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Quo vadis, Chemnitzer FC?

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Ein Blick in die Regional- und Boulevardzeitungen der letzten Tage reicht aus und der Eindruck lässt mich nicht los, dass der FC Hollywut in der Arbeiterstadt hartnäckig an einem Comeback arbeitet!

Das heutige Spiel gegen den SC Paderborn wird als #Endspiel für den Cheftrainer Sven Köhler hochstilisiert. Nach zwei schmerzlichen Niederlagen (vs. Lotte und Zwickau) und somit 8 von 21 möglichen Punkten in 2017 steht der Trainer, #Branchenüblich, im Mittelpunkt der Kritik. Vor ein paar Wochen war der Sprung auf den 3. Platz möglich, jetzt heißt es ernüchternd: Tabellenrang 9.

Das Ziel #Aufstieg rückt gefühlt in weite Ferne und der CFC beschäftigt sich mal wieder mit sich selbst. Gerade wurde noch das Finanzloch gestopft und der Aufsichtsrat sowie der Vorstand neu gewählt. Der Fokus hätte daher wieder auf das Entscheidende auf’m Platz gelegt werden können. Es kommt aber immer anders als man denkt #Klugscheißer#1.

Der SC Paderborn steht derzeit auf dem 19. Tabellenplatz und kämpft gegen den Abstieg. Mal wieder. Vor drei Jahren noch 1. Bundesliga, dann zweite Liga mit dem zwischenzeitlichen Fight des Tigers Effenberg und nun 3. Liga. Da wissen sicherlich auch viele Beteiligte wie man’s hätte besser machen können #Klugscheißer#2. Beim CFC wird es nicht anders sein. Klare Ansagen und Bekenntnisse vom Vorstand bleiben aus, somit scheint von außen betrachtet die interne Unruhe groß zu sein. Vorstand Hänel lässt sich damit zitieren, dass „Wer Erfolg hat, hat am Ende recht“. Übersetzt heißt das: Im Falle eines Sieges bleibt Köhler. Im Falle einer Niederlage müssen #Lösungen gefunden werden. Ein Unentschieden hilft weder Chemnitz noch Paderborn. Ist es allerdings eh nicht zu einfach, dieses Spiel als „Krisengipfel“ oder „Schicksalsspiel“ auszurufen?

Unabhängig von dem Ergebnis heute Abend sollten sich die Verantwortlichen mal Fragen zur strategischen Ausrichtung des CFC stellen. Wie wäre es mit diesen?

Warum wurde der Vertrag mit Cheftrainer Köhler nicht vorzeitig verlängert? Ein Vertrauensbeweis und ein Zeichen an die Mannschaft sieht anders aus. Die #Rückendeckung der Vorstandsetage fehlt. So mehren sich die Zweifel an der Arbeit von Köhler. Beim Leck mich am A…Spiel vs. Aalen ist Köhler z.B. nicht gerade als Trainer aufgefallen, der mit taktischen Anweisungen versucht hat, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Auch beim Spiel gegen Zwickau wirkte er für mich eher als Spielbeobachter. So lassen sich die Gerüchte über ein fehlendes Taktik-Konzept leider nicht entkräften. Gegenargumentativ ist die Methode, dass der Trainer den Spielern die nötige taktische Freiheit gibt und der Mannschaft so die Verantwortung überträgt.

Aber mal ehrlich, sowas ging vielleicht noch in den 1990ern, mit Nationalspielern und mit dem damals noch nicht in Steuersumpf-Skandalen verwickelten Franz Beckenbauer #GehtsRausUndSpieltsFußball. Aber heutzutage? Ein Trainer ohne taktisches Konzept?

Sein Vorgänger, Karsten Heine, musste sich zumindest mit solchen Problemen nicht herumschlagen. Er hatte es dagegen geschafft, einen Fitnessexperten zu engagieren. Im 2016er Wintertrainingslager in Belek wurde die schweißtreibende Arbeit aufgenommen und somit neue Akzente im Fitnessbereich gesetzt. Keine sechs Monate später wurde die Zusammenarbeit beendet. Der nun neue Trainer Köhler begründete den Schritt damit, dass viele Übungen und Einheiten selbst gemacht werden. Für den Fitnessexperten war das zu wenig. Der Ansatz der nachhaltigen Arbeit, um langfristig Ergebnisse zu erzielen, war nicht mehr möglich. Stattdessen vertraut man nun dem Athletik-Trainer Kretschmann, der mit seinen 76 Lenzen schon alle Höhen und Tiefen des CFC mitgemacht hat.

Aber mal ehrlich, ein 76jähriger als Fitnesstrainer? Schaut man sich die Fitnesstrainer der Teams an, die aktuell in der Tabelle vor dem CFC stehen, dann könnten dies alle alterstechnisch gesehen zumindest seine Söhne sein. Nun hat das Alter nicht immer was mit der Qualität der Arbeit zu tun. Wenn jedoch mit den Methoden aus den 1980er Jahren gearbeitet wird, so ist fraglich ob es möglich ist, eine ambitionierte 3. Liga-Mannschaft so fit zu halten, dass sie auch für den Saison-Endspurt gewappnet ist.

Ist es denn Zufall, dass der CFC zum Ende der Saison 2016 8 der letzten 9 Spiele gewinnen konnte. Ist das nur möglich, weil der neue Trainerbesen #Köhler so ordentlich durchgekehrt hat? Oder liegt es vielleicht doch daran, dass im Bereich der Fitness eine andere Grundlage vorhanden war?

Es ist eine abgedroschene Fußball-Weisheit, dass die Trainer kommen und gehen. Aber wie wäre es, wenn zumindest der Stab um den Trainer, also Torwart-Trainer, Physiotherapeuten, Mannschaftsarzt und der Fitnesstrainer feste Größen in einem Verein sind? Ist das nicht ein Modell für den CFC?

Nur die ganz großen Trainer wie #Guardiola #Klopp #Mourinho #Ancelotti haben die Reputation ihre eigenen Leute mitzubringen. Die trainieren allerdings auch „nur“ die Weltklubs und die wiederum haben das nötige Kleingeld.

Das ist ja bekanntermaßen bei den Himmelblauen nicht gerade im Überfluss da. Also was macht man als Verein, wenn das Geld knapp ist? Man setzt z.B. auf den Nachwuchs, um evtl. später durch die Transfererlöse eine bessere Finanzbasis zu schaffen. Aktuell kommen drei Spieler aus dem 21köpfigen Kader aus dem eigenen Nachwuchs. Positiv formuliert: Die Nachwuchsarbeit ist noch ausbaufähig.

Nun sind diese Ideen nicht der Weisheit letzter Schluss und als Beobachter und Fan lässt sich das eh immer viel einfacher daher sagen. Zudem lassen sich diese auch nicht sofort umsetzen und die #FrüchteDerArbeit können erst später geerntet werden #Klugscheißer#3.

Daher ist es umso wichtiger, dass der CFC sich strategisch neu aufstellt. An einem Bahnhof zwischen Leipzig und Chemnitz steht noch: Alle Kraft dem Fünfjahr-Plan! 🙂

In diesem Sinne: Rechnerisch gesehen ist, dass unter den Fans nicht ganz unumstrittene Ziel Aufstieg noch möglich, auch weil bisher die anderen Teams für den CFC gespielt haben. Darauf verlassen können sich die Himmelblauen aber nicht.

Die vom CFC ausgerufene Ticket-Aktion lautet: „Wir stehen hinter euch“. Das werden die Fans auch wieder tun #VorwärtsImmerWeiter

By Nino

 

The Fight of the Tiger…Kommentar zu Stefan Effenberg beim SC Paderborn.

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Nach der 0:4 Heimpleite gegen den zweiten FCK des Landes…aus #Kaiserslautern und dem damit 11.ten Spiel ohne Sieg in Folge standen alle Zeichen auf eine Trennung von Trainer Stefan Effenberg und dem SC Paderborn. Das Ostwestfalen-Derby gegen Arminia Bielefeld wurde zum Endspiel ausgerufen. Dieses endete zwei zu zwei unentschieden. SC-Präsident Finke sprach Effe überraschenderweise eine Jobgarantie aus. Ach, wie ich dieses Wort mag. Es wird vor allem in Vereinen von unruhigen Präsidenten oder Aufsichtsratsbossen benutzt #Hamburg #Stuttgart #Schalke. Es ist das Merkel’sche „Sie haben mein volles Vertrauen“. Auch die folgende Niederlage gegen den Tabellenführer aus Leipzig führte zu keiner Entlassung. Nun müssen die Sprüche auf Kosten des „Tigers“…zahnloser Tiger…der Tiger brüllt nicht mehr…der Tiger ohne Biss…dem Tiger wurden die Krallen gestutzt, eben warten. Jetzt heißt es: Der Tiger kämpft. Er kämpft verbissen um den Verbleib in Paderborn. Schwierige Zeiten für den Trainer-Novizen Effenberg.

Dabei begann die Beziehung zwischen ihm und dem SC doch soooo harmonisch. Beim ersten Date traf er sich noch allein mit dem Geschäftsführer Sport Micha Born. Für das zweite Date verabredeten sie sich direkt auf Mallorca, im Haus von Präsident Wilfried Finke, der gleichermaßen dem Charme von Effe erlag. „Die Chemie passt!“ war das Resümee des, vielleicht 11-Minütigen, Kennenlernens. Zack-fertig war sie, die zweitklassige Trainer-Sensation. Dass es für Effenberg die erste Trainer-Station ist, war für die Verantwortlichen kein Problem … „Effenberg hat einen großen Erfahrungsschatz. Er weiß mit der Situation umzugehen.“

In der Tat. Als Profi-Spieler absolvierte er 370 Bundesliga-Spieler. Zunächst spielte er in Mönchengladbach, dann beim FC Bayern München, dem folgte ein Abstecher zum AC Florenz, worauf die Rückkehr zu Mönchengladbach und anschließend wiederum zu den Bayern folgte. Zum Ende seiner Karriere erhielt er noch hochdotierte Verträge beim VfL Wolfsburg und zu guter Letzt beim Al-Arabi Sports Club in Katar. Er hat u.a. mit dem FCB, neben drei Meisterschaften, auch die Champions-League 2001 gewonnen. Ein Winner-Typ durch und durch.

Nach seiner aktiven Laufbahn spielte Effe auf anderem Terrain. Hier mal eine „Suff-Fahrt“, da mal eine Pöbelei gegenüber Polizisten und immer dabei: seine Frau Claudia. Oder besser gesagt: Knutschi-Knutschi-Claudia, die keine Gelegenheit auslässt, schambefreit dem Stefan ihre Zunge mehr als ungelenk in seinen Hals zu verlegen. Was tut sie nicht alles für den Aufstieg in die C-Prominenz-Liga. Da er zu aktiven Zeiten schon immer einen Spruch auf den Lippen hatte #FreundeDerSonne verschlug es ihn auch in die TV-Experten-Branche, vornehmlich im bezahlten Fernsehen.

Dieser Seitensprung verhalf ihm auch zu einem durchaus sympathischen Einstieg in Paderborn. Denn die Medien stürzten sich begierig auf dieses Trainer-Experiment. Frei nach dem Sprichwort „Gib dem Affen Zucker“ verteilte er auf seiner 1. Pressekonferenz mit „I am the new one“ den passenden Bonbon. Nun ist Effe, der auch schon #AufSchalke gehandelt wurde, sicherlich dankbar gewesen, diese Chance zu bekommen. Er wollte nicht enden wie sein alter Hass-Buddy Loddar Matthäus, der noch vergeblich auf den ersten BL-Trainer Job wartet (und das noch eine Weile tun wird.).

Undankbar war allerdings der Zeitpunkt für den Trainer-Neuling. 7 Punkte aus 10 Spielen, 15. Tabellenplatz und die Angst, direkt von der 1. Liga in die 3. durchgereicht zu werden. Aber diese sollte nicht größer werden, denn seit Baba wissen wir wo die Party steigt. Ein Typ wie Effe liebt jedoch solche Herausforderungen. Schließlich ist Paderborn auch eine TOP-Adresse für Anfänger-Trainer. Damit kann er nur gewinnen, ohne jeden Zweifel…schließlich bin ich es, wirklich.

Dabei kommen bei ihm wohl auch keine Zweifel auf. Gestartet mit zwei Siegen gegen Eintracht Braunschweig und den 1. FC Union Berlin, folgten nur noch Unentschieden oder Niederlagen. In der Winterpause kam es dann zur ersten Bewährungsprobe, die nicht ursächlich mit dem Geschehen auf dem Rasen zu tun hatte:

Zum Ende des Winter-Trainingslagers im türkischen Belek ereignete sich ein Vorfall, der mit freundlicher Unterstützung der BLÖD zur „Penis-Affäre“ hochgeschrieben wurde. Der Spieler Proschewitz hatte sich am Abschlussabend im angetrunkenen Zustand vor Mitspielern entblößt. Ob vorderseitig und hinterseitig oder nur eins von beiden, darüber gehen die Medien-Berichte auseinander. So oder so war es ein Fehler, keine Frage…zumal er in der Lobby eines Hotels stattfand.

Jedoch wurden zu den Mitspielern noch die Mitarbeiterin einer Agentur geschrieben, die durch diese Aktion sexuell belästigt worden sein soll. Diese wiederum wies in einem Interview darauf hin, dass sie zu „keinem Zeitpunkt“ belästigt worden ist … „belästigt hat mich erst die falsche Berichterstattung“. Da war es aber schon zu spät, der Entblößer wurde zum Entlassenen.

Nicht zu spät für Effenberg. Er saß dieses Problem aus und gab am Ende die Auskunft, dass ihm die ganze Sache „persönlich verletzt hat“. Gib dem Effe ein Taschentuch! Erstaunlicherweise hat sich das nicht negativ auf sein Verhältnis mit der Mannschaft ausgewirkt. Denn hier hätte er ein Zeichen setzen können. Indem er an der Aufklärung des Vorfalls mitwirkt und alle Beteiligten zu Wort kommen lässt. Der Spieler selbst hat nämlich seinen Fehler erkannt und die Belästigte gab es nicht. Das hätte in Richtung der Mannschaft eine positive Wirkung gehabt. „Siehe da, der Trainer, der setzt sich für uns ein“. Aber nicht mit Effe. Normalerweise kippt nach solchen Vorfällen die Stimmung, wenn die Mannschaft merkt, dass der Trainer nicht für sie einsteht, dann fehlen hier und ein, zwei Promille, ähm Prozent Einsatzwillen, dann kommt in den Spielen Pech dazu (wenn man schon kein Glück hat, haha) und fertig ist die verschärfte Abstiegssituation. Diese besteht nun auch weiterhin.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Beziehung zwischen Effe und Paderborn noch bis zum Ende der Saison hält. Kämpfen kann der Tiger, keine Frage. Das Motto des Vereins #HeldenGebenNieAuf hat er sich schon zu Eigen gemacht.

Als Spieler verbinde ich mit ihm immer noch den Inbegriff des Führungsspielers. Einer, der mit einer gekonnten Grätsche eine ganze Mannschaft aufrütteln konnte. Nicht umsonst hat Effenberg die meisten gelben Karten aller Bundesliga-Spieler (laut Wiki-Peter). Einer wie Capitano Ballack, an dem sich junge Spieler orientieren konnten und der im Mittelfeld die Fäden in der Hand hatte. Heute gibt es nur noch wenige solcher Spieler. Die Zeiten haben sich geändert, das Team steht über allem. Die Verantwortung wird auf alle Schultern verteilt.

Die Jobgarantie von Präsident Finke hat er jedenfalls. Da zählt das gesprochene wie das geschriebene Wort. Alles Ehrenmänner in Paderborn. Dabei ist dieser Finke ja auch so eine besondere Spezies Fußball-Funktionär. Schaffte er es doch tatsächlich in der Halbzeitpause des Spiels vs. Kaiserslautern ein Interview mit der Bild-Zeitung zu führen. Von Mallorca aus. Seine aufmunternden Worte: „Mit dieser Leistung werden wir die Klasse nicht halten. In der Konstellation wird es schwierig, weiter zusammenzuarbeiten“. Ich bin mir nicht sicher, ob er das mit der umgekehrten Psychologie vollends verstanden hat.

Mit solchen und anderen Baustellen wird sich Effe und sein Team rumschlagen müssen, um das Ziel für das er geholt wurde, #Klassenerhalt zu schaffen. Möge er den nötigen Biss haben.

By Nino