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w.z.b.w. Ein Kommentar zum Videobeweis – Teil2

Videobeweis

Der erste Teil zum Videobeweis-Kommentar (hier geht’s zu Teil 1) beschäftigte sich mit den Problemen und den Beteiligten, die mehr oder weniger allesamt dazu beitragen, dass der Videobeweis aktuell einen eher ausbaufähigen Stellenwert in der 1. Fußball-Bundesliga genießt.

Nun soll es sich um die Ansätze und Lösungen drehen, die zum Gelingen des Videobeweises beitragen können. Hierbei hilft es, sich in Erinnerung zu bringen, warum der Videobeweis testweise eingeführt wurde. Nämlich um die Schiedsrichterriege (Bibiana Steinhaus ist hier miteingeschlossen) bei ihren Entscheidungen mit technischen Hilfsmitteln zu unterstützen. Nicht erst seit der Saison 2016/2017 gab es Diskussionen über Schiri-Fehlentscheidungen und daraus resultierende Benachteiligungen von den betroffenen Clubs. Noch viel länger gibt es den Fangesang „Schiri wir wissen wo dein Auto stand…hat gut gebrannt, hat gut gebrannt“. Nicht zu vergessen: „Schieber, Schieber-Rufe“, gepaart mit „Fußball-Mafia-DFB“. Es war also längst an der Zeit, auch im Fußball weitere technische Hilfsmittel zu nutzen, die in anderen Sportarten wie z.B.

Tennis,

Baseball,

Cricket,

Hockey,

Football,

Eishockey,

Fechten und

Ski Alpin schon seit Jahren zum Einsatz kommt.

Wie kann es also gelingen, dass der Videobeweis seinen eigentlichen Zweck erfüllt (weniger Fehlentscheidungen, mehr Unterstützung für die Schiris)? Vielleicht sogar etwas wie Akzeptanz für den Videobeweis unter allen Beteiligten zu schaffen? Hier ein paar Vorschläge:

1. Eine realistische Erwartungshaltung

Fußball ist ein Spiel das von Fehlern lebt. Gäbe es z.B. keine Stellungs- oder Abspielfehler, so würden im Enddefekt keine Tore fallen. Das Ergebnis: Zwei Mannschaften, die sich taktisch neutralisieren und ein fast fehlerloses Spiel abliefern (was kein Fan dauerhaft sehen will).

Wie beim Spiel, so ist es auch bei den Schiedsrichtern. Sie werden auch mit dem Videobeweis weiterhin Fehlentscheidungen treffen. Das gehört zum Fußball wie zum Leben dazu. Also, eine realistische Erwartungshaltung an den Spieltag legen und der Versuchung widerstehen, zu glauben, dass es mit dem Videobeweis keine Fehlentscheidungen mehr geben wird. Im Übrigen entscheiden ja auch immer noch Menschen und keine Pfeif-Roboter.

2. Weniger Schauspiel, dafür mehr Fußball-Kunst

Die Fußballspieler sowie die Verantwortlichen/Offiziellen der Clubs sollten sich wieder mehr der Fußball-Kunst hingeben, anstatt sich mit ihren teilweise peinlichen Darbietungen für die Nachmittagssendungen bei RTL zu bewerben.

Die Performance „sterbender Schwan“ von H. Herrlich #Vizekusen und K. Papadopoulos #DinoHSV gibt es dann nicht mehr neben oder auf dem Platz, sondern nur noch im Schlachthof zu besichtigen.

Mehr Fußball-Kunst statt Schauspiel, da hilft auch ein Blick in das Regelwerk des DFB weiter. Denn zur Regel 12.3: „Verwarnungswürdige Vergehen“ steht geschrieben: „Ein Spieler wird verwarnt beim Protestieren durch Worte oder Handlungen.“

Kein Foul vergeht, bei dem eine Traube von Spielern zur Versammlung beim Schiri antritt, um mit Worten oder Handlungen mindestens eine gelbe Karte für den Foulenden zu fordern. Hier wird besonders deutlich, dass das oft geforderte Fingerspitzengefühl der Schiris überstrapaziert wird. Eine konsequentere Durchsetzung könnte der ganzen Schauspielerei Grenzen setzen. Müsste sich halt nur ein Schiri finden, der ein Exempel statuiert…leichter geschrieben, als getan.

3. Die Schiedsrichter

Damit bin ich bei den Schiedsrichtern, den manchmal ärmsten Säuen auf dem Platz. Umgeben von Besserwissern, 9mal-Klugen und wenigen, die die Regeln wirklich kennen. Wenn Profi-Fußballspieler gegeneinander spielen, dann müssen auch Profi-Schiedsrichter das Spiel leiten. Schluss mit dem Nebenjob „Bundesliga-Schiedsrichter“, alle Schiris sollten hauptberuflich pfeifen können. Hier dient ausgerechnet die Money-League, ähm die englische Premier-League als Vorbild, in der bereits 2001 die Schiedsrichter-Gesellschaft PGMOL aus dem Verband ausgegliedert wurde.

Dazu müsste der Deutsche Fußballbund allerdings seine Strukturen ändern bzw. neue schaffen. Vor allem aber die Posten nicht nach Gutdünken und/oder alten Männer- und Fan-Freundschaften verteilen. Mit M. Gräfe’s öffentlicher Kritik an der DFB-Günstlingswirtschaft wurde hier schon eine erste Strukturänderung angestoßen, dem Videobeweis sei Dank!

Darüber hinaus wurden die Rollen bei der Entscheidung neu definiert bzw. auch nur klargestellt. Der Schiri auf dem Platz trifft diese, nicht der Video-Assistent (soweit so selbstverständlich…).

4. Die (a-sozialen) Medien und Fans

Wer die letzte Entscheidung trifft, das sollten sich die Sportmedien und die Fans (wieder) bewusstwerden. Und wenn es mal zu einer Fehlentscheidung kommt, dann sollte diese nicht künstlich hochgejazzt werden. Auch wenn das Grundproblem der täglichen Berichterstattung besteht, so ist eine nüchterne Betrachtung des Videobeweises längst überfällig. Bei jeder Umfrage oder hochgeladenen Videos laufen die Kommentarspalten voller Beleidigungen usw. über. Ein bisschen mehr Gelassenheit, realistischer Erwartungshaltung (siehe auch 1.) und weniger Klick-Geilheit sind nicht nur für den geneigten Leser eine Wohltat.

Wenn nur die Hälfte der genannten Vorschläge umgesetzt würden, dann ist vielleicht irgendwann der Schiri nicht mehr die ärmste Sau auf dem Platz. Im besten Falle ist er eine Respektsperson, deren Entscheidung ohne großes Nörgeln und Entrüstungssturm akzeptiert wird.  Denn schließlich will sich jeder Fan nach dem Spiel über das Spiel unterhalten und nicht schon wieder darüber, dass der Schiri das Spiel verpfiffen hätte. Ansonsten ist auch klar: Jeder kann eine Pfeife werden.

Das Motto lautet also: Mehr miteinander, statt gegeneinander. Nicht nur hier die bessere Formel, die zu beweisen wäre. Dann heißt es vielleicht auch anerkennend: „Schiri…wir wissen wo dein Auto steht…hast gut geparkt, hast gut geparkt.“

By Nino

 

Willkommen in Schollis Welt!

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Es war mal wieder an der Zeit. Für ein paar Schollis. Für Standpunkte die hängenbleiben, im Gedächtnis oder irgendeinem Jahresrückblick.

Der Ex-ARD-Doping-Experte und Ex-Profi-Fußballspieler Mehmet Scholl hat mal wieder ein paar Volltreffer gelandet. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf den Spielplätzen der medialen Berichterstattung. In seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ hatte er sich zu einem aktuellen Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim Deutschen Fußball-Bund ausgelassen.

Nach seiner 2015er Kritik an den sog. „Laptop-Trainern“ sind es nun die „Systemtrainer“, die Scholli ein Dorn im Auge sind, da u.a. die individuellen Fähigkeiten des Spielers nicht mehr zählen würden. Konkret nannte er D. Tedesco (aktuell Schalke 04) und H. Wolf (aktuell VfB Stuttgart), beides auch noch Ex-Spieler, die es nicht über den Amateur-Bereich hinausgeschafft haben. Die Ausbildung beim DFB zur Trainer A-Lizenz nannte er eine „elfmonatige Gehirn-Wäsche“. Scholli hatte den Trainer-Lehrgang im Jahre 2012 abgeschlossen.

Die mediale Debatte war, wenig überraschend in Zeiten der dauerhaften Empörung, davon geprägt, dass die Sau (also in diesem Falle Scholli) eine Woche durchs Medien-Dorf getrieben wurde. Soweit so beschämend normal.

Einige Bundesligatrainer sprangen den Aussagen Schollis bei, andere kritisierten sie. Bei SpiegelOnline ließ Sportredakteur P. Ahrens seine Tochter die Aussagen kommentieren: „Wer ist Mehmet Scholl?“. Das ist natürlich für einen Journalisten aus dem Hause des Spiegels ah bissel dürftig. Einen mehr oder weniger meinungsstarken Kommentar hätte es schon sein können. Aber sei’s drum.

Ich schätze, es ging dem Scholli eh um mehr als nur darum, Kritik an einem bestimmten Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim DFB zu üben. Scholli hat das große Ganze im Blick. Das existenzielle am Fußball. Er macht sich Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs. Vor allem wie darüber gesprochen und von wem darüber gesprochen wird! Was wiederum zu der Frage führt: Wer darf was sagen? Wer darf nix dazu sagen?

Er kritisiert ja, dass vermehrt die Akademiker mit ihrem Arbeitsansatz „Spielsystem, nix Individualität“, die in der Spitze begrenzten Trainer-Stühle besetzen würden. Bezogen auf die Nachwuchsspieler moniert er: „Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen“. Was will er damit sagen?

Im Grunde genommen will Scholli, rhetorisch etwas unbeholfen, damit sagen, dass nur richtige Profi-Fußballer auch richtige Profi-Trainer werden sollen. Also, Spieler die alle Höhen und Tiefen einer Profi-Fußballer-Karriere durchlebt haben. Diejenigen, die auch die großen Titel gewonnen haben und nicht nur erfolgreich waren.

Wenn ich schon mal diesen Argumentations-Ball aufnehme und ins Dribbling gehe, dann kommen noch viele andere Gedanken. Dann geht es nämlich auch darum, wer was über Fußball sagen kann. Ist es der Fan, der nur in seiner Freizeit gegen den Ball tritt? Oder die Journalisten, die vielleicht viel über Fußball geschrieben, aber nie in der Bundesliga gespielt haben!? Oder ich als Blogger, der nicht mal eine journalistische Ausbildung gemacht hat, aber dafür unabhängig über alles und jenes in der Fußball-Welt schreibt? In Schollis Welt da urteilen Fußballer über Fußballer. Da urteilen Trainer über Trainer. Da werden jene, die nie wirklich was mit dem Fußball zu tun hatten, als nicht glaubwürdig abgestempelt. Nur wer auf dem Platz stand, der darf auch darüber berichten, urteilen, kritisieren.

Solch ein Quereinsteiger wie D. Tedesco hat da natürlich keinen Platz. Ein System-Trainer. Buuhhh, System. Dann arbeitet er wohl auch noch mit einen so neumodischen Arbeitsgerät wie einen Laptop. Buuuh, ein Laptop-Trainer. In Schollis Welt wird wohl noch auf Papier geschrieben. Mit einem Kugelschreiber. Alles andere könnte ja wegradiert werden.

Nun ist diese Sichtweise in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Ich z.B. bin Marathon-Läufer. 3mal bin ich diese Distanz gelaufen und kann daher ganz gut einschätzen, was nötig ist, solch einen Lauf im Ziel zu beenden. Wenn dann jemand ankommt und meint, mir erklären zu können, wie es ist einen Marathon laufen zu müssen, ohne selber einen gelaufen zu sein, dann ordne ich seine Tipps auch eher in der Schublade „unglaubwürdig“ ein und murmele leise vor mich hin: „Lauf doch erstmal einen Marathon“.

Nun muss man sich dabei selbstkritisch fragen, ob diese Denk- und Vorgehensweise nicht elitäres Denken und Handeln hervorruft. Wenn all jene Unbeteiligten, die nur Nur-Zuschauenden zu Nicht-Wissenden degradiert werden, weil sie keine Erfahrung als Profi-Fußballspieler, geschweige denn Profi-Trainer vorweisen können.

Nunja, ob Scholli so weit gedacht hat, wie ich das interpretiere? Ich denke nein, den er weiß ganz genau Bescheid. Er ist der Typ mit den dicksten Eiern im Stall. Einer der sich wirklich auskennt. Welches Trainer-Amt hat Scholli nochmal inne gehabt? Von 2008 bis 2013 war er in den Jugend- und Reservemannschaften des FC Bayern München tätig. Ah okay. Er dürfte dann also über die Situation der Jugendtrainer sprechen. Und die der Bundesliga-Trainer?

Verwunderlich ist auch, woher seine penetrante Meinungskundgabe herkommt. Vielleicht weil er für seinen ersten richtigen Scholli, die Attacke auf Mario Gomez („Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“) 2012 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur den Deutschen Fußball-Kulturpreis für den Fußballspruch des Jahres bekam? Will er sich einen zweiten Titel sichern oder fehlt ihm die Aufmerksamkeit? Als Fußballer war er mit der Attitüde des Straßenfußballers ausgestattet. Der Typ Zaubermaus, wenn es gut läuft, aber ansonsten eher kein Leader, sondern Mitläufer. Das passt nun alles irgendwie gar nicht zusammen. Ich werde einfach nicht schlau aus dem Scholli.

Und wie geht’s nun weiter? Scholli hat sich nicht mehr dazu geäußert. Er hat den Ball ins Spielfeld gedroschen und sich nicht wirklich mehr weiter darum gekümmert, ob aus der angestoßenen Debatte etwas zielführendes geworden ist. Einzig war von ihm noch zu vernehmen: „Was wir in den Europapokalspielen erlebt haben, ist erst der Anfang. Wir fahren gegen die Wand“. Ich liebe ja solche Prognosen.

Nun könnte man sagen, dass mit RB Leipzig und TSG Hoffenheim zwei Mannschaften erstmals auf europäischer Ebene mitspielen durften bzw. noch dürfen, der 1. FC Köln seit 25 Jahren wieder mal dabei ist und Hertha BSC hat nur knapp die Europa-League erreicht hatte. Kurzum: alles keine Mannschaften mit einer Dauerkarte auf Europas Fußball-Bühne. Die bisherigen Dauerkartenbesitzer wie der FC Bayern München steht wieder im Champions League Achtelfinale, der Borussia Dortmund nach turbulenten Jahr und schwerer Gruppe wenigstens in der Europa-League. In der nächsten Saison sieht das sicherlich wieder anders aus. Aber weiß ich schon? Ein Blogger, der nie selbst oben gespielt und auch keine Ahnung, wie ein Profi auf höchstem Niveau tickt und nur in der Freizeit mal Fußball spielt? Scholli hingegen könnte es möglicherweise vielleicht eventuell unter Umständen gegebenenfalls wissen.

By Nino

 

Fake News? Lese was du glauben sollst!

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Fake News, Falschinformationen, alternative Fakten…wie immer es auch bezeichnet wird, es handelt sich dabei nicht um Tatsachen oder sogar die Wahrheit. Dieses Thema erreicht immer mehr an Relevanz und nicht erst seitdem der derzeit amtierende Präsident der USA, Donald J. Trump, diesen neuen Ausdruck in seinen eh schon limitierten Wortschatz aufgenommen hat.

Wenn über Fake News geschrieben wird, dann handelt es sich laut Spiegel Online um „bewusste Falschmeldungen, die sich viral verbreiten und eigens zu diesem Zwecke produziert wurden.“ Das primäre Ziel ist also Verwirrung stiften, Unruhe verbreiten, Debatten auslösen und/oder lenken.

Baba und ich haben uns auch schon mit diesem Thema beschäftigt. Bezeichnet haben wir dies aber noch als Gerüchteküche beim FC Bayern München oder haben uns dem mittlerweile ganzjährigen Transferwahnsinn gewidmet. Es ist ja immer wieder erstaunlich welche Spieler „im Visier“, „auf dem Zettel“ oder „der Einkaufsliste“ verschiedener Clubs stehen. Offenbar haben die Chefredakteure oder wie sie sich auch schimpfen…Director Digital…hier ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Mehr „Eilmeldungen“ oder „Breaking News“ bedeuten mehr Klicks im Netz, die wiederum mehr Werbeeinnahmen generieren. Durch diese entsteht eine sogenannte „Gemengelage“ (beliebtes Wort der Journalisten), über die im späteren wieder berichtet wird. Ein Kreislauf, der meist nur von der nächsten Top-Meldung durchbrochen wird. Anhand von zwei aktuellen Beispielen kann dies eindrucksvoll und vor allem nachweislich erläutert werden:

Erstes Beispiel:
Am 20. Bundesliga-Spieltag hat der „24-Stunden-Sportnachrichtensender“-SkySportNews die „Meldung“ veröffentlicht, dass der Gesellschafterausschuss der Bayer-Fußball GmbH am Morgen vor der Bundesligapartie vs. Eintracht Frankfurt die Entlassung von Cheftrainer Roger Schmidt beschlossen habe. Sportdirektor Rudi Völler dementierte dies energisch mit „Schwachsinn“, auch weil es eine solche Sitzung nie gegeben hat. Er kündigte bis zu einer Entschuldigung von Sky einen Interview-Boykott an. Diese folgte prompt mit der Sky-Pressemitteilung „[…] Wir haben einen Fehler gemacht und haben uns bereits im Stadion unmittelbar nach der Partie entschuldigt […].“

Zweites Beispiel:
Das Sportmagazin „Kicker“ meldete Mitte Februar 2017 herrlich einfallslos: „Schmidt für Schmidt?“. Dabei wurde von einer Kontaktaufnahme von Bayer Leverkusen zum Mainzer-Trainer Martin Schmidt berichtet. Dieser wiederum dementierte diese Meldung und schob noch eine Einschätzung der ganzen Sache hinterher: „Ich finde, es ist ein Mangel an Respekt, auch gegenüber Mainz 05, so etwas hervorzubringen. Ich habe noch eineinhalb Jahre an Vertrag, bin mit den Spielern und Leuten hier zufrieden. Das ist reine Spekulation.“ Der Kicker titelte dazu in der #Headline: „[…] Nun dementierte der Schweizer mit 24-stündiger Verspätung – die Gemengelage ist hochinteressant.“

Da ist sie wieder, die Gemengelage. Selbstproduziert und dazu noch falsch. In Trump’scher Manier könnte man auch sagen: „Very fake news“. Aber zurück zu den ernstzunehmenden Menschen. Die sitzen hoffentlich mehrheitlich in den Redaktionsstuben. Sie haben nämlich die strukturellen wie finanziellen Möglichkeiten und damit die Macht die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Der in beiden Beispielen betroffene Roger Schmidt schätzte diese Fake News ernüchternd ein: „Das gehört zum Geschäft.“ Nach dem Motto „Damit müssen wir leben.“ Mitnichten müssen wir damit leben! Dazu muss man sich lediglich die Funktion der Medien vor Augen führen! Diese ist laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb):

„[…]
– so vollständig, sachlich und verständlich wie möglich informieren,
– in freier und offener Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und
– mit Kritik und Kontrolle durch investigativen (nachforschenden und aufdeckenden) Journalismus begleiten.
Damit nehmen die Medien die Rolle von Vermittlern und Hütern ein. […].“

Bei den Meldungen von Kicker und SkySportNews ist das nicht ansatzweise gelungen. Es ist ja auch viel zu abstrus zu behaupten, dass sich Sky, der Kicker und Leverkusen zu einem abgekarteten Spiel verabreden. D.h. solche Geschichten erfinden, zur Steigerung der Quote/Klickzahlen und um die Popularitäts-Werte von Bayer 04 in den Plus-Bereich zu hieven. #Vizekusen, als verhasster Werksklubs ohne Tradition kann noch ein paar Sympathie-Punkte vertragen, oder nicht!? Und SkySportNews ist seit kurzem, oh Wunder, frei empfang-bar. Aber wie bereits erwähnt, viel zu abstrus, eher was für naive Verschwörungstheoretiker mit Alu-Hut.

Ich gehe also davon aus, dass andere Beweggründe eine Rolle spielen müssen. Aber welche? Was treibt die Medien dazu an, solche bewusst falschen Meldungen zu verbreiten? Was sind die Motive? Ist es die schlechte Quote? Sind es miese Verkaufszahlen? Gibt es zwischen den Beteiligten noch offene Rechnungen? Persönliche Eitelkeiten? Verletzte Egos? Enttäuschte Schreiberlinge, die endlich einen „Coup“ landen wollen. Oder waren Praktikanten am Werk, die sich einen Scherz erlauben wollten? Und was ist mit der journalistischen Sorgfaltspflicht?

So oder so: In erster Linie beschädigen die Sportjournalisten ihre eigene Reputation plus die des Magazins oder Senders. Solche Aktionen sind noch billiger als Brötchen bei Lidl! Journalisten-Legende Henri Nannen würde sich jedenfalls im Grabe umdrehen!

Was gilt es nun zu tun, wie geht es weiter?

Als sichere Quellen gelten die Live-Interviews, die Pressekonferenzen, Pressemeldungen der Vereine, also alles was irgendwie nachprüfbar bzw. belegbar ist. Auch die Social-Media-Kanäle der Stars sind Quellen, auch wenn dadurch gelegentlich passable Eigentore geschossen werden.

Bitte nicht falsch verstehen: Es kann nicht die Aufgabe der Sport-Fans und interessierten Leser sein, jeden Artikel und Behauptungen nachzuprüfen. Es ist allerdings die Aufgabe den Verstand einzuschalten. Oder wie es die bpb treffend formuliert: […] „Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die Medien und die in ihnen tätigen Personen nicht automatisch neutral und ohne eigene Interessen agieren. Die Bürger/innen sollten sich daher gegenüber den Medien und deren Berichterstattung eine kritische Haltung bewahren und bereit sein, nach Möglichkeit verschiedene Darstellungen zu vergleichen.“

Der jeweilige #11Freunde #Kicker #Sport1 #Sportbild #Zeit #Spiegel #FAZ #Welt #Stern-Leser könnte also auch bei den genannten anderen Sportmedien vorbeischauen und die Faktenlage vergleichen. Oder einfach mal nicht jeden Sch…lesen!

Vor diesem will ja in Zukunft #FocusOnline die Öffentlichkeit bewahren. Indem sie für #Facebook Fakten checken und systematisch verbreitete Lügen aufdecken. Ohjeohje, gerade diejenigen, die derzeit vor Gericht stehen, weil sie bei BILD Plus systematisch Inhalte geklaut haben sollen. Seriosität sieht jedenfalls anders aus.

Schau ma mal was noch darüber zu lesen sein wird…Vielleicht hilft es ja und es werden weniger Eigentore mittels Fake News geschossen. Kicker und Sky können ja als Vorbild dienen. Allgemein ist ja bekannt, dass sich Qualität am Ende immer durchsetzt…

By Nino

 

Kommentar zum EM-8telfinale Deutschland vs. Slowakei

 

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Die Fußball-Euro 2016 spielt sich in die entscheidende Phase. Achtelfinale. K.O-Spiele. Weiter dabei sein oder nach Hause fahren, das sind die Mottos nach der Vorrunde. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich souverän als Gruppenerster der Gruppe C für das 8telfinale qualifiziert, Gegner Slowakei als einer der besten Gruppendritten. Die Rolle des Favoriten und Außenseiters war klar verteilt, da blieb für „LeKaiser“ Zeit seine Gedanken schweifen zu lassen und in der BLÖd zu orakeln, das Thomas Müller treffen wird. Früher, in den guten alten, nicht korrupten Zeiten ;-), galt noch das Wort des Kaisers, weil er es scheinbar im Urin hatte, die Dinge vorauszusagen. Schaun ma mal…

Bei der Aufstellung sorgte J. Löw für eine erneute Umstellung. Für M. Götze comebackte J. Draxler als Startelfer, zusammen mit Boateng-Gomez-Hector-Hummels-Khedira-Kimmich-Kroos-Müller-Neuer-Özil stand der auf dem zwei-Tage-zuvor-frisch-verlegten-Rasen.

Das Spiel begann rasant, die erste Chance schloss S. Khedira noch ohne Erfolg ab. Nach einer Kroos-getretenen Ecke sprang der Ball vor die Füße von Abwehrkante J. Boateng, der diesen mit einem soliden Volleyschuss und leicht abgefälscht ins slowakische Tor drosch. 1:0 nach 8 Minuten, erstes Tor für JB im 63. Länderspiel. Nur 300 Sekunden später wurde M. Gomez im Strafraum amateurhaft geschubst, den fälligen Elfer verwandelte M. Özil nicht, sein ElferExit. Er spielt halt eben schon zu lange in England. Das wusste wohl auch der slowakische Hüter des Tors. Er machte alles richtig und schlussfolgerte, dass ein Linksfuß mit höherer Wahrscheinlichkeit in die rechte Hälfte des Tores zielen wird, vor allem dann wenn Özil, M.’s Körperhaltung auch diese Richtung offensichtlich ankündigte #Klugscheißerei#1.

Die DFB-11 spielte weiter drückend nach vorne, erst in der 19. Minute erspielten sich die Slowaken ihre 1.te Chance. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, wohl zu flott für den ZDF-Sportkommentator B. Réthy. Zunächst sprach er von Deutschlands Vorrundengegner Irland (anstatt Nordirland), dann plapperte er von Patrick Weiser (anstatt: Mitchell Weiser) #Klugscheißerei#2.

In der 40. Minute standen die Slowaken kurz vor dem 1:1 Ausgleich, jedoch vereitelte M. Neuer auch deren beste Gelegenheit mit einer Glanzparade. Seine große Stärke ist ja, ich nenne es „die punktuelle Konzentriertheit“. Diese Parade wirkte dann auch wie ein Weckruf, dem 1:0 noch weitere Tore folgen zu lassen. Draxler, J. hörte am genauesten hin und startete zu einem schönen Einzelsolo und legte für Gomez, M. auf. Eine passende Szene für alle Hater des schönen M. „Der war ja einfach. Brauchte ja nur seinen Fuß hinzuhalten“. Die Lover dagegen: „Da muss man auch erstmal stehen. Dieser Instinkt, das kann nicht jeder“. Die Geschmäcker sind verschieden #Klugscheißerei#3.

Nach der Halbzeit-Pause gab es auf beiden Seiten keine Spieler-Wechsel. Den hätte es vielleicht bei den Schiedsrichtern geben sollen. Bei einem Freistoß des slowakischen Superstars M. Hamsik (der mit dem Iro 🙂 ) sehen 4 (!) Schiris nicht, dass der Ball von M. Hummels abgefälscht und über das Tor bugsiert wird. Eine berechtigte Ecke wäre fällig gewesen.

Unbeirrt dessen fokussierten sich die deutschen Nationalkicker auf ihre Offensivbemühungen. In der 63. Minute setzte J. Draxler sein persönliches Highlight, indem er mit einem Halbstand-Volley zum 3:0 Endstand einnetzte. Danach folgten als weitere „Highlights“ der Doppelwechsel von B. Höwedes und L. Podolski für Boateng, J. und J. Draxler sowie der Wechsel von Kapitän B. Schweinsteiger für Khedira, S.

Welche Schlussfolgerungen und Erkenntnisse können aus diesem Spiel gezogen werden?

Erstens: Des Kaisers Urin ist auch nicht mehr, das was er einst war. Sein Wort gilt in seiner eigenen Welt. Es muss schön dort sein.

Zweitens: Löw, J. hat mit der erneuten Start11-Umstellung den richtigen Riecher bewiesen. DIE Aufstellung scheint es nicht mehr zu geben, Flexibilität ist der neue Trumpf!

Drittens: Nach den Leistungen in der Vorrunde 2:0 vs. Ukraine, 0:0 vs. Polen, 1:0 vs. Nordirland folgte nun die bisher beste Turnier-Leistung.

Viertens: Eine weitere Steigerung wird wohl nötig sein, denn im Viertelfinale wartet mit Italien einer dieser sagenumwobenen Angstgegner. So oder so wird dieses Spiel der vorläufige Höhepunkt der Euro2016 und das schon leider im 4telfinale.

Für die deutschen Sportmedien natürlich ein gefundenes Fressen. Nach ihrer Kritik am Polen-Spiel und der Sezierung jedes noch so absurden Details werden nun so gut wie alle mit Lob überschüttet…“Das war titelreif“ #BLÖD oder „Draxler: Der Mann mit den Zauberfüßen“ #SPON.

Dabei ist doch die Prognose für den Klassiker gegen Italien so einfach: Wenn man Europameister werden will, dann muss man alle schlagen #Klugscheißerei#4.

By Nino

 

Der FCB und die Gerüchte-Küche. Dafür gibt’s keinen Stern.

MichelinMännchen

 

Vor einer Woche wurde nicht nur das Winter-Transfer-Fenster mit all seinem Wahnsinn geschlossen, nein auch der Wechsel von Pep Guardiola von Manchester City wurde offiziell bekannt gegeben. Seitdem vergeht kein Tag ohne eine Meldung welcher Spieler zum MCF wechseln oder sogar vor ihm flüchten könnte. Wird er Spieler von FC Bayern München mitnehmen? Wird er Neymar oder sogar Lionel Messi nach England lotsen können? Das Geld sitzt dort jedenfalls locker und interessant wäre es allemal zu sehen, wie Messi bei einem anderen Verein kickt. Die Spekulationen werden wohl leider bis zum Ende der Transferperiode im Sommer 2016 weitergehen. Leider deswegen, weil es zu nerven beginnt, wie die üblichen Verdächtigen Sportmedien jedes noch so absurde Gerücht entweder selbst verbreiten oder gar übernehmen und daraus weitere Geschichten generieren.

In der kulinarischen Welt wird die Qualität eines Restaurants nicht an Pokalen gemessen, sondern an der Anzahl der Sterne #Michelin. Ein Restaurant mit z.B. einem Stern hat „eine sehr gute Küche, welche die Beachtung des Lesers verdient“. Schau ich mir die Gerüchte-Küche beim FC Bayern München an und müsste diese beurteilen, so verdient sie nicht mal einen Stern. Da wird einfach ohne Geschmack, zu heiß und zu fettig gekocht.

Ein passendes Beispiel liefert dazu die letzte Gerüchte-Offensive der SPORT Bild, die gierig nach Klickzahlen von anderen #Sport1 #Kicker #SPON aufgegriffen wurde. Da soll es bei den Münchnern zu dicke Spieler gegeben haben. Da sollte nicht Serdar Tasci, sondern Herthas John Anthony Brooks als neuer Innenverteidiger verpflichtet werden. Dann soll Arturo Vidal im katarischen Trainingslager leicht alkoholisiert gewesen sein. Alle Gerüchte, wurden von Sportvorstand Matze Sammer mit einem klar und deutlichen „Das stimmt nicht und das ist die Unwahrheit“ zurückgewiesen.

Gegen letzteres Gerücht gehen die Münchner juristisch vor und ich bin wirklich gespannt, ob die Sport Bild Beweise liefern kann, dass Vidal in Katar Alkohol getrunken hat. Für beide Seiten ist die Fallhöhe ziemlich hoch. Die Bayern würden ziemlich blöd aus der Wäsche gucken, wenn Videos, Bilder und sonst was auftauchen würden. Die Sport Bild bzw. die Bild Zeitung im Allgemeinen hat ja nicht nur diesen Prozess an der Arschbacke. Offenbar gehört das in dieser Schreibbude zum guten Ton.

In der sonntäglichen Doppelpass Sendung konnte der Fußball-Chef der Sport Bild, Christian Falk auch leider nichts Erhellendes zu dieser juristischen Auseinandersetzung beitragen. Er verwies auf das „schwebende Verfahren“. Die Fortsetzung folgt also…

Nun lebt der Fußball auch von den Geschichten auf und neben dem Rasen. Wenn sie aber ins Absurde abdriften und gezielt Unwahrheiten verbreitet werden, dann stellen sich die etablierten Medien selbst ein Bein. Auch wenn die Online-Seiten ihr Geld mit Klickzahlen verdienen. Für den Klick, für den Augenblick. Mitleid gibt’s dafür nicht.

Gutes Geld könnten sie ja auch mit gut recherchierten Storys machen. Und es gibt so vieles, über das berichtet werden kann. Interessant wäre doch z.B. zu erfahren, was aus den groß angekündigten Initiativen für die Flüchtlinge geworden ist. Der FC Bayern hat da ziemlich viel angekündigt. Warum gibt es dazu keine Berichte?

Beim Kicker lässt man lieber einen Maulwurf zu Wort kommen und andere Medien wollen diesen ausfindig machen. Die Presseabteilung des FCB dementiert fleißig und die Sportjournaille schreibt Artikel darüber, dass die Bayern sich über die Berichterstattung aufregen und tadaa: fertig ist die Maulwurf-Affäre.

Ist es ein Geben und Nehmen? Ein abgekartetes Spiel? Ich weiß nicht, ob die Bayern es so nötig haben in der Presse präsent zu sein? Dabei bespielen sie ja schon sämtliche Kanäle, den Social Media Kram nicht zu vergessen #Twitter #Instagram #Facebook #Snapchat.

So oder so täte dem deutschen Fußall-Journalismus ein wenig mehr Seriosität ganz gut. Der Fußball schreibt so viele Geschichten, die eine größer, die andere kleiner. Da bleibt keine Zeit und Raum für Unwahrheiten und miese Storys, mit denen die Klickzahlen bzw. die Leserschaft erhöht werden soll. Vielleicht klappt es dann auch mit einem Stern, aber nicht für die Gerüchte-Küche, sondern für den journalistischen Anspruch an sich.

By Nino