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Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Der eiserne Sonntagsschuss*. Ein Bericht zu FCU vs. HSV.

Vor Anpfiff

2. Fußball-Bundesliga, 31. Spieltag der Saison 2018/2019, Sonntag, 28.04.2019, 13:30Uhr, Stadion An der Alten Försterei, Berlin Treptow-Köpenick. 1. FC Union Berlin vs. Hamburger SV. Soweit so nüchtern betrachtet. Aber dieses Spiel ist nicht nur das erste Pflichtspiel des FCU vs. HSV, sondern wohl auch das Mitentscheidende um den Aufstieg in die Beletage des deutschen Männer-Fußballs.

Für beide Teams wäre es ja der erste Aufstieg, die Premiere sozusagen. Mit einem Sieg könnten die Köpenicker punktetechnisch mit den Hamburgern gleichziehen oder einen weiteren Rückschlag im Aufstiegskampf erleiden. Der HSV konnte hingegen Big Points sammeln und die Berliner um sechs Punkte distanzieren. Ein 2:2 Unentschieden wie im Hinspiel würde beiden nicht wirklich weiterhelfen. So oder so, in diesem Spiel war vor dem Anpfiff schon reichlich Brisanz.

Als ganz frischer Neu-Köpenicker war mir diese schon länger bekannt, war ich doch einige Male bei Union u.a. beim 1:1 vs. DSC Arminia Bielefeld und verfolgte die Entwicklung der bisweilen betitelten „Unaufsteigbaren“. Über den fast immer lesenswerten Blog textilvergehen hatte ich mitbekommen, dass dieses Spiel seit Wochen ausverkauft war. Umso überraschender kam die Nachricht eines Freundes, der über Kontakte noch an Karten gekommen war. Die schnelle private Abklärung und im Ergebnis erfolgreiche Zusage erfolgten noch am Vorband des Spiels. Ein dreifach Hoch auf den Kompromiss!

Kompromisse muss man wohl manchmal auch als Fußball-Fan eingehen, denn die Ambivalenz wurde mir im Nachgang der Zusage bewusst: Als gebürtiger Himmelblauer Chemnitzer FC-Fan, örtlich gebundener Köpenicker an einem Spiel gegen den Hamburger SV teilnehmen. Der FC Union Berlin rangiert ja für mich weit vor dem HSV in der Sympathie-Tabelle. Ich war ja sooooo erleichtert, als der HSV endlich in die zweite Bundesliga abgestiegen war und für mich der Fußball-Gott wiedergeboren wurde. Die Sympathien waren also vor dem Anstoß klar verteilt und die Vorfreude auf ein schönes Spiel noch größer.

Die Vorberichte ließen auch erahnen, in welche Richtung die Partie gehen würde: „Zurück in die Erfolgsspur kämpfen“ (FCU) vs. „Mit Courarge und Charakter: Im Endspurt durchstarten“ (HSV). Beide Teams konnten in den letzten fünf Partien keines gewinnen, eine Ergebnis-Flaute zur Unzeit. Die Raute, die tragen ja bekanntlich die Hamburger Fans im Herzen. Sie füllten den Gästeblock voll aus. Ihr Schietwetter hatten sie zum Glück zu Hause gelassen. Sie waren wohl der Meinung das Hilfe von ganz oben nicht nötig gewesen wäre. Die Unioner konnten sich auf ihre Fans auch so verlassen. Der Beistand kam aus tausenden schreierprobten Kehlen. Hier traf also auch die Berliner Schnauze auf die „Hemd-Kragen-oben-Fischkopp-Fraktion“. Diese Atmosphäre ist für einen Himmelblauen dann doch sehr beeindruckend. Aktuell sind ja schon 8tausend Zuschauer das höchste der Gefühle. Aber diese und andere sollten für 90 Minuten verdrängt werden, denn ich war als Freund des schönen Spiels da und war gespannt, wie vor allem Union das Ziel Heimsieg erreichen wollte.

Zum Anpfiff gab es auf beiden Seiten beeindruckende Choreografien, wobei die Hamburger mit ihren Rauchschwaden für wenig Durchblick sorgten.

Union Rauch

HSV Rauch

Die erste Torchance konnte Union Berlin direkt auch in der ersten Minute verzeichnen, doch Sebastian Parensen verzog den Ball dermaßen, dass es auch von weiter weg weit drüber aussah. Die nächsten spielerischen Akzente setzten die Hamburger, die durch Bakery Jatta und Aaron Hunt zu Torchancen kamen, aber auch erfolglos blieben. Weitere Highlights gab es im weiteren Verlauf nicht vor dem Tor, sondern an der Seitenlinie. Dort legte sich der Hamburger Rick van Drongelen mit dem Linienrichter an. Nach der innigen Kontaktaufnahme wunderte ich mich schon, dass hierfür nicht der erste gelbe Karton gezeigt wurde. Dafür zeigt der Schiri deutsche Pünktlichkeit und beendete die ersten 45 Minuten ohne Zeitverzug.

Die Halbzeitpause wurde wie immer genutzt, um die ersten schnellen Hellen um die Ecke zu bringen, auch ziemlich deutsch in der Warteschlange.

Halbzeit

Die zweite Halbzeit begann auf Unioner Seite unverändert, HSV-Trainer Hannes Wolf brachte Hee-Chan Hwang für den Abwehrspieler Josha Vagnoman. Dieser fehlte dann auch gleich in dieser, denn Robert Zulj konnte mit der ersten Chance zur 1:0 Führung flach unten rechts einnetzen. Kollektiver Jubel und wohl auch Aufatmen bei den Unionern nach diesem perfekten Start. Und dieses Tor, so abgedroschen es klingen mag, tat dem Spiel gut, denn die Berliner drängten auf das zweite Tor. Aber auch der HSV wollte nun irgendwie ein Tor schießen, da der nächste Abwehrspieler in Person von Gideon Jung für den bulligen Stürmer Pierre-Michel Lasogga ausgewechselt wurde. Dieser Wechsel brachte jedoch so gut wie gar nix ein. Immer wieder war bei den hanseatischen Offensivbemühungen ein Unioner-Bein dazwischen. Insgesamt wirkten diese auch frischer und aggressiver in den Zweikämpfen. Die ersten gelben Karten wurden allerdings erst in der 81. Minute verteilt, im Ergebnis einer Rudelbildung.

Dass die Berliner aber nicht nur kämpfen konnten, zeigte eindrucksvoll Grischa Prömel, der in der 84. Minute zu einem Schuss ansetzte, für den der Begriff „Sonntagsschuss“ erfunden wurde. Nun war es nicht mehr nur kollektiver Jubel, sondern auch besonders lauter. Diesem konnte ich mich auch nicht entziehen, aber auch nur, weil das Tor so herrlich war. Und wer dieses Tor nicht toll fand, der hat den Fußball nie geliebt. Ebenso ansteckend war die prächtige Atmosphäre, die über 90 Minuten von den Rängen fabriziert wurde. Insbesondere die Unioner mit ihren Wechselgesängen erwiesen sich in dieser Hinsicht auf jeden Fall als erstligatauglich.

Es blieb auch mit drei Minuten Nachspielzeit bei der 2:0 Führung, die letztendlich auch verdient war.

Mit dem 2:0 Heimsieg hat sich Union Berlin tatsächlich zurück in die Erfolgsspur gekämpft. Dieser sollte doch Aufwind für die letzten drei anstehenden Duelle geben. Mit Darmstadt (Auswärts), Magdeburg (Heim) und Bochum (Auswärts) stehen jedoch gleich weniger schwere Spiele auf dem Programm.

Für die Hamburger stehen noch die Duelle gegen Ingolstadt (Heim), Paderborn (Auswärts) und Duisburg (Heim) an. Wie im Nachgang des Spiels bekannt wurde ohne Lewis Holtby, der aufgrund seiner Nicht-Nominierung für die Start11 darum gebeten hatte, nicht mit nach Berlin fahren zu müssen. Eine weitere Hamburger Baustelle.

Mit solchen kennt man sich in Berlin zwar auch aus, allerdings abseits des Platzes. Die Union-Fans stimmten schon mal „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“ an. Es könnte ein Evergreen werden.

By Nino

Nach Hinweisen von Lesern bedarf es einer Erklärung zur Verwendung des Worts „Sonntagsschuss“. Mit diesem wollte ich ausdrücken, dass es sich um einen besonderen Schuss gehandelt hat, ein Schuss der nicht aller Tage gelingt. Ähnlich dem Wort „Sonntagsbraten“, der auch etwas Besonderes ist. Jedoch ist die Definition für einen „Sonntagsschuss“ eine gänzlich andere, nämlich, dass dieser mit viel Glück gelingt. So gesehen ist der Begriff hier nicht zutreffend.

Nochmal Wacker zum Aufstieg geschlagen. Der CFC vs. Nordhausen.

Bier

Freitag, 12.04.2019. 29. Spieltag in der Regionalliga Nordost. Saison 2018/2019. Der 1. vs. 4.ten. So zumindest die nüchterne Betrachtung des Spitzenspiels zwischen FSV Wacker Nordhausen und dem Chemnitzer FC. Der MDR übertrug mal wieder per Livestream und versuchte die Bedeutsamkeit des Spiels noch ein wenig zu steigern, indem auf den möglichen sportlichen Aufstieg bzw. die Rückkehr des CFC in die 3. Liga hingewiesen wurde. Der Hinweis auf den „sportlichen“ Aufstieg war dann zumindest noch wichtig, ist doch hinlänglich wie allseits bekannt, dass die Lizenz für die 3. Liga noch nicht erteilt wurde und die 100% Gewissheit nicht darüber besteht, ob der Berliner AK nun wirklich keine Lizenzunterlagen eingereicht hat. Dies hatte Präsi Han zwar in mehreren Interviews verneint, aber beim CFC misstraut man diesen Aussagen. Da will man sich lieber auf was „Offizielles“ berufen können. Irgendwie symptomatisch für den CFC in den letzten Monaten.

Aber egal, die Grundstimmung war doch aufstiegseuphorisch und um dem Spiel noch eine weitere Brise Brisanz zu geben, lautete die Ansage für mich „jedes Tor ein Bier“. Der CFC mit der besten Offensive (67 Tore) und die Wackerer mit der gleichstärksten Defensive, wie die Himmelblauen mit 27 Gegentoren. Das konnte also ein ziemlich nüchternes oder ein herrlich-berauschendes Spiel werden. Die Ansagen der Teams dagegen waren: „Wiedergutmachung gegen den Ligaprimus“ vs. „Lösungen finden gegen die Heimstärke“.

Die Wiedergutmachung der Thüringer bezog sich allerdings nicht auf die 0:2 Hinspiel-Niederlage, sondern auf die 0:5 Auswärtsklatsche vs. VfB Germania Halberstadt. Der CFC, der von den letzten vier Auswärtsspielen drei verloren hatte, wollte wieder Fußball spielen. Na wenn das mal keine Ansage ist :-).

Mit dem Anpfiff war die Hoffnung auf das erste Tor und folglich dem ersten Bier sofort präsent. Das Spielgeschehen wechselte von Seite zu Seite, etwas gewöhnungsbedürftig waren die Trikots der Thüringer. Nur in hoch definiert war erkennbar, dass es nicht die Himmelblauen waren. Unsere Spieler traten in dunkelblau und weiß auf. In den ersten 15 Minuten war es offenes Spiel und das erste Bier blieb weiter verschlossen. Das änderte sich dann 10 Minuten später, denn T. Müller servierte wieder astrein auf D. Bozic, der mit Köpfchen zur 1:0 Führung einnetzte. Der erste Zug an der Flasche war aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann auch entsprechend kräftig. Beim zweiten Zug musste ich dann kurz absetzen. Elfmeter für Nordhausen! Kurze Vergewisserung: Jedes Tor ein Bier!? Auch Gegentore? Na klar! Doch T. Becker setzte den Ball unter die Unterkante der Latte. Kein Tor=kein Bier. Hmmh, kurz gemischte Gefühle, aber die Freude über ein Nicht-Gegentor überwog natürlich selbstverständlich zweifellos freilich mehr. Diese Gefühle wurden genau 11 Minuten später auf eine harte Probe gestellt. Ein Eckstoß von rechts versenkte F. Esdorf auch mit Köpfchen, der 1:1 Ausgleich in der 36. Minute. Das zweite Bier war dann eher eins mit bitterem Beigeschmack. Dass das Dritte nur drei Minuten später folgen sollte, konnte natürlich niemand erahnen. Vor allem nicht wie P. Milde den Ball mit einem herrlichen Schlenzer im Nordhausener Kasten unterbrachte. Darauf anzustoßen gehörte zum guten Ton. Prost! Weitere Treffer folgten nicht, pünktlich ging es in die Halbzeitpause.

Unverändert kamen beide Teams aus dieser zurück. Das Spiel plätscherte dann erstmal vor sich hin, was für mich nicht so dramatisch war, konnte ich doch diese Zeit für den ersten Gang Richtung WC antreten. Dieser Gang war allerdings nicht so schnell, wie O. Genausch in der 67. Minute entlang der rechten Bahn sprintete. Er bediente J-L. Mickels hervorragend, aber dieser schaffte es nicht, den Ball mit dem Kopf unterzubringen. Kein Ausgleich=kein viertes Bier. Erleichtert-enttäuschtes Durchatmen an der fast leeren Flasche.

Ein weiteres Tor wollte trotz aller beiderseitigen Bemühungen nicht mehr fallen. CFC-Trainer D. Bergner brachte sogar in der 91. Minute wieder J-P. Hoppe, der in den letzten beiden Spielen mit Joker-Toren wusste, wie man für Aufsehen sorgt. Aber auch das blieb folgenlos. Die zweite Halbzeit blieb ohne weitere Tore. Aber egal!

Ganz nüchtern betrachtet: Mit dem 1:2 Auswärtssieg hat der CFC den 1. Tabellenplatz verteidigt. Der Berliner AK gewann zwar das Auswärtsduell vs. Optik Rathenow mit 1:0, aber wayne interessiert das jetzt noch?

Unter misstrauischen Vorbehalt: Der CFC ist wieder zurück! Zurück in der 3. Liga! Aufstieg! Yeahhhhh! Ein-Schuss-ein-Tor-Karl-Marx-Stadt! Nie-mehr-vierte-Liga-nie-mehr! Die Freude-Handbremse wurde gelöst, der kleine Rausch nimmt Fahrt auf.

In diesem Sinne! Himmel-Blau!

By Nino

Himmelblaue Wut

Ärger

Ein Monat ist nach der Trauerfeier im Stadion An der Gellertstraße für den Verstorbenen Thomas H. vergangen. Seit diesem 9. März 2019 befindet sich der Chemnitzer FC nicht mehr nur in einer finanziellen Krise, sondern auch in einer Image- und Identitätskrise. So war das ganze Zustandekommen und die ersten Reaktionen und Aktionen des CFC schon beschämend genug, so geben die Geschehnisse der letzten Wochen nur noch Anlass wütend zu sein. Allen voran macht es mich wütend, wie einerseits die Verantwortlichen und Teile der Fans den Chemnitzer FC für ihre ganz eigenen Zwecke instrumentalisieren.

An der Spitze der beiden Gruppen stehen für mich einerseits der Insolvenzverwalter K. Siemon und andererseits die Ultras Chemnitz 99. Siemon, als Insolvenzverwalter gekommen, als Krisenmanager eher überfordert, als Reizfigur bei den Ultras jedoch herzallerliebst willkommen. Diese wiederum standen ganz vorne in der Trauerfeier-Reihe. Sie agieren als Meinungsmacher und präsentieren sich im Stadion als lautstärkste Gemeinschaft. Das Ergebnis dieses Konflikts: „Siemon raus!“ vs. „eine kleine bösartige Minderheit“. Die örtliche Freie Presse umschrieb die Situation mal mit „Eine Tribüne, zwei Meinungen- Ein Riss geht durch den CFC“, die überörtliche Süddeutsche Zeitung mit „Chemnitzer FC – der zerrissene Verein“. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit.

Die Wahrheit, ein großes Wort in diesen turbulenten Tagen. Nicht nur Wörter, nein, die ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens bzw. zum Tod werden aufgeworfen. Ob man noch um einen Verstorbenen trauern darf? Obendrein um einen immer loyal gewesenen CFC-Fan! Selbstverständlich darf man trauern. Man darf, gerade vor dem Hintergrund der Vergangenheit des Verstorbenen (von der er sich nie distanziert hat), auch hinterfragen, ob das in einem Fußball-Stadion unbedingt notwendig war. Und selbst diese simplen Fragen offenbaren die tiefen Gräben innerhalb der himmelblauen Fanszene. Für die eine Seite war es nur eine Trauerminute, die ja sogar vom Verein quasi legitimiert, zumindest nicht verhindert wurde. Für die andere Seite ist gerade dieses Nicht-Verhindern genau das Problem und der Ausdruck von rechter Blindheit. Mehr denn je frage ich mich, für was der CFC eigentlich steht bzw. für was er stehen will? Himmelblau oder Himmelbraun?

Diese zugegebenermaßen provokative Frage steht bei manchem gar nicht zur Debatte. Welche Probleme, mal von den Finanzen abgesehen, gibt es denn beim CFC? Rechtes Gedankengut? Nicht bei uns! Und warum sollte das denn überhaupt ein Problem sein? Rassisten? Wir doch nicht! Nazi-Verein? Der CFC doch nicht! Rechtsradikal? Na da schauen wir erstmal im Duden nach und sezieren die Definition dafür. Frei nach dem Motto: Irgendwas ins-Weltbild-passende wird schon drinstehen. Ganz sicher für jedes Weltbild. Die Antwort dieser Fans ist jedenfalls klar wie Kloßbrühe: Jahrelang hatte der CFC kein Problem mit rechten Gedankengut und jetzt auf einmal soll das nicht mehr möglich sein? Großes Gelächter darüber inklusive.

Es verwundert auch nicht wirklich, dass eine Vielzahl der Fans dieser Einschätzung bierernst zustimmen. Der CFC hat nämlich ein Umfeld geschaffen bzw. konnte sich ein solches entwickeln, in dem man offensichtlich kein größeres Problem damit hat, für einen Rechtsextremisten eine Trauerfeier zu veranstalten. Bezeichnenderweise war es der neue Pressesprecher S. Wunderlich (seit Mitte Februar 2019 im Einsatz) der bei der Beratung zu diesem Vorhaben als Einziger darauf hinwies, dass diese Trauerfeier wahrlich keine so gute Idee ist. Bei allen anderen Involvierten herrschte wohl himmelblaue Betriebsblindheit.

Und die Reflexe derjenigen Fans auf das Thema „rechtes Gedankengut“ sind immer die gleichen: Ablehnung, Verharmlosung, Relativierung, ins Lächerliche ziehen, auf die Gegenseite zeigen (hier also: die Linke/Linksradikale/Linksextremisten). Wie heißt nochmal dieses Sprichwort? Getroffene Hunde bellen! Diese vor allem viel und laut.

Auch die Sprache ist bezeichnend: „Lügenpresse“, „systemtreu“, „Volkswille“, „von oben gesteuert“. Die Alu-Hut-Fraktion ist da nicht mehr weit weg. Eine wirkliche Diskussion ist kaum noch möglich und endet alsbald an dem Punkt, den ich schon mal zum himmelblauen Fan-Ultra-Mitglied-Wesen beschrieben hatte. All jene die auf diese Missstände hinweisen und auch mal auf Grundwerte oder sogar auf das Grundgesetz (!) Bezug nehmen, werden pauschal in die Schubladen „Linke/Grüne“, „Mainstream“ und nicht zu vergessen der Klassiker: „Gutmenschen“ gesteckt. Der Ton ist definitiv rauer geworden und das Verständnis auf allen Seiten immer weniger.

Vielleicht sehen die Kritiker auch alles viel zu engstirnig. Ist der Chemnitzer FC einfach nur der Verein, dem es schlicht und herzlich egal ist, welche politische Einstellung seine Fans haben? Dass man schlicht und herzlich einfach nur den Menschen sieht, der sich für die Himmelblauen interessiert? Jeder ist willkommen! Alle können himmelblaue Fans sein! Egal was du machst, was du denkst, wie du aussiehst, frei von allen Kategorien. Das himmelblaue Paradies, hier treffen sich alle. Von links, mittig, rechts, linksextrem, rechtsextrem, nur um mal die politischen Richtungen zu nennen. Von der Vielzahl der Religionen ganz zu schweigen. Aus dieser Denke heraus, ist es nur konsequent solch eine Trauerfeier zu veranstalten. Aus Gründen der Menschlichkeit. Aber dann soll man bitte auch dazu stehen und sich nicht bei aufkommender Kritik kleinlaut und hastig wegducken.

Ist es wirklich so einfach? Ist es wirklich so einfach, das Kunststück zu vollbringen, dass der Mensch und seine himmelblaue Leidenschaft von allem anderen was ihn ausmacht, getrennt zu betrachten? Egal welche Ansichten man hat, egal welche Vergangenheit man hat? Alles Wurscht, Hauptsache man ist ein Himmelblauer?! Vielleicht ist der CFC wirklich derjenige Verein, indem Toleranz nicht nur gepredigt wird, nein sogar vollends konsequent ausgelebt wird. Wenn dem so ist, dann ist es umso verständlicher, dass solche Plakate mit Toleranz, Weltoffenheit und Fairness gar nicht vonnöten sind. Die Besserwessis und all jene, die noch von „neuen Bundesländern“ reden, vergessen ja gerne, dass der Ostdeutsche schon ein Problem mit Bevormundung und politischer Einflussnahme hat. Der „Zonen-Hintergrund“ bleibt dann eben doch und ist nicht wegzudiskutieren. Das ist allerdings mehr eine Erklärung als eine Entschuldigung.

So nah der CFC an der Tür zur Rückkehr in die 3. Liga steht, so dringend ist zunächst die Auseinandersetzung mit der Trauerfeier und den bisherigen Konsequenzen. Diese sind schließlich schon jetzt deutlich spürbar: Entlassung langjähriger Mitarbeiter, Austausch des Ordnungsdienstes, Verschiebung der längst überfälligen Mitgliederversammlung und selbst das neue Fan-Gremium schafft nicht mal die Hürde der ersten Sitzung. Hier hat sich ordentlich was zusammengebraut und unterm Kessel ist noch mächtig Druck.

Das zeigt sich eindrucksvoll an zwei Beispielen:

Erstes Beispiel: die neue Stadionsprecherin. Was wurde sie nicht ausgepfiffen (in Bezug auf FC Chemnitz zu Recht) und in den sozialen Netzwerken beschimpft. Ein ganz Eifriger war sich nicht zu fein dafür und schnüffelte in der Vergangenheit und präsentierte seine Rechercheergebnisse in einem großen sozialen Netzwerk. Ohje ohje, sie war privat bei einem RB Leipzig-Spiel. Nun kann man von RB halten was man will, aber Privatsache bleibt doch Privatsache. Aber soweit ist das Niveau schon gesunken. „Fußball-Gott“ D. Frahn war übrigens auch mal bei RB, als Spieler u. sogar Kapitän. Die Scheinheilige Doppelmoral lässt freundlich grüßen. Und die so oft eingeforderte Toleranz wird hierbei leichtfüßig weggegrätscht.

Zweites Beispiel: Die öffentliche Ausschreibung für die oder den neuen Fanbeauftragten. Der Großteil der Reaktionen war überdeutlich: Zurück in die Vergangenheit. Der Blick in die Zukunft, zugegebenermaßen pessimistisch: Wer es auch wird, die Arbeit und Akzeptanz der Person hat jetzt schon ein hohes Scheiter-Potenzial. Ein dickes Fell und eine breite Brust sind da sicherlich ganz hilfreich.

Neben all diesen Nebenkriegsschauplätzen macht es mich besonders wütend, dass keine Seite merkt, wie sehr das Ansehen des Chemnitzer FC dabei Schaden nimmt. Man will ja nur das Beste für den CFC! Bewirkt wird aber genau das Gegenteil. Allein mir fehlt der Glaube, dass in dieser Konstellation irgendjemand einen Fehler oder Zugeständnisse macht. Die Ultras Chemnitz 99 vielleicht? K. Siemon vielleicht? Da wird doch lieber Wasser gepredigt und Bier gesoffen.

Es reicht auch nicht mehr aus, auf andere Vereine mit ähnlichen Problemen wie Dortmund, Bremen, Aachen, Cottbus, Berlin, Hannover zu verweisen. Diese Vereine stellen sich wenigstens mehr oder weniger ihren Problemen und tun etwas aktiv dagegen. Allein das scheint bei den Himmelblauen nicht möglich. Plakataktionen und kostenlose Bekenner-Shirts bleiben dann eben nur teure Lippenbekenntnisse und Weg-Werf-Ware.

Nun überdeckt der sportliche Erfolg zwar einiges. Aber ohne eine offen-ehrliche Debatte über die Geschehnisse am und nach dem 9. März 2019 sowie über die zukünftige Ausrichtung der Himmelblauen werden spätestens in Liga 3 die alten Kämpfe wieder ausgetragen. Daher ist jetzt guter Rat teuer. Aber da sind wir ja beim zweiten Hauptproblem des CFC: das laufende Insolvenzverfahren. Einen weiteren Bankrott kann sich der CFC moralisch nämlich nicht leisten.

By Nino

 

 

Gänse-Pelle. Der CFC zu Gast beim VfB Auerbach.

Bunt

Der Anlauf Nummero 3 führte nun doch dazu, dass der Chemnitzer FC und der VfB Auerbach das Duell vom 22. Spieltag der Regionalliga-Nordost-Saison 2018/2019 bestreiten konnten. Die Verschiebung war für den CFC nicht so das Problem, schließlich kennt man sich damit mittlerweile bestens aus.

Die Himmelblauen gaben, nach drei Auswärtsniederlagen in Folge, die Losung aus, dass „Mit Plan und alter Stärke“ der Gegner bezwungen werden sollte. So als wenn der CFC seit Anfang März 2019 planlos und ohne Stärke gewesen wäre!? Da muss sicherlich ein rechts großer Irrtum vorgelegen haben.

Die Auerbacher teilten im Vorfeld mit, dass man „seine Chance wahren“ will. Wie sie das gestalten wollten, konnte jeder Fußball-Liebhaber und all jene Nicht-Allesfahrer per Internet-Livestream beim geliebten Heimatsender MDR verfolgen.

Die Gestaltung der taktischen Grundordnung von Trainer D. Bergner war auch von hohem Interesse, schließlich mussten die Ausfälle von T. Müller und M. Blume kompensiert werden. Sollte es daher eher ein Spiel über Rechtsaußen werden? Oder doch lieber über Linksaußen? Oder die goldene Mitte, die ist schließlich auch noch da.

Die Auerbacher traten in gelb-schwarzen Trikots an, die Himmelblauen traditionell in himmelblau-weiß, das Schiri-Dreigespann trug ein geschmeidiges Schwarz. Also alles so schön bunt im VfB-Stadion, in dem pünktlich zu diesem Derby die Gegengerade eingeweiht wurde.

Angepfiffen wurde pünktlich eine Minute nach 19 Uhr. Oder war der Livestream nur zeitversetzt? Egal, Hauptsache der Ball rollt, denn Fußball, der macht das Leben doch so lebenswert. Mit der Phrasendrescherei war’s dann auch schnell vorbei, denn die erste Chance verbuchten die Vogtländer. Nachdem K. Velkow der Ball auf dem Auerbacher Ackerplatz versprang, letztlich aber von M-P. Zimmermann nicht zählbar verwertet werden konnte. Im Anschluss aber übernahmen die Chemnitzer Spieler das Zepter und bauten durchgehend spielerischen Druck auf. Die Auerbacher widerstanden jedoch diesem und bauten fast schon ein kleines Bollwerk vor dem eigenen Tor auf. Dieses hielt aber nicht bis zur Halbzeitpause. In der 40. Minute flankte P. Milde mustergültig auf D. Bociz, der lehrbuchmäßig wie völlig freistehend zum 1:0 einköpfte. Die mitgereisten CFC-Fans jubelten lautstark, die Stimmung bei den Auerbachern war hingegen schlagartig wie auf einer Trauerfeier.

Mit dieser 1:0 Führung ging es in die Halbzeitpause. Unverändert der CFC, der VfB mit einem Wechsel in der Aufstellung für die zweiten 45 Minuten. Ob dieser oder die nun prächtig zur Geltung kommenden Flutlichtmasten Einfluss auf das Auerbacher Spiel hatten, kann nicht wirklich geklärt werden, denn die Spieler zündeten ein kleines, aber feines Feuerwerk ab. Chance um Chance wurde herausgespielt. Die CFC-Abwehr eierte da einigermaßen fahrlässig herum. Gut, dass in dieser Phase nicht der Ausgleich erzielt werden konnte.

Das Spiel wurde nach dieser Phase etwas ruppiger. Weniger Fairness, mehr Rücksichtslosigkeit. Teilweise ging es eher radikal zu, aber nicht extrem radikal. Insgesamt gesehen aber immer noch alles im (ver-)tretbaren Rahmen. Das Fairplay konnte noch großgeschrieben werden. Den modetechnischen Höhepunkt lieferte ab der 59. Minute das Geburtstagskind P. Itter, der fortan mit einem Turban aus Mull aufspielte. Ursprung dessen war ein Zusammenprall mit dem Ergebnis einer bloody Platzwunde.

Das letzte Drittel des Spiels gestaltete sich als Ritt auf der nervlichen Rasierklinge. Das beruhigende zweite Tor wollte trotz aller himmelblauen Bemühungen nicht fallen. Und wie es manchmal so ist: Machst du die Dinger nicht vorne, kriegste hinten einen rein. Diese Phrase blieb aber ein Ferkel, denn N. Hoheneder verhinderte grätschenderweise auf der Linie den 1:1 Ausgleich. Das ließ den Puls wieder rasanter werden. Ein wenig später wurde dann der 1. Wechsel auf CFC-Seite vollzogen. Winterneuzugang J.-P. Hoppe kam für D. Frahn, der den 19jährigen dann von der Bank aus supportete. Dieser Support fruchtete gleich erfolgreich, denn der Jungspund setzte sich an der Auerbach’schen Grundlinie durch und vollendete seine Einzelaktion mit einem herrlichen Heber zum 2:0 Endstand. Was für ein geiles Tor in der 96. Minute. Respekt auch für den verletzungsfreien Knie-Diver in Richtung der Gästetribüne.

Mit dem 0:2 Auswärtssieg hat der CFC seine Spitzenreiter-Position mit nun 7 Punkten Vorsprung ausgebaut. Die Taktiknerds dürften enttäuscht sein, eine klare Linie war auf dem Platz nicht wirklich zu sehen. Vielleicht gibt es diese bald im Doppelpack auf und neben dem Platz. Als Spitzenreiter könnte man sich durchaus wieder souveräner präsentieren. Die nächste Gelegenheit folgt schon am 28. Spieltag. Da steht das Duell vs. den Tabellenletzten FSV Optik Rathenow an.

By Nino

 

Zum Vergessen. Der CFC beim Berliner AK.

BAK Panorama

25. Spieltag in der Regionalliga Nordost Saison 2018/2019. Der Berliner AK vs. Chemnitzer FC. Wieder das Topspiel des Tages. Wieder ein Spiel in turbulenten Zeiten. Das Hinspiel, dass zu einem Tanz der Emotionen wurde gewann der CFC überragend mit 3:1. Die Stadt Chemnitz stand wegen der rechtsextremistischen Vorkommnisse in Folge des Todes von Daniel H. im Mittelpunkt. Nun steht der CFC wegen der Trauerzeremonie für den verstorbenen Thomas H. erneut in der Kritik. Das Abhalten dieser und der anschließende Umgang damit, führten zu Suspendierungen, Rücktrittserklärungen, Amtsniederlegungen und zur Sperre von Daniel Frahn. Summa summarum befindet sich der CFC seit sieben Tagen im Ausnahmezustand. Das Nachholspiel vs. BFC Dynamo unter der Woche verloren die Himmelblauen noch dazu mit 1:2. Da der Berliner AK auch nicht gewinnen konnte, konnte diese Niederlage ohne größere Schmerzen verarbeitet werden.

Schmerzen hingegen bereitete mir eher die öffentliche Darstellung des CFC durch seine Vertreter und derjenigen, die zu der ganzen Misere eher schweigen, anstatt zur Aufklärung beizutragen. Wo sind denn z.B. die sonst so lautstarken Ultras Chemnitz 99? Sie standen ja bei der Trauerzeremonie in der ersten Reihe. Den ganzen Aufruhr können sie sich allerdings gar nicht erklären. In Teilen ist das sogar verständlich, hatten doch viele in der Stadt wie z.B. die Freie Presse, die Sparkasse Chemnitz, die Stadt Chemnitz die Dienste von Haller Security bzw. über Subunternehmen in Anspruch genommen. Doppelmoral lässt grüßen. Unverständlich bleibt aber immer noch, warum ausgerechnet im Stadion An der Gellertstraße einem Rechtsextremisten gedacht werden musste! Das konnte und kann man nicht von der Person Thomas H. trennen. Gerade auch nicht Politik und Fußball, die in Chemnitz ja schon immer mit im Stadion zusammensaßen. Aber diesem Thema widme ich mich mal später.

Nun erstmal wieder Fußball, denn an sich hatte ich mich auf dieses Spiel schon länger gefreut. Nur wurde diese Freude durch die bittere Woche erheblich eingetrübt. So passte es dann auch, dass der Wettergott es auch nicht gut meinte. Der Sonntag startete mit Sonnenschein, jedoch kamen 20 Minuten nach Spielbeginn Wolken und obendrein noch Regen mit kräftigem Wind hinzu. Vor dem Anpfiff setzte der Berliner AK noch ein Zeichen und hielt eine Trauerminute für die Opfer des Anschlags in Christchurch in Neuseeland ab. Das war angemessen und würdig.

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Angepfiffen wurde pünktlich und das Spitzenspiel hatte schnell seinen ersten Höhepunkt. In der 9. Minute traf die Nr. 11 A. Kargbo mit einem sehenswerten Fallrückzieher zur 1:0 BAK-Führung. Das im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit nicht noch weitere BAK-Tore fielen, lag einzig an deren Unvermögen, das runde Leder im Chemnitzer Kasten unterzubringen. Die Himmelblauen blieben derweil blass, die Angriffsbemühungen verliefen erfolglos. So ging es mit dem 0:1 Rückstand in die Pause. In dieser wurden die 1.127 Zuschauer u.a. mit „Hurra“ von den Ärzten und „Und wir leben“ von den Toten Hosen musikalisch unterhalten. In Anbetracht der derzeitigen Situation beim CFC vielleicht ein kleiner Seitenhieb des BAK-Präsidenten Han, der diesmal bei keiner privaten Hochzeitsfeier zugegen war, sondern kurz vor dem Spiel noch mit Auto erschien.

Unterhaltsam ging es auch in der zweiten Halbzeit weiter, denn schon sieben Minuten nach Wieder-Anpfiff gab es den nächsten Aufreger. Zunächst jedoch im positiven Sinne, denn der Jakubow-Ersatz J. Mroß rettete mit einer klasse Parade. Diese hatten wohl alle Zuschauer gesehen, jedoch nicht die Grote’sche Hand bei einer Abwehrreaktion. In Folge dessen gab es Diskussionen, die nicht das Ergebnis hatten, dass es keinen Elfmeter gab. T. Deniz traf mit einem flachen Schuss zum 2:0 für den BAK.

Danach war es für den CFC ein Spiel zum Vergessen. Keine wirklichen Angriffsbemühungen und weiterhin Glück aufgrund des sich fortsetzenden Unvermögens der Berliner weitere Tore zu schießen. Die mitgereisten CFC-Fans harrten im Regen aus und sorgten auch für unüberhörbare Grüße an den Insolvenzverwalter K. Siemon. Diese hier wiederzugeben entspricht nicht meiner Kinderstube. Ganz abgesehen davon, dass damit weiterhin die Zeichen auf Konfrontation stehen und beiden Seiten auf ihrer Sicht der Dinge behaaren.

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Mit der 0:2 Niederlage setzt der CFC seine sportliche Mini-Krise mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen in Folge fort. Der Abstand zum Berliner AK beträgt nun sieben Punkte, kann jedoch mit dem Nachholspiel gegen den VfB Auerbach wieder auf 10 Punkte ausgebaut werden. Ausbaufähig ist hingegen auch die Musik-Auswahl bei den Berlinern. Nach dem Abpfiff ertönte noch D. Hasselhoff mit „Looking for Freedom“. Mehr gibt es dazu und zu diesem Spiel nicht zu sagen.

By Nino

 

Himmelblaue Scham

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4:4 vs. VSG Altglienicke am 24. Spieltag der Regionalliga-Saison Nordost 2018/2019. Das erste Unentschieden für den Chemnitzer FC, dennoch großes sportliches Kino. Dieses Spiel wird aber in diesem Sinne nicht in Erinnerung bleiben. In Erinnerung wird die Trauerbekundung für Thomas Haller im Vorfeld des Spiels bleiben.

Für wen wird man sich vielleicht fragen? Herr Haller, ein verstorbener CFC-Fan. In den 1990er Jahren gründete er „HooNaRa“, was für „Hooligans-Nazis-Rassisten“ steht. Später war er Chef jener Security-Firma, die bis 2007 den Ordnungsdienst beim CFC organisierte. Bis zu seinem Ableben war er laut Spiegel Online „einer der führenden Köpfe der lokalen Neonazi- und Hooligan-Szene […]“, kurz ein Rechtsextremist.

Eine Trauerbekundung für einen Rechtsextremisten? Eine Trauerbekundung für einen Rechtsextremisten beim Chemnitzer FC? Im Vorfeld eines Regionalliga-Spiels? In einem Stadion? Mit Pyro-Show und Schweigeminute? Allein diese ganze Szenerie ist so unfassbar und bei der Aufarbeitung derer, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Zunächst ist es klar, dass die Familie trauert. Das war, bei aller verständlichen Trauer, nicht irgendeine Trauerfeier für einen Fan des CFC. Das war viel mehr und keiner kann sich davon frei machen, nix davon gewusst zu haben. Die Truppe um Haller ist stadtbekannt und nicht wenige Chemnitzer wissen von Geschichten in Form von Schlägereien usw. oder sind selbst Opfer von diesen geworden. Das Schlimmste aber war, dass sie die Angst auf das Umfeld übertragen hatten und das hatte System.

Umso erstaunlicher ist doch die naive Annahme derjenigen Fans, zu glauben, dass diese Trauerfeier ohne jegliche Beachtung bleibt! Wissen denn z.B. die Ultras Chemnitz 99 nicht, wie der CFC laut Satzung zu Extremen jeglicher Art steht? In § 2 Vereinszweck Absatz 4 steht: „Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen.“ Ganz abgesehen von den letzten Bekundungen des CFC ein „Bollwerk gegen Rechtsradikalismus“ sein zu wollen. Wirft das denn keine Fragen auf? Hält man das dann trotzdem für angemessen? Klar, er war CFC-Fan, aber auch ein Rechtsextremist. Das voneinander trennen zu wollen, erfordert schon ein hohes Maß an Haltungslosigkeit. Das könnte auch ein veritables Eigentor für die Ultras werden.

Abgesehen davon ist es beschämend für den CFC, dass diese Trauerbekundung so ermöglicht wurde. Unter welchen Umständen es soweit kommen konnte, damit darf sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Es ist auch beschämend, dass sich CFC-Mitarbeiter dafür haben einspannen lassen. Angefangen vom Stadionsprecher, zum Physiotherapeuten und auch Spieler Daniel Frahn, der für seine Aktion vom CFC bestraft wurde. Es ist beschämend, wie inkonsequent der CFC im Nachhinein gehandelt hat. Mit drei Pressemitteilungen versuchte man die Sache irgendwie zu erklären, sich irgendwie zu rechtfertigen, sich aber gleichzeitig irgendwie zu distanzieren. Wer hat da eigentlich noch das Sagen beim CFC?

Das der kaufmännische Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH und Vorstand des Chemnitzer FC e.V., Thomas Uhlig, alle seine Ämter niedergelegt hat, zeugt von Haltung und verdient daher Respekt.

Dem CFC stehen nun turbulente Tage bevor, vielleicht sogar Wochen. Dabei wird sich herausstellen, wie sich diese ganze Aktion, deren Zustandekommen auf den CFC insgesamt auswirken wird. Auf das sportliche Geschehen. Auf das Insolvenzverfahren. Auf die Suche nach weiteren Investoren. Auf das Image des Clubs. Auf die Fanszene.

Die mediale CFC-Sau wird jedenfalls nicht nur über das Dorf, nein durchs ganze Land getrieben.

Der CFC muss sich jetzt entscheiden, welche Richtung er einschlagen will. Himmelblau oder Himmelbraun?

By Nino