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Die Bubis der Alten Dame. Der CFC vs. Hertha BSC II

Abschluss Fans

13.ter Sieg? Erstes Unentschieden? Oder sogar erste Niederlage? Ausrutscher oder Ausbau der Rekordserie? Immer wieder diese Fragen rund um den fabelhaften Start des Chemnitzer FC e.V. in die Regionalliga Nordost Saison 2018/2019.

Neben dem grünen Platze stellen sich auch gerade eine Menge anderer Fragen. Wer ist z.B. der ominöse Investor mit dem die Gründung der Chemnitz Fußball GmbH durchgeführt wurde? Ich tippe mal auf die KPM Bau GmbH. Wie soll die Etatlücke von 493.000 Euro geschlossen werden? Ist das vielleicht nur eine eingeplante Finte des Insolvenzverwalters, die alles zukünftige Handeln als alternativlos erscheinen lässt? Die Antworten wird’s erstmal nicht geben, daher lieber Fußball, der ist zum Glück meistens auch keine so komplexe Sache wie ein Insolvenzverfahren. Der Ball muss ins Tor, um zu gewinnen, einmal mehr als es der Gegner schafft.

So stand zur willkommenen Ablenkung, nach dem mühevollen 3:1 Pokalsieg gegen die Kickers Markkleeberg, wieder der Alltag der Regionalliga an. Und in diesem gastierten die, auch in Zukunft weiterhin so heißenden, „Himmelblauen“ am 13. Spieltag bei der Nachwuchsmannschaft U23 von Hertha BSC. Der zweiten Mannschaft, den Bubis der Alten Dame. Abseits solcher Beschreibungen standen sich der tabellarisch betrachtet der aktuell Tabellendritte mit der zweitbesten Offensive gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter mit der besten Offensive gegenüber. Die zweitbeste Heim- gegen die auswärtsstärkste Mannschaft. So oder so ein Spitzenspiel. Viele Tore könnten also bejubelt werden.

Der Wettergott Petrus zeigte sich allerdings nicht von seiner besten Seite: 12 Grad bei bedecktem Himmel. Die 516 mitgereisten CFC-Fans hielten sich auch bedeckt. Stimmungsboykott war die Ansage.

Stadion Wetter

Das Spiel begann zunächst mit dem üblichen Spitzenspiel-Abtasten, bloß keine Fehler machen. Etwas offensiver waren zunächst die Herthaner, die mit ersten Torschüssen unseren Torhüter J. Jakubow prüften. Den ersten Aufreger für die Chemnitzer gab es in der 22.ten Minute. Nach Foul an D. Frahn war ein sächsisches „meine Fresse“ im ganzen Stadion zu hören. Alle Achtung dafür 😉 Der zweiter Aufreger folgte prompt. Hertha Bubi F. Egerer holte sich nach einem Foul als letzter Mann an D. Bozic den roten Karton ab. Dieser diente gewissermaßen als Initialzündung. Allerdings nicht für ein anschauliches Spiel, sondern für die weitere Verteilung von Karten. Es folgten innerhalb von vier Minuten drei Gelbe Karten, mit dem Höhepunkt der roten Karte für K. Velkow in der 42. Minute. Somit ging es 10 gegen 10 weiter. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass einige Spieler nur ihr dünnes Nervenkostüm übergestreift hatten. Fußballerisch lief es für den CFC dann auch noch schlechter. Ein erst abgewehrter Freistoß konnte nicht unter Kontrolle gebracht werden, so dass R. Morack zur 1:0 Führung traf.

Mit diesem weiteren Stimmungssenker ging es in die Halbzeitpause, in der Zeit blieb sich alkoholfreies Bier zu kaufen. Im Ernst, liebe Herthaner. Nur alkfreie Plörre im gesamten Stadion? In Berlin? Bei einem Spiel in der Regionalliga? Das war mitnichten ein Risikospiel!

Unverändert ging es in die zweite Runde, in der die Himmelblauen von Beginn an zeigten, hier noch was holen zu wollen. Eine gelbe Karte wollte auch S. Kurt, das ehemalige Supertalent des deutschen Fußballs. Eine gelbe Karte für die Blockierung des Abstoßes. Jugendlicher Leichtsinn oder erfahrene Dummheit, ich weiß es nicht so genau. Mehr Cleverness und erfrahner machte es dann unsere Sturmspitze, in dem er den vorher von N. Hoheneder herausgeholten 11er sicher verwandelte.

Frahn 11er

Im Folgenden ließen sich die Chemnitzer nicht aus der Ruhe bringen, denn es folgten die 3G der Hertha Bubis: Geschiebe, Gefoule und Gemaule. Zweiteres hörte dann zum Glück auf, denn R. Garcia packte sich ein Herz, ließ am Mittelkreis zwei Bubis aussteigen und fand Kapitän D. Grote. Dieser traf aus 16 Metern unhaltbar für J. Klinsmann zum 2:1 Führungstreffer in der 71. Minute. 4 Minuten später schaffte es D. Bozic, nach toller Vorarbeit von D. Frahn, auf 3:1 zu erhöhen. Von diesen Schocks erholten sich die Bubis nicht mehr. Die Schlussminuten wurden von Cheftrainer D. Bergner genutzt, um die Torschützen R. Garcia und D. Bozic auszuwechseln. Das quittierten die still gebliebenen CFC-Fans, außer dem dreifachen Torjubel und „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen, mit einem warmen Applaus. Publikumsliebling K. Hovi durfte ab der 89. Minute ran, konnte aber keine Akzente mehr setzen.

So blieb es beim 3:1 Auswärtssieg und dem unfassbar 13.ten Sieg in Folge. Große Freude brach dann nach Abpfiff aber nicht aus. Zumindest kam es noch zum Abklatschen der Fans mit den Spielern. Mehr Versöhnliches gab es dann aber nicht mehr. Vielleicht teilen sich Wacker Nordhausen und der Berliner AK noch die Punkte, das wäre das i-Tüpfelchen dieses Spieltags.

Endstand

Am 14. Spieltag kommt der FC Oberlausitz Neugersdorf zum Heimspiel ins Stadion Chemnitz. Ein neuer Name soll bis Ende des Jahres 2018 gefunden sein. Bis dahin wohl auch ein Investor bzw. dessen Name. Diskussionsstoff gibt es auch weiterhin in Hülle und Fülle bei den Himmelblauen.

By Nino

 

 

2 Rote Karten…zwei Sperren und viele Fragen…Ein Kommentar zur DFB Sportgerichtsbarkeit

Sportgericht

„Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“ so lautet eine alte Juristenweisheit. Sie soll zum Ausdruck bringen das vor Gericht zwar Recht gesprochen wird, dies je nach Auslegung nicht immer als gerecht betrachtet wird.

Für den Fußball gibt es in Deutschland das sogenannte DFB-Sportgericht, welches 1963 gegründet wurde. Auf der DFB-Homepage heißt es dazu: „Um Streit zu schlichten, Verstöße zu ahnden, die Disziplin aufrechtzuerhalten und vielfältige weitere Rechtsfragen zu klären, ist daher eine autarke Rechtsprechung im Rahmen der Autonomie des Sports unerlässlich.“ Etwas kürzer ausgedrückt nennt man dieses Konstrukt dann: juristische Selbstverwaltung. So weit so theoretisch. Etwas kritisch ausgedrückt, könnte man auch sagen, der DFB hat sich seine eigene Sportgerichtsbarkeit geschaffen, damit von außen z.B. vom Staat kein Einfluss genommen wird. Es wird also „unter sich“ ausgehandelt was Recht und Unrecht ist.

Bisher habe ich dieses Sportgericht in Fällen wahrgenommen, wenn es um die Festsetzung von Spiel-Sperren ging oder Vereine für gefährliche/dumme Aktionen von Teilen ihrer Fans bestraft wurden. Dabei hatte ich bisher auch das Gefühl, dass die Richter nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Soweit meine bisherige Erfahrung. Zwei Entscheidungen der noch jungen Rückrunde 2014/2015 lassen daran aber einige Zweifel aufkommen: Die Sperren für Klaas-Jan Huntelaar und für Jérôme Boateng. Dabei frage ich mich, ob alles mit rechten Dingen zu geht oder auch gelegentlich der Richter im rechtlichen Abseits steht?

Der #Hunter, erhielt für sein Foul an dem Hannoveraner Schmiedebach zunächst eine Sperre von 6 Spielen. Diese wurde umgehend vom #MeisterDerHerzen Schalke 04 damit kommentiert das „es sich nicht um eine Tätlichkeit handelt.“ Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte…

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Ein paar wenige Worte sollen es aber doch werden: Ich sehe nämlich einen Fußballspieler, der erstens ohne Chance auf den Ball und zweitens einem Gegenspieler „hochmotiviert“ von hinten in die Beine springt. Nicht zu sehen ist die 88. Spielminute und der anschließende Vogelzeig in Richtung Schiedsrichter. Am Stammtisch wird dies dann gerne als Frustfoul aus der Emotion heraus deklariert und dabei in Erinnerungen an die guten alten Bolzplatz-Zeiten geschwelgt, in denen „gesunde Härte“ noch zum Standardrepertoire gehörte. Emotionen/Frust hin oder her, ein Spieler von seiner Klasse und 31jährig sollte sich solche Aktionen nicht mehr leisten.

Nach dem Protest wurde die Sperre auf 4 Spiele und zwei auf Bewährung bis zum 30. Januar 2016 verwandelt. Weil er nur bisher zwei rote Karten bekommen hat und damit nicht als Wiederholungstäter gilt.

Damit ist diese Entscheidung ein Novum. Noch nie wurde eine Spiel-Sperre zum Teil auf Bewährung erteilt. Dabei stellen sich gleich Tausend und eine Frage: Zum Beispiel was passiert, wenn der Holländer zu einem anderen Club wechselt? Nimmt er dann die Spiel-Sperre mit? In eine andere Liga? Was ist wenn sich der Hunter beim Jagen, ähm spielen verletzt und sehr lange ausfällt? Was ist wenn er seine Karriere nach dieser Saison beendet?

Jérôme Boateng hat für sein Foul am Schalker Sam die Dreifach-Bestrafung von Roter Karte, Elfmeter und drei Spiele-Sperre erhalten. Der Münchner Vorstandsboss Rummennige interpretierte das auf seine Art in dem er sagte: „Ich verstehe den DFB nicht ganz, weil eigentlich ist das ein Nonsens, was man jetzt entschieden hat.“

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Die Münchner legten Protest ein und so wurde nach mündlicher Verhandlung die Sperre auf zwei Liga-Spiele reduziert. In diesem Streitfall wurde auch gleich die unlogische Regelung „abgeschafft“, bei dem ein Spieler auch noch dafür bestraft wird, dass sein Torhüter den 11er gehalten hat. Der DFB-Richter dazu: „Wäre im vorliegenden Fall der Elfmeter verwandelt worden, hätte Jerome Boateng trotz Vorbelastung nur ein Spiel Sperre erhalten. Die Tatsache, dass Manuel Neuer den Elfmeter gehalten hat, sollte zu keiner zweihundertprozentigen Erhöhung der Sperre auf drei Spiele führen“. Vom Juristisch ins Deutsche übersetzt: Ein Spieler darf nicht als Wiederholungstäter und zusätzlich für einen gehaltenen Elfmeter bestraft werden. Das diese FIFA-Regelung noch unsinniger ist, macht deutlich, dass Manuel Neuer über seinen Schatten springen müsste, nur damit Boateng eine niedrigere Sperre bekommt. Oder hat sogar Eric Maxim Choupo-Moting etwas damit zu tun? Hat er etwa extra verschossen? Im Lichte der Spielmanipulation ist diese Frage natürlich nur leicht abwegig #FIFA

Zumindest kann man behaupten, dass das DFB-Sportgericht einerseits Einsichtigkeit bei unlogischen Strafen zeigt (und sich damit gegen die FIFA-Vorgaben stellt #Revolution#Rebellion?), anderseits neue Auslegungen schafft, die wiederum nicht viel Sinnhaftigkeit darstellen. Juristische Selbstverwaltung heißt auch ein bisschen: Ich mach mir die Fußball-Gerichts-Welt so wie sie mir gefällt. Dies ist wiederum ganz im Sinne des Blatter’schen FIFA-Fußball-Familie-Leitbildes #Korruption.

Bei einem bin ich mir aber sicher: Die Strafe für Huntelaar sollte ein Novum bleiben. Eine Strafe auf Bewährung birgt mehr Probleme in sich, als eine direkte Strafe von z.B. fünf Spielen. Damit ist die Sache erledigt, der Spieler hat im besten Falle was draus gelernt und aus die Fußball-Maus.

By Nino