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Kommentar zum himmelblauen August, September und Oktober 2018

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Drei himmelblaue Monate können bisweilen verdammt lang sein. Aber die Uhren ticken beim Chemnitzer FC nicht schneller oder langsamer. Es ist der Takt der Ereignisse, der den Eindruck erweckt, dass entweder Stillstand beim CFC herrscht oder das Tempo der Erneuerung für einige zu schnell ist.

Dabei haben nur zwei Themen die himmelblauen Monate August, September und Oktober 2018 beherrscht. Zum einen diese fulminante Rekordserie von 14 Siegen in der Regionalliga-Nordost. Dazu kommt noch der 17:1 Testspiel-Sieg gegen ESV Eintracht Thum-Herold. Die 2:3 Testspielniederlage gegen den FSV Zwickau wird mal eben still und leise unter den Teppich gekehrt.

So ergeht es gelegentlich auch dieser jetzt schon historischen Leistung, die unter dem Getöse rund um das andere Thema, dem Insolvenzverfahren, unterzugehen droht. Daher lohnt es sich noch mal diese Siegesserie nachzuvollziehen:

2:0 Heimsieg vs. BFC Dynamo, 2:1 Auswärtssieg vs. SV Babelsberg 03, 3:0 Auswärtssieg vs. Rot-Weiß Erfurt, 2:1 Heimsieg vs. VfB Auerbach, 4:2 Auswärtssieg vs. Germania Halberstadt, 2:1 Auswärtssieg vs. VSG Altglienicke, 3:1 Heimsieg vs. Berliner AK 07, 1:0 Auswärtssieg vs. Budissa Bautzen, 3:1 Heimsieg vs. 1. FC Lok Leipzig, 4:0 Auswärtssieg vs. Optik Rathenow, 2:0 Heimsieg vs. Wacker Nordhausen, 3:1 Auswärtssieg vs. Hertha BSC II und der 4:0 Heimsieg vs. FC Oberlausitz Neugersdorf.

Macht insgesamt 42 Punkte, bei einem Torverhältnis von 38:10 Toren. Beste Offensive, beste Defensive. Vorzeitiger Herbstmeister. Dazu kommen noch die Siege im Sachsenpokal, 3:1 vs. Kickers Markleeberg (3. Runde) und im Achtelfinale der 4:2 Sieg gegen den FC 1910 Lößnitz. Mit dem Abstieg hat der CFC wohl nix mehr zu tun und die Chancen auf den Sachsenpokalsieg wurden weiter gewahrt. Sportlich könnte es also um einiges schlechter laufen.

Um diese sportliche Leistung Bilanz weiter einzuordnen, reicht nur der Blick ein Jahr zurück. Da hatten wir im himmelblauen Kommentar September und Oktober 2017 nach 14 Spieltagen in der dritten Liga festgehalten: „14 Spieltage sind absolviert, der CFC steht mit 16 Punkten (von 42 Möglichen) auf Rang 12. 4 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen, negatives Torverhältnis von minus zwei (19:21 Tore).“ und „im Sachsenpokal war beim VfB Auerbach im Achtelfinale Schluss (1:2).“

Rein sportlich gesehen, kann es also sehr schnell anders laufen. Es könnte alles so schön himmelblau sein. Das Fan-Herz könnte wahrlich im Takt des Erfolges tanzen. Warum kann man sich immer nur so halb freuen und die „Spitzenreiter, Spitzenreiter-Gesänge“ nicht im vollen Brustton der Überzeugung geschmettert werden? Fast ist man geneigt, höhere Mächte könnten hier am Werk sein.

Und damit sind wir beim zweiten Thema, dem Insolvenzverfahren. Die Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beim CFC gestaltet sich zunehmend schwieriger. Nach dem neusten Stand des Verfahrens fehlen noch 493.000 Euro im Budget und die Suche nach dem nötigen Geld wurde eifrig begonnen, freilich nicht ohne Nebengeräusche. Und wie im Leben ist es so: Beim Geld hört der Spaß und die Freundschaften auf. Das Insolvenzverfahren brachte zum Erschrecken und Erstaunen aller Beteiligten so einige Ungereimtheiten ans Tageslicht. Mittlerweile hat man das Gefühl, dass alle Beteiligten im Glashaus sitzen und eigentlich nicht mit Steinen werfen sollten. Das Geplänkel im Klein-Klein erschwert den klaren Blick auf die Zukunft. Mehr denn je stellt sich doch die Frage, was der CFC, seine Mitglieder/Fans und Sponsoren jeweils einzeln sowie gemeinsam wollen. Die Einstellung des Spielbetriebs wohl nicht. Soviel sollte sicher sein. Beim Weg das zu vermeiden, sind die Richtung und die Mittel unterschiedlicher Natur. Nun sind im Insolvenzverfahren die Zuständigkeiten klar verteilt. Das (letzte) Wort hat der Insolvenzverwalter. Damit eingehergehend auch die Verantwortung.

Neben dem Platz steht noch eine Menge Arbeit an. Das liefert sehr viel Gesprächsstoff und auch wir haben uns, z.B. mit der Kommentierung des Sanierungskonzepts des CFC-IV ausgiebig dran beteiligt. Auf jeden Fall in dem Bemühen, wenigstens das ganz Schreiben zu analysieren, wohlwissend das Nino kein Experte im Insolvenzrecht ist. Daher muss man selbstkritisch einschätzen, dass eine vollumfängliche Einordnung nicht möglich ist. Da sind dann die örtlichen Sportjournalisten gefragt. Ob sie denn wollen oder nicht. Oder können. Eine kritische Begleitung und der Blick von außen muss allerdings jederzeit möglich sein.

Bis zum Jahresende 2018 stehen in der Hinrunde der Regionalliga Saison 2018/2018 noch die Duelle gegen den 17.ten ZFC Meuselwitz, den 8.ten FC Viktoria 1889 Berlin sowie den 16.ten Bischofswerdaer FV 08 an. Rein tabellarisch gesehen, verfällt man leicht an den Gedanken, dass das Selbstläufer sind. Zu den 42 würden sich 9 weitere Punkte gesellen und die Rekordserie wäre auf 17 Siege ausgebaut. Die Einstellung wäre aber fatal, denn wer nachlässt, der hat schon so gut wie verloren.

Der Wechsel von guten und schlechten Nachrichten vollzieht sich auch in der CFC-Familie. Eine verloren gegangene Stütze ist wieder an die Gellertstraße zurückgekehrt. Die ehemalige Pressesprecherin N. Oeser wird den CFC wieder, vor allem bei der strategischen und konzeptionellen PR- und Medienarbeit, unterstützen. Eine schlechte Nachricht musste der CFC mit dem Ableben von FCK-Meisterspieler A. Müller verkraften. Mit einer Gedenkminute wurde ihm vor Anpfiff des Heimspiels gegen FC Oberlausitz Neugersdorf würdevoll gedacht. In solchen Momenten wird einem auch immer wieder klar. Fußball ist nicht alles und nur ein Spiel. Dafür ab und zu eine verdammt ernste Sache.

By Baba und Nino

 

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 3

Euro

Nach Teil 1 und Teil 2 des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC-IV folgt nun der dritte und letzte Teil. Dieser beschäftigt sich mit der Analyse des letzten Punkts „5. Die Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz“, mit dem Insolvenzverwalter K. Siemon Lösungen präsentiert, wie der Chemnitzer FC mit Hilfe der Stadt Chemnitz aus seiner misslichen Lage herauskommen kann.

Der Abschnitt umfasst 5 Seiten und zu Beginn wird gleich der nächste Hammer ausgepackt. Neben den schon fehlenden 493.000 Euro soll zur Risikoabdeckung weiteres Geld zum CFC fließen. Insgesamt macht das für das Jahr 2018 exakt 750.000 Euro. Sofern der CFC in die 3. Liga aufsteigt, soll der Zuschuss dann 1,25 Millionen Euro betragen. Dazu verpflichtet sich der CFC im Stadion Chemnitz in der laufenden Saison anzutreten und einen „Katalog der Gegenleistungen“ (insgesamt neun an der Zahl) zu erfüllen. Ohha, das Beste folgt immer zum Schluss, das kann man auch von diesem Schreiben behaupten. Wobei das Beste hier wohl eher für das provokativste steht.

Im Rahmen seiner Begründung, für die erneut dringend notwendige Finanzspritze, werden die Geschehnisse um den gewaltsamen Tod von Daniel H. Ende August 2018 ins Spiel gebracht. Das wirkt nicht nur aufgrund des Themenwechsel sehr eigenartig.

Die Schilderung seiner Aktivitäten, die Berichterstattung „zu korrigieren“ verdienen jedoch Anerkennung. Für viele Fans ist er ja die Hauptschuldige und wenn er über Wasser laufen würde, dann würde sie ihm vorwerfen, dass er nicht schwimmen kann. Hier hat er sich aber wirklich ins Zeug gelegt und im Sinne des CFC gehandelt.

Der Bogen wird aber leider mit dem Thema Rechtsradikalismus überspannt. Herr Siemon wäre hier klug beraten, wenn er die abscheulichen Vorkommnisse nicht auch noch für seine Zwecke instrumentalisiert. Das haben u.a. schon der BAK-Präsident Han zur Genüge getan und die Blamage folgte nicht nur auf sportlichem Fuße. Im Gesellschaftervertrag der CFC GmbH soll sogar darauf Bezug genommen werden. Dabei würde der Satz, der auf die Bezugnahme folgt, völlig ausreichen: „Zugleich wendet sich die CFC GmbH gegen jede Form von politischen und religiösem Extremismus“. Damit werden alle Seiten einbezogen und nichts kann und soll verharmlost werden.

Im Ergebnis seiner Argumentation könnte dann auch der Stadionname „Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness“ heißen. Nunja, inhaltlich konsequent, aber für ein Fußballstadion doch eher ungewöhnlich. Dabei gibt es genug andere Möglichkeiten, seine Haltung bzw. die der Himmelblauen zu zeigen. Die Möglichkeiten der Abkürzungen wurden auch von seinen Kritikern genutzt. Schnell machte die „Lösung“ WTF-Arena die Runde. Eine wohl eher unfreiwillig komische Einlage.

Bei allem Spaß muss hier aber darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein sensibles Thema handelt. Es gibt wahrlich genug Namen für das Stadion und eigentlich sollte mit einer Jury bis Ende des Jahres ein passender gefunden werden. Ich kann nur hoffen, dass dies ein Ablenkungsmanöver ist und das die Fans, nicht nur bei dieser Thematik, mit einbezogen werden.

Sofern die Stadt Chemnitz und deren Stadträte dem Vorschlag von Herrn Siemon nicht zustimmen, schlägt dieser vor, die Ticketpreise um 75% zu erhöhen. Nach Ansicht dessen würde es aber gerade „die Besucher des Stadions treffen, die ohnehin schon hohe Eintrittsgelder zu zahlen haben und damit überfordert wären“. Hohe Eintrittsgelder? Das sind für mich die Plätze auf der VIP-Tribüne. Diese Besucher könnten dann schon ein bisschen mehr bezahlen. Jeder trägt nach seinen Möglichkeiten zum Stadionerlebnis bei. Vereinfacht gesagt: Die einen machen Stimmung, die anderen zahlen ein wenig mehr.

Nimmt man mal diese Polemik beiseite, ist die Erhöhung der Eintrittsgelder gar keine so schlechte Idee. Die Möglichkeit sich nur irgendwie von der Stadt und seinen Räten unabhängig zu machen, sollten doch genutzt werden. Wie wäre eine Ticket-Patenschaft oder ein Fonds für die Eintrittsgelder? Sicherlich gibt es noch andere Optionen. Ich denke, bei einer Zweckbindung wäre die Bereitschaft sich finanziell zu engagieren um einiges größer.

Ein Spendenaufruf, bei dem man am Ende nicht weiß wo das Geld landet, wird sicherlich keine große Unterstützung finden. Die Zahlung der Mitgliedsbeiträge läuft ja jetzt schon schleppend. Wohl auch deswegen, weil die Mitglieder nicht wissen, ob das Geld nicht in der Insolvenzmasse untergeht.

Letztendlich dienen die Vorschläge von Herrn Siemon dazu, die Stadt Chemnitz unter Druck zu setzen bzw. zumindest die Möglichkeiten einer erneuten finanziellen Unterstützung auszuloten. Alle Optionen zu prüfen ist grundsätzlich legitim, es kommt allerdings auch hier wieder darauf an, wie die Botschaft überbracht wird. Nach den aktuellen Entwicklungen sieht es wohl eher nicht danach aus, dass sich die Stadt Chemnitz auf eine erneute Hilfe einigen kann. Die Mehrheit der 60 Abgeordneten des Chemnitzer Stadtrats hat sich in einer gemeinsamen Presseerklärung gegen weitere Zuwendungen an den Chemnitzer FC ausgesprochen. Das Signal an den IV: kein weiteres Steuergeld für den CFC. Einen Vorteil hätte das zumindest: Das Ende des elendigen Spiels, die Förderung andere Sportarten und den kulturellen Angeboten in der Stadt gegeneinander auszuspielen. Im Umkehrschluss heißt das dann aber auch, dass der CFC jetzt noch mehr in Zugzwang ist, sich für Investoren zu öffnen und/oder neue Geldquellen ausfindig zu machen. Man kann also davon ausgehen, dass nicht wie bisher nur ein Investor bei der CFC Fußball GmbH einsteigen wird.

Wie es nun weitergehen wird, das steht in den himmelblauen Sternen. Dabei sind z.B. noch die Fragen offen, ob sich die Stadt wirklich ein ungenutztes Stadion leisten kann und/oder will? Oder ob Herr Siemon mit seiner Forderungen vielleicht „nur“ den Preis in die Höhe getrieben hat, um dann in Verhandlungen mit der Stadt realistische Forderungen einzubringen?

So oder so steht ein weiteres Kapitel im Chemnitzer Insolvenz-Theater an. Ich hoffe allerdings, dass dieses mit weniger Emotionen und Nebengeräuschen aufgeführt wird. Die Zukunft des CFC steht nun wieder mehr denn je in Frage.

By Nino

Lese-Empfehlung:

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 1

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 2

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 2

Budget

Im zweiten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC-IV werden nun, wie im ersten Teil angekündigt, die Punkte „3. Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg“ und „4. Das Budget“ analysiert.

Das „Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg“ ist eine Seite lang und kann in die Kategorie „Zukunftsvision“ eingeordnet werden. Grundsätzlich ist dieser Aspekt zu begrüßen. Wenn es dieses ganze Insolvenzverfahren und der mehr als unangenehmen Begleiterscheinungen nicht geben würde, dann könnte man erleichtert anfangen euphorisch zu applaudieren. Endlich ein sportliches Konzept! Endlich eine Spielphilosophie! Endlich mal eine klare Ansage dazu, für was die Himmelblauen sportlich stehen wollen. Dazu sollen die drei Säulen „Mentalität – Identifikation – Leidenschaft“ dauerhaft manifestiert werden. Wie schön wäre es, wenn die Himmelblauen mit ihrer Spielidee überzeugen könnten und dadurch auch einen Wiedererkennungseffekt haben. Für einen Regionalligisten zwar ein hoher Anspruch, aber irgendwann muss man ja mal anfangen. In diesem Sinne liest man auch aufmerksam die Zeilen in Bezug auf die zukünftige Verpflichtung himmelblauer Akteure. Wie heißt es da so schön: „Spieler, Trainer, Mitarbeiter der Geschäftsstelle werden nach der bestehenden Philosophie verpflichtet und müssen sich dieser unterordnen und nicht umgekehrt“. Daran messen lassen können sich die Verantwortlichen eh erst in der Zukunft, spätestens in einer sportlichen Krise. Da wird sich dann zeigen, wie konsequent solch eine Linie durchgezogen werden kann. Oder ob es nur die üblichen Plattitüden aus dem „Handbuch Sportmanagement“ sind.

In diesem lassen sich hoffentlich nicht solche Zeilen lesen, die in Abschnitt (2) folgen. Denn die Ausführungen zur Führungsebene (die erweitert werden soll) und deren Anforderungsprofil wirken schon aus der Zeit gefallen und befremdlich. Alles was der sportliche Führungszirkel entscheidet, soll von allen Gremienmitgliedern akzeptiert werden. „Einmischungen, interne und öffentliche Kommentare zu sportlichen Themen sind zwingend zu unterlassen, da sie die Autorität der handelnden Personen untergraben und die Geschlossenheit und damit auch den sportlichen Erfolg gefährden“. Das ist quasi ein Maulkorb. Zur Rechtfertigung wird ausgerechnet der FC Bayern München herangezogen. Nunja, die jetzt schon legendäre Pressekonferenz von Rummenigge/Hoeneß/Salihamidžić war zwar einen Tag nach Abgabe des Schreibens, dennoch ist diese Vorstellung von interner wie externer Kommunikationspolitik wenig alltagstauglich. Nach innen muss Kritik möglich sein, nach außen sollte man geschlossen auftreten.

Zur Rechtfertigung der Siemon’schen Vorstellung werden auch noch der SC Freiburg und ausgerechnet der FC Erzgebirge Aue als Erfolgstories herangezogen. Auch weil dort, „rein wirtschaftlich betrachtet“ kein Erstligafußball und im Falle der Schachtis kein Zweitligafußball realisiert werden könnte. Ist aber trotzt allem möglich und den Auern wird in einem Nebensatz glatt die Zweitliga-Tauglichkeit abgesprochen. Das ist, bei aller Rivalität, schon unnötiges dünnes Eis, auf das sich der IV hier begibt. Lediglich könnten sich die ärgsten Siemon-Kritiker ein leises zustimmendes, wenn auch schmerzhaftes Nicken abringen. Oder auch nicht. Die Auer sollten jedenfalls ganz entspannt auf diese Provokation reagieren. Alles andere würde ja in die Kategorie „getroffene Hunde bellen“ fallen 😉

Zum Ernst der ganzen Angelegenheit kommt Herr Siemon dann unter „4. Das Budget“ zurück, denn hier geht es um das allseits beliebte Geld. Dieses konnte trotz aller (in seiner Hauptverantwortung stehenden) Bemühungen, dann doch irgendwie nicht aufgetrieben werden. Verschiedene Gründe werden dazu aufgeführt (weniger bzw. fehlende Sponsoren-Einnahmen) und mit einer zweiseitigen Tabelle die ganze Misere mit Zahlen belegt. Es fehlen am Ende exakt 493.000 Euro!

Ohha, gerade noch in der himmelblauen Zukunft verweilt, wird man von dieser Zahl direkt wieder zurück auf den harten Boden der Realität geholt. Aber Herr Siemon wäre nicht Herr Siemon, wenn er dafür nicht auch eine Lösung parat hätte. Schließlich denkt er, nach Aussage von Herrn Sobotzik, immer zweigleisig. In den 14 von 19 Seiten wurde ja unter den ersten 4 Punkten nochmals der Blick auf die Fehler in der Vergangenheit gelegt (das mag ja so wirklich keiner), um anschließend die eingeleiteten Maßnahmen zur Sanierung darzustellen (Eigenlob inklusive). Das sportliche Konzept soll aufzeigen, dass es nun eine klare Strategie gibt. Diese umzusetzen ist aber in Gefahr, da fast eine halbe Million Euro fehlt. Es ist also Gefahr im Verzug.

Welche Lösungsmöglichkeiten soll es geben? Soll die Stadt Chemnitz wieder helfen? Ist es ein Testballon zur Frage, was bei der Stadt noch zu holen ist? Oder vielleicht ein Ablenkungsmanöver? Welches Zeichen soll damit an die Investoren, ähm den Investor gegeben werden? Die Messlatte der Erwartung zur Beantwortung dieser Fragen liegt ziemlich hoch. Mit der Überschrift „5. Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz“ lässt sich einiges erahnen. Was konkret darunter zu verstehen ist, dass wird im dritten und letzten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept des IV analysiert.

By Nino

 

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 1

Fragen

Mit einem 19-seitigen Schreiben an die Stadträte der Stadt Chemnitz hat der Insolvenzverwalter K. Siemon ein neues Kapitel in der Aufführung des Chemnitzer-Insolvenz-Theaters aufgeschlagen. Die örtlichen Medien überschlagen sich erwartungsgemäß mit populistischen Schlagzeilen. Die BILD schaffte es z.B., die ganze Thematik auf das Thema des Stadionnamens, zu reduzieren. Aber hey, was will man gerade von der BILD auch erwarten?

Ganz in ihrem Sinne bzw. Motto entsprechend, ist es daher den Versuch wert, sich seine eigene Meinung über dieses Schreiben und den Intentionen von K. Siemon zu bilden. Dazu bedarf es einer Analyse, Seite für Seite, Thema für Thema. In diesem ersten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept geht’s mit den ersten beiden von insgesamt fünf Punkten los. Das Schreiben vom 18. Oktober 2018 gliedert sich wie folgt:

1. Insolvenzursachen
2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen
3. Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg
4. Das Budget
5. Die Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz

Unter Punkt „1. Insolvenzursachen“ wird eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die auf Grundlage des Berichts zur Gläubigerversammlung erstellt wurde, geliefert. Den Gläubigern dürfte das also bestens bekannt sein. Die Ursachen der Insolvenz werden mit den nachfolgenden Punkten konkretisiert:

a. Vermarktung durch „Komplettvermarkter“
b. Kostensteigerung im Spielbetrieb
c. Hohe Personalkosten, insbesondere im Spielerkader
d. Hohe Kosten für die Nachwuchsförderung durch das NWLZ
e. Kaufmännische Schwächen beim CFC

Dieser Abschnitt umfasst drei Seiten und sind keine leichte Kost für das himmelblaue Fan-Herz. Auch wenn die Sachverhalte mehr oder weniger bekannt sind, werden hier nochmals einige der Gründe des wirtschaftlichen Niedergangs aufgrund einer langen Kette von Fehlentscheidungen verschiedenster Akteure aufgeführt. Allein diese Darstellung soll wohl dazu dienen, dass auch der letzte CFC-Fan einsieht, dass nun endlich professionellere Strukturen eingeführt werden müssen. An sich ist das auch grundsätzlich zu unterstützen. Es kommt allerdings immer auf das „Wie tue ich das“ an.

Auf das was der Herr Siemon bereits getan hat, dazu führt er unter Punkt „2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen“ aus. Hierbei werden die bisherigen Maßnahmen zur „Neustrukturierung“ des CFC in „allen Bereichen und Abteilungen“ dargestellt:

(1) Vorstandsebene – Aufsichtsrat – Führungsstrukturen

(2) Spielerkader

(2) Geschäftsstelle

(3) Nachwuchsleistungszentrum

(4) Vertrieb / Sponsorengewinnung

(5) Spielbetriebsorganisation

(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing

(7) Merchandising

(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen

(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft

Dieser Abschnitt umfasst 5 Seiten und ist teilweise mit ordentlich Sprengkraft verbunden. Allen voran auf emotionaler Seite, wird doch der stärkste Part bzw. Sachverhalt „Hausverbot für A. Georgi und U. Bauch“ mit lediglich zwei Sätzen abgehandelt. „…die alten Führungsstrukturen des CFC nicht sanierungsfähig“. „Daraus wurden die im Verlaufe des Verfahrens die aus sanierungstechnischer Sicht notwendigen Konsequenzen gezogen“. So kann man es natürlich auch ausdrücken, wenn personelle Angelegenheiten mit der Holzhammer-Methode gelöst werden.

Hingegen sind die weiteren Ausführungen in Bezug auf die Verpflichtung des Sportdirektors T. Sobotzik in die Kategorie „Eigenlob“ einzuordnen. Herr Siemon war es ja schließlich, der Herrn Sobotzik installierte und dieser den Spielerkader zusammenstellen durfte. Abgesehen davon, muss man konstatieren, dass es unter den damaligen Umständen schon respektabel ist, dass solch eine Mannschaft zusammengestellt werden konnte. Die bisherige 13-Siege-Rekordserie in der Regionalliga Nordost tut ihr Übriges dazu.

Grundsätzlich zu begrüßen ist auch die neue Maxime „keine Leistung, ohne Gegenleistung“. Dies u.a. vor dem Hintergrund der Aussagen zu den Punkten „(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing“ und Punkt „(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen“, da hier offensichtlich die Abgabe solcher Tickets unter Zudrücken aller himmelblauen Augen betrieben wurde.

Mit dem letzten Punkt „(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft“ wird der bisher eingeschlagene Weg der Ausgliederung beschrieben. Alles in allem liest sich dieser Punkt so, dass die Ausgliederung alternativlos war. Gerade dies ist jedoch unter den Fans hoch umstritten und man hätte sich gewünscht, dass hier ein Mehr an Beteiligung möglich gewesen wäre. Auf der Mitgliederversammlung wird es, wenn auch spekulativ, wohl nur auf die „Friss-oder-Stirb“-Variante hinauslaufen. Und welcher Fan bzw. Mitglied will schon für den Untergang des Vereins stimmen? Aber gut, wie erwähnt rein spekulativ, da will ich mich gerne ganz groß täuschen.

Fakt ist allerdings auch, dass im ganz Kleinen auffällig wird, welche Rolle der Kaufmännischer Vorstand Herr T. Uhlig einnimmt bzw. wie diese von Herrn Siemon dargestellt wird. In den Ausführungen im Punkt „(5) Spielbetriebsorganisation“ wird darauf hingewiesen, dass er einen hohen Anteil an den Einsparungen von 1 Millionen Euro hat. „Er hat sich in allen Bereichen sehr stark eingebracht“. Nun kann das kleinkariert wirken und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein, aber für mich wirkt das schon eigenartig. Warum schreibt Herr Siemon hier nur von Herrn Uhlig und formuliert dessen Leistung im Sinne einer Beurteilung, zumal in der Vergangenheit. Vielleicht ist es das Eingeständnis, dass hier jemand wirklich vom Fach ist und nicht so einfach mit irgendwelchen Verboten von der Arbeit abgehalten werden kann. Oder alles hat ganz andere, banaler Gründe. Soviel zu den Mutmaßungen.

Im zweiten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC soll es um die Punkte „Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg“ und „Das Budget“ gehen…

By Nino