerichtsverfahren).

Gegen den Zuschauermagneten SG Sonnenhof Großaspach erspielt sich das himmelblaue Team einen weiteren Auswärtsdreier. Gegen die Zebras aus Duisburg und die Schanzer aus Ingolstadt reicht es nur für magere Unentschieden. Erste „Bergner-Raus“-Rufe sind vom leicht-erregbarem Chemnitzer Publikum zu hören. Die Chefetage vereinbart zur Trainer-Frage bis auf Weiteres „Stillschweigen“. Zum Traditionsduell #FCKFCK reist extra die Chemnitzer Katze Michael Ballack an. Aus der eigenen VIP-Loge fiebert er mit seiner alten Liebe FCK dem Sieg entgegen.

Im Vorfeld des Spiels vs. Preußen Münster machen Insolvenzgerüchte die Runde. Die Münsteraner, so der erstberichtende MDR wollen Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Chemnitzer FC abwerben. Koste es, was es wolle. Zur Not, so der Vorstand, soll der Weg durch alle gerichtlichen Instanzen gegangen werden. Der so umworbene Siemon wird dann auch auf der Tribüne vom Preußenstadion gesichtet. Die örtlichen Boulevardmedien zerreißen sich über das Warum zwar tagelang genüsslich, schließlich aber ohne Ergebnis das Maul. Die Erweiterung des Erfahrungshorizonts der CFC-Spieler durch das knappe Nicht-Gewinnen geht dabei schlussendlich unter.

Mit der Niederlage beginnt der zweitspielreichste Monat dieser 2019/2020er Hinrunde. Noch in Münster sind wieder unüberhörbar „Bergner-Raus“-Rufe zu vernehmen. Das Stillschweigen der Verantwortungsträger wird ausnahmsweise gebrochen. In einem Exklusivinterview mit der CFC-Fanpage erklärt Sportvorstand Thomas Sobotzik, dass der Trainer seinen Vertrag erfüllen wird. Mindestens bis zum Ende der Saison. Diese vertrauensvolle Rückendeckung wirkt sich wiederum positiv auf die Mannschaft aus. Gegen die Kickers aus Würzburg und Braunschweig zeigt sich die himmelblaue Eintracht auch auf dem Spielfeld. Ein Sieg und ein Unentschieden lassen auch die letzten Meckerer kleinlaut werden.

Beim vorvorletzten Duell vor der Winterpause indes herrscht wieder der (T-)Rubel. Der Pöbel-Russe Mikhail Ponomarew zeigte seinem Trainer Heiko den Vogel und lotst Peter Neururer aus Wattenscheid an den Rhein. Der Retter-Mythos und „neuer-Trainer-Effekt“ zieht aber wie eh und je nicht. Die Himmelblauen siegen unbeeindruckt und Kapitän Daniel Frahn schießt sich mit einem lupenreinen 3er-Pack zurück an die Spitze der Torjägerliste.

In den letzten beiden Hinrunden-Duellen, gleichsam die heißersehnten Ostduelle gegen die Schwäne aus Zwickau und die Koggeianer aus Rostock werden die Punkte jeweils brüderlich geteilt. Der CFC beendet die Hinrunde auf dem 6. Tabellenplatz.

Der weihnachtliche Rückrunden-Auftakt vs. Waldhof Mannheim wird ebenso gewonnen. Tage später erleben die himmelblauen Fans sowie alle Beauftragten und Bevollmächtigten die Erstauflage des „Weihnachtssingens“. Am Mittelkreis der Fischerwiese werden glühweingeschwängert „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Alle Jahre wieder“ sowie „Ihr Hirten, erwacht!“ zusammen gesungen. Schön, dass auch diese Tradition noch zu Kommerz veredelt wird. Bei den Gründern des Weihnachtssingens, Fans des 1. FC Union Berlin, werden dazu genervt die Augen gerollt.

Keine rollenden, sondern tränende Augen hat am 23. Dezember 2019 der MDR Praktikant. Kurz vor den Betriebsferien wird ihm das frühzeitige Ende des Praktikums per Bote übermittelt. Offiziell aus Kostengründen. Aus dem geleakten WhatsApp-Chatprotokoll wird jedoch deutlich, dass der Praktikant die Erwartungen seiner Oberen massiv enttäuscht hat. Die Ansage war glasklar: mehr Follower! mehr Likes! mehr Klicks! mehr Content! Und das bei einer solch leichten Skandalnudel wie dem Chemnitzer FC. Wir hätten jedenfalls Geduld walten lassen. Schließlich kommt noch die Rückrunde…

By Baba&Nino

 

Ins richtige Licht gerückt werden

Licht

Die Mitte Juni 2019 veröffentlichte Erklärung des Chemnitzer FC zur Rehabilitierung des Ex-Mitarbeiters Maximilian Glös war nur 4 Sätze lang. Trotz dieser Kürze gibt sie viel Anlass zur Hoffnung, dass die Geschehnisse vor, am und nach dem verhängnisvollen 9. März 2019 endlich den Kosmos aus Vermutungen, Anschuldigungen und sonstigen Theorien verlassen können und Klarheit über das Zustandekommen hergestellt wird.

Denn die Trauerzeremonie wurde ja nicht nur Maximilian Glös zum Verhängnis. Für den nicht mehr eingesetzten Stadionsprecher Olaf Kadner dürften vor allem die Wörter „…nicht entscheidungserheblich oder verantwortlich handelnd beteiligt…“ äußerst interessant sein. Schließlich hat er zwar einen Text vorgelesen, aber von weiterer Verantwortung oder entscheidungserheblicher Beteiligung war bisher nicht die Rede.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass der CFC an der weiteren Aufarbeitung der Vorfälle arbeitet und nach eigener Aussage tut er dies „mit Hochdruck“. Vielleicht haben die Verantwortlichen dabei auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gelesen. Dieser hatte sich in seiner Ausgabe 24/2019 auch diesem Thema gewidmet und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Was wie eine offizieller Trauerfeier aussah, war im Grunde eine Erpressung“. Detailliert wird beschrieben, wer wie wo und wann daran beteiligt war bzw. gewesen sein soll. Einiges wird da nochmal in ein anderes Licht gerückt und dies hat eine erhellende Wirkung. Nun sind solche Artikel keine Gerichtsurteile. Umso erfreulicher, dass dies dann bald auch vor Gericht geklärt werden könnte. Die Strafanzeige von Insolvenzverwalter Klaus Siemon „gegen Unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Delikte“ wird ja offensichtlich immer noch bearbeitet. Zumindest habe ich bisher nur von weiteren Klage-Einreichungen (z.B. gegen den Notvorstand) gehört, aber nix von Urteilen.

Die Mühlen der Justiz laufen vermeintlich langsam, aber sie laufen und am Ende steht zumindest eine Entscheidung, im besten Fall ein Urteil. Im Falle des CFC wird dann hoffentlich klar sein, ob es z.B. eine Erpressung war oder nicht. Und dann besteht auch die Chance einen Schlussstrich hinter dieses dunkle Kapitel in der Geschichte des CFC zu ziehen.

Meiner Einschätzung nach werden die sportlichen Erfolge der Saison 2018/2019, Meistertitel in der Regionalliga Nordost und 12.ter Gewinn des Sachsenpokals viel zu wenig gewürdigt. Lieber wird z.B. vom MDR ein Zigeuner-Skandal herbeigeschrieben, der passend für das derzeitige Image der Himmelblauen aufbereitet wurde. Da wird mir zu viel mit zweierlei Maß gemessen. Es wird höchste Zeit, dass der CFC bei solchen vermeintlichen Skandalen für die nötige kontextuale Einordnung sorgen würde.

Es ist schon wahrlich mühselig, die unnötigerweise in die Welt gesetzte Bezeichnung des „Nazi-Vereins“ zu widerlegen bzw. darauf hinzuweisen, dass die große Mehrheit der CFC-Mitglieder, Fans und Sympathisanten vom Rechtsradikalismus weit entfernt sind. Als Himmelblauer muss man sich die Frage nach der Zukunft stellen und welchem Club wir angehören. Das geht einher mit einer Identitätsfindung abseits von Nazi-Geschrei und Insolvenz. Wofür steht der Club und was wollen die Fans von diesem? Als Plattform für politische Agitation und als Selbstbedienungsladen sollte der Club nicht herhalten. Dazu später mehr…

By Nino

 

Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Der eiserne Sonntagsschuss*. Ein Bericht zu FCU vs. HSV.

Vor Anpfiff

2. Fußball-Bundesliga, 31. Spieltag der Saison 2018/2019, Sonntag, 28.04.2019, 13:30Uhr, Stadion An der Alten Försterei, Berlin Treptow-Köpenick. 1. FC Union Berlin vs. Hamburger SV. Soweit so nüchtern betrachtet. Aber dieses Spiel ist nicht nur das erste Pflichtspiel des FCU vs. HSV, sondern wohl auch das Mitentscheidende um den Aufstieg in die Beletage des deutschen Männer-Fußballs.

Für beide Teams wäre es ja der erste Aufstieg, die Premiere sozusagen. Mit einem Sieg könnten die Köpenicker punktetechnisch mit den Hamburgern gleichziehen oder einen weiteren Rückschlag im Aufstiegskampf erleiden. Der HSV konnte hingegen Big Points sammeln und die Berliner um sechs Punkte distanzieren. Ein 2:2 Unentschieden wie im Hinspiel würde beiden nicht wirklich weiterhelfen. So oder so, in diesem Spiel war vor dem Anpfiff schon reichlich Brisanz.

Als ganz frischer Neu-Köpenicker war mir diese schon länger bekannt, war ich doch einige Male bei Union u.a. beim 1:1 vs. DSC Arminia Bielefeld und verfolgte die Entwicklung der bisweilen betitelten „Unaufsteigbaren“. Über den fast immer lesenswerten Blog textilvergehen hatte ich mitbekommen, dass dieses Spiel seit Wochen ausverkauft war. Umso überraschender kam die Nachricht eines Freundes, der über Kontakte noch an Karten gekommen war. Die schnelle private Abklärung und im Ergebnis erfolgreiche Zusage erfolgten noch am Vorband des Spiels. Ein dreifach Hoch auf den Kompromiss!

Kompromisse muss man wohl manchmal auch als Fußball-Fan eingehen, denn die Ambivalenz wurde mir im Nachgang der Zusage bewusst: Als gebürtiger Himmelblauer Chemnitzer FC-Fan, örtlich gebundener Köpenicker an einem Spiel gegen den Hamburger SV teilnehmen. Der FC Union Berlin rangiert ja für mich weit vor dem HSV in der Sympathie-Tabelle. Ich war ja sooooo erleichtert, als der HSV endlich in die zweite Bundesliga abgestiegen war und für mich der Fußball-Gott wiedergeboren wurde. Die Sympathien waren also vor dem Anstoß klar verteilt und die Vorfreude auf ein schönes Spiel noch größer.

Die Vorberichte ließen auch erahnen, in welche Richtung die Partie gehen würde: „Zurück in die Erfolgsspur kämpfen“ (FCU) vs. „Mit Courarge und Charakter: Im Endspurt durchstarten“ (HSV). Beide Teams konnten in den letzten fünf Partien keines gewinnen, eine Ergebnis-Flaute zur Unzeit. Die Raute, die tragen ja bekanntlich die Hamburger Fans im Herzen. Sie füllten den Gästeblock voll aus. Ihr Schietwetter hatten sie zum Glück zu Hause gelassen. Sie waren wohl der Meinung das Hilfe von ganz oben nicht nötig gewesen wäre. Die Unioner konnten sich auf ihre Fans auch so verlassen. Der Beistand kam aus tausenden schreierprobten Kehlen. Hier traf also auch die Berliner Schnauze auf die „Hemd-Kragen-oben-Fischkopp-Fraktion“. Diese Atmosphäre ist für einen Himmelblauen dann doch sehr beeindruckend. Aktuell sind ja schon 8tausend Zuschauer das höchste der Gefühle. Aber diese und andere sollten für 90 Minuten verdrängt werden, denn ich war als Freund des schönen Spiels da und war gespannt, wie vor allem Union das Ziel Heimsieg erreichen wollte.

Zum Anpfiff gab es auf beiden Seiten beeindruckende Choreografien, wobei die Hamburger mit ihren Rauchschwaden für wenig Durchblick sorgten.

Union Rauch

HSV Rauch

Die erste Torchance konnte Union Berlin direkt auch in der ersten Minute verzeichnen, doch Sebastian Parensen verzog den Ball dermaßen, dass es auch von weiter weg weit drüber aussah. Die nächsten spielerischen Akzente setzten die Hamburger, die durch Bakery Jatta und Aaron Hunt zu Torchancen kamen, aber auch erfolglos blieben. Weitere Highlights gab es im weiteren Verlauf nicht vor dem Tor, sondern an der Seitenlinie. Dort legte sich der Hamburger Rick van Drongelen mit dem Linienrichter an. Nach der innigen Kontaktaufnahme wunderte ich mich schon, dass hierfür nicht der erste gelbe Karton gezeigt wurde. Dafür zeigt der Schiri deutsche Pünktlichkeit und beendete die ersten 45 Minuten ohne Zeitverzug.

Die Halbzeitpause wurde wie immer genutzt, um die ersten schnellen Hellen um die Ecke zu bringen, auch ziemlich deutsch in der Warteschlange.

Halbzeit

Die zweite Halbzeit begann auf Unioner Seite unverändert, HSV-Trainer Hannes Wolf brachte Hee-Chan Hwang für den Abwehrspieler Josha Vagnoman. Dieser fehlte dann auch gleich in dieser, denn Robert Zulj konnte mit der ersten Chance zur 1:0 Führung flach unten rechts einnetzen. Kollektiver Jubel und wohl auch Aufatmen bei den Unionern nach diesem perfekten Start. Und dieses Tor, so abgedroschen es klingen mag, tat dem Spiel gut, denn die Berliner drängten auf das zweite Tor. Aber auch der HSV wollte nun irgendwie ein Tor schießen, da der nächste Abwehrspieler in Person von Gideon Jung für den bulligen Stürmer Pierre-Michel Lasogga ausgewechselt wurde. Dieser Wechsel brachte jedoch so gut wie gar nix ein. Immer wieder war bei den hanseatischen Offensivbemühungen ein Unioner-Bein dazwischen. Insgesamt wirkten diese auch frischer und aggressiver in den Zweikämpfen. Die ersten gelben Karten wurden allerdings erst in der 81. Minute verteilt, im Ergebnis einer Rudelbildung.

Dass die Berliner aber nicht nur kämpfen konnten, zeigte eindrucksvoll Grischa Prömel, der in der 84. Minute zu einem Schuss ansetzte, für den der Begriff „Sonntagsschuss“ erfunden wurde. Nun war es nicht mehr nur kollektiver Jubel, sondern auch besonders lauter. Diesem konnte ich mich auch nicht entziehen, aber auch nur, weil das Tor so herrlich war. Und wer dieses Tor nicht toll fand, der hat den Fußball nie geliebt. Ebenso ansteckend war die prächtige Atmosphäre, die über 90 Minuten von den Rängen fabriziert wurde. Insbesondere die Unioner mit ihren Wechselgesängen erwiesen sich in dieser Hinsicht auf jeden Fall als erstligatauglich.

Es blieb auch mit drei Minuten Nachspielzeit bei der 2:0 Führung, die letztendlich auch verdient war.

Mit dem 2:0 Heimsieg hat sich Union Berlin tatsächlich zurück in die Erfolgsspur gekämpft. Dieser sollte doch Aufwind für die letzten drei anstehenden Duelle geben. Mit Darmstadt (Auswärts), Magdeburg (Heim) und Bochum (Auswärts) stehen jedoch gleich weniger schwere Spiele auf dem Programm.

Für die Hamburger stehen noch die Duelle gegen Ingolstadt (Heim), Paderborn (Auswärts) und Duisburg (Heim) an. Wie im Nachgang des Spiels bekannt wurde ohne Lewis Holtby, der aufgrund seiner Nicht-Nominierung für die Start11 darum gebeten hatte, nicht mit nach Berlin fahren zu müssen. Eine weitere Hamburger Baustelle.

Mit solchen kennt man sich in Berlin zwar auch aus, allerdings abseits des Platzes. Die Union-Fans stimmten schon mal „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“ an. Es könnte ein Evergreen werden.

By Nino

Nach Hinweisen von Lesern bedarf es einer Erklärung zur Verwendung des Worts „Sonntagsschuss“. Mit diesem wollte ich ausdrücken, dass es sich um einen besonderen Schuss gehandelt hat, ein Schuss der nicht aller Tage gelingt. Ähnlich dem Wort „Sonntagsbraten“, der auch etwas Besonderes ist. Jedoch ist die Definition für einen „Sonntagsschuss“ eine gänzlich andere, nämlich, dass dieser mit viel Glück gelingt. So gesehen ist der Begriff hier nicht zutreffend.

Nochmal Wacker zum Aufstieg geschlagen. Der CFC vs. Nordhausen.

Bier

Freitag, 12.04.2019. 29. Spieltag in der Regionalliga Nordost. Saison 2018/2019. Der 1. vs. 4.ten. So zumindest die nüchterne Betrachtung des Spitzenspiels zwischen FSV Wacker Nordhausen und dem Chemnitzer FC. Der MDR übertrug mal wieder per Livestream und versuchte die Bedeutsamkeit des Spiels noch ein wenig zu steigern, indem auf den möglichen sportlichen Aufstieg bzw. die Rückkehr des CFC in die 3. Liga hingewiesen wurde. Der Hinweis auf den „sportlichen“ Aufstieg war dann zumindest noch wichtig, ist doch hinlänglich wie allseits bekannt, dass die Lizenz für die 3. Liga noch nicht erteilt wurde und die 100% Gewissheit nicht darüber besteht, ob der Berliner AK nun wirklich keine Lizenzunterlagen eingereicht hat. Dies hatte Präsi Han zwar in mehreren Interviews verneint, aber beim CFC misstraut man diesen Aussagen. Da will man sich lieber auf was „Offizielles“ berufen können. Irgendwie symptomatisch für den CFC in den letzten Monaten.

Aber egal, die Grundstimmung war doch aufstiegseuphorisch und um dem Spiel noch eine weitere Brise Brisanz zu geben, lautete die Ansage für mich „jedes Tor ein Bier“. Der CFC mit der besten Offensive (67 Tore) und die Wackerer mit der gleichstärksten Defensive, wie die Himmelblauen mit 27 Gegentoren. Das konnte also ein ziemlich nüchternes oder ein herrlich-berauschendes Spiel werden. Die Ansagen der Teams dagegen waren: „Wiedergutmachung gegen den Ligaprimus“ vs. „Lösungen finden gegen die Heimstärke“.

Die Wiedergutmachung der Thüringer bezog sich allerdings nicht auf die 0:2 Hinspiel-Niederlage, sondern auf die 0:5 Auswärtsklatsche vs. VfB Germania Halberstadt. Der CFC, der von den letzten vier Auswärtsspielen drei verloren hatte, wollte wieder Fußball spielen. Na wenn das mal keine Ansage ist :-).

Mit dem Anpfiff war die Hoffnung auf das erste Tor und folglich dem ersten Bier sofort präsent. Das Spielgeschehen wechselte von Seite zu Seite, etwas gewöhnungsbedürftig waren die Trikots der Thüringer. Nur in hoch definiert war erkennbar, dass es nicht die Himmelblauen waren. Unsere Spieler traten in dunkelblau und weiß auf. In den ersten 15 Minuten war es offenes Spiel und das erste Bier blieb weiter verschlossen. Das änderte sich dann 10 Minuten später, denn T. Müller servierte wieder astrein auf D. Bozic, der mit Köpfchen zur 1:0 Führung einnetzte. Der erste Zug an der Flasche war aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann auch entsprechend kräftig. Beim zweiten Zug musste ich dann kurz absetzen. Elfmeter für Nordhausen! Kurze Vergewisserung: Jedes Tor ein Bier!? Auch Gegentore? Na klar! Doch T. Becker setzte den Ball unter die Unterkante der Latte. Kein Tor=kein Bier. Hmmh, kurz gemischte Gefühle, aber die Freude über ein Nicht-Gegentor überwog natürlich selbstverständlich zweifellos freilich mehr. Diese Gefühle wurden genau 11 Minuten später auf eine harte Probe gestellt. Ein Eckstoß von rechts versenkte F. Esdorf auch mit Köpfchen, der 1:1 Ausgleich in der 36. Minute. Das zweite Bier war dann eher eins mit bitterem Beigeschmack. Dass das Dritte nur drei Minuten später folgen sollte, konnte natürlich niemand erahnen. Vor allem nicht wie P. Milde den Ball mit einem herrlichen Schlenzer im Nordhausener Kasten unterbrachte. Darauf anzustoßen gehörte zum guten Ton. Prost! Weitere Treffer folgten nicht, pünktlich ging es in die Halbzeitpause.

Unverändert kamen beide Teams aus dieser zurück. Das Spiel plätscherte dann erstmal vor sich hin, was für mich nicht so dramatisch war, konnte ich doch diese Zeit für den ersten Gang Richtung WC antreten. Dieser Gang war allerdings nicht so schnell, wie O. Genausch in der 67. Minute entlang der rechten Bahn sprintete. Er bediente J-L. Mickels hervorragend, aber dieser schaffte es nicht, den Ball mit dem Kopf unterzubringen. Kein Ausgleich=kein viertes Bier. Erleichtert-enttäuschtes Durchatmen an der fast leeren Flasche.

Ein weiteres Tor wollte trotz aller beiderseitigen Bemühungen nicht mehr fallen. CFC-Trainer D. Bergner brachte sogar in der 91. Minute wieder J-P. Hoppe, der in den letzten beiden Spielen mit Joker-Toren wusste, wie man für Aufsehen sorgt. Aber auch das blieb folgenlos. Die zweite Halbzeit blieb ohne weitere Tore. Aber egal!

Ganz nüchtern betrachtet: Mit dem 1:2 Auswärtssieg hat der CFC den 1. Tabellenplatz verteidigt. Der Berliner AK gewann zwar das Auswärtsduell vs. Optik Rathenow mit 1:0, aber wayne interessiert das jetzt noch?

Unter misstrauischen Vorbehalt: Der CFC ist wieder zurück! Zurück in der 3. Liga! Aufstieg! Yeahhhhh! Ein-Schuss-ein-Tor-Karl-Marx-Stadt! Nie-mehr-vierte-Liga-nie-mehr! Die Freude-Handbremse wurde gelöst, der kleine Rausch nimmt Fahrt auf.

In diesem Sinne! Himmel-Blau!

By Nino