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Ins richtige Licht gerückt werden

Licht

Die Mitte Juni 2019 veröffentlichte Erklärung des Chemnitzer FC zur Rehabilitierung des Ex-Mitarbeiters Maximilian Glös war nur 4 Sätze lang. Trotz dieser Kürze gibt sie viel Anlass zur Hoffnung, dass die Geschehnisse vor, am und nach dem verhängnisvollen 9. März 2019 endlich den Kosmos aus Vermutungen, Anschuldigungen und sonstigen Theorien verlassen können und Klarheit über das Zustandekommen hergestellt wird.

Denn die Trauerzeremonie wurde ja nicht nur Maximilian Glös zum Verhängnis. Für den nicht mehr eingesetzten Stadionsprecher Olaf Kadner dürften vor allem die Wörter „…nicht entscheidungserheblich oder verantwortlich handelnd beteiligt…“ äußerst interessant sein. Schließlich hat er zwar einen Text vorgelesen, aber von weiterer Verantwortung oder entscheidungserheblicher Beteiligung war bisher nicht die Rede.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass der CFC an der weiteren Aufarbeitung der Vorfälle arbeitet und nach eigener Aussage tut er dies „mit Hochdruck“. Vielleicht haben die Verantwortlichen dabei auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gelesen. Dieser hatte sich in seiner Ausgabe 24/2019 auch diesem Thema gewidmet und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Was wie eine offizieller Trauerfeier aussah, war im Grunde eine Erpressung“. Detailliert wird beschrieben, wer wie wo und wann daran beteiligt war bzw. gewesen sein soll. Einiges wird da nochmal in ein anderes Licht gerückt und dies hat eine erhellende Wirkung. Nun sind solche Artikel keine Gerichtsurteile. Umso erfreulicher, dass dies dann bald auch vor Gericht geklärt werden könnte. Die Strafanzeige von Insolvenzverwalter Klaus Siemon „gegen Unbekannt wegen aller in Betracht kommenden Delikte“ wird ja offensichtlich immer noch bearbeitet. Zumindest habe ich bisher nur von weiteren Klage-Einreichungen (z.B. gegen den Notvorstand) gehört, aber nix von Urteilen.

Die Mühlen der Justiz laufen vermeintlich langsam, aber sie laufen und am Ende steht zumindest eine Entscheidung, im besten Fall ein Urteil. Im Falle des CFC wird dann hoffentlich klar sein, ob es z.B. eine Erpressung war oder nicht. Und dann besteht auch die Chance einen Schlussstrich hinter dieses dunkle Kapitel in der Geschichte des CFC zu ziehen.

Meiner Einschätzung nach werden die sportlichen Erfolge der Saison 2018/2019, Meistertitel in der Regionalliga Nordost und 12.ter Gewinn des Sachsenpokals viel zu wenig gewürdigt. Lieber wird z.B. vom MDR ein Zigeuner-Skandal herbeigeschrieben, der passend für das derzeitige Image der Himmelblauen aufbereitet wurde. Da wird mir zu viel mit zweierlei Maß gemessen. Es wird höchste Zeit, dass der CFC bei solchen vermeintlichen Skandalen für die nötige kontextuale Einordnung sorgen würde.

Es ist schon wahrlich mühselig, die unnötigerweise in die Welt gesetzte Bezeichnung des „Nazi-Vereins“ zu widerlegen bzw. darauf hinzuweisen, dass die große Mehrheit der CFC-Mitglieder, Fans und Sympathisanten vom Rechtsradikalismus weit entfernt sind. Als Himmelblauer muss man sich die Frage nach der Zukunft stellen und welchem Club wir angehören. Das geht einher mit einer Identitätsfindung abseits von Nazi-Geschrei und Insolvenz. Wofür steht der Club und was wollen die Fans von diesem? Als Plattform für politische Agitation und als Selbstbedienungsladen sollte der Club nicht herhalten. Dazu später mehr…

By Nino

 

Himmelblaue Scham

himmelblau

4:4 vs. VSG Altglienicke am 24. Spieltag der Regionalliga-Saison Nordost 2018/2019. Das erste Unentschieden für den Chemnitzer FC, dennoch großes sportliches Kino. Dieses Spiel wird aber in diesem Sinne nicht in Erinnerung bleiben. In Erinnerung wird die Trauerbekundung für Thomas Haller im Vorfeld des Spiels bleiben.

Für wen wird man sich vielleicht fragen? Herr Haller, ein verstorbener CFC-Fan. In den 1990er Jahren gründete er „HooNaRa“, was für „Hooligans-Nazis-Rassisten“ steht. Später war er Chef jener Security-Firma, die bis 2007 den Ordnungsdienst beim CFC organisierte. Bis zu seinem Ableben war er laut Spiegel Online „einer der führenden Köpfe der lokalen Neonazi- und Hooligan-Szene […]“, kurz ein Rechtsextremist.

Eine Trauerbekundung für einen Rechtsextremisten? Eine Trauerbekundung für einen Rechtsextremisten beim Chemnitzer FC? Im Vorfeld eines Regionalliga-Spiels? In einem Stadion? Mit Pyro-Show und Schweigeminute? Allein diese ganze Szenerie ist so unfassbar und bei der Aufarbeitung derer, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Zunächst ist es klar, dass die Familie trauert. Das war, bei aller verständlichen Trauer, nicht irgendeine Trauerfeier für einen Fan des CFC. Das war viel mehr und keiner kann sich davon frei machen, nix davon gewusst zu haben. Die Truppe um Haller ist stadtbekannt und nicht wenige Chemnitzer wissen von Geschichten in Form von Schlägereien usw. oder sind selbst Opfer von diesen geworden. Das Schlimmste aber war, dass sie die Angst auf das Umfeld übertragen hatten und das hatte System.

Umso erstaunlicher ist doch die naive Annahme derjenigen Fans, zu glauben, dass diese Trauerfeier ohne jegliche Beachtung bleibt! Wissen denn z.B. die Ultras Chemnitz 99 nicht, wie der CFC laut Satzung zu Extremen jeglicher Art steht? In § 2 Vereinszweck Absatz 4 steht: „Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen.“ Ganz abgesehen von den letzten Bekundungen des CFC ein „Bollwerk gegen Rechtsradikalismus“ sein zu wollen. Wirft das denn keine Fragen auf? Hält man das dann trotzdem für angemessen? Klar, er war CFC-Fan, aber auch ein Rechtsextremist. Das voneinander trennen zu wollen, erfordert schon ein hohes Maß an Haltungslosigkeit. Das könnte auch ein veritables Eigentor für die Ultras werden.

Abgesehen davon ist es beschämend für den CFC, dass diese Trauerbekundung so ermöglicht wurde. Unter welchen Umständen es soweit kommen konnte, damit darf sich nun die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Es ist auch beschämend, dass sich CFC-Mitarbeiter dafür haben einspannen lassen. Angefangen vom Stadionsprecher, zum Physiotherapeuten und auch Spieler Daniel Frahn, der für seine Aktion vom CFC bestraft wurde. Es ist beschämend, wie inkonsequent der CFC im Nachhinein gehandelt hat. Mit drei Pressemitteilungen versuchte man die Sache irgendwie zu erklären, sich irgendwie zu rechtfertigen, sich aber gleichzeitig irgendwie zu distanzieren. Wer hat da eigentlich noch das Sagen beim CFC?

Das der kaufmännische Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH und Vorstand des Chemnitzer FC e.V., Thomas Uhlig, alle seine Ämter niedergelegt hat, zeugt von Haltung und verdient daher Respekt.

Dem CFC stehen nun turbulente Tage bevor, vielleicht sogar Wochen. Dabei wird sich herausstellen, wie sich diese ganze Aktion, deren Zustandekommen auf den CFC insgesamt auswirken wird. Auf das sportliche Geschehen. Auf das Insolvenzverfahren. Auf die Suche nach weiteren Investoren. Auf das Image des Clubs. Auf die Fanszene.

Die mediale CFC-Sau wird jedenfalls nicht nur über das Dorf, nein durchs ganze Land getrieben.

Der CFC muss sich jetzt entscheiden, welche Richtung er einschlagen will. Himmelblau oder Himmelbraun?

By Nino