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Himmelblaue Fassungslosigkeit

WahnsinnBundesliga

Nach dem ich Anfang April über die Geschehnisse am und nach dem 9. März 2019 und deren Aufarbeitung nur noch wütend war , so machen einem die neuesten Entwicklungen beim Chemnitzer FC nur noch fassungslos. Nach jeder Meldung bleibt man erstmal sprachlos zurück und hofft, dass irgendjemand den Stopp-Button drückt, um die himmelblaue Eskalation zu beenden.

Den Anfang machte die Stellungnahme des CFC-Notvorstandes, in der dieser u.a. den Insolvenzverwalter Klaus Siemon der Lüge hinsichtlich der Beteiligung an oben stattgefundener Trauerzeremonie bezichtigt. Eine interessante Wendung und sofern dann auch so von der Staatsanwaltschaft eingeschätzt, wäre das eine Bankrotterklärung in Sachen Glaubwürdigkeit für Herrn Siemon. Soweit ist es aber noch nicht und daher wurde von ihm die Zeit genutzt, von dieser Aktion mit einer Reaktion in Form des Antrags auf Masseunzulänglichkeit des Chemnitzer FC e.V. abzulenken. „Eine Insolvenz in der Insolvenz“ steht einem Insolvenzverwalter an sich nicht wirklich gut zu Gesicht. Aber vielleicht steckt dahinter ja ein viel größerer Plan, den nur er kennt. Nicht viel scheint er aber von dem Fußball-Verein zu wissen, den er gerade offensichtlich völlig instinktlos sanieren soll. Anders kann ich mir die ein paar Tage später unangekündigten Kündigungen der Nachwuchstrainer nicht erklären. Hinter den Planstellen stehen immer noch Menschen. Und da es um den Nachwuchs geht, kochen die Emotionen verständlicherweise noch ein wenig höher.

Um das Emotionsfass dann aber zum Überlaufen zu bringen, bedurfte es noch der Entlassung des Mannschaftskapitäns und Publikumslieblings Daniel Frahn wegen massiv vereinsschädigenden Verhaltens. Als massiv vereinsschädigend wird die „offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ und der aufgelösten Gruppe „NS-Boys““ angeführt. Zur Begründung des CFC wurde die gemeinsame An-und Abreise zum Auswärtsspiel gegen den Hallenser FC mit oben genannten Köpfen angeführt.

Im ersten Moment dachte ich: „Was für eine Scheiße mit Frahn. Das können die doch nicht machen!“ Mit die, sind die Gesellschafter bzw. die CFC Fußball GmbH gemeint. Vor allem der Stil der sofortigen Trennung wirkt teilweise völlig unangemessen. Den Teil „Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr.“ hätte man sich wirklich sparen können. Man denkt halt dann auch nicht mehr die paar Schritte weiter, die vor dem Eingang des Arbeitsgerichts enden könnten.

Umso länger ich jedoch darüber nachdenke, umso verwirrender ist die ganze Situation. Letztes Jahr ist Frahn beim CFC geblieben, obwohl er hätte woanders spielen können und mehr verdient hätte. Warum soll er jetzt gehen? Vielleicht weil die ganzen Jahre nur Unruhe im Verein war und weiterhin ist? Selbst mit dem Aufstieg bzw. der Rückkehr in die 3. Liga und dem Sachsenpokal-Gewinn ist keine richtige Euphorie entstanden. Und dann noch einen ordentlichen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. Aber darum soll er jetzt gehen? Das macht keinen Sinn. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Ein streitbarer Typ war Frahn auf dem Platz schon immer. Sportlich gesehen hinterlässt er eine riesen Lücke.

Derweil drehte sich das kuriose-Meldungen-Kreisel weiter. Nun bot sich ausgerechnet der Aue Präsident Helge Leonhardt an, um den CFC-Nachwuchs zu retten. Mein ehemaliger Nachbar (glühender Aue-Fan) erzählte mir oft und gerne, dass früher die besten Auer-Spieler zum FCK geschickt wurden und Aue (und vor allem er) sehr darunter gelitten hatten. Die beste Gelegenheit also um alte Rechnungen zu begleichen? Nach aktuellem Stand wird dieses Szenario aber nur ein feuchter Schacht-Traum bleiben. Denn „glücklicherweise“ wollen sich jetzt die CFC Fußball GmbH auf der einen Seite und ein Bündnis aus verschiedenen Vereinen u. Institutionen aus Chemnitz auf der anderen Seite um den Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums kümmern. An sich schön, dass wenigstens zu viele Leute als zu wenige Leute auf dieser himmelblauen Baustelle stehen.

Für positive Nachrichten könnte der CFC in der 1. Runde des DFB-Pokals sorgen. Vor einer wahrscheinlich ausverkauften Fischerwiese treffen die Himmelblauen auf den bisherigen Chaos-Club Nr. 1 aus Deutschland. Mit dem sportlichen Fehlstart ist der CFC zumindest in dieser Kategorie mit dem Hamburger SV auf Augenhöhe.

Die himmelblaue Hoffnung stirbt zuletzt, dass der CFC sich nur sportlich mit dem HSV auf Augenhöhe begegnet.

By Nino

Hinweis auf Richtigstellung:

In der ersten Version dieses Textes ist mir ein Fehler unterlaufen. Bei der Vorbereitung habe ich ein in der Lokalpresse veröffentlichtes Bild als Grundlage zur Beschreibung eines Sachverhalts genutzt. Dieser wurde jedoch meinerseits unbeabsichtigt falsch dargestellt. Ich wurde dankenswerterweise von zwei Lesern auf den Fehler hingewiesen. Ich bedaure diesen und möchte hiermit bei den Beteiligten um Entschuldigung bitten. Der Text wurde entsprechend aktualisiert.

 

 

Kommentar zum himmelblauen August, September und Oktober 2018

stadioneingang

Drei himmelblaue Monate können bisweilen verdammt lang sein. Aber die Uhren ticken beim Chemnitzer FC nicht schneller oder langsamer. Es ist der Takt der Ereignisse, der den Eindruck erweckt, dass entweder Stillstand beim CFC herrscht oder das Tempo der Erneuerung für einige zu schnell ist.

Dabei haben nur zwei Themen die himmelblauen Monate August, September und Oktober 2018 beherrscht. Zum einen diese fulminante Rekordserie von 14 Siegen in der Regionalliga-Nordost. Dazu kommt noch der 17:1 Testspiel-Sieg gegen ESV Eintracht Thum-Herold. Die 2:3 Testspielniederlage gegen den FSV Zwickau wird mal eben still und leise unter den Teppich gekehrt.

So ergeht es gelegentlich auch dieser jetzt schon historischen Leistung, die unter dem Getöse rund um das andere Thema, dem Insolvenzverfahren, unterzugehen droht. Daher lohnt es sich noch mal diese Siegesserie nachzuvollziehen:

2:0 Heimsieg vs. BFC Dynamo, 2:1 Auswärtssieg vs. SV Babelsberg 03, 3:0 Auswärtssieg vs. Rot-Weiß Erfurt, 2:1 Heimsieg vs. VfB Auerbach, 4:2 Auswärtssieg vs. Germania Halberstadt, 2:1 Auswärtssieg vs. VSG Altglienicke, 3:1 Heimsieg vs. Berliner AK 07, 1:0 Auswärtssieg vs. Budissa Bautzen, 3:1 Heimsieg vs. 1. FC Lok Leipzig, 4:0 Auswärtssieg vs. Optik Rathenow, 2:0 Heimsieg vs. Wacker Nordhausen, 3:1 Auswärtssieg vs. Hertha BSC II und der 4:0 Heimsieg vs. FC Oberlausitz Neugersdorf.

Macht insgesamt 42 Punkte, bei einem Torverhältnis von 38:10 Toren. Beste Offensive, beste Defensive. Vorzeitiger Herbstmeister. Dazu kommen noch die Siege im Sachsenpokal, 3:1 vs. Kickers Markleeberg (3. Runde) und im Achtelfinale der 4:2 Sieg gegen den FC 1910 Lößnitz. Mit dem Abstieg hat der CFC wohl nix mehr zu tun und die Chancen auf den Sachsenpokalsieg wurden weiter gewahrt. Sportlich könnte es also um einiges schlechter laufen.

Um diese sportliche Leistung Bilanz weiter einzuordnen, reicht nur der Blick ein Jahr zurück. Da hatten wir im himmelblauen Kommentar September und Oktober 2017 nach 14 Spieltagen in der dritten Liga festgehalten: „14 Spieltage sind absolviert, der CFC steht mit 16 Punkten (von 42 Möglichen) auf Rang 12. 4 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen, negatives Torverhältnis von minus zwei (19:21 Tore).“ und „im Sachsenpokal war beim VfB Auerbach im Achtelfinale Schluss (1:2).“

Rein sportlich gesehen, kann es also sehr schnell anders laufen. Es könnte alles so schön himmelblau sein. Das Fan-Herz könnte wahrlich im Takt des Erfolges tanzen. Warum kann man sich immer nur so halb freuen und die „Spitzenreiter, Spitzenreiter-Gesänge“ nicht im vollen Brustton der Überzeugung geschmettert werden? Fast ist man geneigt, höhere Mächte könnten hier am Werk sein.

Und damit sind wir beim zweiten Thema, dem Insolvenzverfahren. Die Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beim CFC gestaltet sich zunehmend schwieriger. Nach dem neusten Stand des Verfahrens fehlen noch 493.000 Euro im Budget und die Suche nach dem nötigen Geld wurde eifrig begonnen, freilich nicht ohne Nebengeräusche. Und wie im Leben ist es so: Beim Geld hört der Spaß und die Freundschaften auf. Das Insolvenzverfahren brachte zum Erschrecken und Erstaunen aller Beteiligten so einige Ungereimtheiten ans Tageslicht. Mittlerweile hat man das Gefühl, dass alle Beteiligten im Glashaus sitzen und eigentlich nicht mit Steinen werfen sollten. Das Geplänkel im Klein-Klein erschwert den klaren Blick auf die Zukunft. Mehr denn je stellt sich doch die Frage, was der CFC, seine Mitglieder/Fans und Sponsoren jeweils einzeln sowie gemeinsam wollen. Die Einstellung des Spielbetriebs wohl nicht. Soviel sollte sicher sein. Beim Weg das zu vermeiden, sind die Richtung und die Mittel unterschiedlicher Natur. Nun sind im Insolvenzverfahren die Zuständigkeiten klar verteilt. Das (letzte) Wort hat der Insolvenzverwalter. Damit eingehergehend auch die Verantwortung.

Neben dem Platz steht noch eine Menge Arbeit an. Das liefert sehr viel Gesprächsstoff und auch wir haben uns, z.B. mit der Kommentierung des Sanierungskonzepts des CFC-IV ausgiebig dran beteiligt. Auf jeden Fall in dem Bemühen, wenigstens das ganz Schreiben zu analysieren, wohlwissend das Nino kein Experte im Insolvenzrecht ist. Daher muss man selbstkritisch einschätzen, dass eine vollumfängliche Einordnung nicht möglich ist. Da sind dann die örtlichen Sportjournalisten gefragt. Ob sie denn wollen oder nicht. Oder können. Eine kritische Begleitung und der Blick von außen muss allerdings jederzeit möglich sein.

Bis zum Jahresende 2018 stehen in der Hinrunde der Regionalliga Saison 2018/2018 noch die Duelle gegen den 17.ten ZFC Meuselwitz, den 8.ten FC Viktoria 1889 Berlin sowie den 16.ten Bischofswerdaer FV 08 an. Rein tabellarisch gesehen, verfällt man leicht an den Gedanken, dass das Selbstläufer sind. Zu den 42 würden sich 9 weitere Punkte gesellen und die Rekordserie wäre auf 17 Siege ausgebaut. Die Einstellung wäre aber fatal, denn wer nachlässt, der hat schon so gut wie verloren.

Der Wechsel von guten und schlechten Nachrichten vollzieht sich auch in der CFC-Familie. Eine verloren gegangene Stütze ist wieder an die Gellertstraße zurückgekehrt. Die ehemalige Pressesprecherin N. Oeser wird den CFC wieder, vor allem bei der strategischen und konzeptionellen PR- und Medienarbeit, unterstützen. Eine schlechte Nachricht musste der CFC mit dem Ableben von FCK-Meisterspieler A. Müller verkraften. Mit einer Gedenkminute wurde ihm vor Anpfiff des Heimspiels gegen FC Oberlausitz Neugersdorf würdevoll gedacht. In solchen Momenten wird einem auch immer wieder klar. Fußball ist nicht alles und nur ein Spiel. Dafür ab und zu eine verdammt ernste Sache.

By Baba und Nino

 

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 3

Euro

Nach Teil 1 und Teil 2 des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC-IV folgt nun der dritte und letzte Teil. Dieser beschäftigt sich mit der Analyse des letzten Punkts „5. Die Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz“, mit dem Insolvenzverwalter K. Siemon Lösungen präsentiert, wie der Chemnitzer FC mit Hilfe der Stadt Chemnitz aus seiner misslichen Lage herauskommen kann.

Der Abschnitt umfasst 5 Seiten und zu Beginn wird gleich der nächste Hammer ausgepackt. Neben den schon fehlenden 493.000 Euro soll zur Risikoabdeckung weiteres Geld zum CFC fließen. Insgesamt macht das für das Jahr 2018 exakt 750.000 Euro. Sofern der CFC in die 3. Liga aufsteigt, soll der Zuschuss dann 1,25 Millionen Euro betragen. Dazu verpflichtet sich der CFC im Stadion Chemnitz in der laufenden Saison anzutreten und einen „Katalog der Gegenleistungen“ (insgesamt neun an der Zahl) zu erfüllen. Ohha, das Beste folgt immer zum Schluss, das kann man auch von diesem Schreiben behaupten. Wobei das Beste hier wohl eher für das provokativste steht.

Im Rahmen seiner Begründung, für die erneut dringend notwendige Finanzspritze, werden die Geschehnisse um den gewaltsamen Tod von Daniel H. Ende August 2018 ins Spiel gebracht. Das wirkt nicht nur aufgrund des Themenwechsel sehr eigenartig.

Die Schilderung seiner Aktivitäten, die Berichterstattung „zu korrigieren“ verdienen jedoch Anerkennung. Für viele Fans ist er ja die Hauptschuldige und wenn er über Wasser laufen würde, dann würde sie ihm vorwerfen, dass er nicht schwimmen kann. Hier hat er sich aber wirklich ins Zeug gelegt und im Sinne des CFC gehandelt.

Der Bogen wird aber leider mit dem Thema Rechtsradikalismus überspannt. Herr Siemon wäre hier klug beraten, wenn er die abscheulichen Vorkommnisse nicht auch noch für seine Zwecke instrumentalisiert. Das haben u.a. schon der BAK-Präsident Han zur Genüge getan und die Blamage folgte nicht nur auf sportlichem Fuße. Im Gesellschaftervertrag der CFC GmbH soll sogar darauf Bezug genommen werden. Dabei würde der Satz, der auf die Bezugnahme folgt, völlig ausreichen: „Zugleich wendet sich die CFC GmbH gegen jede Form von politischen und religiösem Extremismus“. Damit werden alle Seiten einbezogen und nichts kann und soll verharmlost werden.

Im Ergebnis seiner Argumentation könnte dann auch der Stadionname „Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness“ heißen. Nunja, inhaltlich konsequent, aber für ein Fußballstadion doch eher ungewöhnlich. Dabei gibt es genug andere Möglichkeiten, seine Haltung bzw. die der Himmelblauen zu zeigen. Die Möglichkeiten der Abkürzungen wurden auch von seinen Kritikern genutzt. Schnell machte die „Lösung“ WTF-Arena die Runde. Eine wohl eher unfreiwillig komische Einlage.

Bei allem Spaß muss hier aber darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein sensibles Thema handelt. Es gibt wahrlich genug Namen für das Stadion und eigentlich sollte mit einer Jury bis Ende des Jahres ein passender gefunden werden. Ich kann nur hoffen, dass dies ein Ablenkungsmanöver ist und das die Fans, nicht nur bei dieser Thematik, mit einbezogen werden.

Sofern die Stadt Chemnitz und deren Stadträte dem Vorschlag von Herrn Siemon nicht zustimmen, schlägt dieser vor, die Ticketpreise um 75% zu erhöhen. Nach Ansicht dessen würde es aber gerade „die Besucher des Stadions treffen, die ohnehin schon hohe Eintrittsgelder zu zahlen haben und damit überfordert wären“. Hohe Eintrittsgelder? Das sind für mich die Plätze auf der VIP-Tribüne. Diese Besucher könnten dann schon ein bisschen mehr bezahlen. Jeder trägt nach seinen Möglichkeiten zum Stadionerlebnis bei. Vereinfacht gesagt: Die einen machen Stimmung, die anderen zahlen ein wenig mehr.

Nimmt man mal diese Polemik beiseite, ist die Erhöhung der Eintrittsgelder gar keine so schlechte Idee. Die Möglichkeit sich nur irgendwie von der Stadt und seinen Räten unabhängig zu machen, sollten doch genutzt werden. Wie wäre eine Ticket-Patenschaft oder ein Fonds für die Eintrittsgelder? Sicherlich gibt es noch andere Optionen. Ich denke, bei einer Zweckbindung wäre die Bereitschaft sich finanziell zu engagieren um einiges größer.

Ein Spendenaufruf, bei dem man am Ende nicht weiß wo das Geld landet, wird sicherlich keine große Unterstützung finden. Die Zahlung der Mitgliedsbeiträge läuft ja jetzt schon schleppend. Wohl auch deswegen, weil die Mitglieder nicht wissen, ob das Geld nicht in der Insolvenzmasse untergeht.

Letztendlich dienen die Vorschläge von Herrn Siemon dazu, die Stadt Chemnitz unter Druck zu setzen bzw. zumindest die Möglichkeiten einer erneuten finanziellen Unterstützung auszuloten. Alle Optionen zu prüfen ist grundsätzlich legitim, es kommt allerdings auch hier wieder darauf an, wie die Botschaft überbracht wird. Nach den aktuellen Entwicklungen sieht es wohl eher nicht danach aus, dass sich die Stadt Chemnitz auf eine erneute Hilfe einigen kann. Die Mehrheit der 60 Abgeordneten des Chemnitzer Stadtrats hat sich in einer gemeinsamen Presseerklärung gegen weitere Zuwendungen an den Chemnitzer FC ausgesprochen. Das Signal an den IV: kein weiteres Steuergeld für den CFC. Einen Vorteil hätte das zumindest: Das Ende des elendigen Spiels, die Förderung andere Sportarten und den kulturellen Angeboten in der Stadt gegeneinander auszuspielen. Im Umkehrschluss heißt das dann aber auch, dass der CFC jetzt noch mehr in Zugzwang ist, sich für Investoren zu öffnen und/oder neue Geldquellen ausfindig zu machen. Man kann also davon ausgehen, dass nicht wie bisher nur ein Investor bei der CFC Fußball GmbH einsteigen wird.

Wie es nun weitergehen wird, das steht in den himmelblauen Sternen. Dabei sind z.B. noch die Fragen offen, ob sich die Stadt wirklich ein ungenutztes Stadion leisten kann und/oder will? Oder ob Herr Siemon mit seiner Forderungen vielleicht „nur“ den Preis in die Höhe getrieben hat, um dann in Verhandlungen mit der Stadt realistische Forderungen einzubringen?

So oder so steht ein weiteres Kapitel im Chemnitzer Insolvenz-Theater an. Ich hoffe allerdings, dass dieses mit weniger Emotionen und Nebengeräuschen aufgeführt wird. Die Zukunft des CFC steht nun wieder mehr denn je in Frage.

By Nino

Lese-Empfehlung:

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 1

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 2

Kommentar zum Sanierungskonzept des CFC-IV…Teil 1

Fragen

Mit einem 19-seitigen Schreiben an die Stadträte der Stadt Chemnitz hat der Insolvenzverwalter K. Siemon ein neues Kapitel in der Aufführung des Chemnitzer-Insolvenz-Theaters aufgeschlagen. Die örtlichen Medien überschlagen sich erwartungsgemäß mit populistischen Schlagzeilen. Die BILD schaffte es z.B., die ganze Thematik auf das Thema des Stadionnamens, zu reduzieren. Aber hey, was will man gerade von der BILD auch erwarten?

Ganz in ihrem Sinne bzw. Motto entsprechend, ist es daher den Versuch wert, sich seine eigene Meinung über dieses Schreiben und den Intentionen von K. Siemon zu bilden. Dazu bedarf es einer Analyse, Seite für Seite, Thema für Thema. In diesem ersten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept geht’s mit den ersten beiden von insgesamt fünf Punkten los. Das Schreiben vom 18. Oktober 2018 gliedert sich wie folgt:

1. Insolvenzursachen
2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen
3. Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg
4. Das Budget
5. Die Neuordnung des Verhältnisses zur Stadt Chemnitz

Unter Punkt „1. Insolvenzursachen“ wird eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die auf Grundlage des Berichts zur Gläubigerversammlung erstellt wurde, geliefert. Den Gläubigern dürfte das also bestens bekannt sein. Die Ursachen der Insolvenz werden mit den nachfolgenden Punkten konkretisiert:

a. Vermarktung durch „Komplettvermarkter“
b. Kostensteigerung im Spielbetrieb
c. Hohe Personalkosten, insbesondere im Spielerkader
d. Hohe Kosten für die Nachwuchsförderung durch das NWLZ
e. Kaufmännische Schwächen beim CFC

Dieser Abschnitt umfasst drei Seiten und sind keine leichte Kost für das himmelblaue Fan-Herz. Auch wenn die Sachverhalte mehr oder weniger bekannt sind, werden hier nochmals einige der Gründe des wirtschaftlichen Niedergangs aufgrund einer langen Kette von Fehlentscheidungen verschiedenster Akteure aufgeführt. Allein diese Darstellung soll wohl dazu dienen, dass auch der letzte CFC-Fan einsieht, dass nun endlich professionellere Strukturen eingeführt werden müssen. An sich ist das auch grundsätzlich zu unterstützen. Es kommt allerdings immer auf das „Wie tue ich das“ an.

Auf das was der Herr Siemon bereits getan hat, dazu führt er unter Punkt „2. Sanierungsmaßnahmen in Bezug auf wirtschaftliche Grundlagen“ aus. Hierbei werden die bisherigen Maßnahmen zur „Neustrukturierung“ des CFC in „allen Bereichen und Abteilungen“ dargestellt:

(1) Vorstandsebene – Aufsichtsrat – Führungsstrukturen

(2) Spielerkader

(2) Geschäftsstelle

(3) Nachwuchsleistungszentrum

(4) Vertrieb / Sponsorengewinnung

(5) Spielbetriebsorganisation

(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing

(7) Merchandising

(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen

(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft

Dieser Abschnitt umfasst 5 Seiten und ist teilweise mit ordentlich Sprengkraft verbunden. Allen voran auf emotionaler Seite, wird doch der stärkste Part bzw. Sachverhalt „Hausverbot für A. Georgi und U. Bauch“ mit lediglich zwei Sätzen abgehandelt. „…die alten Führungsstrukturen des CFC nicht sanierungsfähig“. „Daraus wurden die im Verlaufe des Verfahrens die aus sanierungstechnischer Sicht notwendigen Konsequenzen gezogen“. So kann man es natürlich auch ausdrücken, wenn personelle Angelegenheiten mit der Holzhammer-Methode gelöst werden.

Hingegen sind die weiteren Ausführungen in Bezug auf die Verpflichtung des Sportdirektors T. Sobotzik in die Kategorie „Eigenlob“ einzuordnen. Herr Siemon war es ja schließlich, der Herrn Sobotzik installierte und dieser den Spielerkader zusammenstellen durfte. Abgesehen davon, muss man konstatieren, dass es unter den damaligen Umständen schon respektabel ist, dass solch eine Mannschaft zusammengestellt werden konnte. Die bisherige 13-Siege-Rekordserie in der Regionalliga Nordost tut ihr Übriges dazu.

Grundsätzlich zu begrüßen ist auch die neue Maxime „keine Leistung, ohne Gegenleistung“. Dies u.a. vor dem Hintergrund der Aussagen zu den Punkten „(6) Ticketing – VIP und Public- Ticketing“ und Punkt „(8) Betreuung der verdienten Ehemaligen“, da hier offensichtlich die Abgabe solcher Tickets unter Zudrücken aller himmelblauen Augen betrieben wurde.

Mit dem letzten Punkt „(9) Ausgliederung – Kapitalgesellschaft“ wird der bisher eingeschlagene Weg der Ausgliederung beschrieben. Alles in allem liest sich dieser Punkt so, dass die Ausgliederung alternativlos war. Gerade dies ist jedoch unter den Fans hoch umstritten und man hätte sich gewünscht, dass hier ein Mehr an Beteiligung möglich gewesen wäre. Auf der Mitgliederversammlung wird es, wenn auch spekulativ, wohl nur auf die „Friss-oder-Stirb“-Variante hinauslaufen. Und welcher Fan bzw. Mitglied will schon für den Untergang des Vereins stimmen? Aber gut, wie erwähnt rein spekulativ, da will ich mich gerne ganz groß täuschen.

Fakt ist allerdings auch, dass im ganz Kleinen auffällig wird, welche Rolle der Kaufmännischer Vorstand Herr T. Uhlig einnimmt bzw. wie diese von Herrn Siemon dargestellt wird. In den Ausführungen im Punkt „(5) Spielbetriebsorganisation“ wird darauf hingewiesen, dass er einen hohen Anteil an den Einsparungen von 1 Millionen Euro hat. „Er hat sich in allen Bereichen sehr stark eingebracht“. Nun kann das kleinkariert wirken und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein, aber für mich wirkt das schon eigenartig. Warum schreibt Herr Siemon hier nur von Herrn Uhlig und formuliert dessen Leistung im Sinne einer Beurteilung, zumal in der Vergangenheit. Vielleicht ist es das Eingeständnis, dass hier jemand wirklich vom Fach ist und nicht so einfach mit irgendwelchen Verboten von der Arbeit abgehalten werden kann. Oder alles hat ganz andere, banaler Gründe. Soviel zu den Mutmaßungen.

Im zweiten Teil des Kommentars zum Sanierungskonzept des CFC soll es um die Punkte „Das Konzept in Bezug auf den sportlichen Erfolg“ und „Das Budget“ gehen…

By Nino

 

Die Bubis der Alten Dame. Der CFC vs. Hertha BSC II

Abschluss Fans

13.ter Sieg? Erstes Unentschieden? Oder sogar erste Niederlage? Ausrutscher oder Ausbau der Rekordserie? Immer wieder diese Fragen rund um den fabelhaften Start des Chemnitzer FC e.V. in die Regionalliga Nordost Saison 2018/2019.

Neben dem grünen Platze stellen sich auch gerade eine Menge anderer Fragen. Wer ist z.B. der ominöse Investor mit dem die Gründung der Chemnitz Fußball GmbH durchgeführt wurde? Ich tippe mal auf die KPM Bau GmbH. Wie soll die Etatlücke von 493.000 Euro geschlossen werden? Ist das vielleicht nur eine eingeplante Finte des Insolvenzverwalters, die alles zukünftige Handeln als alternativlos erscheinen lässt? Die Antworten wird’s erstmal nicht geben, daher lieber Fußball, der ist zum Glück meistens auch keine so komplexe Sache wie ein Insolvenzverfahren. Der Ball muss ins Tor, um zu gewinnen, einmal mehr als es der Gegner schafft.

So stand zur willkommenen Ablenkung, nach dem mühevollen 3:1 Pokalsieg gegen die Kickers Markkleeberg, wieder der Alltag der Regionalliga an. Und in diesem gastierten die, auch in Zukunft weiterhin so heißenden, „Himmelblauen“ am 13. Spieltag bei der Nachwuchsmannschaft U23 von Hertha BSC. Der zweiten Mannschaft, den Bubis der Alten Dame. Abseits solcher Beschreibungen standen sich der tabellarisch betrachtet der aktuell Tabellendritte mit der zweitbesten Offensive gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter mit der besten Offensive gegenüber. Die zweitbeste Heim- gegen die auswärtsstärkste Mannschaft. So oder so ein Spitzenspiel. Viele Tore könnten also bejubelt werden.

Der Wettergott Petrus zeigte sich allerdings nicht von seiner besten Seite: 12 Grad bei bedecktem Himmel. Die 516 mitgereisten CFC-Fans hielten sich auch bedeckt. Stimmungsboykott war die Ansage.

Stadion Wetter

Das Spiel begann zunächst mit dem üblichen Spitzenspiel-Abtasten, bloß keine Fehler machen. Etwas offensiver waren zunächst die Herthaner, die mit ersten Torschüssen unseren Torhüter J. Jakubow prüften. Den ersten Aufreger für die Chemnitzer gab es in der 22.ten Minute. Nach Foul an D. Frahn war ein sächsisches „meine Fresse“ im ganzen Stadion zu hören. Alle Achtung dafür 😉 Der zweiter Aufreger folgte prompt. Hertha Bubi F. Egerer holte sich nach einem Foul als letzter Mann an D. Bozic den roten Karton ab. Dieser diente gewissermaßen als Initialzündung. Allerdings nicht für ein anschauliches Spiel, sondern für die weitere Verteilung von Karten. Es folgten innerhalb von vier Minuten drei Gelbe Karten, mit dem Höhepunkt der roten Karte für K. Velkow in der 42. Minute. Somit ging es 10 gegen 10 weiter. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass einige Spieler nur ihr dünnes Nervenkostüm übergestreift hatten. Fußballerisch lief es für den CFC dann auch noch schlechter. Ein erst abgewehrter Freistoß konnte nicht unter Kontrolle gebracht werden, so dass R. Morack zur 1:0 Führung traf.

Mit diesem weiteren Stimmungssenker ging es in die Halbzeitpause, in der Zeit blieb sich alkoholfreies Bier zu kaufen. Im Ernst, liebe Herthaner. Nur alkfreie Plörre im gesamten Stadion? In Berlin? Bei einem Spiel in der Regionalliga? Das war mitnichten ein Risikospiel!

Unverändert ging es in die zweite Runde, in der die Himmelblauen von Beginn an zeigten, hier noch was holen zu wollen. Eine gelbe Karte wollte auch S. Kurt, das ehemalige Supertalent des deutschen Fußballs. Eine gelbe Karte für die Blockierung des Abstoßes. Jugendlicher Leichtsinn oder erfahrene Dummheit, ich weiß es nicht so genau. Mehr Cleverness und erfrahner machte es dann unsere Sturmspitze, in dem er den vorher von N. Hoheneder herausgeholten 11er sicher verwandelte.

Frahn 11er

Im Folgenden ließen sich die Chemnitzer nicht aus der Ruhe bringen, denn es folgten die 3G der Hertha Bubis: Geschiebe, Gefoule und Gemaule. Zweiteres hörte dann zum Glück auf, denn R. Garcia packte sich ein Herz, ließ am Mittelkreis zwei Bubis aussteigen und fand Kapitän D. Grote. Dieser traf aus 16 Metern unhaltbar für J. Klinsmann zum 2:1 Führungstreffer in der 71. Minute. 4 Minuten später schaffte es D. Bozic, nach toller Vorarbeit von D. Frahn, auf 3:1 zu erhöhen. Von diesen Schocks erholten sich die Bubis nicht mehr. Die Schlussminuten wurden von Cheftrainer D. Bergner genutzt, um die Torschützen R. Garcia und D. Bozic auszuwechseln. Das quittierten die still gebliebenen CFC-Fans, außer dem dreifachen Torjubel und „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen, mit einem warmen Applaus. Publikumsliebling K. Hovi durfte ab der 89. Minute ran, konnte aber keine Akzente mehr setzen.

So blieb es beim 3:1 Auswärtssieg und dem unfassbar 13.ten Sieg in Folge. Große Freude brach dann nach Abpfiff aber nicht aus. Zumindest kam es noch zum Abklatschen der Fans mit den Spielern. Mehr Versöhnliches gab es dann aber nicht mehr. Vielleicht teilen sich Wacker Nordhausen und der Berliner AK noch die Punkte, das wäre das i-Tüpfelchen dieses Spieltags.

Endstand

Am 14. Spieltag kommt der FC Oberlausitz Neugersdorf zum Heimspiel ins Stadion Chemnitz. Ein neuer Name soll bis Ende des Jahres 2018 gefunden sein. Bis dahin wohl auch ein Investor bzw. dessen Name. Diskussionsstoff gibt es auch weiterhin in Hülle und Fülle bei den Himmelblauen.

By Nino

 

 

Endspiel für den Insolvenz-CFC!?

Weichen

Mit der Veröffentlichung der Bekanntmachung des Amtsgerichtes Chemnitz, Abteilung Insolvenzsachen am 18. September 2018 ist es nun auch offiziell: Der Insolvenzverwalter soll ermächtigt werden, mit der Sparkasse Chemnitz einen Vertrag zur Finanzierung des Mannschaftsbusses abzuschließen. Der Kaufpreis beträgt 170.000,00€. Wat ein Schnäppchen für die Karre! Nebenbei soll er auch noch die Ausgliederung der 1. Mannschaft und aller nach den Statuten möglichen Jugendmannschaften in eine Kapitalgesellschaft durchführen. Letzterer Punkt ist selbstverständlich wesentlich brisanter und bedarf an sich keiner humoristischen Kommentierung. Es ist der bittere Ernst der Lage, der schmerzhaft aus dem Schacht ans Tageslicht gekrochen kam.

Der Insolvenzverwalter sieht die Option der Ausgliederung als die Beste an, um den Chemnitzer FC zu sanieren. Nun bin ich nur ein (un-)freiwillig zahlendes Mitglied und kein Bachelor im Insolvenzrecht. Daher muss ich zwangsläufig das Vertrauen in die handelnden Personen aufbringen. Auch wenn das mitunter sehr schwer fällt, denn einige Beteiligte liefern sich seit Monaten eine Schlammschlacht, die wenig Hoffnung gibt, dass das Insolvenzverfahren ohne Gesichtsverlust derjenigen beendet werden kann. Die Stilmittel sind mitunter fragwürdig und nicht unbedingt zur Nachahmung geeignet. Rücktrittsforderungen von der einen Seite, durchgestochene Vertragsinhalte an die örtlichen Schmierblätter von der anderen Seite. Und das sind nur zwei Beispiele. Beide Seiten geben sich jedenfalls nichts, beim Kampf um die Deutungshoheit was für den Chemnitzer FC am besten ist. Dabei werden doch Heiligenscheine ebenso nicht vergeben, wie Denkmäler gebaut. Also kann gerne dieses Macht-Spiel sofort und ohne Verlängerung abgepfiffen werden.

Solch eine Schlammschlacht mag zwar für die Medien hochinteressant sein. Schließlich muss man sich nicht mehr irgendwelche Halbwahrheiten aus dem Kreuz leiern, die womöglich noch vor Gericht landen, weil „dieses-und-jenes-so-nie-gesagt-wurde“. Ich bin jedenfalls wegen des ganzen Boheis ziemlich genervt und auch ziemlich sicher, dass diese ganzen juristischen Winkelzüge nicht dabei helfen werden, am Ende des Tages den CFC-Karren aus dem Dreck zu ziehen. Da steckt dieser nämlich immer noch mittendrin.

Braucht es denn noch einen besseren Zeitpunkt für einen Neuanfang? Oder lieber nochmal die alten Diskussionen über die Vergangenheit führen? Ich glaube nicht, dass sich das wirklich lohnt. Am Ende der Debatte kommt man doch an der Frage nicht mehr vorbei, wer wann wie und womit zu der ganzen Misere beigetragen hat. Das Ergebnis von u.a. zu viel Kungelei und Seilschaften in Vorstand/Aufsichtsrat gepaart mit sportlichen Misserfolg ist doch Pleite des CFC und das gerade auf der Zielgeraden befindliche Insolvenzverfahren.

Als geneigter Fan wünsche ich mir daher mehr Besonnenheit und eine Rückkehr zur Sacharbeit aller Verantwortlichen. Dem Vernehmen nach geht es auf der am 26. September 2018 stattfinden Gläubigerversammlung mehr oder weniger um die Zukunft des CFC. Quasi das Endspiel um den Insolvenz-Cup. Das ist doch Anlass genug, um seine Energie darauf zu verschwenden.

Aus dem Insolvenzverfahren gestärkt hervorzugehen, sollte doch allen Himmelblauen ein wichtiges Anliegen sein. Klar, die Frage wie die Ausgliederung gestaltet werden soll, bleibt weiterhin bestehen und kann hoffentlich nach der Gläubigerversammlung diskutiert werden. Eins ist dabei schon mal sicher: Als Mitglied will ich mich bei meinen Rechten und Pflichten nicht „enteiern“ lassen. Entscheidungen, die ohne jegliche Debatte und aufgrund von Alternativlosigkeit getroffen werden, haben bisher immer zu Unmut bei den Mitgliedern geführt. Die Fanszene des Chemnitzer FC ist vielfältig, das gilt es bei der Gestaltung des zukünftigen CFC zu berücksichtigen.

Der Illusion es allen Recht zu machen, sollte man sich allerdings auch nicht hingeben. Der Blick Richtung Magdeburg sowie Rostock und deren vollzogenen Ausgliederungen gibt Anlass zur Hoffnung, dass nicht Hopfen und Malz verloren sind. Dort wurden mit der Beteiligung der Mitglieder die Prozesse so gesteuert, dass die Befürchtungen in Richtung Identitätsverlust und Fremdbestimmung ernst genommen wurden und letztendlich die Ausgliederung wiederum große Zustimmung gefunden hat.

Denn eines ist auch klar wie Kloßbrühe. Ohne die Fans wird es nicht gehen. Ein Verein ohne ultra-laute Fans, ein Spiel ohne Stimmung sind die schlechtesten aller Varianten. Ich verweise da gerne auf das Auswärtsspiel gegen die VSG Altglienicke am 7. Spieltag. In dem 20.000 Plätze-„Jahn-Sportpark“ waren es letztendlich die 200 mitgereisten CFC-Fans, die für die Stimmung gesorgt haben. Ansonsten hätte dort Totenstille geherrscht. Von weiteren Beispielen, die es zu Hauf gibt, und vor allem den Heimspielen abgesehen.

Jetzt aber müssen erst einmal die Gläubiger vom Insolvenzplan überzeugt werden. Die besten sportlichen Argumente liefert ja seit Beginn der Regionalliga-Saison die neu zusammengestellte Mannschaft. Acht Siege in Folge, Spitzenreiter. Das ist wahrlich ein süß-saures „Ablenkungsmanöver“. Nicht auszudenken, wenn der CFC im Mittelfeld der Tabelle stehen und seitens der Presse eine Trainerdiskussion angezettelt würde. Soviel zur Schwarzmalerei.

Ein Blick in die Zukunft und wie schön himmelblau wäre es hingegen, wenn der CFC wirtschaftlich und sportlich erfolgreich sein könnte. Die Weichen dafür können hoffentlich bald gestellt werden.

By Nino

 

 

Kommentar zum himmelblauen Juli 2018

SonneHitze

Hot, Hot, Hot“ von Arrow, so hieß der offizielle Song zur Fußball-WM 1986 in Mexiko. Heiß her ging es zeitweilig beim Chemnitzer FC im himmelblauen Juli 2018 zu. Insbesondere das leidige Thema Insolvenzverfahren trieb allen Beteiligten den Puls unnötig in die Höhe. Fast täglich grüßte daher die „Insolvenzmasse CFC“. Und warum nur?

Weil man mit Klaus Siemon einen Insolvenzverwalter hat, der mit harter Hand das Verfahren durchziehen will und feststellen musste, dass bei einem Verein wie dem CFC auch die Mitglieder mitbestimmen dürfen, ja sogar so etwas wie Einfluss haben. Dass das auch so bleiben soll, dafür stehen vor allem die zurzeit Suspendierten Andreas Georgi und Uwe Bauch.

Mittendrin statt nur dabei ist auch Sportvorstand Thomas Sobotzik. Von IV Siemon geholt, versucht er nun auf seiner ersten Manager-Station so viel wie möglich richtig zu machen. Schließlich hatte er sich auch schon bei Eintracht Frankfurt beworben. Jetzt steht aber erstmal Regionalliga statt Bundesliga an. Der kaufmännische Vorstand Thomas Uhlig hält sich auffällig zurück. Vielleicht macht er auch „nur“ seine Arbeit, wir wissen es nicht. Davon abgesehen sind wir gespannt, wie sich alle Beteiligten wieder gemeinsam für den CFC engagieren wollen und können. Gelegenheiten zum Austausch darüber gab es auf dem 3. Fanclub-Treffen des CFC. Diese Chance wurde aber seitens Sobotzik kläglich vergeben. Auch der spätere Versuch des Fanszene Chemnitz e.V. Antworten auf drängende Fragen zu bekommen, ließ Sobotzik so kurz wie knapp ins Leere laufen. Ein Ende des Rosenkriegs light ist bisweilen nicht in Sicht.

So bleibt denn immer ein fader Beigeschmack, wenn Gunther Kermer und Nico Beltrame ihre Ämter im Aufsichtsrat niederlegen und eine Woche später die KPM Bau GmbH neuer Haupt- und Ärmelsponsor bei den Himmelblauen wird. Neuer Brustsponsor wird hingegen passenderweise die Sparkasse Chemnitz. Eingefädelt wurde der Deal noch von Uwe Bauch, jener der laut IV Siemon nicht glaubwürdig für einen Neuanfang steht. Aber egal, hoffen wir einfach mal, dass alle in dieser überhitzten Phase Ruhe & Geduld bewahren. Offen ist ja weiterhin, ob IV Siemon seine Kompetenzen mit den Suspendierungen überschritten hat. Eine weitere wichtige Frage wird sein: „Neuanfang“ oder „Neustrukturierung“ beim Chemnitzer FC e.V.!?

Einen Neuanfang mit neuer Teamstruktur hat es auf jeden Fall auf der sportlichen Ebene gegeben. Nicht weniger als 18 neue Spieler bilden die himmelblauen Mannschaft für die Saison in der Regionalliga Nordost 2018/2019. Hinsichtlich des Ziels kommt der direkte Wiederaufstieg noch etwas vermessen her. Kleinere Brötchen backt in diesem Sinne Trainer David Bergner. Er sieht eher Mannschaften wie Wacker Nordhausen, Lok Leipzig sowie der BFC Dynamo vorne in der Tabelle. Für uns sind in dieser Aufzählung noch Rot-Weiß Erfurt und SV Babelsberg 03 dabei. Das es viele Aufstiegswillige gibt, liegt höchstwahrscheinlich auch an der Aussicht des direkten Aufstiegs, ganz ohne die elendigen Relegationsspiele.

In der Vorbereitung auf die neue Liga und Saison haben die Himmelblauen eine ganz passable Figur gemacht. Zwar gab es gegen den 1. FC Union Berlin und SG Dynamo Dresden mit 1:3 und 0:1 Niederlagen, aber die guten Ansätze waren sichtbar und ließen erste Hoffnungsschimmer erleuchten. Diese reichten in den weiteren Spielen dann für Siege gegen den VfL 05 Hohenstein-Ernstthal (4:1), FC Eilenburg (2:1), FC Carl Zeiss Jena (2:1) und ein 5:1 gegen den VFC Plauen.

Am Samstag, 28. Juli 2018 ging sie dann auch endlich los. Die hoffentlich neue Zeitrechnung in bessere Zeiten, zumindest fußballerisch. Das erste Punktspiel im Stadion Chemnitz, als Mieter. Fast 5000 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion und konnten einen 3:2 Sieg gegen FSV Union Fürstenwalde bejubeln. Das Ergebnis täuscht aber ein wenig über den Spielverlauf. Eine 2:0 Führung wurde aus der Hand gegeben, die erst in der 85. Minute mit dem erlösenden Treffer wiederhergestellt werden konnte. Nachdem die Verantwortlichen den Puls bisher in die Höhe getrieben haben, so tut die Mannschaft diesen gleich. Aber wenigstens mit einem bisher erfolgreichen Ende.

Dem Auftakterfolg folgte dann am vorgezogenen dritten Spieltag ein 2:0 Sieg gegen den gastierenden BFC Dynamo. Und was war das für eine Teamleistung!? Nicht nur der Sieg war gut anzusehen, nein das wie war entscheidend. Teamgeist, Kampf, Pressing und eine hohe Spielkultur waren ausschlaggebend dafür. Lange haben wir das auf der Fischerwiese vermisst – gefühlte 7 Jahre seit Schädde noch die Richtung vorgab. Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme, aber eben eine schöne und erfrischende, vor allem in diesen Tagen. Die Mannschaft muss sich noch untereinander in den Mannschaftsteilen einspielen und es wird auch Rückschläge geben. Aber jetzt heißt es erstmal zurücklehnen und den Augenblick genießen nach der langen Leidenszeit.

Die nächste Gelegenheit kommt schon im himmelblauen August 2018. Da stehen mit den Duellen gegen den SV Babelsberg 03 und FC Rot-Weiß Erfurt gleich zwei schwere Auswärtspartien an. Da wird der neu formierten Mannschaft zu einem frühen Zeitpunkt der Saison einiges abverlangt werden. Das letzte Spiel im August 2018 wird wohl auch eine emotionale Angelegenheit. Mit dem VfB Auerbach wird Ex-Spieler und Ex-Trainer Sven Köhler an die Fischerwiese zurückkehren. Den Vorteil, dass er die Mannschaft kennt, hat er schon mal nicht. Ein schwacher Trost der Insolvenz.

By Baba und Nino