Schlagwort-Archive: FAZ

Kommentar zur FC Bayern-Journalismus-Hysterie

Test

Eine Woche ist es nun her, als der FC Bayern München gegen Borussia Dortmund im 2017er-DFB-Pokalhalbfinale verloren hat. In der Nachbetrachtung war dies ein Spiel von Alt vs. Jung, bei dem die jüngere Mannschaft mit mehr Glück, aber auch am Ende verdient gewonnen hat. Der FCB mal nicht im Pokalfinale, der BVB hingegen schon zum 4.mal in Folge. Soweit zum Außergewöhnlichen an diesem Spiel. An den Tagen danach erweckte jedoch der Blick in den deutschen Blätterwald den Eindruck, als hätten die Sport-Journalisten allesamt mächtig am Hysterie-Rad gedreht.

Dass die #BILD mit Überschriften wie „Bayern am Boden“, „Die schlimmste Krise seit 2012“, „7 Fragen, ob Ancelotti noch der Richtige ist“ und „Ende einer Ära“ besonders kräftig gedreht hat, ok, das gehört ja zur Tradition des Boulevard-Blattes.

Aber das auch die als seriös geltenden Medien auf den Hysterie-Zug aufgesprungen sind, das bleibt mir immer noch schleierhaft. Bei #SpiegelOnline war von der „Woche des Grauens“ zu lesen, beim #Stern das „Ende einer Ära – Jetzt helfen nur noch verrückte Dinge“, die #FAZ stellte fest, dass nicht nur die Spieler in die Jahre gekommen sind, die #Süddeutsche schrieb von einem „Falschen Spiel zur falschen Zeit“. Für den #Tagesspiegel war der FCB „Eine Ansammlung müder, verbrauchter Helden“. Die Sportmagazine/-seiten wie #11Freunde kamen zu dem Schluss, dass Trainer Ancelotti die Arbeit in München aufnehmen sollte. Bei #Sport1 kam man vergleichsweise zu einem milden Urteil und attestierte den Bayern einen Abwärtstrend, erwartet jedoch eine „Monster-Transfer-Offensive“ mit Transfers jenseits von 100 Millionen Euro. Bei #ZeitOnline stellte man dann (un)passenderweise fest, dass es „Festtage für Bayernhasser“ sind.

Bei dieser geballten Kritik, weit entfernt von journalistischer Objektivität stellt sich schon einem die Frage, ob es für alle diese Sportjournalisten nicht eine willkommene Gelegenheit war, mal hart, aber unfair auf den Bayern-Punching-Ball einzudreschen? Klar, die Fallhöhe und die Ansprüche des FCB sind historisch gewachsen groß und der Umgang mit Niederlagen, gerade das Aus in der Champions-League vs. Real Madrid nicht immer souverän gewesen. Die derartige Infragestellung des bisher in der Saison Erreichtem und des Personals (Trainer wie Spieler) ist jedoch schlichtweg unangemessen.

Zudem stellt sich die Frage, warum die Leistung von Borussia Dortmund nicht das TOP-Thema war? Wenn der BVB mit seinem Jugendstil so weitermacht, hat er dann nicht eine #GoldeneZukunft vor sich? Ein weiterer Bayern-Konkurrent, der wieder mehr Spannung in den Meisterschaftskampf bringt. Dazu hätte ich gern etwas Ausführliches gelesen. Tagein tagaus wird doch über die langweilige Bundesliga lamentiert. Und dabei ist es offensichtlich gar nicht so schwer für diese BVB-Mannschaft Sympathien zu entwickeln.

Aber nein, keine positiven Schlagzeilen für den BVB. Dann lieber auf das Bayern-Mega-Krisen-Pferd aufspringen und alles auf die Klicks-Generierung und Auflage setzen.

Außerdem stellt sich mir bei diesem ganzen Mecker-Journalismus auch die Frage, ob das alles so repräsentativ ist? Am Ende sind es vielleicht 50 Sportjournalisten, die für die veröffentlichte Meinung der Reichweite-stärksten Medienhäuser sorgen. Wie die öffentliche Meinung hingegen aussieht, bleibt meist unklar.

Nach all der hysterischen Berichterstattung war interessant zu beobachten, wie die Verantwortlichen des FCB damit umgegangen sind: Trainer Ancelotti äußerte sich ein paar Tage später und gab Fehler bei seinen Entscheidungen zu Protokoll. Vorstandsvorsitzender Kalle Rummenigge wies bezüglich der Trainer-Frage darauf hin, dass über die Vertragslaufzeit nicht diskutiert wird. Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß ließ verlauten, dass er es gar nicht so sieht, dass der Transfermarkt das Allheilmittel ist. Dies wurde dann auch gleich bestätigt, nämlich mit der Verlängerung der Verträge mit Kingsley Coman bis #2020 und Thiago bis #2021.

Die sportliche Reaktion zeigten die Spieler 3 Tage später auf dem Rasen. Mit 6:0 spielten sie den VfL Wolfsburg an die Wand. Da RB Leipzig in Ingolstadt nur Null zu Null spielte, feierte der FCB seine fünfte Meisterschaft in Folge. Der #Kicker wertete diese Meisterschaft nur als Trostpreis…

Nur zur Erinnerung: Vor gut zweieinhalb Jahren, zum Start in die Rückrunde der Saison 2014/2015, haben die Wolfsburger noch Lederhosen getragen und die Bayern mit 4:1 nach Hause geschickt. Aktuell spielt der VfL noch gegen den Abstieg, die erste Relegation wäre möglich, sofern der Hamburger SV sich nicht durch ein Relegations-Triple selbstverwirklichen will.

Meiner bescheidenen Meinung nach, verdichten sich die Anzeichen, dass die Bayern keine „verrückten Dinge machen“ werden, so wie es ARD-Kommentator Mehmet Scholl nach dem Pokalspiel populistisch formulierte. Vielleicht kommen noch ein, zwei Spieler und unzufriedene werden verkauft #Costa. Das ist aber auch nur Kaffeesatzleserei, spätestens zum Anpfiff der neuen Saison wird feststehen, welche Schlüsse sie aus dieser Saison gezogen haben. Eins scheint aber wohl sicher: Das Nachwuchsleistungszentrum soll nicht umsonst gebaut worden sein. Wie man lesen konnte, soll dies das Hoeneß’sche Vermächtnis werden. Mehr Jugendstil würde dem FCB nicht so schlecht zu Gesicht stehen.

By Nino

 

 

 

Fake News? Lese was du glauben sollst!

fakenews

Fake News, Falschinformationen, alternative Fakten…wie immer es auch bezeichnet wird, es handelt sich dabei nicht um Tatsachen oder sogar die Wahrheit. Dieses Thema erreicht immer mehr an Relevanz und nicht erst seitdem der derzeit amtierende Präsident der USA, Donald J. Trump, diesen neuen Ausdruck in seinen eh schon limitierten Wortschatz aufgenommen hat.

Wenn über Fake News geschrieben wird, dann handelt es sich laut Spiegel Online um „bewusste Falschmeldungen, die sich viral verbreiten und eigens zu diesem Zwecke produziert wurden.“ Das primäre Ziel ist also Verwirrung stiften, Unruhe verbreiten, Debatten auslösen und/oder lenken.

Baba und ich haben uns auch schon mit diesem Thema beschäftigt. Bezeichnet haben wir dies aber noch als Gerüchteküche beim FC Bayern München oder haben uns dem mittlerweile ganzjährigen Transferwahnsinn gewidmet. Es ist ja immer wieder erstaunlich welche Spieler „im Visier“, „auf dem Zettel“ oder „der Einkaufsliste“ verschiedener Clubs stehen. Offenbar haben die Chefredakteure oder wie sie sich auch schimpfen…Director Digital…hier ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Mehr „Eilmeldungen“ oder „Breaking News“ bedeuten mehr Klicks im Netz, die wiederum mehr Werbeeinnahmen generieren. Durch diese entsteht eine sogenannte „Gemengelage“ (beliebtes Wort der Journalisten), über die im späteren wieder berichtet wird. Ein Kreislauf, der meist nur von der nächsten Top-Meldung durchbrochen wird. Anhand von zwei aktuellen Beispielen kann dies eindrucksvoll und vor allem nachweislich erläutert werden:

Erstes Beispiel:
Am 20. Bundesliga-Spieltag hat der „24-Stunden-Sportnachrichtensender“-SkySportNews die „Meldung“ veröffentlicht, dass der Gesellschafterausschuss der Bayer-Fußball GmbH am Morgen vor der Bundesligapartie vs. Eintracht Frankfurt die Entlassung von Cheftrainer Roger Schmidt beschlossen habe. Sportdirektor Rudi Völler dementierte dies energisch mit „Schwachsinn“, auch weil es eine solche Sitzung nie gegeben hat. Er kündigte bis zu einer Entschuldigung von Sky einen Interview-Boykott an. Diese folgte prompt mit der Sky-Pressemitteilung „[…] Wir haben einen Fehler gemacht und haben uns bereits im Stadion unmittelbar nach der Partie entschuldigt […].“

Zweites Beispiel:
Das Sportmagazin „Kicker“ meldete Mitte Februar 2017 herrlich einfallslos: „Schmidt für Schmidt?“. Dabei wurde von einer Kontaktaufnahme von Bayer Leverkusen zum Mainzer-Trainer Martin Schmidt berichtet. Dieser wiederum dementierte diese Meldung und schob noch eine Einschätzung der ganzen Sache hinterher: „Ich finde, es ist ein Mangel an Respekt, auch gegenüber Mainz 05, so etwas hervorzubringen. Ich habe noch eineinhalb Jahre an Vertrag, bin mit den Spielern und Leuten hier zufrieden. Das ist reine Spekulation.“ Der Kicker titelte dazu in der #Headline: „[…] Nun dementierte der Schweizer mit 24-stündiger Verspätung – die Gemengelage ist hochinteressant.“

Da ist sie wieder, die Gemengelage. Selbstproduziert und dazu noch falsch. In Trump’scher Manier könnte man auch sagen: „Very fake news“. Aber zurück zu den ernstzunehmenden Menschen. Die sitzen hoffentlich mehrheitlich in den Redaktionsstuben. Sie haben nämlich die strukturellen wie finanziellen Möglichkeiten und damit die Macht die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Der in beiden Beispielen betroffene Roger Schmidt schätzte diese Fake News ernüchternd ein: „Das gehört zum Geschäft.“ Nach dem Motto „Damit müssen wir leben.“ Mitnichten müssen wir damit leben! Dazu muss man sich lediglich die Funktion der Medien vor Augen führen! Diese ist laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb):

„[…]
– so vollständig, sachlich und verständlich wie möglich informieren,
– in freier und offener Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und
– mit Kritik und Kontrolle durch investigativen (nachforschenden und aufdeckenden) Journalismus begleiten.
Damit nehmen die Medien die Rolle von Vermittlern und Hütern ein. […].“

Bei den Meldungen von Kicker und SkySportNews ist das nicht ansatzweise gelungen. Es ist ja auch viel zu abstrus zu behaupten, dass sich Sky, der Kicker und Leverkusen zu einem abgekarteten Spiel verabreden. D.h. solche Geschichten erfinden, zur Steigerung der Quote/Klickzahlen und um die Popularitäts-Werte von Bayer 04 in den Plus-Bereich zu hieven. #Vizekusen, als verhasster Werksklubs ohne Tradition kann noch ein paar Sympathie-Punkte vertragen, oder nicht!? Und SkySportNews ist seit kurzem, oh Wunder, frei empfang-bar. Aber wie bereits erwähnt, viel zu abstrus, eher was für naive Verschwörungstheoretiker mit Alu-Hut.

Ich gehe also davon aus, dass andere Beweggründe eine Rolle spielen müssen. Aber welche? Was treibt die Medien dazu an, solche bewusst falschen Meldungen zu verbreiten? Was sind die Motive? Ist es die schlechte Quote? Sind es miese Verkaufszahlen? Gibt es zwischen den Beteiligten noch offene Rechnungen? Persönliche Eitelkeiten? Verletzte Egos? Enttäuschte Schreiberlinge, die endlich einen „Coup“ landen wollen. Oder waren Praktikanten am Werk, die sich einen Scherz erlauben wollten? Und was ist mit der journalistischen Sorgfaltspflicht?

So oder so: In erster Linie beschädigen die Sportjournalisten ihre eigene Reputation plus die des Magazins oder Senders. Solche Aktionen sind noch billiger als Brötchen bei Lidl! Journalisten-Legende Henri Nannen würde sich jedenfalls im Grabe umdrehen!

Was gilt es nun zu tun, wie geht es weiter?

Als sichere Quellen gelten die Live-Interviews, die Pressekonferenzen, Pressemeldungen der Vereine, also alles was irgendwie nachprüfbar bzw. belegbar ist. Auch die Social-Media-Kanäle der Stars sind Quellen, auch wenn dadurch gelegentlich passable Eigentore geschossen werden.

Bitte nicht falsch verstehen: Es kann nicht die Aufgabe der Sport-Fans und interessierten Leser sein, jeden Artikel und Behauptungen nachzuprüfen. Es ist allerdings die Aufgabe den Verstand einzuschalten. Oder wie es die bpb treffend formuliert: […] „Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die Medien und die in ihnen tätigen Personen nicht automatisch neutral und ohne eigene Interessen agieren. Die Bürger/innen sollten sich daher gegenüber den Medien und deren Berichterstattung eine kritische Haltung bewahren und bereit sein, nach Möglichkeit verschiedene Darstellungen zu vergleichen.“

Der jeweilige #11Freunde #Kicker #Sport1 #Sportbild #Zeit #Spiegel #FAZ #Welt #Stern-Leser könnte also auch bei den genannten anderen Sportmedien vorbeischauen und die Faktenlage vergleichen. Oder einfach mal nicht jeden Sch…lesen!

Vor diesem will ja in Zukunft #FocusOnline die Öffentlichkeit bewahren. Indem sie für #Facebook Fakten checken und systematisch verbreitete Lügen aufdecken. Ohjeohje, gerade diejenigen, die derzeit vor Gericht stehen, weil sie bei BILD Plus systematisch Inhalte geklaut haben sollen. Seriosität sieht jedenfalls anders aus.

Schau ma mal was noch darüber zu lesen sein wird…Vielleicht hilft es ja und es werden weniger Eigentore mittels Fake News geschossen. Kicker und Sky können ja als Vorbild dienen. Allgemein ist ja bekannt, dass sich Qualität am Ende immer durchsetzt…

By Nino