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Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Kommentar zum himmelblauen März und April 2018

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Im Kommentar zum himmelblauen Januar und Februar 2018 hatten wir die These aufgestellt, dass Ende April 2018 feststehen wird, ob die #MissionKlassenerhalt erfolgreich war oder als gescheitert angesehen werden muss. Aus den anstehenden direkten Duellen mit Tabellennachbarn schöpften wir die Hoffnung, dass wichtige Punkte geholt werden könnten. So wirklich gelungen ist das nicht und mühsam es wäre, diese Ergebnisse nochmal zu dokumentieren.

Es ist auch schlicht egal, denn das Zusammenspiel von sportlicher und damit einhergehender wirtschaftlicher Talfahrt führte dazu, dass die CFC-Verantwortlichen am 10. April 2018 den Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellten. Hier geht’s zum Kommentar. Am 23. April 2018 teilte dann die DFL mit, dass den Himmelblauen aufgrund dieses Antrags neun Punkte abgezogen werden. Damit steht der Abstieg nun fest und der schwere Gang in die 4. Liga muss leider begonnen werden.

Auch wenn es noch kleine Funken der Marke Resthoffnung gibt. Diese speisen sich aus Gerüchten, dass andere Vereine wie der Karlsruher SC Probleme mit der Lizenz bekommen könnte. Für den Fall, dass sie nicht den Aufstieg in die 2. Liga schaffen würden. Oder der 1. FC Kaiserslautern, bereits erster feststehender 2. Liga-Absteiger soll evtl. auch Probleme mit der Lizenz für die 3. Liga bekommen. Ebenso wie SV Darmstadt 98. Die Lizenz-Gerüchteküche brodelt zwar ordentlich, die CFC-Verantwortlichen sollten sich damit aber nicht allzu lange beschäftigen bzw. darauf hoffen, dass zwei Vereine noch zwangsabsteigen. Denn bei all dem darf man nicht vergessen, dass die sportliche Leistung auf dem Platz auch mitentscheidend ist. Im letzten Heimspiel gegen Preußen Münster durfte man sich schon fragen, ob es überhaupt bei allen Spielern für die 3. Liga reicht.

Ob es reicht? Das ist wohl eh die Frage, die alle Himmelblauen zurzeit am meisten beschäftigen dürfte. Reicht es für einen Neuanfang? Können die Gläubiger vom Insolvenzplan überzeugt werden? Nach allem was man so hört und liest, tut sich ja besonders der Vermarkter Infront schwer. Immer wieder ist von Streitigkeiten, schlechten Verträgen und Altlasten die Rede. Ohne jetzt alles schwarz malen zu wollen, zu naiv darf man jedoch auch nicht sein: Es kann auch ganz anders kommen. Das schlechteste aller Ergebnisse wäre die Auflösung des Vereins. Dann ist der Chemnitzer FC Geschichte. Neugründung, Beginn in der Kreisklasse, irgendwo weit weg vom bezahlten Fußball wären die Zukunftsaussichten.

Um dieses Szenario zu verhindern, versuchen die Verantwortlichen mit den Fans neue Kräfte zu mobilisieren. Mit Hilfe des Fanszene Chemnitz e.V. und dem AWO Fanprojekt wurde Ende April 2018 die Mitgliederkampagne unter dem Motto „Tradition erhalten – Gemeinsam – Zukunft gestalten“ gestartet. Jeder und jede Himmelblaue, der noch nicht Mitglied des CFC ist, der sollte es jetzt werden. Einen besseren Zeitpunkt zu zeigen, dass man in schlechten Zeiten zusammensteht, wird es in Zukunft hoffentlich nicht mehr geben.

So oder so werden es turbulente Monate für den CFC. November/Dezember 2018 stehen als Datum für das voraussichtliche Ende des Insolvenzverfahrens. Das sportliche Geschehen tritt da schon etwas in den Hintergrund. Im Mai 2018 stehen noch das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Magdeburg mit dem Ex-Himmelblauen Türpitz und das letzte Heimspiel gegen Hansa Rostock an. Zum Abschluss dieser vorerst letzten Drittliga-Saison nochmal zwei schöne Ostduelle. Obwohl es von denen ja in der nächsten Saison sowieso ganz viele geben wird…

Wir hoffen natürlich, dass schnell und sauber der Rucksack der Vergangenheit abgelegt werden kann und nicht weiter mit Pflastersteinen gefüllt wird. Dann kann der Marsch in die Zukunft mit einem Koffer voller Zuversicht begonnen werden. In diesem Sinne:
Für Verein und Heimatstadt.

By Baba und Nino

 

Lese-Empfehlung:

Der Drops ist noch nicht gelutscht! Der CFC und der Abstiegskampf

Kommentar zum Insolvenzantrag des CFC

Das Armutszeugnis der 1. Fußball-Bundesliga

WahnsinnBundesliga

Das Armutszeugnis der 1. Fußball-Bundesliga wurde am 32. Spieltag der Saison 2017/2018 eindrucksvoll abgelegt. Was war geschehen?

Der Hamburger SV gewinnt 3:1 auswärts gegen den VfL Wolfsburg. Nach 14 sieglosen Auswärtsspielen gewinnen die Hamburger das 2te Mal (!) in dieser Saison. Den letzten Sieg in der Ferne gab es am 2. Spieltag gegen den 1. FC Köln. Die Kölner? Mittlerweile abgestiegen! Der HSV? Noch 2 Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Wie haben sie das geschafft? Drei Trainerwechsel und durch Siege gegen FC Schalke 04. Mit hoher Wahrscheinlichkeit nächste Saison ein deutscher Vertreter in der Champions-League. Der 17.te schlägt den 2ten. Eine Woche später gewinnen die Schalker im Derby gegen Borussia Dortmund (2:0), den 3.ten der Tabelle. Schalke hat 24 Punkte Rückstand zum schon feststehenden Deutschen Meister Bayern München. Der FCB übrigens als einziger verbliebener Vertreter auf europäischer Fußball-Bühne. Wie viele Punkte hat der aktuell Absteiger Köln? 22 Punkte.

Die Bayern gewinnen mit einer C-Elf 4:1 gegen Eintracht Frankfurt. Jenes Frankfurt, welches Schalke im DFB-Pokalhalbfinale mit 1:0 rausgeschmissen hat und somit im Finale auf die Bayern trifft. Frankfurt damit nächste Saison ein deutscher Vertreter in der Europa League. Nächster Gegner des Hamburger SV? Eintracht Frankfurt, zuletzt drei sieglose Spiele hintereinander.

Das sich eingefleischte HSV-Fans wie Sören jetzt wieder berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen, ist völlig verständlich. Für ihn ist der HSV mittendrin in seiner Crunchtime. Die Rothosen schwimmen auf einer Welle der Euphorie und kann Frankfurt auswärts 3 Punkte abnehmen. Dann empfangen sie zum Endspiel die Borussia aus Mönchengladbach.

Ich selbst habe gehofft, dass sie es diesmal nicht schaffen. Dass es endlich vorbei ist, mit diesem ganzen „Niemals 2. Liga“ und „Unabsteigbar“. Nach diesem Spieltag ist alles wieder offen. Auch wenn ich in solchen Fällen kein Fan von Prognosen bin, so sehe ich folgende Szenarien vor mir: Szenario 1: Der HSV schafft wieder den direkten Klassenerhalt, der VfL Wolfsburg darf wie in der letzten Saison noch in die Relegation. Szenario 2: Der HSV schafft es am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz und schafft den Klassenerhalt über diesen Umweg. Die Relegation spielen sie wahrscheinlich gegen Holstein Kiel, die am letzten Spieltag den dritten Platz erst endgültig gesichert haben. Noch völlig fertig davon, treffen sie auf einen euphorisierten HSV, der dann zweimal unentschieden spielt und aufgrund der Auswärtstorregel in der ersten Liga bleiben. Relegation, das können die Hamburger. Lewis Holtby wird sich mit stolz geschwelter Brust durchs Volksparkstadion tragen lassen. Mannschaft und Fans werden feiern, als hätten sie mal wieder die Deutscher Meisterschaft gewonnen. Allein du kannst es dir nicht ausdenken, aber wahrscheinlich wird es genauso kommen. So bitter so süß.

Was mich bei allem am meisten verwundert, ist die Tatsache, dass der HSV die Lizenz für die 1. Bundesliga bekommen hat. Ohne Auflagen. Ohne Bedingungen. Im Kicker ist zu lesen: „Das abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 hatten die Hamburger mit einem Minus von 13,4 Millionen Euro abgeschlossen. Die Verbindlichkeiten hatten mit 105,5 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht.“ Wie ist es möglich, dass aufgrund solcher Voraussetzungen der HSV die Lizenz bekommt? Die Wette auf die Zukunft heißt höhere Einnahmen „durch Transfererlöse oder übermäßigen sportlichen Erfolg, zum Beispiel im DFB-Pokal„. Allein dafür: Respekt HSV.

Seitens der DFL wird den Hanseaten wohl so einiges zugetraut, in sportlicher wie finanzieller Perspektive. Und das ist dann wahrlich ein Armutszeugnis der gesamten Bundesliga. Es spricht ja nicht für die Ausgeglichenheit der Liga, wenn der 17.te den 2ten schlägt, sondern für fehlende Qualität. Nach 7 Siegen, 7 unentschieden und 18 (!) Niederlagen ist der HSV nach dem 32. Spieltag rechnerisch immer noch in der Lage die Liga zu halten. Eine Tatsche, die von vielen Experten geflissentlich übersehen wird.

Am Ende twittert der HSV wohl wie 2017: „Tick Tack, wir gehen euch weiter auf den Sack!  #therewillbehaters #immerersteliga“. Danke, Bundesliga!

By Nino

 

Willkommen in der HSV-Crunchtime Teil 2

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Moin moin Freunde des Fußballs,

nach der unglücklichen 2:0 Niederlage gegen die TSG Hoffenheim folgte ein immens wichtiger 1:0 Sieg gegen den SC Freiburg im heimischen Volksparkstadion.

Nun stehen 25 Punkte zu Buche und in der dritten Woche der HSV-Crunchtime kommt es zum Nordduell gegen den VfL Wolfsburg. Dieser hat gegen Borussia Mönchengladbach eine empfindliche 0:3 Auswärtsniederlage einstecken müssen. Klar, dass sie vor heimischen Publikum auf Wiedergutmachung aus sind. Klar, dass sie sich nicht weiter in den Abstiegsstrudel hineinziehen lassen wollen. Oh Moment, da sind sie ja gerade endgültig angekommen, haha. Genau wie der SC Freiburg, der sich allerdings mit den Wirren des Abstiegskampfs auskennt.

Wir, die Hamburger kennen uns damit auch bestens aus. Es ist uns hinlänglich bekannt, mit dem Dauerdruck umzugehen. Daher wissen wir auch, wie wir die Wiedergutmachung der Wolfsburger zu verhindern wissen. Auch wenn wir gegen unseren Relegationshelden und Ex-Trainer Bruno Labbadia spielen werden, so haben wir für solche Sentimentalitäten mindestens 90 Minuten keine Zeit. Entscheidend ist auf dem Platz und da werden wir die „Wölfe“ jagen.

Was mich dabei so optimistisch stimmt? Ja ganz einfach, weil das Spielsystem unter Christian Titz immer besser zum Tragen kommt. Die offensive Spielweise, das konsequente Anlaufen und die stetig besser werdende Defensive machen es immer schwerer, gegen uns zu bestehen. Mit diesen Tugenden können wir es auf jeden Fall noch schaffen, mindestens den Relegationsplatz zu erreichen, da ja leider nicht wie in den Vorjahren alle Mannschaften für uns spielen. Die Mainzer haben mit ihrem 2:0 Sieg am letzten Spieltag gegen Freiburg vorgelegt. Egal ist daher, wie sie gegen Augsburg spielen.

So oder so, sind wir jetzt wieder richtig mit dabei. Die erste Hälfte der HSV-Crunchtime ist fast geschafft. Dass die üblich verdächtigen Sportmedien davon rein gar nichts mitbekommen haben, lässt sich daran erkennen, wie sehr sie sich in der vergangenen Woche den Kopf wegen des HSV-Abstiegs zerbrochen haben. Schon beim Aufschreiben der ganzen Szenarien wie eventuell gegebenenfalls vielleicht doch der HSV absteigen könnte, müsste den Schreiberlingen doch aufgefallen sein, dass dies alles unrealistischer Bullshit ist. Der HSV wird niemals absteigen. Niemals 2. Liga. Nur der HSV. Da wiederhole ich mich gerne, sehr oft und wenn nötig mehrmals. Bei aller Liebe zu kritischen Journalismus, aber was soll das? Klicksgenerierung auf Kosten des HSV? Billiger geht’s nimmer! Selbst das wir die Lizenz für die 1. Liga bekommen haben, ist in der ganzen Miesmacherei untergegangen.

Auch wenn es wohl bis zum Spiel gegen den VfL Wolfsburg so weitergehen wird, ich lasse mich nicht davon abbringen, daran zu glauben, dass der HSV noch das Wunder von der Elbe schafft: den ersten Abstieg aus der 1. Fußballbundesliga zu verhindern. In diesem Sinne: Nur der HSV!

By Sören

P.s: wieder vielen Dank an Baba&Nino für die Möglichkeit, auf ihrem Blog meine Gedanken loswerden zu können.

Der unabsteigbare HSV – der Traum von einer Huldigung!

HamburgerSV

Es war Samstag, der 20. Mai 2017. Letzter Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga. Der Hamburger SV gewann 2:1 gegen den VfL Wolfsburg und sicherte sich den Verbleib in der Beletage des deutschen Fußballs.

In der Nacht zum Sonntag hatte ich einen Traum. Ich begegnete dort dem eingefleischten HSV-Fan Sören. Wir unterhielten uns lange über dieses letzte Spiel der Saison 2016/2017. Ich sprach ihn auf die jubelnden Spieler an. Sie feierten als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Dabei war es doch nur der Klassenerhalt. Daher wäre doch ein bisschen mehr Demut angemessener. Er sah mich erstaunt an und sagte: Wir sind der HSV! Wir sind unabsteigbar! Niemals 2. Liga! Dieser kurzen wie präzisen Antwort folgte ein weiteres, längeres Gespräch über den HSV im Gesamten. Dem Dino der Bundesliga.

Hier das Gedächtnisprotokoll dazu; denn wie es nach dem Aufwachen nach Träumen so ist. Man weiß nur noch den groben Rahmen der Geschichte, an die Details kann man sich nicht mehr in Gänze erinnern. Aber sei’s drum. Es ist der Traum von einer Huldigung an den unabsteigbaren Hamburger SV.

Nach dem VfL-Spiel kamen wir zur Saison und schauten zurück. Ich sagte zu Sören: Der HSV hat mit einem Torverhältnis von minus 28 Toren das zweitschlechteste und mit 33 Toren die zweitwenigsten Tore geschossen. Da hat der BVB’ler Aubameyang mit 31 Toren nur zwei weniger geschossen. Sören antwortete drauf: „Junge, das sind doch nur nette Statistiken. Oberste Priorität ist, dass wir effizient spielen. Mit dem geringstmöglichen Aufwand das Maximale herausholen. Am Ende zählen die Punkte. Nicht in Flensburg, sondern auf dem Tabellen-Konto. Und dabei haben wir mehr als vier andere Mannschaften gesammelt.“

Ok, Sören, teilweise hast du ja Recht, erwiderte ich. Statistiken sind im Enddefekt nur Zahlen und im Ergebnis ist es wichtig, dass man in einer besser ist als der Gegner. Nämlich bei den Toren. Das mein Versuch mit Expertenwissen zu glänzen.

Nun versuchte ich es mit einer provokanten Frage: Solche Niederlagen, wie das 8:0 gegen den FC Bayern München, sind die nicht ernsthaft zweitligareif? „Haaa“, rief Sören. „Die Spiele gegen den FC Bayern versuchen wir immer als Highlight-Spiele einzuplanen. Die Jungs von der PR-Agentur Jung von Matt haben gesagt: Da muss was besonders passieren, das gibt‘s die meiste Promotion, Clicks, Videos, Memes, alles was das Werber-Herz begehrt! Die Legende vom Nord-Süd-Schlager. So wie früher. Und dann das: Ein 8:0! Besser ging es fast gar nicht. Das ist doch was Besonders. Und du siehst, das können wir uns auch noch leisten. Torverhältnis hin oder her. Denn: Wir sind der HSV! Wir sind unabsteigbar! Niemals 2.Liga!

Ich merkte so langsam, der Sören, der ist wirklich ein Fan. Im wahrsten Sinne dieses Wortes: Fanatisch. Er weiß wie man die richtigen Worte findet. Mein Einwurf, dass der HSV seit Jahren am Geldtropf von Milliardär Klaus-Michael Kühne hängt, konterte er gelassen mit: „Ach komm schon, was weißt du denn schon. Der Klaus-Michael, das ist und bleibt unser größter Fan. Er wird uns immer das nötige Kleingeld zukommen lassen. Sein, ähm der HSV ist seine Herzensangelegenheit. Wenn die Schreiberlinge schreiben, dass das Geld nicht überwiesen werden sollte, dann wissen wir längst, dass das nur ein Ablenkungsmanöver ist. Es reicht schon, wenn eine Zeitung über dieses Gerücht berichtet. Die anderen springen auf den HSV-Zug auf und schon haben wir wieder Medienpräsenz. Dieser Automatismus, davon haben uns die Jungs von Matt abends an der Theke bei einem Astra erzählt, klappt immer. Immer. Und wie du sicherlich schon gelesen hast, hat der Klaus-Michael kurz vor der Abgabe der Lizenzierungsunterlagen noch ein paar mehr Anteile am HSV gekauft. Er hat es also wieder gemacht. Und ich versichere dir: es wird es wieder tun. Diese Geldquelle wird niemals versiegen. Nie! Denn du weißt und da wiederhole ich mich gerne: Wir sind der HSV! Wir sind unabsteigbar! Niemals 2. Liga!“

Langsam wurde ich stutzig. Ist der HSV vielleicht wirklich der Verein, an den man sein Herz verlieren sollte?

Ich versuchte es mit dem Blick in die Vergangenheit. Ein Blick auf die schiefgelaufenen Tatsachen: Ich zählte die Liste mit Sportdirektoren und Trainern auf, die allein in den letzten Jahren bereits beim HSV gearbeitet haben (16 in den letzten 10 Jahren). Das in der sportlichen Führung keine Kontinuität herrscht. Selbst darauf hatte Sören die passende Antwort: „Wer uns vorwirft, wir würden viele Trainer einstellen und nach kurzer Zeit wieder rausschmeißende, sagen wir: Wir sind eine Jobmaschine. Wir zahlen die besten Abfindungen. Viele Trainer können hier Erfahrungen sammeln. Wie man in einer Medienstadt wie der schönsten Stadt der Welt zurechtkommt. Wie man mit hohen Erwartungen umgeht. Für all das steht doch der HSV! Wenn dem nicht so wäre, warum will dann immer wieder einer HSV-Trainer werden. Frag mal bei Felix Magath nach. Abgesehen davon, ist der HSV für jeden Trainer eine lehrreiche Erfahrung. Und nenne mir bitte einen Verein, der das auch so in einer grundanständigen Bescheidenheit wie Beständigkeit hinbekommt?“

Ich überlegte lange und verwarf den Gedanken an eine Antwort. Dann eben das Argument mit den Spielern! Ich sagte zu Sören: Schau doch mal, wie viele Weltklasse Spieler ihr beim HSV schon hattet: Boateng, van Buyten, de Jong, Westermann, van der Vaart, Beiersdorfer und so weiter und so fort. Sörens prompte Antwort: „Ja, das stimmt ja auch alles und ist in seiner Richtigkeit nicht zu überbieten. Aber was zählt ist doch, dass sie mal Teil der HSV-Familie waren. Wir schauen gern zurück und erinnern uns. Das ist doch eine tolle Mannschaft. Ok, die spielen zwar jetzt nicht zusammen, aber allein die Vorstellung, da kriege ich schon ein feuchtes Höschen.“

Oki doki, dachte ich mir. Bevor das noch weiter feucht wird, lieber den Schwenk auf ein anderes, jedoch ähnliches Thema schaffen. Ich verwies auf die alljährlichen Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Nach dem Motto: Mit mehr Geld und weniger Verstand. Die gekauften oder geliehenen Spieler passten immer in das gleiche Schema: Bei ihren Vorgänger-Clubs waren sie die Eckpfeiler des Erfolgs. Jetzt, nach ein paar Spielen mit der Raute in der Brust, da spielen sie meist nur wie der Schatten ihrer Selbst.

Auch diesmal schaute mich Sören verwundert an und fragte: „Hast du mir gerade nicht zugehört? Es geht doch darum, wer alles bei uns schon mal gespielt hat. Außerdem verdienen die Spieler hier richtig viel Geld. Damit können mehrere Familien ernährt werden. Jahrelang. Frag mal bei den Lasogga’s nach! Außerdem und wie schon erwähnt: Wir schwelgen gern in Erinnerungen! Und wenn die Spieler ein Formtief haben, dann kaufen wir eben in der Winterpause noch mehr Spieler ein. Oder wechseln den Trainer. Oder den Sportdirektor. Oder den Vorstandsvorsitzenden. Und warum das alles, wirst du dich sicherlich fragen? Weil wir es können! Zugegeben, manchmal ist das vielleicht anstrengend. Aber der Klaus-Michael, der hat uns nie im Stich gelassen. Und wenn du mich schon so provokant fragst, dann frage ich mal zurück: Warum haben die anderen Vereine keinen so großen Fan wie den Klaus-Michael? Jeder Verein sollte einen Klaus-Michael haben!“

Ich zog meine Augenbraue hoch und stellte fest: Eine wirklich provokante Frage. Ich fühlte mich herausgefordert und wollte weiter den argumentativen Zweikampf suchen. Ich raufte mich zusammen und erzählte Sören davon, dass für mich der Fußball-Gott gestorben ist, als der HSV gegen den Karlsruher SC in der Relegation gewonnen hat. Ich fand das alles schrecklich unfair. Sören schaute mich gutgläubig an und sagte: „Ach weißt du: Glaub nicht an den Fußball-Gott. Glaube zuerst an dich! Dann an deine Mitmenschen. Dann ist an alle gedacht.“

Ich verzog schon wieder meine Augenbraue und vermutete mich in einem Esoterik-Seminar für FDP-Politiker. Nun gut, dann eine weitere Provokation meinerseits. Ich erzählte ihm, dass schon Nachrufe über den HSV geschrieben wurden. Sören, die scheinbare Lässigkeit in Person zog an seiner Rothose und konterte: „Ohha, ein Nachruf. Totgesagte leben länger. Hat auch schon die Stern-Stimme Köster geschrieben. Da stehen wir drüber. Wir sind der HSV! Wir sind unabsteigbar! Niemals 2. Liga!“

Er war einfach nicht davon abzukriegen, positive Energie zu verschenken. Der Sören war ein Fan, so wie er wohl im Lehrbuch steht. Bedingungslose Liebe und Hingabe. In guten wie in schlechten Zeiten.

Schlechte Zeiten. Die letzte Vorlage für letzte Fragen: Was ist, wenn der HSV wirklich mal aus der 1. Liga absteigt? Wenn die Relegationsspiele nicht über die Auswärtstor-Regel oder diskussionswürde Schiedsrichterentscheidungen in der Nachspielzeit geholfen haben? Wenn der HSV nicht mal mehr das Glück auf seiner Seite hat?

Sören holte tief Luft. Wirklich ganz tief Luft. Ich hatte dabei das Gefühl, dass er diesen Gedanken ein wenig kreisen lassen wollte. Aber nichts dergleichen. Nur Sekunden später sprudelte es aus ihm heraus. Jeder Satz so geschmeidig wie ein junger Leopard:

„Hamburg ist die schönste Stadt der Welt! Der HSV hat die besten Fans der Welt! Stadion? Jedes Mal ausverkauft! Ausverkauft! Absteigen? Wir schaffen das nicht! Euer Hass ist unser Stolz! Wir brauchen die 1. Liga nicht! Die erste Liga braucht den HSV!“

Ich versuchte Sören zu beruhigen, aber er ließ nicht locker. „Wir sind der HSV! Wir sind unabsteigbar! Niemals 2. Liga! Ende! Aus! Kapier es endlich!“

Ich sagte: Sag niemals nie! Und wachte auf.

By Nino