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By Baba&Nino

 

Anti-Hashtag-Kunden-Version:

Lieber DFB,

vielen Dank für den Brief an uns Fans. Es ist beruhigend, dass ihr genauso enttäuscht seid wie wir. Wir haben alles gegeben und doch hat es mit der Titelverteidigung nicht sein sollen. Der Geschmack der Niederlage ist bitter, der Sieg ist umso süßer.

Nun müssen wir wieder vier Jahre warten. Wir hoffen sehr, dass die Mannschaft dann wieder wie ein Weltmeister spielt. Damit wir wieder zusammen feiern können. Die Unterstützung der Fans ist der Mannschaft schon heute sicher. Wir stehen auch in Zeiten der Niederlage zusammen. Nur die Einheit aus der Mannschaft und den Fans macht uns stark. Zusammen sind wir besser als der Rest.

Nur haben wir leider gar nicht mehr den Eindruck, dass die Mannschaft und die Fans eine Einheit sind. Wir haben vielmehr den Eindruck, Teil einer großangelegten Werbekampagne des DFB zu sein. Es geht mehr um die Vermarktung des Produkts der Mannschaft. Die Möglichkeiten für ein gemeinsames Foto mit Spielern oder ein Autogramm werden immer weniger. Auch das wir beim Training zuschauen können, das ist fast nicht mehr möglich. Für ein Ticket muss man Mitglied im Fanclub der Nationalmannschaft sein. Es will aber nicht jeder gleich ein Mitglied des Fanclubs werden. Und was sind die personellen Konsequenzen aus dem WM-Aus? Sind Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel noch die richtigen für ihre Jobs? Niemand erklärt sich so richtig. All das macht uns traurig, sehr traurig.

Lieber DFB, könnt ihr euch nicht einfach wieder um das Wichtigste kümmern? Um den Fußball, die Spieler und die Fans? Dass ihr die Fans nicht mehr als Kunden betrachtet. Das ihr nicht mehr glaubt, die Mannschaft wäre ein Produkt, was nur bestens vermarktet werden müsste. Dass ihr keine Briefe mehr an uns Fans schreibt, die auch von einer Werbeagentur hätten geschrieben werden können.

Es geht um die Menschen, die euch millionenfach unterstützen. Im Stadion, vor dem Fernseher oder vor dem Radio. Das mit dem Hashtag #zsmmn ist doch nur noch peinlich. Digital ist auf dem Platz oft ziemlich egal. Zeigt wieder mehr Herz. Für den Fußball und die Fans.

Wir danken schon mal im Voraus.

By Baba&Nino

 

 

Alarmstufe Schwarz-Rot-Gold!?

AlarmstufeSchwarz

Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, 1. Spieltag Gruppe F. Deutschland verliert das Auftaktspiel gegen Mexiko mit 0:1. Schweden gewinnt im zweiten Gruppenspiel mit 1:0 gegen Südkorea. Ein paar Tage und Blicke später in den deutschen Blätterwald und ich habe den Eindruck, dass der Stimmungspegel gefühlt schon im Bereich „Katastrophe“ angekommen ist. Mindestens Alarmstufe Schwarz-Rot-Gold!

Selbst das sonst um Sachlichkeit bemühte 11Freunde Magazin fragt „Ist die Nationalelf über ihrem Zenit?“. Vergessen scheint der WM-Qualifikations-Rekord von 10:0 Siegen, vergessen scheint, dass Testspiele allzu gern dafür genutzt werden, etwas zu testen und nicht, um an die Leistungsgrenze zu gehen. Auf einmal wird die Stärke „der Stamm der Mannschaft besteht aus 9 Weltmeistern“ als Schwäche ausgelegt: „kein Erfolgshunger, kein Wille“. Den sog. Experten scheint der Arsch auf Grundeis zu gehen. Mario Basler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg. Alle wollen sie sich mit ihren Urteilen und Phrasen überbieten. Braucht es wirklich einen Nachfolger von Mehmet Scholl? Ich glaube nicht. Eher hoffe ich darauf, dass sie sich am Ende doch alle um Kopf und Kragen reden und weniger mitteilungsbedürftig werden.

Natürlich war ich auch erschrocken und verwundert über die teilweise harmlosen Offensivbemühungen und das lustlose Auftreten der deutschen Spieler. Mit dem einem Gegentor waren sie noch gut bedient. Nun sollte man sich nicht an dieser Niederlage er-götze-n. Die wichtigste Aufgabe bei einem richtigen Alarm? Ruhe bewahren! Das ist zwar mitunter die schwierigste Aufgabe, was Anderes bleibt einem aber nicht übrig. Der Blick für das Wesentliche wird sonst vernebelt.

Bei aller Phrasendrescherei hat die Niederlage ja auch was Gutes. Es geht jetzt nur noch ums gewinnen. Das ist an sich selbstverständlich, war bisweilen doch immer ein schwächeres Spiel (also Unentschieden) in der Vorrunde miteingerechnet. Damit ist jetzt schon Schluss. Die Mannschaft muss unbedingt auf Sieg spielen. Was will man als Fan denn noch? Ein Halbfinale und Finale, um die Vorrunde zu überstehen. Jetzt stehen sie also an, die wichtigen Spiele. Marco Reus dürfte sich also über ein Start11-Garantie freuen.

Auf die Frage nach dem Weltmeister-Fluch lässt Bundestrainer Löw wie folgt zitieren: „Uns wird das nicht passieren, wir werden es schaffen. Wir haben alle Möglichkeiten, das zu korrigieren. Aber wir müssen Korrekturen anbringen.“ Na da bin ich mal gespannt, welche „Korrekturen“ da angebracht werden, um es zu schaffen. Jetzt gibt es wohl diese Momente, die in der Commerzbank-Werbung so bedeutungsschwanger beschrieben werden: „dann ist digital egal. Dann zählt vor allem eins: von Mensch zu Mensch“. Küsschen an Löw. Es menschelt in der Mannschaft.

Und selbst wenn der Weltmeister-Fluch auch das deutsche Team erwischt? Dann wird sich die deutsche Fan-Seele damit trösten, dass drei der letzten 4 Weltmeister in der Vorrunde gescheitert sind. Gesetz der Serie, da kann man eh nix machen. Man kann aber auch daran erinnern, dass der eine andere Weltmeister, nämlich Brasilien 1994, bei der WM 1998 in Frankreich bis ins Finale gekommen ist. Man kann es auch positiv sehen. Man muss es nur wollen.

Und sonst? Was passierte bisher im „Netz“? Mal wieder Klassenkeile für Mesut Özil, weil er die Nationalhymne nicht gesungen hat. Kritik für Julian Brandt, der nach der MEX-Niederlage mit einem Fan ein Selfie geschossen hat. ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann wird schon vor dem Spiel via Twitter beleidigt, also ohne ein Wort zu sagen. Summa summarum leider wie immer: Im „Netz“ nix Neues. Das „Netz“ braucht mal eine Pause.

Die National11 hat fast eine Woche Pause bis zum Spiel gegen Schweden. Viel Zeit in unruhigen Zeiten.

By Nino

WM-Fieber? Jein!

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Bist du schon im WM-Fieber?“ Diese Frage wurde mir in letzter Zeit schon mehrmals gestellt. Klar, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland steht bevor und gefühlt die halbe Welt wartet auf das Eröffnungsspiel, ja den Fußball-Klassiker schlechthin: Gastgeber Russland vs. Saudi-Arabien. Gruppe A, wahrlich die Todesgruppe.

Bisher erwärmt sich mein Fußballherz noch nicht, geschweige denn, dass sich eine fiebrige Vorfreude auf vier Wochen Ausnahmezustand anbahnt. Vielleicht liegt es daran, dass schon sehr aufregende Monate mit der Fußball-Bundesliga, der zweiten und dritten Liga, dem DFB-Pokal und der Champions-League zurückliegen. Eine Verschnaufpause von der „Droge“ Fußball und den bisweilen hochemotionalen Nebenwirkungen wären da ganz erholsam.

Nun sind aber schon wieder 4 Jahre vergangen und die WM wird trotz einiger Boykott-Aufrufe stattfinden. Der DFB hat das Ziel der Titelverteidigung ausgerufen und man darf gespannt sein, wie sich die Mannschaft um Bundestrainer Löw spielerisch präsentieren wird.

Mir fehlt ein bisschen der Glaube, dass die Titelverteidigung gelingt, gibt es doch so einige Kandidaten im Kreise der üblich verdächtigen Favoriten, nicht zu vergessen die ganz geheim sind. Obendrein die Statistiken, die mal für Deutschland, mal gegen Deutschland als erneuter Weltmeister sprechen. In Anbetracht dessen und der ganzen Prognosen, Powerrankings, Teamchecks gepaart mit gefährlichem Halbwissen wird es allerhöchste Zeit, dass der Rubel, ähm der WM-Ball rollt.

Bevor die WM 2018 losgeht, habe ich noch ein bisschen auf unserem Blog zur WM 2014 in Brasilien gestöbert. Im Fazit zu dieser WM habe ich u.a. geschrieben: „Die mediale Aufbereitung dieser WM. Wie oft wurde berichtet “was das Netz” denkt, wie oft wurde aus einem belanglosen Tweet eine Geschichte gemacht, wie oft wurde ein #Selfie kommentiert oder nachgestellt. Die sog. Experten in #Bild und Ton geben einem den Rest.“

Hinsichtlich der Entwicklungen in Sachen „(a-)soziale Netzwerke“ fällt es mir schwer, dass es bei dieser WM gänzlich weniger solcher Begleiterscheinungen geben wird. Mittlerweile vergeht kein Fußball(Länder-)Spiel mehr, zu dem hinterher irgendwo ein Artikel mit der Überschrift „So reagiert das Netz“ veröffentlich wird. Mittlerweile sind Tweets fester Bestandteil der Berichterstattung in den Medien. Mittlerweile gibt es Artikel davon, die nur davon handeln, was in den sozialen Netzwerken los war. Mittlerweile gibt es noch mehr Experten mit eigener Kolumne. Beispiel? Lothar Matthäus will in seiner WM-Kolumne bei der BILD (!) täglich (!) über das aktuelle Geschehen berichten. Neben den Schreibern gibt es jetzt auch noch Podcasts, die sich das schreiben sparen und gleich direkt über Fußball reden. Mittlerweile haben sich Photoshop-Battles zu einem weiteren Puzzle-Stück in der medialen Reizüberflutung entwickelt.

All dieses Bohei überdeckt das Ursprüngliche, um was es geht: Fußball. 22 Spieler auf dem Rasen. 11 vs. 11. Diejenige Mannschaft gewinnt, die mehr Tore erzielt. So einfach ist das beautiful Game. Insofern graust es mir vor der Fußball-WM in Russland. Und die Themen, die lang&breit und hoch&runter diskutiert werden, liegen ja schon vorher auf dem Platz: Videoassistent, Doping, Putins Missbrauch der WM für seine Sport-Polit-Show und und und.

Die WM nicht zu verfolgen wäre die konsequenteste, aber auch unwahrscheinlichste Lösung. Daher werde ich versuchen nur minimale Informationsdosen einzunehmen und nur ausgewählte Spiele, die zumindest Spannung versprechen, anzuschauen. Klar, das ist ambitioniert und wahrscheinlich auch naiv. Wie sagte es Wilhelm Busch schon so schön: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“. 🙂

Auf eine WM, bei der der Fußball im Mittelpunkt steht.

By Nino