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Interview mit der Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“

2017 konnte der Blogger Chasing mit einem Text zum Spiel Chemnitzer FC vs. Rot Weiß Erfurt und hier insbesondere dem Support der Ultras in der Kategorie „Gastbeitrag“ Premiere feiern. Nun steht die Premiere in der Kategorie „Interview“ an. Dazu war die Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“ unser Gesprächspartner. Im Interview spricht die Gruppe u.a. über die Entstehungsgeschichte, bisherige Aktionen und Ziele sowie zur Frage wie die Zukunft des CFC aussehen könnte. Viel Spaß beim Lesen!

 Vielfalt

Mit freundlicher Genehmigung der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus.

Was war der Anlass zur Gründung der „CFC-Fans gegen Rassismus“?

CFC-Fans gegen Rassismus: Die Stimmung im Stadion wird seit langer Zeit von Gruppen dominiert, die klar dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Man konnte das als normaler Fußballfan immer ausblenden, sich damit abfinden oder man konnte dem Stadion fernbleiben. Mehr Optionen gab es nicht. Man dachte wohl lange, dass es sich mit der Zeit von selbst erledigen würde. Aber an den Ausschreitungen Ende August, Anfang September 2018 haben sich bestimmte Fangruppen des Chemnitzer FC beteiligt, die damit ihren Einfluss auch außerhalb des Stadions demonstriert haben. Die Ereignisse am 9. März 2019 beim Spiel gegen Altglienicke und individuelle Erfahrungen der Mitglieder in diversen Fanclubs haben dann den Stein ins Rollen gebracht und waren der Impuls, sich zusammenzufinden. Die ‚CFC-Fans gegen Rassismus‘ sind kein Fanclub, sondern eine Initiative, die Fans eine Stimme geben möchte, die rechtsradikales, rassistisches, antidemokratisches Gedankengut ablehnen. Wir fordern ein, dass die Werte unseres Grundgesetzes auch im Fußballstadion gelten und Diskriminierung gleich welcher Art bei aller sportlicher Rivalität im Fußball nichts zu suchen haben. Die ‚Sektion Vielfalt‘ ist ein Projekt im Rahmen unserer Initiative.

Welche Aktionen habt ihr bisher gestartet und sind in Zukunft geplant?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben bereits eine Reihe von Aktionen gestartet, die jedoch nicht alle in die Öffentlichkeit gelangt sind. Zum einen hatten wir in den letzten Monaten mit einigen organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum anderen sehen wir unsere Hauptaufgabe nicht darin, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege für den Chemnitzer FC zu treiben. Medienwirksame Spruchbänder oder öffentliche Bekundungen sind als Signal nützlich, werden aber allein langfristig kaum etwas ändern. Wir sind uns bewusst, dass ein langer Weg vor uns liegt und dass es viele kleine Schritte braucht, um etwas zu bewegen. Dafür arbeiten wir an Projekten gemeinsam mit dem Verein bzw. der GmbH. Wir suchen Kontakt zu anderen Gruppierungen und Fanclubs, die unseren Zielen positiv und offen gegenüberstehen und loten aus, was wir gemeinsam tun können. Wir schauen dabei auch auf Initiativen anderer regionaler und überregionaler Vereine, nicht nur im Bereich Fußball. Die Probleme, die wir beim Chemnitzer FC haben, kennen andere Vereine natürlich auch und wir suchen den Erfahrungsaustausch.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem CFC, hier insbesondere mit dem Fanbeauftragten und dem Anti-Rassismus-Beauftragten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir stehen mit dem Anti-Rassismus-Beauftragten und dem Fanbeauftragten in Kontakt. Die Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer FC könnte jedoch besser laufen. Dort hat man momentan viele andere Probleme auf dem Tisch und irgendwas fällt immer hinten runter. Wir können die schwierige Situation des Vereins nachvollziehen, wünschen uns aber, dass die Zusammenarbeit mit uns intensiver und verbindlicher als in der Vergangenheit stattfindet. Bisweilen haben wir den Eindruck, unsere Initiative wird zur Zeit eher als lästiges Randthema wahrgenommen. Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen den strukturellen Problemen, dem schlechten Image des Vereins und den Versäumnissen in der Vergangenheit. Wir sind der Meinung, dass man auch ohne großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand einiges tun könnte, um das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Dazu haben wir auch konkrete Vorschläge gemacht, die bislang aber nicht umgesetzt wurden. Wir hoffen, dass das Insolvenzverfahren bald abgeschlossen werden kann. Denn in Zukunft muss hier deutlich mehr passieren.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen innerhalb der Chemnitzer Fanszene? Gibt es Vorbehalte und/oder Unterstützung?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben Kontakt zu einzelnen Gruppierungen und Fanclubs, die unser Anliegen unterstützen. Es gibt auch Gruppen, die unsere Positionen ablehnen. Wir haben bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, sind auch konkret bedroht worden. Wir sind deshalb vorsichtig, legen es nicht auf eine Konfrontation an. Wir haben bereits eine Vielzahl von Unterstützern im und außerhalb des Stadions und wir werden stetig mehr. Unser Ziel ist es, eine relevante Größe im Fanspektrum zu werden.

Was entgegnet ihr Kritikern, die fordern, dass Politik nichts im Stadion zu suchen hat?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sehen diese Aussage kritisch. In der Vergangenheit wurde sie vor allem benutzt, um Diskussionen abzuwürgen, um Kritiker ruhig zu stellen. Das Stadion kann kein politikfreier Raum sein, denn normalerweise bildet sich dort die Breite der Bevölkerung ab mit allen ihren Meinungen und Lebensentwürfen. Und das soll auch so sein. Der kleinste gemeinsame Nenner ist der Fußball, die lautstarke Unterstützung der Mannschaft, aber eben auch das Grundgesetz. In dem Moment, wo Menschen zum Beispiel aufgrund ihrer Herkunft, Rasse oder sexuellen Orientierung beleidigt und diskriminiert werden, werden Grundwerte mit Füßen getreten. Genau das passiert leider regelmäßig im Stadion und meist wird dem nicht widersprochen. Widerspruch gegen diese Aktionen wird aber immer wieder als politische Stellungnahme abgelehnt. Das geht nicht. Dumme Kommentare wird es immer geben. Aber wir wünschen uns eine Tribüne, wo rassistische Beleidigungen nicht unwidersprochen bleiben. Wir sehen hier alle Fans, aber vor allem auch die aktive Fanszene in der Pflicht. Wenn die nicht mitmacht, wird es nicht klappen.

Wie kann der CFC seine Probleme mit Rechtsradikalismus lösen? Welchen Beitrag wollt ihr dazu leisten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Der CFC muss sich zunächst eingestehen, dass er Probleme hat und dass diese gelöst werden müssen. Wir sind uns nicht sicher, ob diese Erkenntnis bereits überall gegeben ist. Vielleicht herrscht auch der Eindruck, man habe bereits genug getan. Wir sehen das anders. Wir erwarten nach wie vor eine detaillierte Aufarbeitung der Vorgänge rund um den 9. März 2019. Vieles ist in Bruchstücken bereits an die Öffentlichkeit gelangt, aber es existieren auch einige Widersprüche, die aufzuklären sind. Es wurden unmittelbar danach mehrere Personen entlassen und mittlerweile teilweise wieder rehabilitiert, ohne dass deren Verantwortlichkeiten jemals abschließend geklärt wurde. Wir hören immer nur von allen Distanzierungen, keiner will etwas gewesen sein oder für etwas Verantwortung gehabt haben. Das kann doch nicht stimmen. Die Aufklärung ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass das in Zukunft nicht wieder geschehen kann. Es müssen Maßnahmen getroffen und durchgesetzt werden, die Ähnliches in Zukunft effektiv verhindern. Darüber hinaus muss der Verein sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen und Farbe bekennen. Entsprechend § 2 Absatz 1 seiner Satzung sieht der Verein seine Aufgaben auch in der charakterlichen Bildung seiner Mitglieder und laut Absatz 4 tritt er rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Das kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn der Verein als Partner im Bereich Aufklärung und politischer Bildung zur Verfügung steht. Wir sehen hier in allen Bereichen noch ungenutzte Möglichkeiten, auch im Profibereich müssen Angebote geschaffen werden. Wir unterstützen den Verein gern bei der Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, Vereinen und Bildungsträgern. Wir bieten auch unsere Mitwirkung bei der Durchführung solcher Angebote und Veranstaltungen an.

Wie stellt ihr Euch den CFC in Zukunft vor?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sind Fans des Chemnitzer FC und wollen natürlich in erster Linie unsere Mannschaften sportlich erfolgreich sehen. Untrennbar gehört dazu aber unserer Ansicht nach auch ein aktives Vereinsleben und ein gesellschaftspolitisches Engagement, das der Verantwortung des größten Sportvereins der Stadt gerecht wird. Wenn es gelingt, dass der Verein in der öffentlichen Wahrnehmung wieder ein Abbild der Bevölkerung der Stadt und der Region darstellt, wird sich dadurch auch die Identifikation mit dem Verein verbessern. Das könnte sich widerspiegeln in besseren Mitglieder- und Besucherzahlen und auch der Attraktivität für Sponsoren, die letztlich das nötige Geld zur Verfügung stellen. Wir sehen einen langen steinigen Weg vor uns. Aber wir wollen ihn gehen.

thebeautifulgameblog bedankt sich bei der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus für das Interview.

Hudson Derby – nö RB, nich hier!

StadiumAnpfiff

Ende August 2019 stand das Hudson Derby an. Mein NYCFC empfing den „Stadtrivalen“ aus New Jersey Red Bull New York im Yankee Stadium. Beide standen in der Tabelle im oberen Drittel nur drei Punkte entfernt voneinander in Schlagweite zur Spitze.

Ich hatte den NYCFC schon eine Weile nicht besucht, da meine Kids einfach noch nicht im Fußball-mündigen Alter sind und wahrscheinlich jeden Besuch einer kulturellen Veranstaltung in ein Spielplatzabenteuer mit Hüpfburg und Schlammschlacht verwandelt hätten. Dieser Gedanke hielt mich in den letzten Jahren von einigen Stadiongängen ab, da ich doch etwas vom Spiel haben und nicht nur Zirkusdompteur und Ordnungshüter spielen wollte. Dennoch haben meine Jungs in diesem Jahr Fortschritte im Fußball spielen wie schauen gemacht und ich liebäugelte mit dem Gedanken dem hoffentlichen Bullen Schlachten beizuwohnen.

Am Abend vorher veranstaltete die Trinkhalle Hofbräuhaus in NYC eine Ticketverlosung zum Spiel und ich meinte zu meiner Frau, dass ich diese ja eh gewinnen würde wenn, ja wenn wir da hingehen würden. Sie lachte nur und meinte später, dass sie uns einen Tisch reserviert hatte. Jetzt gab es kein Entrinnen mehr und schon befand ich mich mit meinen Kids und der Dame im angenehmen Klein Deutschlandidyll mit Schweinshaxe, Spätzle und einem Maß Kellerbier. Die Musik war laut und viele 80er Hits wurden von der Band interpretiert, so dass uns Blasmusik erspart blieb und unsere Kids für die Dauer des Aufenthaltes beschäftigt waren. Als es zur Ticketverlosung kam, gewann ich dann tatsächlich vier Tickets fürs Derby. Das war schon toll, wie selbstverständlich dies passierte. Danke HB Haus!

Tickets

Am nächsten Abend ging es in den Gourmettempel des Yankee-Stadions, wo wir bei perfekten Plätzen einen überragenden NYCFC anfeuerten. Perfekte Plätze nicht wegen der Platzierung im Stadion, sondern weil vor und hinter uns mehrere Reihen frei blieben, welche von meinen Kids gründlich genutzt wurden. Meine Kids in Himmelblau vom Chemnitzer FC waren dennoch verwirrt, warum man denn nicht für die Roten Bullen halten kann. „Scheiß Marketing“ schrillte es in meinem Kopf und wahrscheinlich haben meine Kids das auch gehört, da mein 4jähriger für einige Minuten „Scheiße Scheiße Scheiße“ vor sich hin trällerte! Da ist wohl noch einige Aufklärung notwendig.

CFC-Jungs

Das Spiel ist schnell erzählt. Ein munteres hin und her mit klarer Überlegenheit durch NYCFC. Dennoch ging der Kuhverein in Führung. Irgendwann konnte NYCFC seine Chancen in Tore umwandeln und gewann 2-1. Wobei ich Maxi Morales Agilität und Einsatz hervorheben möchte und Heber’s Hackentor zum 2-1.

FührungRedBull

TorjubelNYCFC

Endstand

Ein gelungener Abend im Yankees-Stadion welcher vom „wahren“ New York Club gewonnen wurde. An dieser Stelle könnte man sich immer über die Pseudo Vereine der MLS auslassen und ich bin mir sehr bewusst, wer als Sponsor beim NYCFC agiert. Dennoch möchte ich hervorheben, dass gerade eine gesunde Rivalität in so einer großen Stadt den Reiz des Fußballs zum Tragen bringt und beide Vereine eine Bereicherung für die MLS sind. Im Großen und Ganzen ist das Niveau der MLS beachtlich und der Unterhaltungswert enorm. Cheers!

Over and Out, euer Baba!

Lese-Empfehlung: Das Hudson Derby und die schlechte Kopie (2016)

 

 

„Was bisher geschah…“ Teil 9

Neun

Das letzte Mal einstellig, dann sind wir schon bei Numero 10. Vorher können wir in aller gebotenen Bescheidenheit in unserer Rückblicks-Kategorie „Was bisher geschah…“ wie eh und je auf einen bunten Strauß an Themen zurückblicken. Wir haben uns dem ewigen Thema „Relegation“ mit einem Pro und Contra gewidmet und so wie es aussieht, werden wir wohl dazu niemals einer Meinung sein. Wenn schon dann beim Thema Kommerz. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote sind immer noch eine gute Orientierung, etwas proaktiv gegen die Kommerzialisierung im Fußball-Geschäft zu tun. Bei aller Schwierigkeit der konsequenten Umsetzung.

Eine luftige Geschäftsidee hatten wir allerdings für Timo Werner. Leider aufgrund der ihn ereilenden Schmäh-Rufe aus der Not geboren. Einen empörten und immer noch unbeantworteten Leserbrief an den 11Freunde Chefredakteur und u.a. auch SternStimme Philip Köster hatte dies auch noch zur Folge.

Fehlen durfte unser geliebter Chemnitzer FC selbstverständlich nicht. Diesmal vertreten mit einem Kommentar zum Sieg im Sachsenpokal 2017, der wiederum zum vermeintlichen Traumlos FC Bayern München in der 1. Runde des DFB-Pokals geführt hatte.

Wie immer: Viel Spaß beim Stöbern!

By Baba und Nino

81. Was bisher geschah…Teil 5

82. Relegation ist Mist

83. Der unabsteigbare HSV – der Traum von einer Huldigung!

84. Kommentar zum Sachsenpokalfinale Lok Leipzig vs. CFC

85. Relegation ist geil! Alles oder Nichts! Es lebe die Relegation!

86. Die luftige Geschäftsidee für Timo Werner

87. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

88. CFC vs. FCB – Das Pokal-Traumlos!?

89. Leserbrief zur stern-Stimme Philipp Köster

90. Ein Bericht vom Spiel Houston Dynamo vs. FC Dallas

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7 und last but not least Teil 8.

 

Go Beijing Guoan Go

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Diesen Sommer habe ich mit meiner Familie in Peking Urlaub gemacht und mit meinem Sohn das Vorhaben durchgesetzt, ein Spiel des Hauptstadtteams aus Peking zu sehen. Ich hatte schon einmal ein Spiel von Beijing Guoan F.C. gesehen. Im Jahr 2010 hatte sich das Team im Regen von Peking zu einem mageren 0-0 geschleppt und ich erinnere mich nur noch an das Wachpersonal, welches auf kleinen Hockern auf der Tartanbahn saß und grimmig in die Fans schaute. Für mich war das einprägsamste, dass die Polizisten oder Security Leute damals Ausgehuniformen trugen, welche denen der NVA stark ähnelten. Ein wenig Heimat in der Ferne dachte ich mir damals.

PerkinOrdner

Nun fast 9 Jahre später freute ich mich auf einen sehr warmen Sommerabend, bei dem der Spitzenreiter der Chinesischen Super League das Team von Chongqing Dangdai Lifan F.C. empfing. Beijing hatte die letzten 8 Partien allesamt gewonnen und die letzten 14 von 15 Spiele für sich entschieden. In jedem Heimspiel der Saison hatte Beijing mindestens 2 Tore geschossen, also konnte wir getrost davon ausgehen, dass es diesmal kein mageres 0-0 geben würde. Es war zu erwarten, dass unter der Regie von Trainer Roger Schmidt (ehemals Leverkusen, Salzburg, Münster, Paderborn) mit seinem bekanntestem Spieler Renato Augusto (ehemals Leverkusen, Corinthias, Flamengo und brasilianisches Nationalteam) die Zuschauer auf ihre Kosten kommen würden.

Außerdem wollte ich unbedingt meinem 6-jährigen Sohn ein Spiel in Chinas oberster Spielklasse zu Gute kommen lassen. Bisher hatte er ausschließlich den CFC und in New York den NYCFC gesehen. In diesem Jahr hatte er große Fortschritte in seinem Fußballspiel erzielt und einen schönen strammen Schuss (The Hammer) erlangt.

Leider konnten wir im Vorfeld keine Eintrittskarten erwerben, da in China derzeit alles und jeder nur noch mit WeeChat bezahlt wird (Bargeldlos mit dem Handy) und wir als Touristen dazu aber keinen Zugang hatten. So waren wir auf die Ticketverkäufer vor dem Stadion angewiesen, welche uns für 300RMB zwei Tickets in der Nordkurve verkauften. Das sind rund 50$ und nahe am Originalpreis. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Verkäufer Offizielle sind oder aber sich mit den Tickets etwas hinzuverdienen. In unserem Fall hat der Ticketmann 10$ verdient. Dann haben mein Sohn und ich uns noch mit Fan-Utensilien eingedeckt (Schals und Tröte) und ab ging‘s Richtung Beijing Workers Stadium. Als Ausländer mussten wir zu einem speziellen Einlass, wo unsere Pässe gescannt und unsere Eintrittskarten abgerissen worden. Was auffiel war, dass das gesamte Personal vom Verkäufer bis zur Security sehr freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend auftraten. Insgesamt fühlte ich mich sehr sicher und konnte mich mit meinem Sohn auf die Eindrücke konzentrieren.

Im Stadion haben wir dann noch den offiziellen Fanshop besucht und den Presseraum von außen betrachtet. Genau davor trafen wir dann auch wieder auf die fast vertrauten Männer in Uniformen, die für Recht und Ordnung sorgen. Nachdem wir uns mit Sandwiches, Popcorn und Wasser eingedeckt hatten ging es ins Stadion. Leider habe ich keinen Bier-Stand gesehen und auch gab es wie zu erwarten keine Stadionwurst.

PekinPresseraum

Unsere Plätze waren im Unterrang der Nordkurve rechts neben einer der Ultragruppen von Beijing Guoan F.C., die während des gesamten Spiels sangen. Viele der Melodien waren mir bekannt und mein Sohn hatte den größten Spaß mitzusingen und auf den Stühlen zu stehen. Im Laufe des Spiels standen alle Zuschauer neben den Ultras wie auch die Ultras selbst auf den Stühlen und ahmten die Gesänge nach. Es gab zwei weitere Ultragruppierungen: eine auf der Gegentribüne und eine auf dem Nordwestlichen Oberrang. All diese Gruppen waren ca. 200 – 300 Mann stark und sehr gut organisiert, aber auch sehr freundlich. Alle Energie wurde in das Singen von Liedern, rufen von Slogans und Fahnen schwenken gesteckt. Viele von den sehr jungen Fans hatten sehr viel Spaß dabei und zeigten mir eine sehr lebendige, ausgelassene und vor allem friedliche Fankultur. Zum Anpfiff war das Stadion gut gefüllt mit einem sehr vielseitigen Publikum.

 

 

UltrasLinks

UltrasRechts

Das Spiel ist schnell erzählt: Chongqing Dangdai Lifan F.C. ging in der 3. Minute nach individuellem Abwehrfehler in Führung. Danach drückte Beijing auf den Ausgleich und hatte viele Möglichkeiten. Währen dessen blieb Chongqing Dangdai Lifan F.C. immer durch Konter gefährlich und hätte durchaus die Führung ausbauen können, wenn sie ihre Konter konsequenter zu Ende gespielt hätten. In der 39. Minute war es dann soweit und Beijing schoss den Ausgleich per Flanke und Kopfball. Dies hatte sich angedeutet, war doch Beijing von Minute zu Minute stärker geworden.

In der Halbzeitpause gab es das Maskottchen – ein Löwe – der durchs Stadionrund tobte und mit Kinder Fußball spielte. In der Halbzeitpause stoppten auch die Ultras bei Zigaretten und Wasser, um sich auf die 2. Halbzeit vorzubereiten.

PekingUltras

Kurz nach Wiederanpfiff gab es einen berechtigten Elfmeter direkt vor unserer Kurve für Bejing. Renato Augusto ließ sich nicht lange bitten und netzte zur verdienten Führung des Spitzenreiters ein (48. Minute). In der 64. und 70. Minute erhöhte dann Beijing auf 4-1 und machte so jeden Heimfan glücklich. Danach plätscherte das Geschehen auf dem Rasen dahin und zollte dem hohen Tempo bei extrem heißen Temperaturen Tribut. Nur auf den Rängen schwappte die Laola-Welle durch das Stadion.

Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend, mit fantastischen Fans, einem sehr gut organisierten Team aus Peking, vielen schönen Toren und einem absolut verdienten Sieg.

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Beijing Guoan F.C. wir kommen wieder und diesmal werden wir nicht 9 Jahre warten!

Mein Sohn singt heute noch die Lieder und hat jetzt erst seine Leiterin in den Ferienspielen mit den Gesängen konfrontiert und die anderen Kinder instruiert. Ich glaube, hier wächst ein enthusiastischer Nachwuchsfan heran – alles richtiggemacht –.

By Baba

 

Ein Blick in die himmelblaue Glaskugel

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Hurra, Hurra die Chemnitzer sind wieder da! Zurück in Liga 3 der Fußball-Bundesliga. Oder wie die Spötter von den Dächern rufen: „Pleite-Liga!“, „Insolvenzliga!“, „Millionengrab!“ Diesen Rufen wollen wir uns hier aber nicht anschließen. Stattdessen widmen wir uns frei nach dem Motto von Ron Atkinson „Ich wage mal eine Prognose: Es könnte so oder so ausgehen.“ einer nicht ganz ernstgemeinten himmelblauen Hinrunden-Aussicht.

Ernst meint es dagegen nunmehr die MDR-Sportredaktion. Für die ausschließliche Berichterstattung über den Chemnitzer FC wird ein zusätzlicher Praktikant eingestellt. Laut Aussage des MDR-Sportchefs Raiko Richter soll der Anschein einer „ausgewogenen Berichterstattung“ weiter gefestigt werden.

Offiziell startet die 3. Liga mit dem trost-wie-torlosen Duell zwischen dem TSV 1860 München und Preußen Münster. Der CFC startet hingegen mit zwei Siegen gegen die Mitaufstiegs-Teams Waldhof Mannheim und Viktoria Köln. Der erste Tabellenplatz wird auch in der Englischen Woche in den Duellen vs. SV Meppen und Hallescher FC überraschend verteidigt. In Halle reicht es allerdings nur zu einem Unentschieden. Trainer David Bergner begründet dies mit „die Spieler sind mit dem Kopf schon im Pokal“. Damit meint er das anstehende DFB-Pokal-Duell gegen die Traditionsmannschaft Hamburger SV. Die zweitklassigen Elbstädter liefern sich vor ausverkauften Stadion ein mitreißendes Duell, welches letztendlich durch einen verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit entschieden wird. Sportvorstand Thomas Sobotzik bedankt sich insbesondere bei den Mitgliedern des CFC, die mit den Ticketkäufen maßgeblich zum ausverkauften Stadion beigetragen haben.

Das erste Freitagsspiel bestreitet der CFC gegen den 1. FC Magdeburg. Die Magdeburger haben aufgrund der Pokal-Niederlage vs. SC Freiburg eine gehörige Portion Wut im Bauch und besiegen die Himmelblauen mit einem Tor Unterschied. Die Bergner-Schützlinge bekommen dennoch zwei Tage Urlaub. Diese nutzt die Mannschaft u.a. zu einem gemeinsamen Abendessen. Es wird Zigeuner-Schnitzel serviert. Der MDR-Praktikant wittert den ersten handgeschriebenen Skandal. Jedoch gibt es keine Videoaufnahmen, so dass sein Chefchen Tom Scheunemann grimmig dreinschauend entscheidet, dass die prallgefüllte Skandal-Akte des CFC zunächst keinen weiteren Eintrag erhalten soll. Der Praktikant wird unterdessen in der MDR-Sportreporter-WhatsApp-Gruppe freundlich auf die Laufzeit seines Praktikums hingewiesen.

Das himmelblaue Trainer-Team ruft dagegen die bayerischen Wochen aus. In den Duellen gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München, den TSV 1860 München und die Börsianer aus Unterhaching sollen mindestens sieben Punkte eingefahren werden. Als Belohnung wird ein Besuch auf dem Münchner Oktoberfest ausgerufen. Der MDR-Praktikant wittert Skandal-Luft und sucht schon mal günstige Mitfahrgelegenheiten gen München. Trotz dieses Anreizes verpasst das Team die angestrebte Punktezahl. Nach harten Duellen auf dem Platz werden am Ende vier Punkte aus Bayern mitgenommen. Der Mannschaftsrat kann das Trainer-Team dennoch vom Besuch des Oktoberfests überzeugen. Dem MDR-Praktikanten wird geflüstert, dass wohl ein Obazda-Wettessen mit anschließender Wetteinsatz-Einlösung vor Ort erfolgen soll. A riesen Gaudi soll’s werden. Erste Entwürfe für eine reißerische Überschrift werden noch direkt nach Bekanntwerden der Eilmeldung von TAG24 erstellt.

Das dritte Ost-Duell vs. Carl Zeiss Jena kann der CFC überzeugend für sich entscheiden. Die Tabellensituation entschärft sich somit langsam aber sicher. Die Mannschaft nutzt dieses Momentum und tritt die Reise zum Oktoberfest an. Der MDR-Praktikant scheitert an der Einlass-Kontrolle zum Käferzelt. Somit bewahrheitet sich das Mannschafts-Motto „Was in München passiert, bleibt in München“. Per Anhalter tritt der geknickte MDR-Praktikant die Heimreise nach Chemnitz an. Währenddessen erhält er wohlmeinende Recherche-Tipps (#Rassismus #Insolvenz #Gerichtsverfahren).

Gegen den Zuschauermagneten SG Sonnenhof Großaspach erspielt sich das himmelblaue Team einen weiteren Auswärtsdreier. Gegen die Zebras aus Duisburg und die Schanzer aus Ingolstadt reicht es nur für magere Unentschieden. Erste „Bergner-Raus“-Rufe sind vom leicht-erregbarem Chemnitzer Publikum zu hören. Die Chefetage vereinbart zur Trainer-Frage bis auf Weiteres „Stillschweigen“. Zum Traditionsduell #FCKFCK reist extra die Chemnitzer Katze Michael Ballack an. Aus der eigenen VIP-Loge fiebert er mit seiner alten Liebe FCK dem Sieg entgegen.

Im Vorfeld des Spiels vs. Preußen Münster machen Insolvenzgerüchte die Runde. Die Münsteraner, so der erstberichtende MDR wollen Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Chemnitzer FC abwerben. Koste es, was es wolle. Zur Not, so der Vorstand, soll der Weg durch alle gerichtlichen Instanzen gegangen werden. Der so umworbene Siemon wird dann auch auf der Tribüne vom Preußenstadion gesichtet. Die örtlichen Boulevardmedien zerreißen sich über das Warum zwar tagelang genüsslich, schließlich aber ohne Ergebnis das Maul. Die Erweiterung des Erfahrungshorizonts der CFC-Spieler durch das knappe Nicht-Gewinnen geht dabei schlussendlich unter.

Mit der Niederlage beginnt der zweitspielreichste Monat dieser 2019/2020er Hinrunde. Noch in Münster sind wieder unüberhörbar „Bergner-Raus“-Rufe zu vernehmen. Das Stillschweigen der Verantwortungsträger wird ausnahmsweise gebrochen. In einem Exklusivinterview mit der CFC-Fanpage erklärt Sportvorstand Thomas Sobotzik, dass der Trainer seinen Vertrag erfüllen wird. Mindestens bis zum Ende der Saison. Diese vertrauensvolle Rückendeckung wirkt sich wiederum positiv auf die Mannschaft aus. Gegen die Kickers aus Würzburg und Braunschweig zeigt sich die himmelblaue Eintracht auch auf dem Spielfeld. Ein Sieg und ein Unentschieden lassen auch die letzten Meckerer kleinlaut werden.

Beim vorvorletzten Duell vor der Winterpause indes herrscht wieder der (T-)Rubel. Der Pöbel-Russe Mikhail Ponomarew zeigte seinem Trainer Heiko den Vogel und lotst Peter Neururer aus Wattenscheid an den Rhein. Der Retter-Mythos und „neuer-Trainer-Effekt“ zieht aber wie eh und je nicht. Die Himmelblauen siegen unbeeindruckt und Kapitän Daniel Frahn schießt sich mit einem lupenreinen 3er-Pack zurück an die Spitze der Torjägerliste.

In den letzten beiden Hinrunden-Duellen, gleichsam die heißersehnten Ostduelle gegen die Schwäne aus Zwickau und die Koggeianer aus Rostock werden die Punkte jeweils brüderlich geteilt. Der CFC beendet die Hinrunde auf dem 6. Tabellenplatz.

Der weihnachtliche Rückrunden-Auftakt vs. Waldhof Mannheim wird ebenso gewonnen. Tage später erleben die himmelblauen Fans sowie alle Beauftragten und Bevollmächtigten die Erstauflage des „Weihnachtssingens“. Am Mittelkreis der Fischerwiese werden glühweingeschwängert „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Alle Jahre wieder“ sowie „Ihr Hirten, erwacht!“ zusammen gesungen. Schön, dass auch diese Tradition noch zu Kommerz veredelt wird. Bei den Gründern des Weihnachtssingens, Fans des 1. FC Union Berlin, werden dazu genervt die Augen gerollt.

Keine rollenden, sondern tränende Augen hat am 23. Dezember 2019 der MDR Praktikant. Kurz vor den Betriebsferien wird ihm das frühzeitige Ende des Praktikums per Bote übermittelt. Offiziell aus Kostengründen. Aus dem geleakten WhatsApp-Chatprotokoll wird jedoch deutlich, dass der Praktikant die Erwartungen seiner Oberen massiv enttäuscht hat. Die Ansage war glasklar: mehr Follower! mehr Likes! mehr Klicks! mehr Content! Und das bei einer solch leichten Skandalnudel wie dem Chemnitzer FC. Wir hätten jedenfalls Geduld walten lassen. Schließlich kommt noch die Rückrunde…

By Baba&Nino

 

Ins richtige Licht gerückt werden

Licht

Die Mitte Juni 2019 veröffentlichte Erklärung des Chemnitzer FC zur Rehabilitierung des Ex-Mitarbeiters Maximilian Glös war nur 4 Sätze lang. Trotz dieser Kürze gibt sie viel Anlass zur Hoffnung, dass die Geschehnisse vor, am und nach dem verhängnisvollen 9. März 2019 endlich den Kosmos aus Vermutungen, Anschuldigungen und sonstigen Theorien verlassen können und Klarheit über das Zustandekommen hergestellt wird.

Denn die Trauerzeremonie wurde ja nicht nur Maximilian Glös zum Verhängnis. Für den nicht mehr eingesetzten Stadionsprecher Olaf Kadner dürften vor allem die Wörter „…nicht entscheidungserheblich oder verantwortlich handelnd beteiligt…“ äußerst interessant sein. Schließlich hat er zwar einen Text vorgelesen, aber von weiterer Verantwortung oder entscheidungserheblicher Beteiligung war bisher nicht die Rede.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass der CFC an der weiteren Aufarbeitung der Vorfälle arbeitet und nach eigener Aussage tut er dies „mit Hochdruck“. Vielleicht haben die Verantwortlichen dabei auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gelesen. Dieser hatte sich in seiner Ausgabe 24/2019 auch diesem Thema gewidmet und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Was wie eine offizieller Trauerfeier aussah, war im Grunde eine Erpressung“. Detailliert wird beschrieben, wer wie wo und wann daran beteiligt war bzw. gewesen sein soll. Einiges wird da nochmal in ein anderes Licht gerückt und dies hat eine erhellende Wirkung. Nun sind solche Artikel keine Gerichtsurteile. Umso erfreulicher, dass dies dann bald auch vor Gericht geklärt werden könnte. Die Strafanzeige von Insolvenzverwalter Klaus Siemon „gegen Unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Delikte“ wird ja offensichtlich immer noch bearbeitet. Zumindest habe ich bisher nur von weiteren Klage-Einreichungen (z.B. gegen den Notvorstand) gehört, aber nix von Urteilen.

Die Mühlen der Justiz laufen vermeintlich langsam, aber sie laufen und am Ende steht zumindest eine Entscheidung, im besten Fall ein Urteil. Im Falle des CFC wird dann hoffentlich klar sein, ob es z.B. eine Erpressung war oder nicht. Und dann besteht auch die Chance einen Schlussstrich hinter dieses dunkle Kapitel in der Geschichte des CFC zu ziehen.

Meiner Einschätzung nach werden die sportlichen Erfolge der Saison 2018/2019, Meistertitel in der Regionalliga Nordost und 12.ter Gewinn des Sachsenpokals viel zu wenig gewürdigt. Lieber wird z.B. vom MDR ein Zigeuner-Skandal herbeigeschrieben, der passend für das derzeitige Image der Himmelblauen aufbereitet wurde. Da wird mir zu viel mit zweierlei Maß gemessen. Es wird höchste Zeit, dass der CFC bei solchen vermeintlichen Skandalen für die nötige kontextuale Einordnung sorgen würde.

Es ist schon wahrlich mühselig, die unnötigerweise in die Welt gesetzte Bezeichnung des „Nazi-Vereins“ zu widerlegen bzw. darauf hinzuweisen, dass die große Mehrheit der CFC-Mitglieder, Fans und Sympathisanten vom Rechtsradikalismus weit entfernt sind. Als Himmelblauer muss man sich die Frage nach der Zukunft stellen und welchem Club wir angehören. Das geht einher mit einer Identitätsfindung abseits von Nazi-Geschrei und Insolvenz. Wofür steht der Club und was wollen die Fans von diesem? Als Plattform für politische Agitation und als Selbstbedienungsladen sollte der Club nicht herhalten. Dazu später mehr…

By Nino

 

Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Der eiserne Sonntagsschuss*. Ein Bericht zu FCU vs. HSV.

Vor Anpfiff

2. Fußball-Bundesliga, 31. Spieltag der Saison 2018/2019, Sonntag, 28.04.2019, 13:30Uhr, Stadion An der Alten Försterei, Berlin Treptow-Köpenick. 1. FC Union Berlin vs. Hamburger SV. Soweit so nüchtern betrachtet. Aber dieses Spiel ist nicht nur das erste Pflichtspiel des FCU vs. HSV, sondern wohl auch das Mitentscheidende um den Aufstieg in die Beletage des deutschen Männer-Fußballs.

Für beide Teams wäre es ja der erste Aufstieg, die Premiere sozusagen. Mit einem Sieg könnten die Köpenicker punktetechnisch mit den Hamburgern gleichziehen oder einen weiteren Rückschlag im Aufstiegskampf erleiden. Der HSV konnte hingegen Big Points sammeln und die Berliner um sechs Punkte distanzieren. Ein 2:2 Unentschieden wie im Hinspiel würde beiden nicht wirklich weiterhelfen. So oder so, in diesem Spiel war vor dem Anpfiff schon reichlich Brisanz.

Als ganz frischer Neu-Köpenicker war mir diese schon länger bekannt, war ich doch einige Male bei Union u.a. beim 1:1 vs. DSC Arminia Bielefeld und verfolgte die Entwicklung der bisweilen betitelten „Unaufsteigbaren“. Über den fast immer lesenswerten Blog textilvergehen hatte ich mitbekommen, dass dieses Spiel seit Wochen ausverkauft war. Umso überraschender kam die Nachricht eines Freundes, der über Kontakte noch an Karten gekommen war. Die schnelle private Abklärung und im Ergebnis erfolgreiche Zusage erfolgten noch am Vorband des Spiels. Ein dreifach Hoch auf den Kompromiss!

Kompromisse muss man wohl manchmal auch als Fußball-Fan eingehen, denn die Ambivalenz wurde mir im Nachgang der Zusage bewusst: Als gebürtiger Himmelblauer Chemnitzer FC-Fan, örtlich gebundener Köpenicker an einem Spiel gegen den Hamburger SV teilnehmen. Der FC Union Berlin rangiert ja für mich weit vor dem HSV in der Sympathie-Tabelle. Ich war ja sooooo erleichtert, als der HSV endlich in die zweite Bundesliga abgestiegen war und für mich der Fußball-Gott wiedergeboren wurde. Die Sympathien waren also vor dem Anstoß klar verteilt und die Vorfreude auf ein schönes Spiel noch größer.

Die Vorberichte ließen auch erahnen, in welche Richtung die Partie gehen würde: „Zurück in die Erfolgsspur kämpfen“ (FCU) vs. „Mit Courarge und Charakter: Im Endspurt durchstarten“ (HSV). Beide Teams konnten in den letzten fünf Partien keines gewinnen, eine Ergebnis-Flaute zur Unzeit. Die Raute, die tragen ja bekanntlich die Hamburger Fans im Herzen. Sie füllten den Gästeblock voll aus. Ihr Schietwetter hatten sie zum Glück zu Hause gelassen. Sie waren wohl der Meinung das Hilfe von ganz oben nicht nötig gewesen wäre. Die Unioner konnten sich auf ihre Fans auch so verlassen. Der Beistand kam aus tausenden schreierprobten Kehlen. Hier traf also auch die Berliner Schnauze auf die „Hemd-Kragen-oben-Fischkopp-Fraktion“. Diese Atmosphäre ist für einen Himmelblauen dann doch sehr beeindruckend. Aktuell sind ja schon 8tausend Zuschauer das höchste der Gefühle. Aber diese und andere sollten für 90 Minuten verdrängt werden, denn ich war als Freund des schönen Spiels da und war gespannt, wie vor allem Union das Ziel Heimsieg erreichen wollte.

Zum Anpfiff gab es auf beiden Seiten beeindruckende Choreografien, wobei die Hamburger mit ihren Rauchschwaden für wenig Durchblick sorgten.

Union Rauch

HSV Rauch

Die erste Torchance konnte Union Berlin direkt auch in der ersten Minute verzeichnen, doch Sebastian Parensen verzog den Ball dermaßen, dass es auch von weiter weg weit drüber aussah. Die nächsten spielerischen Akzente setzten die Hamburger, die durch Bakery Jatta und Aaron Hunt zu Torchancen kamen, aber auch erfolglos blieben. Weitere Highlights gab es im weiteren Verlauf nicht vor dem Tor, sondern an der Seitenlinie. Dort legte sich der Hamburger Rick van Drongelen mit dem Linienrichter an. Nach der innigen Kontaktaufnahme wunderte ich mich schon, dass hierfür nicht der erste gelbe Karton gezeigt wurde. Dafür zeigt der Schiri deutsche Pünktlichkeit und beendete die ersten 45 Minuten ohne Zeitverzug.

Die Halbzeitpause wurde wie immer genutzt, um die ersten schnellen Hellen um die Ecke zu bringen, auch ziemlich deutsch in der Warteschlange.

Halbzeit

Die zweite Halbzeit begann auf Unioner Seite unverändert, HSV-Trainer Hannes Wolf brachte Hee-Chan Hwang für den Abwehrspieler Josha Vagnoman. Dieser fehlte dann auch gleich in dieser, denn Robert Zulj konnte mit der ersten Chance zur 1:0 Führung flach unten rechts einnetzen. Kollektiver Jubel und wohl auch Aufatmen bei den Unionern nach diesem perfekten Start. Und dieses Tor, so abgedroschen es klingen mag, tat dem Spiel gut, denn die Berliner drängten auf das zweite Tor. Aber auch der HSV wollte nun irgendwie ein Tor schießen, da der nächste Abwehrspieler in Person von Gideon Jung für den bulligen Stürmer Pierre-Michel Lasogga ausgewechselt wurde. Dieser Wechsel brachte jedoch so gut wie gar nix ein. Immer wieder war bei den hanseatischen Offensivbemühungen ein Unioner-Bein dazwischen. Insgesamt wirkten diese auch frischer und aggressiver in den Zweikämpfen. Die ersten gelben Karten wurden allerdings erst in der 81. Minute verteilt, im Ergebnis einer Rudelbildung.

Dass die Berliner aber nicht nur kämpfen konnten, zeigte eindrucksvoll Grischa Prömel, der in der 84. Minute zu einem Schuss ansetzte, für den der Begriff „Sonntagsschuss“ erfunden wurde. Nun war es nicht mehr nur kollektiver Jubel, sondern auch besonders lauter. Diesem konnte ich mich auch nicht entziehen, aber auch nur, weil das Tor so herrlich war. Und wer dieses Tor nicht toll fand, der hat den Fußball nie geliebt. Ebenso ansteckend war die prächtige Atmosphäre, die über 90 Minuten von den Rängen fabriziert wurde. Insbesondere die Unioner mit ihren Wechselgesängen erwiesen sich in dieser Hinsicht auf jeden Fall als erstligatauglich.

Es blieb auch mit drei Minuten Nachspielzeit bei der 2:0 Führung, die letztendlich auch verdient war.

Mit dem 2:0 Heimsieg hat sich Union Berlin tatsächlich zurück in die Erfolgsspur gekämpft. Dieser sollte doch Aufwind für die letzten drei anstehenden Duelle geben. Mit Darmstadt (Auswärts), Magdeburg (Heim) und Bochum (Auswärts) stehen jedoch gleich weniger schwere Spiele auf dem Programm.

Für die Hamburger stehen noch die Duelle gegen Ingolstadt (Heim), Paderborn (Auswärts) und Duisburg (Heim) an. Wie im Nachgang des Spiels bekannt wurde ohne Lewis Holtby, der aufgrund seiner Nicht-Nominierung für die Start11 darum gebeten hatte, nicht mit nach Berlin fahren zu müssen. Eine weitere Hamburger Baustelle.

Mit solchen kennt man sich in Berlin zwar auch aus, allerdings abseits des Platzes. Die Union-Fans stimmten schon mal „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“ an. Es könnte ein Evergreen werden.

By Nino

Nach Hinweisen von Lesern bedarf es einer Erklärung zur Verwendung des Worts „Sonntagsschuss“. Mit diesem wollte ich ausdrücken, dass es sich um einen besonderen Schuss gehandelt hat, ein Schuss der nicht aller Tage gelingt. Ähnlich dem Wort „Sonntagsbraten“, der auch etwas Besonderes ist. Jedoch ist die Definition für einen „Sonntagsschuss“ eine gänzlich andere, nämlich, dass dieser mit viel Glück gelingt. So gesehen ist der Begriff hier nicht zutreffend.

Nochmal Wacker zum Aufstieg geschlagen. Der CFC vs. Nordhausen.

Bier

Freitag, 12.04.2019. 29. Spieltag in der Regionalliga Nordost. Saison 2018/2019. Der 1. vs. 4.ten. So zumindest die nüchterne Betrachtung des Spitzenspiels zwischen FSV Wacker Nordhausen und dem Chemnitzer FC. Der MDR übertrug mal wieder per Livestream und versuchte die Bedeutsamkeit des Spiels noch ein wenig zu steigern, indem auf den möglichen sportlichen Aufstieg bzw. die Rückkehr des CFC in die 3. Liga hingewiesen wurde. Der Hinweis auf den „sportlichen“ Aufstieg war dann zumindest noch wichtig, ist doch hinlänglich wie allseits bekannt, dass die Lizenz für die 3. Liga noch nicht erteilt wurde und die 100% Gewissheit nicht darüber besteht, ob der Berliner AK nun wirklich keine Lizenzunterlagen eingereicht hat. Dies hatte Präsi Han zwar in mehreren Interviews verneint, aber beim CFC misstraut man diesen Aussagen. Da will man sich lieber auf was „Offizielles“ berufen können. Irgendwie symptomatisch für den CFC in den letzten Monaten.

Aber egal, die Grundstimmung war doch aufstiegseuphorisch und um dem Spiel noch eine weitere Brise Brisanz zu geben, lautete die Ansage für mich „jedes Tor ein Bier“. Der CFC mit der besten Offensive (67 Tore) und die Wackerer mit der gleichstärksten Defensive, wie die Himmelblauen mit 27 Gegentoren. Das konnte also ein ziemlich nüchternes oder ein herrlich-berauschendes Spiel werden. Die Ansagen der Teams dagegen waren: „Wiedergutmachung gegen den Ligaprimus“ vs. „Lösungen finden gegen die Heimstärke“.

Die Wiedergutmachung der Thüringer bezog sich allerdings nicht auf die 0:2 Hinspiel-Niederlage, sondern auf die 0:5 Auswärtsklatsche vs. VfB Germania Halberstadt. Der CFC, der von den letzten vier Auswärtsspielen drei verloren hatte, wollte wieder Fußball spielen. Na wenn das mal keine Ansage ist :-).

Mit dem Anpfiff war die Hoffnung auf das erste Tor und folglich dem ersten Bier sofort präsent. Das Spielgeschehen wechselte von Seite zu Seite, etwas gewöhnungsbedürftig waren die Trikots der Thüringer. Nur in hoch definiert war erkennbar, dass es nicht die Himmelblauen waren. Unsere Spieler traten in dunkelblau und weiß auf. In den ersten 15 Minuten war es offenes Spiel und das erste Bier blieb weiter verschlossen. Das änderte sich dann 10 Minuten später, denn T. Müller servierte wieder astrein auf D. Bozic, der mit Köpfchen zur 1:0 Führung einnetzte. Der erste Zug an der Flasche war aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann auch entsprechend kräftig. Beim zweiten Zug musste ich dann kurz absetzen. Elfmeter für Nordhausen! Kurze Vergewisserung: Jedes Tor ein Bier!? Auch Gegentore? Na klar! Doch T. Becker setzte den Ball unter die Unterkante der Latte. Kein Tor=kein Bier. Hmmh, kurz gemischte Gefühle, aber die Freude über ein Nicht-Gegentor überwog natürlich selbstverständlich zweifellos freilich mehr. Diese Gefühle wurden genau 11 Minuten später auf eine harte Probe gestellt. Ein Eckstoß von rechts versenkte F. Esdorf auch mit Köpfchen, der 1:1 Ausgleich in der 36. Minute. Das zweite Bier war dann eher eins mit bitterem Beigeschmack. Dass das Dritte nur drei Minuten später folgen sollte, konnte natürlich niemand erahnen. Vor allem nicht wie P. Milde den Ball mit einem herrlichen Schlenzer im Nordhausener Kasten unterbrachte. Darauf anzustoßen gehörte zum guten Ton. Prost! Weitere Treffer folgten nicht, pünktlich ging es in die Halbzeitpause.

Unverändert kamen beide Teams aus dieser zurück. Das Spiel plätscherte dann erstmal vor sich hin, was für mich nicht so dramatisch war, konnte ich doch diese Zeit für den ersten Gang Richtung WC antreten. Dieser Gang war allerdings nicht so schnell, wie O. Genausch in der 67. Minute entlang der rechten Bahn sprintete. Er bediente J-L. Mickels hervorragend, aber dieser schaffte es nicht, den Ball mit dem Kopf unterzubringen. Kein Ausgleich=kein viertes Bier. Erleichtert-enttäuschtes Durchatmen an der fast leeren Flasche.

Ein weiteres Tor wollte trotz aller beiderseitigen Bemühungen nicht mehr fallen. CFC-Trainer D. Bergner brachte sogar in der 91. Minute wieder J-P. Hoppe, der in den letzten beiden Spielen mit Joker-Toren wusste, wie man für Aufsehen sorgt. Aber auch das blieb folgenlos. Die zweite Halbzeit blieb ohne weitere Tore. Aber egal!

Ganz nüchtern betrachtet: Mit dem 1:2 Auswärtssieg hat der CFC den 1. Tabellenplatz verteidigt. Der Berliner AK gewann zwar das Auswärtsduell vs. Optik Rathenow mit 1:0, aber wayne interessiert das jetzt noch?

Unter misstrauischen Vorbehalt: Der CFC ist wieder zurück! Zurück in der 3. Liga! Aufstieg! Yeahhhhh! Ein-Schuss-ein-Tor-Karl-Marx-Stadt! Nie-mehr-vierte-Liga-nie-mehr! Die Freude-Handbremse wurde gelöst, der kleine Rausch nimmt Fahrt auf.

In diesem Sinne! Himmel-Blau!

By Nino

Himmelblaue Wut

Ärger

Ein Monat ist nach der Trauerfeier im Stadion An der Gellertstraße für den Verstorbenen Thomas H. vergangen. Seit diesem 9. März 2019 befindet sich der Chemnitzer FC nicht mehr nur in einer finanziellen Krise, sondern auch in einer Image- und Identitätskrise. So war das ganze Zustandekommen und die ersten Reaktionen und Aktionen des CFC schon beschämend genug, so geben die Geschehnisse der letzten Wochen nur noch Anlass wütend zu sein. Allen voran macht es mich wütend, wie einerseits die Verantwortlichen und Teile der Fans den Chemnitzer FC für ihre ganz eigenen Zwecke instrumentalisieren.

An der Spitze der beiden Gruppen stehen für mich einerseits der Insolvenzverwalter K. Siemon und andererseits die Ultras Chemnitz 99. Siemon, als Insolvenzverwalter gekommen, als Krisenmanager eher überfordert, als Reizfigur bei den Ultras jedoch herzallerliebst willkommen. Diese wiederum standen ganz vorne in der Trauerfeier-Reihe. Sie agieren als Meinungsmacher und präsentieren sich im Stadion als lautstärkste Gemeinschaft. Das Ergebnis dieses Konflikts: „Siemon raus!“ vs. „eine kleine bösartige Minderheit“. Die örtliche Freie Presse umschrieb die Situation mal mit „Eine Tribüne, zwei Meinungen- Ein Riss geht durch den CFC“, die überörtliche Süddeutsche Zeitung mit „Chemnitzer FC – der zerrissene Verein“. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit.

Die Wahrheit, ein großes Wort in diesen turbulenten Tagen. Nicht nur Wörter, nein, die ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens bzw. zum Tod werden aufgeworfen. Ob man noch um einen Verstorbenen trauern darf? Obendrein um einen immer loyal gewesenen CFC-Fan! Selbstverständlich darf man trauern. Man darf, gerade vor dem Hintergrund der Vergangenheit des Verstorbenen (von der er sich nie distanziert hat), auch hinterfragen, ob das in einem Fußball-Stadion unbedingt notwendig war. Und selbst diese simplen Fragen offenbaren die tiefen Gräben innerhalb der himmelblauen Fanszene. Für die eine Seite war es nur eine Trauerminute, die ja sogar vom Verein quasi legitimiert, zumindest nicht verhindert wurde. Für die andere Seite ist gerade dieses Nicht-Verhindern genau das Problem und der Ausdruck von rechter Blindheit. Mehr denn je frage ich mich, für was der CFC eigentlich steht bzw. für was er stehen will? Himmelblau oder Himmelbraun?

Diese zugegebenermaßen provokative Frage steht bei manchem gar nicht zur Debatte. Welche Probleme, mal von den Finanzen abgesehen, gibt es denn beim CFC? Rechtes Gedankengut? Nicht bei uns! Und warum sollte das denn überhaupt ein Problem sein? Rassisten? Wir doch nicht! Nazi-Verein? Der CFC doch nicht! Rechtsradikal? Na da schauen wir erstmal im Duden nach und sezieren die Definition dafür. Frei nach dem Motto: Irgendwas ins-Weltbild-passende wird schon drinstehen. Ganz sicher für jedes Weltbild. Die Antwort dieser Fans ist jedenfalls klar wie Kloßbrühe: Jahrelang hatte der CFC kein Problem mit rechten Gedankengut und jetzt auf einmal soll das nicht mehr möglich sein? Großes Gelächter darüber inklusive.

Es verwundert auch nicht wirklich, dass eine Vielzahl der Fans dieser Einschätzung bierernst zustimmen. Der CFC hat nämlich ein Umfeld geschaffen bzw. konnte sich ein solches entwickeln, in dem man offensichtlich kein größeres Problem damit hat, für einen Rechtsextremisten eine Trauerfeier zu veranstalten. Bezeichnenderweise war es der neue Pressesprecher S. Wunderlich (seit Mitte Februar 2019 im Einsatz) der bei der Beratung zu diesem Vorhaben als Einziger darauf hinwies, dass diese Trauerfeier wahrlich keine so gute Idee ist. Bei allen anderen Involvierten herrschte wohl himmelblaue Betriebsblindheit.

Und die Reflexe derjenigen Fans auf das Thema „rechtes Gedankengut“ sind immer die gleichen: Ablehnung, Verharmlosung, Relativierung, ins Lächerliche ziehen, auf die Gegenseite zeigen (hier also: die Linke/Linksradikale/Linksextremisten). Wie heißt nochmal dieses Sprichwort? Getroffene Hunde bellen! Diese vor allem viel und laut.

Auch die Sprache ist bezeichnend: „Lügenpresse“, „systemtreu“, „Volkswille“, „von oben gesteuert“. Die Alu-Hut-Fraktion ist da nicht mehr weit weg. Eine wirkliche Diskussion ist kaum noch möglich und endet alsbald an dem Punkt, den ich schon mal zum himmelblauen Fan-Ultra-Mitglied-Wesen beschrieben hatte. All jene die auf diese Missstände hinweisen und auch mal auf Grundwerte oder sogar auf das Grundgesetz (!) Bezug nehmen, werden pauschal in die Schubladen „Linke/Grüne“, „Mainstream“ und nicht zu vergessen der Klassiker: „Gutmenschen“ gesteckt. Der Ton ist definitiv rauer geworden und das Verständnis auf allen Seiten immer weniger.

Vielleicht sehen die Kritiker auch alles viel zu engstirnig. Ist der Chemnitzer FC einfach nur der Verein, dem es schlicht und herzlich egal ist, welche politische Einstellung seine Fans haben? Dass man schlicht und herzlich einfach nur den Menschen sieht, der sich für die Himmelblauen interessiert? Jeder ist willkommen! Alle können himmelblaue Fans sein! Egal was du machst, was du denkst, wie du aussiehst, frei von allen Kategorien. Das himmelblaue Paradies, hier treffen sich alle. Von links, mittig, rechts, linksextrem, rechtsextrem, nur um mal die politischen Richtungen zu nennen. Von der Vielzahl der Religionen ganz zu schweigen. Aus dieser Denke heraus, ist es nur konsequent solch eine Trauerfeier zu veranstalten. Aus Gründen der Menschlichkeit. Aber dann soll man bitte auch dazu stehen und sich nicht bei aufkommender Kritik kleinlaut und hastig wegducken.

Ist es wirklich so einfach? Ist es wirklich so einfach, das Kunststück zu vollbringen, dass der Mensch und seine himmelblaue Leidenschaft von allem anderen was ihn ausmacht, getrennt zu betrachten? Egal welche Ansichten man hat, egal welche Vergangenheit man hat? Alles Wurscht, Hauptsache man ist ein Himmelblauer?! Vielleicht ist der CFC wirklich derjenige Verein, indem Toleranz nicht nur gepredigt wird, nein sogar vollends konsequent ausgelebt wird. Wenn dem so ist, dann ist es umso verständlicher, dass solche Plakate mit Toleranz, Weltoffenheit und Fairness gar nicht vonnöten sind. Die Besserwessis und all jene, die noch von „neuen Bundesländern“ reden, vergessen ja gerne, dass der Ostdeutsche schon ein Problem mit Bevormundung und politischer Einflussnahme hat. Der „Zonen-Hintergrund“ bleibt dann eben doch und ist nicht wegzudiskutieren. Das ist allerdings mehr eine Erklärung als eine Entschuldigung.

So nah der CFC an der Tür zur Rückkehr in die 3. Liga steht, so dringend ist zunächst die Auseinandersetzung mit der Trauerfeier und den bisherigen Konsequenzen. Diese sind schließlich schon jetzt deutlich spürbar: Entlassung langjähriger Mitarbeiter, Austausch des Ordnungsdienstes, Verschiebung der längst überfälligen Mitgliederversammlung und selbst das neue Fan-Gremium schafft nicht mal die Hürde der ersten Sitzung. Hier hat sich ordentlich was zusammengebraut und unterm Kessel ist noch mächtig Druck.

Das zeigt sich eindrucksvoll an zwei Beispielen:

Erstes Beispiel: die neue Stadionsprecherin. Was wurde sie nicht ausgepfiffen (in Bezug auf FC Chemnitz zu Recht) und in den sozialen Netzwerken beschimpft. Ein ganz Eifriger war sich nicht zu fein dafür und schnüffelte in der Vergangenheit und präsentierte seine Rechercheergebnisse in einem großen sozialen Netzwerk. Ohje ohje, sie war privat bei einem RB Leipzig-Spiel. Nun kann man von RB halten was man will, aber Privatsache bleibt doch Privatsache. Aber soweit ist das Niveau schon gesunken. „Fußball-Gott“ D. Frahn war übrigens auch mal bei RB, als Spieler u. sogar Kapitän. Die Scheinheilige Doppelmoral lässt freundlich grüßen. Und die so oft eingeforderte Toleranz wird hierbei leichtfüßig weggegrätscht.

Zweites Beispiel: Die öffentliche Ausschreibung für die oder den neuen Fanbeauftragten. Der Großteil der Reaktionen war überdeutlich: Zurück in die Vergangenheit. Der Blick in die Zukunft, zugegebenermaßen pessimistisch: Wer es auch wird, die Arbeit und Akzeptanz der Person hat jetzt schon ein hohes Scheiter-Potenzial. Ein dickes Fell und eine breite Brust sind da sicherlich ganz hilfreich.

Neben all diesen Nebenkriegsschauplätzen macht es mich besonders wütend, dass keine Seite merkt, wie sehr das Ansehen des Chemnitzer FC dabei Schaden nimmt. Man will ja nur das Beste für den CFC! Bewirkt wird aber genau das Gegenteil. Allein mir fehlt der Glaube, dass in dieser Konstellation irgendjemand einen Fehler oder Zugeständnisse macht. Die Ultras Chemnitz 99 vielleicht? K. Siemon vielleicht? Da wird doch lieber Wasser gepredigt und Bier gesoffen.

Es reicht auch nicht mehr aus, auf andere Vereine mit ähnlichen Problemen wie Dortmund, Bremen, Aachen, Cottbus, Berlin, Hannover zu verweisen. Diese Vereine stellen sich wenigstens mehr oder weniger ihren Problemen und tun etwas aktiv dagegen. Allein das scheint bei den Himmelblauen nicht möglich. Plakataktionen und kostenlose Bekenner-Shirts bleiben dann eben nur teure Lippenbekenntnisse und Weg-Werf-Ware.

Nun überdeckt der sportliche Erfolg zwar einiges. Aber ohne eine offen-ehrliche Debatte über die Geschehnisse am und nach dem 9. März 2019 sowie über die zukünftige Ausrichtung der Himmelblauen werden spätestens in Liga 3 die alten Kämpfe wieder ausgetragen. Daher ist jetzt guter Rat teuer. Aber da sind wir ja beim zweiten Hauptproblem des CFC: das laufende Insolvenzverfahren. Einen weiteren Bankrott kann sich der CFC moralisch nämlich nicht leisten.

By Nino