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„Was bisher geschah…“ Teil 7

Sieben

Mit Teil 7 unserer Kategorie „Was bisher geschah…“ schauen wir nach längerer Zeit mal wieder zurück auf bisherige Texte. Das diese mittlerweile, in aller Bescheidenheit:-), nicht mehr ein paar sind, sieht man darin, dass zwei Rückblicke mit dabei sind.
Die Hälfte der Texte beschäftigt sich allerdings mit RB Leipzig und dem damit verbundenen Dauerthema „Traditionsvereine vs. Plastikclubs“. Einem großen Traditionsverein widmete sich Baba, der einen vorausschauenden Nachruf für den Hamburger SV geschrieben hat. Mit dem ersten Abstieg in die zweite Bundesliga ist dieser dann auch brandaktuell. Viel Spaß beim Stöbern.

61. Die 22 Antworten zur EM 2016…die letzten 8

62. „Was bisher geschah…“ Teil 3

63. Gedanken zum Auftaktspiel zur 1. Fußball-Bundesliga Saison 2016/2017

64. Kommentar zur fehlenden Ignoranz für RB Leipzig

65. Danke für die Polarisierung, RB Leipzig! Teil 1

66. Danke für die Polarisierung, RB Leipzig! Teil 2

67. Traditionsvereine vs. Plastikclubs Teil 2

68. Nachruf zum Hamburger Sportverein – HSV

69. Hass auf RB Leipzig! Nicht mehr alle Dosen im Schrank? Teil 1

70. „Was bisher geschah…“ Teil 4

By Baba und Nino

 

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 5 sowie Teil 6.

„Was bisher geschah…“ Teil 5

Römische5

Die Reihe „Was bisher geschah…“ geht bereits in die fünfte Runde. Diesmal sorgte Baba für den Blick über den „großen Teich“, in dem er sich hautnah und ausführlich dem Hudson Derby zwischen Red Bull New York und dem New York City FC widmete. Dieses endete 7:0 für Red Bull. Solch ein Ergebnis hat man ja in der Bundesliga nur, wenn der FC Bayern München auf den Hamburger SV trifft. Mal sehen wie lange noch

Weiter ging es mit der Abmahnung von Baba zu den finanziellen Auswüchsen in der Welt des Fußballs und den letzten beiden Teilen des Rückblicks auf die Bundesliga-Saison 2016. Danach war Schluss mit der Vergangenheit und wir haben uns mit der anstehenden Europameisterschaft in Frankreich beschäftigt. Dabei gab es die 22 Fragen zur EM und die Berichterstattung zum ersten Spiel vs. die Ukraine, bei dem Bastian Schweinsteiger seinen leider letzten grandiosen Auftritt hatte.

Wie immer: viel Spaß beim Stöbern!

By Baba und Nino

 

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3 und last but not least Teil 4

41. Das Hudson Derby und die schlechte Kopie.

42. Saison-Rückblick 2016 Teil 2 Platz 12-7

43. Eine Abmahnung

44. Frankreich, Frankreich – Wir fahren nach Frankreich!

45. Saison-Rückblick Teil 3 Platz 6 – 1

46. In 22 Fragen zur EM 2016…die 1.ten 7

47. In 22 Fragen zur EM 2016…die 2.ten 7

48. In 22 Fragen zur EM 2016…die letzten 8

49. Das erste Date mit GER bei der EM vs. UKR

50. „Was bisher geschah…“ Teil 1

By Baba und Nino

 

 

Dem BVB wachsen Flügel! Kommentar zum Pokalspiel vs. Hertha BSC

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Der preisgekrönte 11Freunde-Liveticker kündigte das 2017er Achtelfinal-Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Hertha BSC Berlin mit der Überschrift „Aufstand der Unanständigen“ an. Eine spöttische Anspielung auf das Statement des DFB-Präsi Grindel, der nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim Spiel BVB vs. RB Leipzig den „Aufstand der Anständigen“ gefordert hatte.

Abgesehen von diesem Appell verbindet die beiden Vereine nämlich, dass sich einiger ihrer sog. „Fans“ zu unrühmlichen Entgleisungen hinreißen lassen haben. Auf Seiten der Herthaner brachten es „Fans“ zu Stande beim Spiel vs. RBL das Banner „Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout“ im Stadion zu platzieren. Auf Seiten der Borussen wurde u.a. der Banner „Burnout Ralle: Häng dich auf!“ präsentiert. Für beide Seiten glatte 11 von 10 Punkten auf der Hass-Skala.

Seit dem BVB vs. RBL-Spiel sind vier Tage vergangen und so gut wie jeder hat eine mehr oder weniger treffsichere Meinung über die Eskalation in Dortmund entwickelt. Auch ich habe meinen Senf dazu gegeben. Daher war ich gespannt auf dieses Pokalspiel, in dem hoffentlich wieder das schöne Spiel im Mittelpunkt stehen würde. Zudem war ich gespannt auf das Spiel eins nach dem Spiel, das eine Wende darstellen könnte. Eine Wende im Umgang und der Diskussion über das Modell RB im Speziellen und zur Kommerzialisierung vs. Tradition im Allgemeinen. Ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, bleibt bis zu den Entscheidungen des DFB-Sportgerichts und der Konsequenzen des BVB mit seinen gewalttätigen „Fans“ abzuwarten. Ein erstes Zeichen setzte schon mal die BVB-Mannschaft um Kapitän Schmelzer, der vor dem Spiel per Video eine Erklärung verlas, in der sich die Mannschaft von der Gewalteskalation deutlich distanzierte. Ein klares Zeichen, insbesondere an die bisher so legendäre #GelbeWand, die mal wieder dunkelgelb geworden ist.

Was das Sportliche anbelangt, so traf der aktuell 4.te der Bundesliga #BVB auf den 6.ten #BSC, getrennt durch einen Punkt. Das letzte Aufeinandertreffen im DFB-Pokal gab es 2016. Im Halbfinale beendete die Borussia mit einem 3:0 den Traum der alten Dame Hertha vom langersehnten Heim-Finale. Eine offene Rechnung, die es also zu begleichen galt.

Ein Spiel mit Spannung konnte man also erwarten. Zur Überraschung entwickelte sich dieses auch, da in den ersten 20 Minuten auf beiden Seiten Großchancen herausgespielt wurden #V.Ibisevic #P.Aubameyang. Etwas besser machte es dann S. Kalou, der mit feiner Technik zur 1:0 Hertha-Führung einnetzte. Mit dieser ging es dann in die Halbzeitpause, aus der die BVB-Spieler spürbar wacher zurückkamen. In der Konsequenz führte das schon in der 47. Minute zum 1:1 Ausgleich durch M. Reus. Im Folgenden entwickelte sich das „Spiel auf ein Tor“ #Phrasendrescher#1. Aber dieses wollte nicht fallen, weitere Großchancen von #P.Aubameyang #M.Reus #O.Dembelé blieben ungenutzt. Die Berliner hielten sich in der Offensive dezent zurück, konzentrierten sich mehr auf die Defensive und hofften wohl auf den #LuckyPunch. Aber dieser erfolgte auf beiden Seiten nicht, so dass es kam es wie es kommen musste: Verlängerung! In dieser waren wiederum die Dortmunder der aktivere Part. Das betraf auch das Verletzungspech, ihre Besten M. Reus und O. Dembelè mussten verletzt raus.

Für ein skurriles Ereignis sorgte dann noch S. Papastathopoulos, der in der 119. Minute (!) wegen Meckerns und abfälliger Gesten gen Schiedsrichter D. Aytekin mit Doppel-Gelb vom Platz flog. Da der Ball auch nicht mehr ins Tor flog, musste dieses Pokalspiel im 11er Schießen entschieden werden. Für dieses flog der wiedergenese Dortmunder O. Dembelè zurück auf’s Feld und ordnete sich in die Reihe der drei BVB-Torschützen ein. Da die Herthaner dreimal nicht trafen, endete das Spiel 3:2 im Elfmeterschießen. Fazit zum Spiel: Dem BVB wachsen Flügel!

By Nino

Hass auf RB Leipzig! Nicht mehr alle Dosen im Schrank? Teil 2

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Nachdem ich mir im ersten Teil des Textes zum Hass auf RB Leipzig diese Frage noch gestellt habe, so kann ich sie nun mit einem klaren Ja beantworten. Den bisherigen Tiefpunkt der Protestaktionen gegen RB lieferten nämlich am 19. BL-Spieltag tausende „BVB-Fans“ mit einer Vielzahl an Bannern, u.a. mit: „Burnout Ralle: Häng dich auf!“. Vor dem Spiel kam es zu Gewaltausschreitungen, laut der Pressemitteilung der Dortmunder Polizei: „[…] … zu massivem Bewurf mit Steinen und Dosen auf vorbeigehende Anhänger des RB Leipzig durch Anhänger von Borussia Dortmund.“ Das Geschrei der Medien über diese nicht tolerablen Geschehnisse ist freilich immens und die Forderung des Bundesinnenministers de Maizière nach strafrechtlichen Konsequenzen nachvollziehbar.

Mühsam ist die Ursachenforschung dazu, wie es überhaupt so weit kommen konnte und wer mit welchen Äußerungen zu solch einer Stimmung beigetragen hat. Wer weiß denn schon, welchen Einfluss das Magazin für Fußball-Kultur #11Freunde mit seinem Artikel „Wie die BVB-Fans gegen RB Leipzig protestieren könnten“ auf die Protestaktionen hatte? Zwei der sechs Vorschläge sind einerseits das Werfen von Bullenköpfen und andererseits der Einsatz einer Schallkanone gewesen. Zum „Einsatz“ kamen seitens der „BVB-Fans“, wie schon erwähnt, vor dem Spiel Steine und Dosen sowie während des Spiels Laserpointer. Aber hier einen direkten Zusammenhang herzustellen wäre doch töricht!

Nun ist mehr denn je entscheidend welche Antworten auf die Fragen gefunden werden, wie es mit der hasserfüllten Stimmung gegen RB Leipzig sowie den Protesten weitergehen soll? Was muss passieren damit diese Situation nicht weiter eskaliert? Welche Auswirkungen hat das auf den Verein, die Spieler, den Fans? Spielen die Medien eine Rolle? Welchen Beitrag leisten die anderen Vereine, die Deutsche Fußball-Liga und der Deutsche Fußball-Bund?

Zunächst zu den einfachen Fragen:

Wird RBL sich vom Spielbetrieb abmelden? Eher unwahrscheinlich!

Werden die RB-Fans keine mehr sein wollen? Eher unwahrscheinlich!

Werden die Spieler sich freiwillig einen neuen Verein suchen? Das gilt es abzuwarten.

Wird die sportliche Journaille weniger über RB berichten, um so dem Marketingkonstrukt keine allzu große Medienpräsenz zu bieten? Da wird eher das glatte Gegenteil eintreten und weiterhin über alles und jeden berichtet, um #Dilemma die Verkaufs- und Klickzahlen in die Höhe zu treiben.

Meiner Einschätzung nach wird der ganze Protest eher das Gegenteil bei RB bewirken, im Sinne von „Jetzt erst Recht!“. Ist also das Motto: Kein Protest ist auch eine Lösung? Eher nicht, denn wichtig ist doch bei wem man und gegen was man protestiert! Änderungen am Geschäftsmodell bei Red Bull einfordern? Naiver Gedanke!

Die richtige Protest-Adresse sind daher die Lizenzgeber. ZuSpät#1 ist es beim sächsischen Fußballverband, der als Türöffner für den Einstieg in die 5. Liga fungierte. Auch ZuSpät#2 ist es beim Nordostdeutschen Fußballverband, der anschließend grünes Licht für die Lizenz der 4. Liga gab. Somit bleibt nur noch die Deutsche Fußball-Liga übrig! Die DFL hat nämlich die Lizenz für die 3. Liga erteilt. Sie hat sie für die 2. Liga erteilt und auch für die 1. Liga.

Was muss also passieren, damit die DFL ihre Meinung ändert? Muss da erst ein zweiter Konzern auf’s Spielfeld kommen, der die Spielregeln im Lizenzierungsverfahren bis zum Äußersten auszureizen versucht? Werden dann die Statuten geändert? Das gilt es abzuwarten.

Eine Positionierung der DFL zu den Ausschreitungen in Dortmund sucht man jedenfalls vergeblich auf deren Homepage. Keine Worte sagen manchmal mehr als tausend Worte.

Beim DFB hingegen gibt es zumindest ein Statement des DFB-Präsi Grindel, der sich mit den Worten zitieren lässt: […] „Wichtig ist jetzt vielmehr eine grundlegende Debatte, an deren Ende eine gemeinsame Linie gegen jede Form physischer und psychischer Gewalt stehen muss. Wir brauchen den Aufstand der Anständigen in den Kurven, klare Distanzierungen von Gewalt. […] „. Alles Sätze, die ich im Zusammenhang mit Gewaltprävention sofort unterschreiben würde. Aber wenn es um die Änderung von Strukturen geht, dann ist mal wieder keine Luft im Ball.

Mit all den Unwahrscheinlichkeiten und dem fehlenden Willen zur Veränderung fällt es mir schwer daran zu glauben, das sich früher oder später etwas ändern wird. Selbst ein solch konsequenter Protest wie ein Fan-Boykott bei Spielen gegen RBL wäre ein Bärendienst an der Sache. Die Medien würden darüber wieder in strapaziöser Überlänge berichten und dem Marketing-Gedanken von RB wäre unfreiwillig zur Genüge getan.

Es mangelt also weiterhin an der fehlenden Ignoranz gegenüber RB. Wie wäre es mit Lösungen der anderen Art?

1.tens müssten die Bedingungen, von strukturell über sportlich bis finanziell bei anderen Vereinen attraktiver sein als bei RB. Für die Spieler muss es unattraktiv werden in Leipzig zu spielen.

2.tens müssten die Medien ihrer Verpflichtung nach seriöser Berichterstattung wieder mehr nachkommen. Also z.B. keine Artikel mehr über Vorschläge zu Protesten, nur um des Willens Klicks zu generieren #11Freunde.

3.tens ist das noch nicht so beliebte Ausverkaufs-Modell: Die anderen Vereine kaufen einfach noch mehr die besten Spieler weg. Diese Methode, bisher nur von einzelnen Vereinen praktiziert, könnte dazu beitragen, dass RB auf sportlicher Ebene geschwächt wird und die Ziele #Champions-League in weite Ferne rücken.

Lösung oder nicht Lösung, das ist hier die Frage. Vielleicht besinnt sich die sportliche Konkurrenz auch einfach auf das Wesentliche und sorgt dafür, dass RB in der Bedeutungslosigkeit versinkt, eine Fußzeile im Kapitel über modernen Fußball wird und alle dankbar für die Polarisierung gewesen sind.

Die Taktik-Füchse sprechen beim RB’schen Spielstil vom „offensiven Gegenpressing“. Zeit für #EineFußballWeisheitGehtImmer: Entscheidend ist auf’m Platz!

By Nino

 

Hass auf RB Leipzig! Nicht mehr alle Dosen im Schrank? Teil 1

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Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer öfter. Nicht weil ich ein Sympathisant des Projekts RB Leipzig bin, sondern weil ich die Entwicklungen und die Ausmaße des Hasses auf RB mit Unbehagen beobachte.

Angefangen hatte es mit dem Kommentar über die fehlende Ignoranz für RB. Als eines der Beispiele wurde darin die Empfehlung der Dresdner-Spielorganisatoren genannt, dass die Leipzig Fans doch in getarnten Bussen zum DD-Stadion fahren sollten. Da war von dem abgeschnittenen Bullenkopf, welcher erstaunlicherweise den Weg ins Stadion fand, noch nicht die Rede. Diese Bullenkopf-Affäre ist auch „nur“ einer der unappetitlichen Höhepunkte, die in der zweiten 2016er Jahreshälfte gegen RBL gestartet wurden. Denn keiner der 16. Bundesliga-Spieltage verging ohne eine Protestaktion gegen RBL. Diese reichten von Boykottaufrufen der Auswärtsspiele #Dortmund #Augsburg, einem Protestmarsch #Hamburg, einer Sitzblockade vor dem Spiel #Köln, einer Farbbeutel-Attacke vs. den Bus von RB #Leverkusen, einem „Traditionstag“ #Darmstadt, über selbstironische Statements „nur wir ruinieren den Fußball“ #Hoffenheim und ernstgemeinte „Gegründet von Kumpeln und Malochern“ #Schalke sowie am falschen Platz „Gegen den modernen Fußball“#München.

Die widerlichste Aktion brachten hingegen einige Hertha BSC „Fans“ zu Stande, die sich mit einem Banner direkt an RB-Sportdirektor Ralf Rangnick wendeten: „Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout“. Einem Menschen eine Krankheit zu wünschen, ist absolut würdelos und hat auf keinem Platz irgendeine Berechtigung. Wie dumm muss man sein? Waren es 50 (geschätzte Zahl, um einen Banner hochzuhalten) muskelbepackte Stiernacken-Glatzen mit Springerstiefeln, die jeden Aufruf zur Zivilcourage ad absurdum führen? Denn abgesehen von Aussehen und Bildung ist es unverständlich bzw. wirft die Frage auf, wie solch ein Banner überhaupt ins Stadion transportiert werden kann und warum keiner der restlichen 4.450 Berliner-Fans rein gar nix dagegen getan hat!? Nur zur Erinnerung: Vor sieben Jahren hatte sich der Hannoveraner- und Nationaltorhüter Robert Enke das Leben genommen. Die Anteilnahme war enorm groß, ebenso die Anzahl der Mahnungen, doch mal Druck vom Ball zu nehmen und sich klar zu werden, dass es in einem (Sportler)-Leben Höhen und Tiefen gibt. Aus diesem tragischen Ereignis haben offensichtlich nur die Wenigsten etwas gelernt.

Somit scheinen Appelle an die Moral so sinnlos wie ein Sandkasten in der Sahara. Bei RB Leipzig läuft eben die Empörungsmaschine besonders heiß, da wird alles und jeder noch genauer und intensiver betrachtet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Als Nachweis genügt ein Blick in die Kommentarspalten unter jeden beliebigen Text der im Internet zum Thema RB Leipzig veröffentlicht wird. Auch ich habe da meinen Anteil, da ich mir erlaubt habe, bei einigen Texten Links zu unseren Texten „Danke für die Polarisierung, Teil 1“ und „Teil 2“ einzufügen. Einem Empörten gefiel dies gar nicht und kommentierte wiederum mit einem „Verpiss dich“. Eine Antwort auf das Warum, wieso, weshalb ist der Kommentierende leider immer noch schuldig geblieben. Aus Datenschutzgründen wird daher auf die Nennung des Profilnamens, der sich aus seiner Fanzugehörigkeit und des Arbeitgebers ergibt, verzichtet. Nur so viel sei verraten: Mit der Einflussnahme eines Investors macht sein Herzensvereins gerade so seine ganz eigenen Erfahrungen. Das ist jedoch nur ein kleines Beispiel, was sich so in den sogenannten „sozialen Netzwerken“ abspielen kann.

Dass es viel härter zugeht, hat der Fall des RB-Spielers Timo Werner gezeigt. Nämlich seine Schwalbe im Spiel gegen Schalke 04. Postfaktisch ist er nämlich der allererste Spieler in der Fußballbundesliga-Geschichte, der sich zu einer derartigen Aktion hinreißen lassen hat. Das er nie wieder ein Tor schießen soll, war noch einer der harmloseren Wünsche.

Normalerweise dauert das mediale „Sau durch’s Dorf treiben“ eine Woche, bei Werner’s Schwalbe ging es in die 1-wöchige-Verlängerung. Das sich Werner für die Schwalbe entschuldigte, interessierte da schon keine Sau mehr. Schon gar nicht die paar betrunkenen Darts-Fans, die bei der Weltmeisterschaft im #AllyPally „Timo Werner ist ein Hurensohn“ grölten. Die Mehrheit der Sportjournaille war selbstverständlich wieder dankbar und stürzte sich Taurin-besoffen auf diese „Geschichte“.

Nun stellt sich auch die Frage, wie es mit dem ganzen Hass und den Auswirkungen weitergehen soll. Für die Traditionalisten ist und bleibt RB Leipzig sowieso die Wurzel allen Übels. Aber was macht das mit dem Verein, den Spielern, den Fans? Warum gibt es eigentlich keine Demo gegen die Deutsche Fußball-Liga, die RB die Lizenz für die 3. Liga, die 2. Liga und die 1. Liga gegeben hat? Mehr dazu im zweiten Teil…

By Nino

 

Traditionsvereine vs. Plastikclubs Teil 2

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Im ersten Teil von „Traditionsvereine vs. Plastikclubs“ habe ich mich am Parade-Beispiel des schlechten Traditionsvereins [Trommelwirbel] dem Hamburger SV… abgearbeitet. Seitdem hat sich am Zustand des HSV nicht viel geändert, zum Stand des 9ten Spieltages in der Fußball-Bundesliga stehen 1 Trainerwechsel, 2 Tore und 3 Platzverweise zu Buche. 30 Mäzen-Kühne-Millionen wurden in der Sommertransferperiode ausgegeben #FunFact. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil des grassierenden Transferwahnsinns (Teil 1 und Teil 2).

Nun soll sich jedoch der Ball um das erklärte Feindbild der Traditionsvereine drehen, um die Plastikclubs. Wieder gebe ich diesen Begriff in einer unbekannten Suchmaschine ein und erhalte ungefähr 24.500 Ergebnisse. Im Gegensatz zu den 397.000 Ergebnissen bei „Traditionsverein“ sind das ganz schön wenig. 1:0 für die Tradition.

Auch die Gruppe der Plastikclubs ist eher überschaubar. Am Rande der Fußballgesellschaft tummeln sich die Werksklubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, der „Brauseclub“ RasenBallsport Leipzig und auch ein bisschen der FC Ingolstadt, der vom Hauptsponsor Audi unterstützt wird. Warum also eigentlich dieses ganze Bohei um fünf von 56 Profivereinen? Das sind nach Adam Riese gerade mal 8,9%. Statistisch gesehen nicht viel. Als Zündstoff für hochkochende Emotionen sorgen diese Clubs dennoch.

Für die einen geht es um Tradition, Werte und auch die Liebe zu einem Verein. Für die anderen geht es um das schadhafte Anhäufen von Money Money Money, der Verein als Marketinginstrument #RedBull oder als Ansammlung von Legionären. Es geht also um viel mehr als nur um das runde Leder und die Geschichten die rundherum geschrieben werden. Mit Baba habe ich mich schon vor Jahren darüber unterhalten, gern möchte ich ihn hier zitieren: „Zu Wolfsburg könnte man noch schreiben, das Geld doch Tore schießt und/oder die Stadt wahnsinnig unattraktiv ist und der Club immer noch riesige Imageprobleme hat, eben auch so ein Plastikclub ist. Wegen den vielen Söldnern, und der unmöglichen Identifikation mit dem Dorf Wolfsburg hat der Club schon immer ein Problem mit mangelnder Leidenschaft. Seit Roy Präger gab es keinen Sympathieträger, nur überbezahlte Scheißlegionäre, die den ersten Weg raus genommen haben.“ Dies entspricht auch so gut wie dem aktuellen Bild des VfL, da haben die Vizemeisterschaft und der Pokalsieg 2015 nicht viel ändern können.

Nach dem Aufstieg von RB Leipzig in die 1. Liga und dem zum Stand des neunten Spieltages zweiten Tabellenrang wird die Diskussion der Traditionsvereine vs. Plastikclubs weiterhin in alle Richtungen geführt. Denn einerseits fehlt es den Traditionalisten an der fehlenden Ignoranz für RB Leipzig , andererseits sollten doch alle Fußballfans den „Bullen“ dankbar für die Polarisierung sein (Teil 1 und Teil 2).

Für den Moment kommt mir wieder der Spruch von #GeorgeBernardShaw ins Gedächtnis: „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“

Was gilt es also zu tun? Sich an der Laterne festhalten oder den beleuchteten Weg nutzen? Einige der Traditionalisten wollen offensichtlich Letzteres tun. Die Clubs Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, VfB Stuttgart, Hamburger SV, 1. FC Köln und Hertha BSC haben sich zum „Team Marktwert“ zusammengeschlossen. Ziel ist es höhere Fernseheinnahmen für die sogenannten Traditionsvereine zu generieren. Bislang gibt es für jeden Verein der 1. und 2. Bundesliga einen festen Sockelbetrag sowie weiteres Geld abhängig davon, welchen Tabellenplatz der jeweilige Klub in den vergangenen fünf Jahren belegt hat.

Diesen beiden Säulen soll eine weitere hinzufügt werden. In einer gemeinsamen Pressemitteilung wurde erklärt, dass auch der Marktwert eines Klubs berücksichtigt werden soll: „Dieser Marktwert kann sich aus objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media errechnen. So sollte beispielsweise eine große, leidenschaftliche Fangemeinde als Wert im TV-Ranking Berücksichtigung finden – denn sie führt zu höheren Einschaltquoten und einer größeren Wahrnehmung der Gesamtmarke Bundesliga in der Öffentlichkeit.“

Bei den sog. Plastikclubs fand diese Idee, oh Wunder, wenig Begeisterung. Denn RB Leipzig’s Reichweite überschreitet ja jetzt schon die vieler Traditionsmannschaften und die von Wolfsburg und Vizekusen ohnehin.

Ist das nun der Weg des Klugen oder eher ein Eigentor der Initiatoren? Antworten dazu und warum RB auch kein normaler Plastikclub ist, wollen wir im Teil 3 von „Traditionsvereine vs. Plastikclubs“ finden…

By Nino

Danke für die Polarisierung, RB Leipzig! Teil 2

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Im ersten Teil des Aufrufs für mehr Dankbarkeit für RB Leipzig haben wir argumentiert, dass RB Leipzig die willkommene Abwechslung sein kann, die an den alten Strukturen rüttelt und dazu anregt, dass eingefahrene System zu überdenken. Und vielleicht sogar dazu beiträgt, dass die Dominanz in der Fußball-Bundesliga von nur einem Verein #FCBayernMünchen gebrochen wird. Die Sportmedien hätten dann auch mehr Themen, als hauptsächlich zu jeder neuen Saison den FCB als künftigen Titelträger und die damit einhergehende Langeweile herbei zu schreiben.

Spielen wir den Ball etwas weiter und spinnen über die Zukunft:

Mit RB wird nun der Osten wieder auf die Landkarte der Beletage des Fußballs gesetzt. In der 2.ten versuchen Union Berlin, Dynamo Dresden und die Schachtis von Erzgebirge Aue ihr Glück. In der 3. Liga spielen mit zurzeit 6 ostdeutschen Clubs die meisten in einer Profi-Liga. Die Aussichten auf einen Aufstieg haben leider auch nicht alle. So oder so wird dort auch weiterhin die Party steigen.

Kurzer Rückpass in die Geschichte: Nicht zu vergessen ist der Fakt, dass die Leute in Leipzig mit den Füßen abgestimmt haben und nur dadurch das Projekt RB funktionieren konnte, denn wenn niemand zu den Heimspielen gegangen wäre, dann gebe es kein RB. Auch besteht die Chance, dass dadurch Leipzig geeint wird und gemeinsam Brot und Spiele (und Brause) abgefeiert werden können. Erstaunlich ist auch, dass sich die RB-Fans durch die jahrelangen Schmähungen, Protesten usw. nicht provozieren lassen. Selbst eine kleine Gruppe, die es meist nur dafür braucht, hat sich nicht zur offenen Konfrontation hinreißen lassen. Ob das über die Dauer und Anzahl der Aktionen auch die Fans von Frankfurt, Köln oder Dortmund (um nur einige Beispiele zu nennen) schaffen würden, das darf stark bezweifelt werden.

Zurück in die Zukunft: Nicht nur auf nationaler Ebene kann RB Leipzig etwas bewirken. Wenn es sportlich so weiterläuft, dann können sie auch dem Abstieg der Bundesliga im internationalen Vergleich entgegenwirken. So wie es sich jetzt abspielt, kann es auch nicht weitergehen. Nur der FCB und mit Abstrichen der BVB halten die Fahne hoch? Die spanische La Liga und die englische Premier League sind der Bundesliga enteilt. Wenn jetzt ein Club dazukommt, der die bestehenden Strukturen mal so richtig aufmischt, weil er die anderen zwingt sich selbst zu reflektieren, dann ist das nur begrüßenswert. Augenscheinlich ist es doch so, dass ein fast diktatorisch gemanagter Verein besser ist – da zielstrebiger.

Jeder Verein sollte sich daher hinterfragen: Arbeiten wir professionell genug? Haben wir Fachleute für Fußball, für wirtschaftliches Arbeiten, für Fitness, für Marketing usw. im Verein? Können diese Fachleute alle zusammenarbeiten? Stehen sie für die gleichen Ziele ein? Welche Priorität hat die Jugendarbeit? Wollen wir kurzfristigen oder langfristigen Erfolg? Welchen Gestaltungsspielraum soll der Trainer haben? Wie finanzieren wir den Verein?

Leider gibt es noch viel zu viele Vereine wie der Hamburger SV, Werder Bremen, Schalke 04, bei denen diese Fragen offensichtlich nicht beantwortet werden können und anschaulich zeigt, wohin das Reinreden von Altgedienten führt. Nicht zuletzt verdeutlichen die Trainer-Entlassungen bei diesen Vereinen die ganze Misere.

Vielleicht sieht die Zukunft so aus: RB Leipzig spielt im Champions-League Finale gegen Bayern München. Ganz Deutschland ist stolz und jubelt ihnen zu, wie sie auch Sebastian Vettel in der Formel 1 zugejubelt haben – und da war und ist RB ja willkommen. Alle anderen Fußball-Clubs haben mehr oder weniger ihre Strukturen professionalisiert, wenn nicht sogar eine eigene Spielphilosophie entwickelt (sofern noch nicht vorhanden). Dann hat auf lange Sicht der RB den deutschen Fußball weitergebracht und die Bundesliga verbessert. Zudem besteht die leise Hoffnung, dass diejenigen Clubs, die ihre erfolgreiche Vergangenheit in einer Fremdscham-Monstranz vor sich hertragen, mehr als nur Sparringspartner für die Münchner Bayern und die Borussen aus Dortmund sind.

Fazit: Irgendwie ist es cool so einen Aufmischer, Punker und Typen auf der Party zu haben, der sich nicht um die traditionellen Konventionen schert, sondern öffentlich & offensiv präsentiert was er will und die anderen sich nicht richtig aufregen können, da sie a) es genauso machen wollen, aber nicht können oder b) auch genauso schon machen, es aber nicht zugeben können. Denn bei aller Mitbestimmung und Teilhabe bei einem Verein: Bei den üblich verdächtigen Traditionsvereinen wie z.B. Werder Bremen, Schalke 04, HSV, BVB oder FCB hat kein Fan und Mitglied Einfluss auf das operative Geschäft. In diesem Sinne: Nicht aufregen und Danke für die Polarisierung, RB Leipzig!

By Baba&Nino