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Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 1

Fragen

Mit einem 19-seitigen Schreiben an die Stadträte der Stadt Chemnitz hat der Insolvenzverwalter K. Siemon ein neues Kapitel in der Aufführung des Chemnitzer-Insolvenz-Theaters aufgeschlagen. Die örtlichen Medien überschlagen sich erwartungsgemäß mit populistischen Schlagzeilen. Die BILD schaffte es z.B., die ganze Thematik auf das Thema des Stadionnamens, zu reduzieren. Aber hey, was will man gerade von der BILD auch erwarten?

Ganz in ihrem Sinne bzw. Motto entsprechend, ist es daher den Versuch wert, sich seine eigene Meinung über dieses Schreiben und den Intentionen von K. Siemon zu bilden. Dazu bedarf es einer Analyse, Seite für Seite, Thema für Thema. In diesem ersten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept geht’s mit den ersten beiden von insgesamt fünf Punkten los. Das Schreiben vom 18. Oktober 2018 gliedert sich wie folgt:

1. Insolvenzursachen
2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen
3. Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg
4. Das Budget
5. Die Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz

Unter Punkt „1. Insolvenzursachen“ wird eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die auf Grundlage des Berichts zur Gläubigerversammlung erstellt wurde, geliefert. Den Gläubigern dürfte das also bestens bekannt sein. Die Ursachen der Insolvenz werden mit den nachfolgenden Punkten konkretisiert:

a. Vermarktung durch „Komplettvermarkter“
b. Kostensteigerung im Spielbetrieb
c. Hohe Personalkosten, insbesondere im Spielerkader
d. Hohe Kosten für die Nachwuchsförderung durch das NWLZ
e. Kaufmännische Schwächen beim CFC

Dieser Abschnitt umfasst drei Seiten und sind keine leichte Kost für das himmelblaue Fan-Herz. Auch wenn die Sachverhalte mehr oder weniger bekannt sind, werden hier nochmals einige der Gründe des wirtschaftlichen Niedergangs aufgrund einer langen Kette von Fehlentscheidungen verschiedenster Akteure aufgeführt. Allein diese Darstellung soll wohl dazu dienen, dass auch der letzte CFC-Fan einsieht, dass nun endlich professionellere Strukturen eingeführt werden müssen. An sich ist das auch grundsätzlich zu unterstützen. Es kommt allerdings immer auf das „Wie tue ich das“ an.

Auf das was der Herr Siemon bereits getan hat, dazu führt er unter Punkt „2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen“ aus. Hierbei werden die bisherigen Maßnahmen zur „Neustrukturierung“ des CFC in „allen Bereichen und Abteilungen“ dargestellt:

(1) Vorstandsebene – Aufsichtsrat – Führungsstrukturen

(2) Spielerkader

(2) Geschäftsstelle

(3) Nachwuchsleistungszentrum

(4) Vertrieb / Sponsorengewinnung

(5) Spielbetriebsorganisation

(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing

(7) Merchandising

(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen

(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft

Dieser Abschnitt umfasst 5 Seiten und ist teilweise mit ordentlich Sprengkraft verbunden. Allen voran auf emotionaler Seite, wird doch der stärkste Part bzw. Sachverhalt „Hausverbot für A. Georgi und U. Bauch“ mit lediglich zwei Sätzen abgehandelt. „…die alten Führungsstrukturen des CFC nicht sanierungsfähig“. „Daraus wurden die im Verlaufe des Verfahrens die aus sanierungstechnischer Sicht notwendigen Konsequenzen gezogen“. So kann man es natürlich auch ausdrücken, wenn personelle Angelegenheiten mit der Holzhammer-Methode gelöst werden.

Hingegen sind die weiteren Ausführungen in Bezug auf die Verpflichtung des Sportdirektors T. Sobotzik in die Kategorie „Eigenlob“ einzuordnen. Herr Siemon war es ja schließlich, der Herrn Sobotzik installierte und dieser den Spielerkader zusammenstellen durfte. Abgesehen davon, muss man konstatieren, dass es unter den damaligen Umständen schon respektabel ist, dass solch eine Mannschaft zusammengestellt werden konnte. Die bisherige 13-Siege-Rekordserie in der Regionalliga Nordost tut ihr Übriges dazu.

Grundsätzlich zu begrüßen ist auch die neue Maxime „keine Leistung, ohne Gegenleistung“. Dies u.a. vor dem Hintergrund der Aussagen zu den Punkten „(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing“ und Punkt „(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen“, da hier offensichtlich die Abgabe solcher Tickets unter Zudrücken aller himmelblauen Augen betrieben wurde.

Mit dem letzten Punkt „(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft“ wird der bisher eingeschlagene Weg der Ausgliederung beschrieben. Alles in allem liest sich dieser Punkt so, dass die Ausgliederung alternativlos war. Gerade dies ist jedoch unter den Fans hoch umstritten und man hätte sich gewünscht, dass hier ein Mehr an Beteiligung möglich gewesen wäre. Auf der Mitgliederversammlung wird es, wenn auch spekulativ, wohl nur auf die „Friss-oder-Stirb“-Variante hinauslaufen. Und welcher Fan bzw. Mitglied will schon für den Untergang des Vereins stimmen? Aber gut, wie erwähnt rein spekulativ, da will ich mich gerne ganz groß täuschen.

Fakt ist allerdings auch, dass im ganz Kleinen auffällig wird, welche Rolle der Kaufmännischer Vorstand Herr T. Uhlig einnimmt bzw. wie diese von Herrn Siemon dargestellt wird. In den Ausführungen im Punkt „(5) Spielbetriebsorganisation“ wird darauf hingewiesen, dass er einen hohen Anteil an den Einsparungen von 1 Millionen Euro hat. „Er hat sich in allen Bereichen sehr stark eingebracht“. Nun kann das kleinkariert wirken und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein, aber für mich wirkt das schon eigenartig. Warum schreibt Herr Siemon hier nur von Herrn Uhlig und formuliert dessen Leistung im Sinne einer Beurteilung, zumal in der Vergangenheit. Vielleicht ist es das Eingeständnis, dass hier jemand wirklich vom Fach ist und nicht so einfach mit irgendwelchen Verboten von der Arbeit abgehalten werden kann. Oder alles hat ganz andere, banaler Gründe. Soviel zu den Mutmaßungen.

Im zweiten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC soll es um die Punkte „Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg“ und „Das Budget“ gehen…

By Nino

 

Endspiel für den Insolvenz-CFC!?

Weichen

Mit der Veröffentlichung der Bekanntmachung des Amtsgerichtes Chemnitz, Abteilung Insolvenzsachen am 18. September 2018 ist es nun auch offiziell: Der Insolvenzverwalter soll ermächtigt werden, mit der Sparkasse Chemnitz einen Vertrag zur Finanzierung des Mannschaftsbusses abzuschließen. Der Kaufpreis beträgt 170.000,00€. Wat ein Schnäppchen für die Karre! Nebenbei soll er auch noch die Ausgliederung der 1. Mannschaft und aller nach den Statuten möglichen Jugendmannschaften in eine Kapitalgesellschaft durchführen. Letzterer Punkt ist selbstverständlich wesentlich brisanter und bedarf an sich keiner humoristischen Kommentierung. Es ist der bittere Ernst der Lage, der schmerzhaft aus dem Schacht ans Tageslicht gekrochen kam.

Der Insolvenzverwalter sieht die Option der Ausgliederung als die Beste an, um den Chemnitzer FC zu sanieren. Nun bin ich nur ein (un-)freiwillig zahlendes Mitglied und kein Bachelor im Insolvenzrecht. Daher muss ich zwangsläufig das Vertrauen in die handelnden Personen aufbringen. Auch wenn das mitunter sehr schwer fällt, denn einige Beteiligte liefern sich seit Monaten eine Schlammschlacht, die wenig Hoffnung gibt, dass das Insolvenzverfahren ohne Gesichtsverlust derjenigen beendet werden kann. Die Stilmittel sind mitunter fragwürdig und nicht unbedingt zur Nachahmung geeignet. Rücktrittsforderungen von der einen Seite, durchgestochene Vertragsinhalte an die örtlichen Schmierblätter von der anderen Seite. Und das sind nur zwei Beispiele. Beide Seiten geben sich jedenfalls nichts, beim Kampf um die Deutungshoheit was für den Chemnitzer FC am besten ist. Dabei werden doch Heiligenscheine ebenso nicht vergeben, wie Denkmäler gebaut. Also kann gerne dieses Macht-Spiel sofort und ohne Verlängerung abgepfiffen werden.

Solch eine Schlammschlacht mag zwar für die Medien hochinteressant sein. Schließlich muss man sich nicht mehr irgendwelche Halbwahrheiten aus dem Kreuz leiern, die womöglich noch vor Gericht landen, weil „dieses-und-jenes-so-nie-gesagt-wurde“. Ich bin jedenfalls wegen des ganzen Boheis ziemlich genervt und auch ziemlich sicher, dass diese ganzen juristischen Winkelzüge nicht dabei helfen werden, am Ende des Tages den CFC-Karren aus dem Dreck zu ziehen. Da steckt dieser nämlich immer noch mittendrin.

Braucht es denn noch einen besseren Zeitpunkt für einen Neuanfang? Oder lieber nochmal die alten Diskussionen über die Vergangenheit führen? Ich glaube nicht, dass sich das wirklich lohnt. Am Ende der Debatte kommt man doch an der Frage nicht mehr vorbei, wer wann wie und womit zu der ganzen Misere beigetragen hat. Das Ergebnis von u.a. zu viel Kungelei und Seilschaften in Vorstand/Aufsichtsrat gepaart mit sportlichen Misserfolg ist doch Pleite des CFC und das gerade auf der Zielgeraden befindliche Insolvenzverfahren.

Als geneigter Fan wünsche ich mir daher mehr Besonnenheit und eine Rückkehr zur Sacharbeit aller Verantwortlichen. Dem Vernehmen nach geht es auf der am 26. September 2018 stattfinden Gläubigerversammlung mehr oder weniger um die Zukunft des CFC. Quasi das Endspiel um den Insolvenz-Cup. Das ist doch Anlass genug, um seine Energie darauf zu verschwenden.

Aus dem Insolvenzverfahren gestärkt hervorzugehen, sollte doch allen Himmelblauen ein wichtiges Anliegen sein. Klar, die Frage wie die Ausgliederung gestaltet werden soll, bleibt weiterhin bestehen und kann hoffentlich nach der Gläubigerversammlung diskutiert werden. Eins ist dabei schon mal sicher: Als Mitglied will ich mich bei meinen Rechten und Pflichten nicht „enteiern“ lassen. Entscheidungen, die ohne jegliche Debatte und aufgrund von Alternativlosigkeit getroffen werden, haben bisher immer zu Unmut bei den Mitgliedern geführt. Die Fanszene des Chemnitzer FC ist vielfältig, das gilt es bei der Gestaltung des zukünftigen CFC zu berücksichtigen.

Der Illusion es allen Recht zu machen, sollte man sich allerdings auch nicht hingeben. Der Blick Richtung Magdeburg sowie Rostock und deren vollzogenen Ausgliederungen gibt Anlass zur Hoffnung, dass nicht Hopfen und Malz verloren sind. Dort wurden mit der Beteiligung der Mitglieder die Prozesse so gesteuert, dass die Befürchtungen in Richtung Identitätsverlust und Fremdbestimmung ernst genommen wurden und letztendlich die Ausgliederung wiederum große Zustimmung gefunden hat.

Denn eines ist auch klar wie Kloßbrühe. Ohne die Fans wird es nicht gehen. Ein Verein ohne ultra-laute Fans, ein Spiel ohne Stimmung sind die schlechtesten aller Varianten. Ich verweise da gerne auf das Auswärtsspiel gegen die VSG Altglienicke am 7. Spieltag. In dem 20.000 Plätze-„Jahn-Sportpark“ waren es letztendlich die 200 mitgereisten CFC-Fans, die für die Stimmung gesorgt haben. Ansonsten hätte dort Totenstille geherrscht. Von weiteren Beispielen, die es zu Hauf gibt, und vor allem den Heimspielen abgesehen.

Jetzt aber müssen erst einmal die Gläubiger vom Insolvenzplan überzeugt werden. Die besten sportlichen Argumente liefert ja seit Beginn der Regionalliga-Saison die neu zusammengestellte Mannschaft. Acht Siege in Folge, Spitzenreiter. Das ist wahrlich ein süß-saures „Ablenkungsmanöver“. Nicht auszudenken, wenn der CFC im Mittelfeld der Tabelle stehen und seitens der Presse eine Trainerdiskussion angezettelt würde. Soviel zur Schwarzmalerei.

Ein Blick in die Zukunft und wie schön himmelblau wäre es hingegen, wenn der CFC wirtschaftlich und sportlich erfolgreich sein könnte. Die Weichen dafür können hoffentlich bald gestellt werden.

By Nino

 

 

Ahnungslos durch die Nacht!? Der CFC und die Insolvenz

Rausschmiss

Am 10. Juli 2018 gab es mal wieder Neues zum Thema Insolvenzverfahren beim Chemnitzer FC. In der Pressemitteilung des Siemon Insolvenzmanagements mit dem liebreizenden Titel „Sanierung und Restrukturierung des CFC schreitet voran“ wurde über die aktuellen Bemühungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens informiert. Die (vermutete) Botschaft soll sein: Alles ist im grünen Bereich. Der Fan soll sich nicht von den ganzen Insolvenz-Slang-Begriffen wie „Verfügungsbefugnis“, „Massekredit“ oder „Liquiditätsspitzen“ beirren lassen. Hauptsache es ist klar: „Operative Neustrukturierung im vollen Gange“. Alle Aktivitäten werden dem Zweck der Sanierung untergeordnet. Soweit so toll, möchte man denken.

Was allerdings zum Thema „Neustrukturierung der Gremien“ mitgeteilt wird, lässt hingegen die Alarmglocken läuten. Zunächst wird darauf hingewiesen, dass die Neustrukturierung der Gremien in einem Insolvenzverfahren der Normalfall ist. Ok, das wäre insoweit verständlich, wenn die Verursacher des Bankrotts ihre Posten geräumt hätten. Das können sie aber nicht, weil sie längst nicht mehr alle da sind. Das nun gerade der Ende Februar 2018 neu gewählte Präsident A. Georgi und der seit Anfang Januar 2017 neue Aufsichtsratsvorsitzender U. Bauch suspendiert und mit einem Haus- und Stadionverbot belegt wurden, kann man nur fassungslos zur Kenntnis nehmen.

Zur Begründung heißt es: „Die Insolvenzeröffnung ist der richtige Zeitpunkt, um diesen Schritt zu gehen, insbesondere deshalb, um dem Neuanfang für Sponsoren, Mitglieder und Fans eine glaubwürdige Gestalt zu geben.“ Das heißt im Umkehrschluss, dass die Suspendierten eine unglaubwürdige Gestalt abgeben!? Ist diese Aktion nur eine vorsorgliche Maßnahme, damit Gläubiger und die Stadträte vom Neustart beim CFC überzeugt werden können? Oder steckt noch mehr dahinter? Der vielsagende Satz „Individualinteressen haben dahinter zurück zu stehen.“ deutet darauf hin, dass es unterschiedliche Ansichten über die zukünftige Ausrichtung der Himmelblauen gibt. Insolvenzverwalter Siemon hat bei einem Sponsorentreffen schon mal über die Ausgliederung der Profiabteilung fabuliert. Daher dürfte die Suspendierung eher ein Zeichen an die Sponsoren sein. Seht her, bald ist es soweit und ihr könnt als Investoren beim CFC einsteigen! Georgi und Bauch, so ist zu hören, wollen mit einer Satzungsänderung den Mitgliedern mehr Einfluss verschaffen. Das ist grundsätzlich zu unterstützen, auch weil sich gerade in dieser schwierigen Phase über 500 neue Mitglieder entschieden haben, die Zukunft des CFC mitzugestalten. Sollte jetzt der Eindruck entstehen, dass mit dem Insolvenzverfahren die Chance auf eine Ausgliederung der Profiabteilung „durch die Hintertür“ genutzt wird, dann wäre das ein fatales Zeichen an die Mitglieder und Fans. Bisher, so zumindest meine Wahrnehmung, schreit niemand wirklich nach dem Einstieg von irgendwelchen Investoren, die einen Verein als ihr Spielzeug betrachten.

Bisher hatte ich auch den Eindruck, dass Herr Siemon dem CFC wohlgesonnen ist. Dass er seiner Arbeit als Insolvenzverwalter mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat im Sinne des Chemnitzer FC e.V. vollzieht. Mit der Suspendierung der Herren Georgi und Bauch entsteht ein fader Beigeschmack. Es ist daher wünschenswert, wenn Herr Siemon nicht weiter mit insolvenzrechtlichen Mitteln hantiert, sondern sich darüber Gedanken macht, wie er Mitglieder und Fans in den eingeschlagenen Weg des Insolvenzverfahrens mitnehmen kann. Schließlich plant er mit 3500 Zuschauern pro Spiel. Ansonsten ist es auch hilfreich, wenn auf der Homepage des CFC der Link „Werde Clubfreund“ nicht mehr ins Nirwana führt. Schließlich ist ja die weitere Unterstützung von Sponsoren „zwingend notwendig“.

In drei Wochen startet die Regionalliga-Saison. Erster Gegner ist der FSV Union Fürstenwalde. Bis dahin wäre es wahrlich stimmungserhellender, wenn der CFC keine Rolle rückwärts in alte Zeiten vollzieht. Da stand CFC schon mal für: Chaos Fußball Club.

By Nino