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w.z.b.w. Ein Kommentar zum Videobeweis – Teil2

Videobeweis

Der erste Teil zum Videobeweis-Kommentar (hier geht’s zu Teil 1) beschäftigte sich mit den Problemen und den Beteiligten, die mehr oder weniger allesamt dazu beitragen, dass der Videobeweis aktuell einen eher ausbaufähigen Stellenwert in der 1. Fußball-Bundesliga genießt.

Nun soll es sich um die Ansätze und Lösungen drehen, die zum Gelingen des Videobeweises beitragen können. Hierbei hilft es, sich in Erinnerung zu bringen, warum der Videobeweis testweise eingeführt wurde. Nämlich um die Schiedsrichterriege (Bibiana Steinhaus ist hier miteingeschlossen) bei ihren Entscheidungen mit technischen Hilfsmitteln zu unterstützen. Nicht erst seit der Saison 2016/2017 gab es Diskussionen über Schiri-Fehlentscheidungen und daraus resultierende Benachteiligungen von den betroffenen Clubs. Noch viel länger gibt es den Fangesang „Schiri wir wissen wo dein Auto stand…hat gut gebrannt, hat gut gebrannt“. Nicht zu vergessen: „Schieber, Schieber-Rufe“, gepaart mit „Fußball-Mafia-DFB“. Es war also längst an der Zeit, auch im Fußball weitere technische Hilfsmittel zu nutzen, die in anderen Sportarten wie z.B.

Tennis,

Baseball,

Cricket,

Hockey,

Football,

Eishockey,

Fechten und

Ski Alpin schon seit Jahren zum Einsatz kommt.

Wie kann es also gelingen, dass der Videobeweis seinen eigentlichen Zweck erfüllt (weniger Fehlentscheidungen, mehr Unterstützung für die Schiris)? Vielleicht sogar etwas wie Akzeptanz für den Videobeweis unter allen Beteiligten zu schaffen? Hier ein paar Vorschläge:

1. Eine realistische Erwartungshaltung

Fußball ist ein Spiel das von Fehlern lebt. Gäbe es z.B. keine Stellungs- oder Abspielfehler, so würden im Enddefekt keine Tore fallen. Das Ergebnis: Zwei Mannschaften, die sich taktisch neutralisieren und ein fast fehlerloses Spiel abliefern (was kein Fan dauerhaft sehen will).

Wie beim Spiel, so ist es auch bei den Schiedsrichtern. Sie werden auch mit dem Videobeweis weiterhin Fehlentscheidungen treffen. Das gehört zum Fußball wie zum Leben dazu. Also, eine realistische Erwartungshaltung an den Spieltag legen und der Versuchung widerstehen, zu glauben, dass es mit dem Videobeweis keine Fehlentscheidungen mehr geben wird. Im Übrigen entscheiden ja auch immer noch Menschen und keine Pfeif-Roboter.

2. Weniger Schauspiel, dafür mehr Fußball-Kunst

Die Fußballspieler sowie die Verantwortlichen/Offiziellen der Clubs sollten sich wieder mehr der Fußball-Kunst hingeben, anstatt sich mit ihren teilweise peinlichen Darbietungen für die Nachmittagssendungen bei RTL zu bewerben.

Die Performance „sterbender Schwan“ von H. Herrlich #Vizekusen und K. Papadopoulos #DinoHSV gibt es dann nicht mehr neben oder auf dem Platz, sondern nur noch im Schlachthof zu besichtigen.

Mehr Fußball-Kunst statt Schauspiel, da hilft auch ein Blick in das Regelwerk des DFB weiter. Denn zur Regel 12.3: „Verwarnungswürdige Vergehen“ steht geschrieben: „Ein Spieler wird verwarnt beim Protestieren durch Worte oder Handlungen.“

Kein Foul vergeht, bei dem eine Traube von Spielern zur Versammlung beim Schiri antritt, um mit Worten oder Handlungen mindestens eine gelbe Karte für den Foulenden zu fordern. Hier wird besonders deutlich, dass das oft geforderte Fingerspitzengefühl der Schiris überstrapaziert wird. Eine konsequentere Durchsetzung könnte der ganzen Schauspielerei Grenzen setzen. Müsste sich halt nur ein Schiri finden, der ein Exempel statuiert…leichter geschrieben, als getan.

3. Die Schiedsrichter

Damit bin ich bei den Schiedsrichtern, den manchmal ärmsten Säuen auf dem Platz. Umgeben von Besserwissern, 9mal-Klugen und wenigen, die die Regeln wirklich kennen. Wenn Profi-Fußballspieler gegeneinander spielen, dann müssen auch Profi-Schiedsrichter das Spiel leiten. Schluss mit dem Nebenjob „Bundesliga-Schiedsrichter“, alle Schiris sollten hauptberuflich pfeifen können. Hier dient ausgerechnet die Money-League, ähm die englische Premier-League als Vorbild, in der bereits 2001 die Schiedsrichter-Gesellschaft PGMOL aus dem Verband ausgegliedert wurde.

Dazu müsste der Deutsche Fußballbund allerdings seine Strukturen ändern bzw. neue schaffen. Vor allem aber die Posten nicht nach Gutdünken und/oder alten Männer- und Fan-Freundschaften verteilen. Mit M. Gräfe’s öffentlicher Kritik an der DFB-Günstlingswirtschaft wurde hier schon eine erste Strukturänderung angestoßen, dem Videobeweis sei Dank!

Darüber hinaus wurden die Rollen bei der Entscheidung neu definiert bzw. auch nur klargestellt. Der Schiri auf dem Platz trifft diese, nicht der Video-Assistent (soweit so selbstverständlich…).

4. Die (a-sozialen) Medien und Fans

Wer die letzte Entscheidung trifft, das sollten sich die Sportmedien und die Fans (wieder) bewusstwerden. Und wenn es mal zu einer Fehlentscheidung kommt, dann sollte diese nicht künstlich hochgejazzt werden. Auch wenn das Grundproblem der täglichen Berichterstattung besteht, so ist eine nüchterne Betrachtung des Videobeweises längst überfällig. Bei jeder Umfrage oder hochgeladenen Videos laufen die Kommentarspalten voller Beleidigungen usw. über. Ein bisschen mehr Gelassenheit, realistischer Erwartungshaltung (siehe auch 1.) und weniger Klick-Geilheit sind nicht nur für den geneigten Leser eine Wohltat.

Wenn nur die Hälfte der genannten Vorschläge umgesetzt würden, dann ist vielleicht irgendwann der Schiri nicht mehr die ärmste Sau auf dem Platz. Im besten Falle ist er eine Respektsperson, deren Entscheidung ohne großes Nörgeln und Entrüstungssturm akzeptiert wird.  Denn schließlich will sich jeder Fan nach dem Spiel über das Spiel unterhalten und nicht schon wieder darüber, dass der Schiri das Spiel verpfiffen hätte. Ansonsten ist auch klar: Jeder kann eine Pfeife werden.

Das Motto lautet also: Mehr miteinander, statt gegeneinander. Nicht nur hier die bessere Formel, die zu beweisen wäre. Dann heißt es vielleicht auch anerkennend: „Schiri…wir wissen wo dein Auto steht…hast gut geparkt, hast gut geparkt.“

By Nino

 

w.z.b.w. Ein Kommentar zum Videobeweis – Teil 1

Videobeweis

„Was zu beweisen war“. Diese Abschluss-Formel kommt in der Schule bei der Bewältigung von Matheaufgaben zum Einsatz. Dieses Ziel sollte auch der Videobeweis haben, der seit der Saison 2017/2018 in der 1. Fußball-Bundesliga testweise eingeführt wurde. Mit Beginn des Projekts war bisher keiner der 17 Spieltage vergangen, an dem der Video-Assistent einer der Streitthemen, wenn nicht sogar das dominierende Thema war. Dummerweise bzw. glücklicherweise kommt bei diesem auch alles zusammen.

Zunächst sind es die üblichen Verdächtigen: Die Fußball-Romantiker, die der neuen Technik naturgemäß skeptisch gegenüberstehen und keine Gelegenheit auslassen, dem Video-Beweis das baldige Aus vorherzusagen. Nicht zu vergessen der Torjubel, der in seiner ursprünglichen Form nicht mehr möglich wäre.

Auf der anderen Seite, die Befürworter der neuen Technik, die den Video-Beweis als Chance sehen, den Fußball gerechter zu machen und die Schiedsrichter in ihren Entscheidungen zu unterstützen. Die bisherigen auch zuteilen haarsträubenden Entscheidungen wurden zum Anlass genommen auf die Neuheit der Technik, der einhergehenden „Kinderkrankheiten“ und der vielfältigen Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Dazu kommt der DFB, der nicht nur bei diesem Projekt ein mieses Spiel abliefert. Kurzgefasst heißt das: eine zerstrittene Schiedsrichter-Riege, ein DFB-Präsident der in einer TV-Laber-Runde namens Doppelpass Änderungen ankündigt, um dann Stunden später von seinem Verband noch klarstellend „eingefangen“ werden muss. Nämlich zu erklären, was unter „Wahrnehmungsfehler“ zu verstehen ist. Dabei müsste es dem obersten Funktionär gelingen, mehr Klarheit statt für Verwirrung zu sorgen.

Dann kommen die Fußballclubs ins Spiel, die sich je nach Fehlentscheidung mehr oder weniger in die Debatte einbringen. Auffällig dabei, dass der FC Bayern München sich bisher so zurückgehalten hat. Wohl bis zur ersten Fehlentscheidung gegen ihn. Ich würde ja glatt drauf wetten…

Der Manager von Hertha BSC, M. Preetz hingegen glaubte sogar einen intelligenten Vorschlag eingebracht zu haben: „Ich glaube, dass es sinnvoll ist, dass man die entscheidenden Szenen auch dem Stadionzuschauer zugänglich macht“. Hier sollten die Leinwände der Stadien zum Einsatz kommen. Na klar, und die Abstimmung erfolgt dann per App: Daumen hoch oder Daumen runter. Das war, unter vielen anderen, mal eine wirklich abstruse.

Last but not least sind auch die Fans an diesem Spiel nicht minder beteiligt. Schnell ist bei einer Fehlentscheidung der Schiri als „blindes Huhn“ abgestempelt oder es wird lautstark gepfiffen, wenn der Pfiff gerade mal ausbleibt. Dabei ist es egal, ob man die Szene aus sicherem Abstand von 20 Metern von hinten oder in der vierten Wiederholung von der Couch aus betrachtet hat. Auch ich erwische mich dabei, dass reflexhaft erstmal „Gelb!“ oder gelegentlich je nach Spielstand direkt „Rot!“ gefordert wird, in welcher Hoffnung auch immer.

So bildete sich schon mit dem ersten Einsatz des Videobeweises und der genannten Beteiligten ein ziemliches schales Gebräu, was keiner mehr so richtig trinken will.

Dabei gibt es so viele andere Ansätze und Lösungen, um der Sache wieder Herr zu werden. Mehr dazu im zweiten Teil des Kommentars zum Videobeweises…

By Nino

 

Das Leck mich am A…-Spiel. CFC vs. VfR Aalen

stadioneingang

 

In seinem Ausblick zur besten und einzigartigsten 3. Liga hatte Baba für den Chemnitzer Fußballclub das Fazit gezogen: „Die Mecker Chemnitzer werden ruhiggestellt und es wird wohl gefeiert werden.“ Mit dem aktuellen 5. Tabellenplatz wird leichte Vorfreude entwickelt, auch weil der Relegationsplatz in Sichtweite ist. Ein Grund mehr die Gelegenheit zu nutzen, einem Heimspiel der Himmelblauen beizuwohnen.

An diesem 23. Spieltag schickte sich als Gegner der Verein für Rasenspiele 1921 e.V. Aalen an, der zurzeit auf dem 9. Tabellenplatz rangiert. Die Aalener haben eine turbulente Woche hinter sich. Am Dienstag stellten sie einen Insolvenzantrag, um den Verein wieder „zukunftsfähig zu machen“ und sich von den „Altlasten“ zu befreien.

Mit ähnlichen Finanz-Problemen hat auch der CFC zu kämpfen. Ende November 2016 wurde eine Liquiditätslücke von 2 Mio. Euro bekannt. Diese wurde mit Hilfe der Stadt Chemnitz und der Sponsoren rechtzeitig vor dem Lizenzierungsverfahren geschlossen. Vorerst gut gegangen.

Sportlich betrachtet sieht es hingegen wesentlich besser aus. Der CFC, mit der aktuell besten Offensive, gegen die Remis-Spitzenreiter aus Aalen. Zudem ist Chemnitz die zweibeste Auswärtsmannschaft, das hilft allerdings weniger bei Heimspielen #Klugscheißer#1. Die Aalener findet man in der Auswärtstabelle auf Platz 8.

Im Hinspiel gab es ein 2:2, bei dem Aalen noch in der 94. Minute ausglich. Ein weiteres Remis hilft keiner der beiden Teams, auch gerade weil Aalen einen 9-Punkte-Abzug befürchten muss.

panorama

Bei meinem letzten Besuch eines Heimspiels gastierte noch Dynamo Dresden zum Sachsenderby. Das Wetter war wieder mies, leichter Nieselregen und 3 Grad über Null. Dagegen gestaltete sich der Stadion-Einlass freundlicher, ohne lästiges Abfummeln von Ordnern. Zur VIP-Lounge wird man einfach durchgelassen und kriegt ein Einlassbändchen #DerFitnessSeiDank.

Der Beginn des Spiels war von allgemeiner Zerfahrenheit geprägt. Diese dauerte aber nicht lange an, in der 11. Minute schnappte sich Aalen’s Preißinger den Ball und setzte einfach mal zu einem Sprint an und beendete diesen mit einem strammen Schuss, der mit der überraschenden 1:0 Führung endete. Es dauerte bis zur 24. Minute bis der CFC einen Angriff zustande brachte, bei dem der Torhüter den Ball in der Hand hatte. Nicht nur da stellte ich mir die Frage, was mit der besten Offensive der 3. Liga passiert ist. Ist die Fitness verloren gegangen? Im Weiteren Spielverlauf versuchten die Himmelblauen mittels Flanken die beiden Stürmer D. Frahn und A. Fink zu bedienen, leider erfolglos. In der 45. Minute ergab sich tatsächlich noch eine zweite Chance der Aalener, auch die zweite Ecke des CFC konnte in der Spielstatistik verbucht werden.

fans

Die zweite Halbzeit startete denkbar ungünstig für den CFC. D. Grote erhielt für Schiedsrichter-Beleidigung die rote Karte. Erstaunlicherweise hatte der CFC dann zu Zehnt mehr vom Spiel, drängte auf den Ausgleich, jedoch standen die Aalener teilweise zu sechst um den Strafraum herum. Es entwickelte sich daher eine zähe Angelegenheit. Die Aalener konterten die Offensivbemühungen, vollenden konnten sie diese aber nicht mit einem zweiten Treffer.

So blieb es bei der Tor-Magerkost und die Aalener holten drei Punkte. Die werden sie auch dringend brauchen, sofern es einen 9-Punkte-Abzug werden wird.

Nach dem Spiel bezog noch 3. Liga-Rekordtorschütze A. Fink Stellung zur roten Karte: „Wenn ein Spieler sagt: ‚Leck mich am Arsch‘ ist das für mich keine rote Karte“. Was nun in den Bereich der Schiedsrichter-Beleidigung fällt oder nicht, das ist wahrlich Geschmackssache. Dafür lieferte Fink das passende Fazit zu diesem Spiel.

So oder so heißt es jetzt für den CFC Ruhe zu bewahren und weiterhin die Auswärtsstärke auszuspielen, sonst ist wieder der „FC Hollywut in der Arbeiterstadt“ angesagt. Der nächste Gegner sind die Sportfreunde Lotte, die es im DFB-Pokal bis ins Viertelfinale geschafft haben. Das sollte dem CFC Hoffnung machen, dass alles noch möglich ist. Auch der Relegationsplatz. Am besten mit dem Duell vs. FC Erzgebirge Aue. Der Mutter aller Bezirksderbies.

By Nino

chemnitz

2 Rote Karten…zwei Sperren und viele Fragen…Ein Kommentar zur DFB Sportgerichtsbarkeit

Sportgericht

„Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“ so lautet eine alte Juristenweisheit. Sie soll zum Ausdruck bringen das vor Gericht zwar Recht gesprochen wird, dies je nach Auslegung nicht immer als gerecht betrachtet wird.

Für den Fußball gibt es in Deutschland das sogenannte DFB-Sportgericht, welches 1963 gegründet wurde. Auf der DFB-Homepage heißt es dazu: „Um Streit zu schlichten, Verstöße zu ahnden, die Disziplin aufrechtzuerhalten und vielfältige weitere Rechtsfragen zu klären, ist daher eine autarke Rechtsprechung im Rahmen der Autonomie des Sports unerlässlich.“ Etwas kürzer ausgedrückt nennt man dieses Konstrukt dann: juristische Selbstverwaltung. So weit so theoretisch. Etwas kritisch ausgedrückt, könnte man auch sagen, der DFB hat sich seine eigene Sportgerichtsbarkeit geschaffen, damit von außen z.B. vom Staat kein Einfluss genommen wird. Es wird also „unter sich“ ausgehandelt was Recht und Unrecht ist.

Bisher habe ich dieses Sportgericht in Fällen wahrgenommen, wenn es um die Festsetzung von Spiel-Sperren ging oder Vereine für gefährliche/dumme Aktionen von Teilen ihrer Fans bestraft wurden. Dabei hatte ich bisher auch das Gefühl, dass die Richter nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Soweit meine bisherige Erfahrung. Zwei Entscheidungen der noch jungen Rückrunde 2014/2015 lassen daran aber einige Zweifel aufkommen: Die Sperren für Klaas-Jan Huntelaar und für Jérôme Boateng. Dabei frage ich mich, ob alles mit rechten Dingen zu geht oder auch gelegentlich der Richter im rechtlichen Abseits steht?

Der #Hunter, erhielt für sein Foul an dem Hannoveraner Schmiedebach zunächst eine Sperre von 6 Spielen. Diese wurde umgehend vom #MeisterDerHerzen Schalke 04 damit kommentiert das „es sich nicht um eine Tätlichkeit handelt.“ Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte…

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Ein paar wenige Worte sollen es aber doch werden: Ich sehe nämlich einen Fußballspieler, der erstens ohne Chance auf den Ball und zweitens einem Gegenspieler „hochmotiviert“ von hinten in die Beine springt. Nicht zu sehen ist die 88. Spielminute und der anschließende Vogelzeig in Richtung Schiedsrichter. Am Stammtisch wird dies dann gerne als Frustfoul aus der Emotion heraus deklariert und dabei in Erinnerungen an die guten alten Bolzplatz-Zeiten geschwelgt, in denen „gesunde Härte“ noch zum Standardrepertoire gehörte. Emotionen/Frust hin oder her, ein Spieler von seiner Klasse und 31jährig sollte sich solche Aktionen nicht mehr leisten.

Nach dem Protest wurde die Sperre auf 4 Spiele und zwei auf Bewährung bis zum 30. Januar 2016 verwandelt. Weil er nur bisher zwei rote Karten bekommen hat und damit nicht als Wiederholungstäter gilt.

Damit ist diese Entscheidung ein Novum. Noch nie wurde eine Spiel-Sperre zum Teil auf Bewährung erteilt. Dabei stellen sich gleich Tausend und eine Frage: Zum Beispiel was passiert, wenn der Holländer zu einem anderen Club wechselt? Nimmt er dann die Spiel-Sperre mit? In eine andere Liga? Was ist wenn sich der Hunter beim Jagen, ähm spielen verletzt und sehr lange ausfällt? Was ist wenn er seine Karriere nach dieser Saison beendet?

Jérôme Boateng hat für sein Foul am Schalker Sam die Dreifach-Bestrafung von Roter Karte, Elfmeter und drei Spiele-Sperre erhalten. Der Münchner Vorstandsboss Rummennige interpretierte das auf seine Art in dem er sagte: „Ich verstehe den DFB nicht ganz, weil eigentlich ist das ein Nonsens, was man jetzt entschieden hat.“

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Die Münchner legten Protest ein und so wurde nach mündlicher Verhandlung die Sperre auf zwei Liga-Spiele reduziert. In diesem Streitfall wurde auch gleich die unlogische Regelung „abgeschafft“, bei dem ein Spieler auch noch dafür bestraft wird, dass sein Torhüter den 11er gehalten hat. Der DFB-Richter dazu: „Wäre im vorliegenden Fall der Elfmeter verwandelt worden, hätte Jerome Boateng trotz Vorbelastung nur ein Spiel Sperre erhalten. Die Tatsache, dass Manuel Neuer den Elfmeter gehalten hat, sollte zu keiner zweihundertprozentigen Erhöhung der Sperre auf drei Spiele führen“. Vom Juristisch ins Deutsche übersetzt: Ein Spieler darf nicht als Wiederholungstäter und zusätzlich für einen gehaltenen Elfmeter bestraft werden. Das diese FIFA-Regelung noch unsinniger ist, macht deutlich, dass Manuel Neuer über seinen Schatten springen müsste, nur damit Boateng eine niedrigere Sperre bekommt. Oder hat sogar Eric Maxim Choupo-Moting etwas damit zu tun? Hat er etwa extra verschossen? Im Lichte der Spielmanipulation ist diese Frage natürlich nur leicht abwegig #FIFA

Zumindest kann man behaupten, dass das DFB-Sportgericht einerseits Einsichtigkeit bei unlogischen Strafen zeigt (und sich damit gegen die FIFA-Vorgaben stellt #Revolution#Rebellion?), anderseits neue Auslegungen schafft, die wiederum nicht viel Sinnhaftigkeit darstellen. Juristische Selbstverwaltung heißt auch ein bisschen: Ich mach mir die Fußball-Gerichts-Welt so wie sie mir gefällt. Dies ist wiederum ganz im Sinne des Blatter’schen FIFA-Fußball-Familie-Leitbildes #Korruption.

Bei einem bin ich mir aber sicher: Die Strafe für Huntelaar sollte ein Novum bleiben. Eine Strafe auf Bewährung birgt mehr Probleme in sich, als eine direkte Strafe von z.B. fünf Spielen. Damit ist die Sache erledigt, der Spieler hat im besten Falle was draus gelernt und aus die Fußball-Maus.

By Nino