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Himmelblaue (Un-)Gerechtigkeiten

Gerechtigkeit, Statue, Lady Justice

Mit dem Urteil des Arbeitsgerichts Chemnitz zur außerordentlichen Kündigung von Fußballspieler Daniel Frahn wird wohl die nächste Baustelle des Chemnitzer FC zu einem Debakel. Das was im Nachgang an pressetechnischer Aufarbeitung und Verlautbarungen zum weiteren gerichtlichen Vorgehen bekannt geworden ist, bietet jetzt schon reichlich Stoff für weitere unruhige Zeiten.

Ruhigere Zeiten stehen nun Daniel Frahn erstmal bevor, da er dieses Urteil als klaren Erfolg verbuchen kann.

Nun ist mit dem Urteilsspruch das Verfahren jedoch nicht vom Rasen. Der CFC teilte im Anschluss mit, dass er diese Entscheidung nicht akzeptieren und gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Das ist in einem Rechtstaat nix ungewöhnliches und trägt dann sicherlich zur weiteren Rechtsklarheit bei. Schließlich handelt es sich hier um ein nicht so oft vorkommendes Verfahren vor einem Arbeitsgericht. Und daher die beste Gelegenheit für Klaus Siemon, ein weiteres Exempel statuieren zu können?

Mir wäre es lieber gewesen, irgendein anderer Verein oder Firma müsste sich mit solchen Problemen auseinandersetzen. Aber der CFC bzw. die Fußball GmbH hat sich ja als Bollwerk gegen Rechtsradikalismus (teilweise berechtigt) positioniert und nun ist der Gang durch die gerichtlichen Instanzen angezeigt.

Einerseits finde ich die gerichtliche Auseinandersetzung gut. Denn die letzten Jahre hat sich doch beim CFC gezeigt, dass die gerichtliche Prüfung von vielen Wortmeldungen, Behauptungen und Vorgängen zur Klarheit beigetragen hat. Aktuellstes Beispiel: die Farce um das Telefonat zwischen Frahn’s Anwalt und Trainer Glöckner.

Auf der anderen Seite bin ich mir unschlüssig darüber, ob der CFC sich mit der Berufung einen Gefallen tut. Schließlich müsste man diese Baustelle weiter offenlassen und auch ein paar unangenehme Fragen beantworten. Denn nun bedarf es der Klärung, warum wieso weshalb bei der Feier zur Regionalliga Nordost Meisterschaft unerwünschte Personen mitgefeiert haben. Wie haben jene überhaupt Zugang erhalten? Hat man sie nur geduldet, um eine Eskalation zu vermeiden? Gab es ein Verbot der Teilnahme dieser Personen? Oder gab es eine Einladung zur Feier? Welche Verantwortlichen wussten was zu welchem Zeitpunkt? War vielleicht Ex-Geschäftsführer Sobotzik dran Schuld? Oder Trainer Bergner? Oder die Security? Oder hat sich die Zusammenkunft rein zufällig ergeben? Wichtige über noch wichtigere Fragen.

Auch solche gibt es zum Thema Abmahnung: Wann und wie wurde Daniel Frahn abgemahnt? Gab es eine schriftliche Abmahnung und wurde diese Frahn übergeben? Gab es dazu Gespräche mit Siemon und Sobotzik? Oder nur mit Siemon? Oder nur mit Sobotzik? Wurde Frahn von Sobotzik zur Kontaktunterlassung aufgefordert? Wenn ja, wie oft und in welcher Form (schriftlich und/oder mündlich)? War die Aufforderung zur Kontaktunterlassung deutlich genug? Hat vielleicht Sobotzik nicht eindringlich genug darauf hingewiesen? Ist er vielleicht der Hauptschuldige und sollte zur Rechenschaft gezogen werden? Gab es strafrechtliches relevantes Verhalten? Gab es Verstöße gegen den Arbeitsvertrag? Noch mehr allzu wichtige Fragen. Sherlock Holmes, bitte übernehmen Sie!

Bevor man sich jedoch an die Beantwortung macht, sollte zunächst geklärt werden, ob die Antworten auf solche Fragen überhaupt gebraucht werden? Was will der CFC mit der Berufung erreichen? Das für jeden und jede nun endgültig offensichtlich wird, dass der CFC ein massives Problem mit rechtsradikalen Fans hat? Wie teilte doch der Vorsitzende des Fanszene e.V., angesprochen auf den Anteil derjenigen erläuternd mit: „Die Rechten seien in der Kurve nicht in der Mehrheit, sagt Markus Müller, der Vorsitzende der Fanszene e.V. „Sie haben aber das Gewaltmonopol. Das wird auch ab und zu mal demonstriert.““ Tja, etwas zu demonstrieren ist ja nicht verboten. Etwas zu demonstrieren kann allerdings unterschiedliche Emotionen hervorrufen.

Völlig emotionslos agieren wahrscheinlich die am Gerichtsverfahren Beteiligten. Bemerken sie doch nicht, dass sie (außer der Vorsitzende Richter) jetzt schon als Verlierer dastehen und den Gerichts-Platz auch nicht als Gewinner verlassen werden.

Für den CFC könnte es erstens richtig teuer werden, zweitens erfolgt die schmerzliche Auseinandersetzung mit dem allzu laxen Umgang mit unerwünschten Personen und drittens wird die angestrebte Image-Politur erstmal von einem Haufen Scheiße durchkreuzt. Da wäre dann, neben einer insolvenzrechtlichen Beratung, auch eine Beratung in Krisenkommunikation sowie zur Verbesserung des Image von Nöten. Für Daniel Frahn könnte es auch nicht gut ausgehen. Schließlich wird ihn die weitere gerichtliche Auseinandersetzung davon abhalten das zu tun, was er am besten kann: Tore schießen.

Da ja bald Weihnachten ist: Ich wünsche mir zum Wohle des CFC und Daniel Frahns eine zeitnahe einvernehmliche Lösung. Dies könnte z.B. eine Abfindung sein. Lieber jetzt eine zahlen, als später vielleicht wieder vor Gericht zu verlieren. Ein frommer Wunsch, aber in den aktuell unruhigen Zeiten mit Abstiegskampf, Insolvenzverfahren und sonstigen Nebengeräuschen bin ich froh, wenn nicht noch mehr Reizpunkte gesetzt werden.

By Nino

 

Interview mit der Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“

2017 konnte der Blogger Chasing mit einem Text zum Spiel Chemnitzer FC vs. Rot Weiß Erfurt und hier insbesondere dem Support der Ultras in der Kategorie „Gastbeitrag“ Premiere feiern. Nun steht die Premiere in der Kategorie „Interview“ an. Dazu war die Gruppe „CFC-Fans gegen Rassismus“ unser Gesprächspartner. Im Interview spricht die Gruppe u.a. über die Entstehungsgeschichte, bisherige Aktionen und Ziele sowie zur Frage wie die Zukunft des CFC aussehen könnte. Viel Spaß beim Lesen!

 Vielfalt

Mit freundlicher Genehmigung der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus.

Was war der Anlass zur Gründung der „CFC-Fans gegen Rassismus“?

CFC-Fans gegen Rassismus: Die Stimmung im Stadion wird seit langer Zeit von Gruppen dominiert, die klar dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Man konnte das als normaler Fußballfan immer ausblenden, sich damit abfinden oder man konnte dem Stadion fernbleiben. Mehr Optionen gab es nicht. Man dachte wohl lange, dass es sich mit der Zeit von selbst erledigen würde. Aber an den Ausschreitungen Ende August, Anfang September 2018 haben sich bestimmte Fangruppen des Chemnitzer FC beteiligt, die damit ihren Einfluss auch außerhalb des Stadions demonstriert haben. Die Ereignisse am 9. März 2019 beim Spiel gegen Altglienicke und individuelle Erfahrungen der Mitglieder in diversen Fanclubs haben dann den Stein ins Rollen gebracht und waren der Impuls, sich zusammenzufinden. Die ‚CFC-Fans gegen Rassismus‘ sind kein Fanclub, sondern eine Initiative, die Fans eine Stimme geben möchte, die rechtsradikales, rassistisches, antidemokratisches Gedankengut ablehnen. Wir fordern ein, dass die Werte unseres Grundgesetzes auch im Fußballstadion gelten und Diskriminierung gleich welcher Art bei aller sportlicher Rivalität im Fußball nichts zu suchen haben. Die ‚Sektion Vielfalt‘ ist ein Projekt im Rahmen unserer Initiative.

Welche Aktionen habt ihr bisher gestartet und sind in Zukunft geplant?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben bereits eine Reihe von Aktionen gestartet, die jedoch nicht alle in die Öffentlichkeit gelangt sind. Zum einen hatten wir in den letzten Monaten mit einigen organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum anderen sehen wir unsere Hauptaufgabe nicht darin, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege für den Chemnitzer FC zu treiben. Medienwirksame Spruchbänder oder öffentliche Bekundungen sind als Signal nützlich, werden aber allein langfristig kaum etwas ändern. Wir sind uns bewusst, dass ein langer Weg vor uns liegt und dass es viele kleine Schritte braucht, um etwas zu bewegen. Dafür arbeiten wir an Projekten gemeinsam mit dem Verein bzw. der GmbH. Wir suchen Kontakt zu anderen Gruppierungen und Fanclubs, die unseren Zielen positiv und offen gegenüberstehen und loten aus, was wir gemeinsam tun können. Wir schauen dabei auch auf Initiativen anderer regionaler und überregionaler Vereine, nicht nur im Bereich Fußball. Die Probleme, die wir beim Chemnitzer FC haben, kennen andere Vereine natürlich auch und wir suchen den Erfahrungsaustausch.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem CFC, hier insbesondere mit dem Fanbeauftragten und dem Anti-Rassismus-Beauftragten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir stehen mit dem Anti-Rassismus-Beauftragten und dem Fanbeauftragten in Kontakt. Die Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer FC könnte jedoch besser laufen. Dort hat man momentan viele andere Probleme auf dem Tisch und irgendwas fällt immer hinten runter. Wir können die schwierige Situation des Vereins nachvollziehen, wünschen uns aber, dass die Zusammenarbeit mit uns intensiver und verbindlicher als in der Vergangenheit stattfindet. Bisweilen haben wir den Eindruck, unsere Initiative wird zur Zeit eher als lästiges Randthema wahrgenommen. Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen den strukturellen Problemen, dem schlechten Image des Vereins und den Versäumnissen in der Vergangenheit. Wir sind der Meinung, dass man auch ohne großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand einiges tun könnte, um das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Dazu haben wir auch konkrete Vorschläge gemacht, die bislang aber nicht umgesetzt wurden. Wir hoffen, dass das Insolvenzverfahren bald abgeschlossen werden kann. Denn in Zukunft muss hier deutlich mehr passieren.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen innerhalb der Chemnitzer Fanszene? Gibt es Vorbehalte und/oder Unterstützung?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir haben Kontakt zu einzelnen Gruppierungen und Fanclubs, die unser Anliegen unterstützen. Es gibt auch Gruppen, die unsere Positionen ablehnen. Wir haben bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, sind auch konkret bedroht worden. Wir sind deshalb vorsichtig, legen es nicht auf eine Konfrontation an. Wir haben bereits eine Vielzahl von Unterstützern im und außerhalb des Stadions und wir werden stetig mehr. Unser Ziel ist es, eine relevante Größe im Fanspektrum zu werden.

Was entgegnet ihr Kritikern, die fordern, dass Politik nichts im Stadion zu suchen hat?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sehen diese Aussage kritisch. In der Vergangenheit wurde sie vor allem benutzt, um Diskussionen abzuwürgen, um Kritiker ruhig zu stellen. Das Stadion kann kein politikfreier Raum sein, denn normalerweise bildet sich dort die Breite der Bevölkerung ab mit allen ihren Meinungen und Lebensentwürfen. Und das soll auch so sein. Der kleinste gemeinsame Nenner ist der Fußball, die lautstarke Unterstützung der Mannschaft, aber eben auch das Grundgesetz. In dem Moment, wo Menschen zum Beispiel aufgrund ihrer Herkunft, Rasse oder sexuellen Orientierung beleidigt und diskriminiert werden, werden Grundwerte mit Füßen getreten. Genau das passiert leider regelmäßig im Stadion und meist wird dem nicht widersprochen. Widerspruch gegen diese Aktionen wird aber immer wieder als politische Stellungnahme abgelehnt. Das geht nicht. Dumme Kommentare wird es immer geben. Aber wir wünschen uns eine Tribüne, wo rassistische Beleidigungen nicht unwidersprochen bleiben. Wir sehen hier alle Fans, aber vor allem auch die aktive Fanszene in der Pflicht. Wenn die nicht mitmacht, wird es nicht klappen.

Wie kann der CFC seine Probleme mit Rechtsradikalismus lösen? Welchen Beitrag wollt ihr dazu leisten?

CFC-Fans gegen Rassismus: Der CFC muss sich zunächst eingestehen, dass er Probleme hat und dass diese gelöst werden müssen. Wir sind uns nicht sicher, ob diese Erkenntnis bereits überall gegeben ist. Vielleicht herrscht auch der Eindruck, man habe bereits genug getan. Wir sehen das anders. Wir erwarten nach wie vor eine detaillierte Aufarbeitung der Vorgänge rund um den 9. März 2019. Vieles ist in Bruchstücken bereits an die Öffentlichkeit gelangt, aber es existieren auch einige Widersprüche, die aufzuklären sind. Es wurden unmittelbar danach mehrere Personen entlassen und mittlerweile teilweise wieder rehabilitiert, ohne dass deren Verantwortlichkeiten jemals abschließend geklärt wurde. Wir hören immer nur von allen Distanzierungen, keiner will etwas gewesen sein oder für etwas Verantwortung gehabt haben. Das kann doch nicht stimmen. Die Aufklärung ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass das in Zukunft nicht wieder geschehen kann. Es müssen Maßnahmen getroffen und durchgesetzt werden, die Ähnliches in Zukunft effektiv verhindern. Darüber hinaus muss der Verein sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen und Farbe bekennen. Entsprechend § 2 Absatz 1 seiner Satzung sieht der Verein seine Aufgaben auch in der charakterlichen Bildung seiner Mitglieder und laut Absatz 4 tritt er rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Das kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn der Verein als Partner im Bereich Aufklärung und politischer Bildung zur Verfügung steht. Wir sehen hier in allen Bereichen noch ungenutzte Möglichkeiten, auch im Profibereich müssen Angebote geschaffen werden. Wir unterstützen den Verein gern bei der Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, Vereinen und Bildungsträgern. Wir bieten auch unsere Mitwirkung bei der Durchführung solcher Angebote und Veranstaltungen an.

Wie stellt ihr Euch den CFC in Zukunft vor?

CFC-Fans gegen Rassismus: Wir sind Fans des Chemnitzer FC und wollen natürlich in erster Linie unsere Mannschaften sportlich erfolgreich sehen. Untrennbar gehört dazu aber unserer Ansicht nach auch ein aktives Vereinsleben und ein gesellschaftspolitisches Engagement, das der Verantwortung des größten Sportvereins der Stadt gerecht wird. Wenn es gelingt, dass der Verein in der öffentlichen Wahrnehmung wieder ein Abbild der Bevölkerung der Stadt und der Region darstellt, wird sich dadurch auch die Identifikation mit dem Verein verbessern. Das könnte sich widerspiegeln in besseren Mitglieder- und Besucherzahlen und auch der Attraktivität für Sponsoren, die letztlich das nötige Geld zur Verfügung stellen. Wir sehen einen langen steinigen Weg vor uns. Aber wir wollen ihn gehen.

thebeautifulgameblog bedankt sich bei der Gruppe CFC-Fans gegen Rassismus für das Interview.

Das himmelblaue Fan-Ultra-Mitglied-Wesen

CFC Choreo Kopie

Neben der Veröffentlichung des Textes „Das Wunder einer himmelblauen Ticket-Spenden-Aktion auf unserer Blog-Homepage sowie bei Twitter wurde es ermöglicht, dass dieser auch in einer der Gruppen mit Chemnitzer FC-Bezug auf einer großen Plattform #SocialMedia zu lesen war. Neben der Ticket-Spenden-Aktion wurde – wie so oft und auch nicht anders zu erwarten – auch über die Ausgliederung der Profimannschaft beim Chemnitzer FC e.V. intensiv diskutiert.

Sauer aufgestoßen ist mir dabei, dass es bei solchen Diskussionen irgendwann immer darum geht, wer eigentlich wann was zu welchem Thema zu sagen hat oder sogar sagen kann. Einige himmelblaue Fans sind, mehr oder weniger freiwillig, offensichtlich zu Experten im Insolvenzrecht und der Problematik der Ausgliederung einer Profimannschaft aus einem eingetragenen Verein geworden. Respekt dafür.

Zum Respekt gehört aber auch, dass man diejenigen zu Wort kommen lässt, die nicht deren Wissensniveau erreicht haben. Klar, das ist nicht immer leicht auszuhalten, schließlich weiß man es schon längst alles und vor allem besser. Leider bleibt es in solchen Fällen nicht aus, dass irgendwann auch noch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zitiert wird. Spätestens dann hat die Diskussion ihr bestes Niveau erreicht.

Dann wird nämlich nicht lange gefackelt und die Frage aufgeworfen, wer den längsten, ähm wer am längsten, lautesten und/oder am aktivsten in der himmelblauen Fanszene ist. Schnell stellt sich die Anschlussfrage, ob man den Fan oder doch schon Ultra und nicht zu vergessen Mitglied beim Chemnitzer FC ist.

Nun scheint es zunächst verwunderlich, warum diese Frage immer wieder in diesen Diskussionen aufkommt. Ich denke, solch eine Frage zu stellen, hat nicht nur den Hintergrund, dass man das reine Datum wissen wöllte. Es geht hierbei um die Klärung der Frage, wer was zu sagen hat. Die einfache Rechnung der Fragesteller heißt dann: Wer am aktivsten ist, am besten als Allesfahrer. Schließlich ist das die Königsdisziplin unter den wahren Fans. Diejenigen wissen wohl am besten Bescheid. Die Anzahl der Spiele, die man live vor Ort verfolgt hat, ist demnach auch noch ein sehr relevantes Kriterium zur Beurteilung der himmelblauen Fan-Qualifikation.

Klar wie Kloßbrühe bei dieser ganzen Problematik ist auch: Wer spricht, der wird gehört. Wer besonders laut spricht, wird am ehesten gehört. Wer nix sagt, der wird auch nicht gehört. Dabei ist nicht immer die Lautstärke entscheidend, sondern das was man zu sagen hat.

Nun will ich niemanden sein Fan-Dasein absprechen! Selbstverständlich hat man eine andere Verbundenheit, wenn man seit Jahren dem Club folgt. Sei es auswärts und/oder ob man bei Heimspielen immer in der ersten Reihe steht. Natürlich kann man mehr erzählen über die Geschichte des Clubs. Über legendäre Siege, über bittere Niederlagen und wer schon alles beim CFC gespielt hat und wo diese Spieler letztendlich bei einem anderen Verein noch gelandet sind. Natürlich sind solche Fans die Substanz eines jeden Vereins. Ich denke da z.B. an die Macher der Gellertwelle, die Macher der CFC-Fanpage, Fahnenschwenker Gerdl, die zahlreichen Fanclubs, der Fanszene Chemnitz e.V. (keine Gewähr auf Vollständigkeit und wenn ich jemanden vergessen haben sollte, dann bitte nicht persönlich nehmen). Sie alle kümmern sich aktiv um den CFC und bringen sich ein. Jeder auf seine Art und Weise. Jeder qualifiziert sich durch sein Tun. So wie er sich dadurch auch disqualifizieren kann.

Die Diskussionen ob nun Fan, Ultra und/oder Mitglied sind ja nicht neu und werden auch beim CFC immer wieder geführt. Ich erinnere mich noch gut an jene Diskussionen rund um das DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München im Jahr 2017. Was wurde da auf die Eventfans geschimpft, die danach nie wieder zum CFC kommen würden. Was dabei gerne übersehen wird: Bei jedem anderen Auswärtsspiel des FC Bayern ist nahezu jedes Mal das Stadion ausverkauft. Da hat Chemnitz keine Ausnahme gemacht. Da war das Stadion das bisher einzige Mal ausverkauft. Und ich erinnere mich noch daran, dass einer auf dem WC lauthals geschrien hat, dass man sich jetzt bloß nicht über den Andrang aufregen soll, da man sich später wieder aufregen würde, dass beim nächsten Spiel weniger kommen. Hätte ich nicht mit anderem Drang zu tun gehabt, ich hätte Beifall geklatscht.

Ich habe mir für dieses Pokalspiel eine Dauerkarte gekauft, um das Vorverkaufsrecht auf das eigentliche Spielticket zu haben. Dieses Ticket, plus die limitierte Sonderedition des Spieltrikots, inklusive einiger Bier und Bratwurst mit himmelblauen Senf. Das war ein teurer Spaß. Hat er sich gelohnt? Auf jeden Fall! Die Dauerkarte habe ich dann an das AWO Fanprojekt gegeben. Soviel zur Selbstbeweihräucherung. Bin ich deswegen ein Eventfan? Mitnichten, habe ich doch den CFC noch im Sportforum spielen sehen. Aber gut, solche Diskussion sind es nicht wert geführt zu werden. Es ist lediglich ein Beispiel wie bekloppt man als CFC-Fan auch sein kann.

Daher gehört es für mich zum Respekt unter den himmelblauen Fans dazu, dass man sich nicht damit qualifiziert, ob man in der Südkurve steht oder nur auf einem Sitzplatz auf der Gegengerade. Jeder wie er stehen und sitzen kann. Jeder wie er ein Spiel des CFC verfolgen will. Jeder kann beim Torjubel laut werden. Man kann aber auch leise in sich hineinjubeln. Nicht jeder ist der geborene Capo.

Alle werden gebraucht. Die Rentner. Die Ultras. Die normalen Fans. Die zahlenden Mitglieder. Solche, die übers Wochenende auf Heimatbesuch sind und ihre Herzdame nur mit einem Tribünenplatz vom gemeinsamen Fußball-Nachmittag überzeugen können. Oder die Sponsoren, die sich auf die VIP-Tribüne setzen und das Polster-Catering genießen. Denn alle haben ja zumindest einen gemeinsamen Wunsch: Das die Spieler, die die himmelbauen Trikots tragen, anzufeuern und so vielleicht auch zum Erfolg beitragen können. Wer wegen etwas Anderem ins Stadion kommt, der ist dort fehl am Platz.

Es ist ja bald Weihnachten, da darf man sich ja bekanntlich was wünschen. Also, sich nicht gegenseitig ausspielen. Das hat noch keinem Verein genützt. Ein bisschen mehr himmelblaues miteinander, statt graues gegeneinander.

By Nino

 

Voll auf die Sieben! Der CFC zu Gast beim VSG Altglienicke

Zum Beginn der berlinerisch-englischen Woche stand am 7. Spieltag der Regionalliga Nordost 2018/2019 zunächst ein Auswärtsspiel bei der Volkssportgemeinschaft Altglienicke für den Chemnitzer FC an, bevor der Berliner AK am 8. Spieltag an der Fischerwiese gastieren wird. Man vermutet es zumindest. Stand jetzt soll die Entscheidung hinsichtlich des Antretens der Berliner einen Tag (!) vor dem Spiel fallen. Total gespannt warten wohl alle Beteiligten darauf, ob sich die Berliner (allen voran deren Präsident) noch mehr mit Ruhm bekleckern wird oder nicht.

Die Himmelblauen haben jedenfalls ihre Fahrt ins völlig ungefährliche Berlin angetreten und standen pünktlich auf dem Rasen des Friedrich-Ludwig-Jahns Sportparks im Stadtteil Pankow. Warum es dazu nicht in Altglienicke kam, ist der Tatsache geschuldet, dass die VSG in Folge des Aufstiegs 2017 in die Regionalliga in dieses Stadion umziehen musste, da das eigene mit Kunstrasenplatz nicht den Anforderungen an die Standards der besagten Liga entsprach. So ist es dann auch für die Südost-Berliner in gewissermaßen ein Auswärtsspiel.

StadionPanorama

Zu Auswärtsspielen fahren tendenziell auch weniger Fans, was für dieses Spiel für beide Teams zutraf. Gerade einmal 1022 Zuschauer kamen ins Stadion, indem auch schon Michael Jackson 1992 im Rahmen seiner Dangerous Tour aufgetreten war. Damals ausverkauft und sicherlich in bester Stimmung, wirkten hier die Fans im weiten wie bunten Rund doch eher verloren. Auf die schätzungsweise 200 mitgereisten CFC-Fans war wie immer Verlass, die Gesänge wurden ab Minute eins angestimmt.

CFC-Fans

Diese Gesänge sorgten dann auch dafür, dass der CFC hier gefühlt ein Heimspiel hatte. Die heimischen Fans fanden ihre Erregungshöhepunkte bei der Vergabe von gelben Karten und Abseitspfiffen, ansonsten eher Totenstille. Im Gegensatz dazu feuerten die CFC-Fans die Mannschaft an und diese spielten selbstbewusst nach vorne und suchten den schnellen Abschluss. Diese Angriffsbemühungen wurden dann auch in der 11. Minute belohnt. Zwar nicht direkt aus dem Spiel heraus, sondern durch ein Foul an R. Garcia im 11meter-Raum. Folgerichtig gab es einen Elfmeter, den Kapitän D. Grote sicher verwandelte.

Grote11er

Im weiteren Spielverlauf waren die Chemnitzer Angriffsbemühungen nicht mehr ganz so zwingend. Dennoch reichten diese wiederum ein Elfmeter rauszuholen. Dem zweiten ging ein Foul an P. Itter voraus, D. Frahn verwandelte zum 2:0.

Frahn11er

2 Tore durch Elfmeter, das sieht man auch nicht so oft. So musste es dann auch soweit kommen, dass in der 45. Minute ein weiterer Treffer fiel. Ausgerechnet der Ex-Himmelblaue B. Förster traf zum 1:2 Anschlusstreffer. Dreimal darf geraten werden: Ja, durch einen Elfmeter.

Mit diesem ging es dann auch direkt in die Halbzeitpause. Diese wurde seitens des Stadionsprechers der Altglienicker für eine Live-Gesangseinlage genutzt. Nicht jedermanns Geschmack, aber er grüßte die Chemnitzer Fans und sang mit Leidenschaft. Hut ab!

HalbzeitShow

Diese Leidenschaft hätte man sich auch für die zweite Halbzeit seitens der Teams gewünscht. Das Spiel kam leider ohne wirkliche Torraumszenen aus, der Großteil des Geschehens spielte sich im Mittelfeld ab. Die Minuten verrannen und die Spannung wurde letztendlich allein durch den Spielstand aufrechterhalten. Bei aller Liebe zum Spiel, aber das war kein Einblick in die fußballerische Feinkostabteilung. Umso genüsslicher die Chemnitzer Fans, die jedes vorbeifliegende Flugzeug mit einem kräftigen „Flug-Zeug“-Ruf feierten. Und da diese im 5-Minuten-Takt ihr Ziel Tegel ansteuerten, war immer wieder für Stimmung gesorgt.

Etwas spannender wurde es dann nochmal in den letzten Spielminuten, als die Altglienicker zwar noch eine Riesenchance heraus, aber nicht erfolgreich zu Ende spielten. Auch zwei weitere Ecken blieben ohne Erfolg.

StadionAbends

So blieb es bei dem Spielstand und der CFC feierte einen eher glanzlosen 1:2 Auswärtssieg. Der Vereinsrekord wird damit weiter ausgebaut und die Himmelblauen stehen weiter unangefochten wie ein Fels in der Tabellenbrandung an der Spitze der Regionalliga Nordost. Die Mannschaft trotzt den stürmischen Zeiten und sendet sportliche Hoffnungszeichen in Richtung der Gläubiger, Sponsoren und Fans.

Abschluss

Wahrscheinlich ist der nächste Gegner der Berliner AK. Wie eingangs erwähnt, ist noch nicht endgültig entschieden, ob die Berliner auch wirklich antreten. An diesem Abend ist mir noch herzlich egal, denn zwei Dinge sind klar: Erstens: Der CFC ist als Spitzenreiter nach Berlin gekommen. Zweitens: Der CFC reist als Spitzenreiter aus Berlin ab. In diesem Sinne: Gute Fahrt, wohin auch immer.

By Nino

 

Täglich grüßt die „Insolvenzmasse“ CFC

Reinigung

Vor zwei Tagen hatte ich noch die sanfte Hoffnung, dass der Chemnitzer FC keine Rolle rückwärts in die Zeiten des Chaos Fußball Club vollzieht . In Anbetracht der Entwicklungen der letzten vier Tage mit diversen Stellungnahmen vom Aufsichtsrat bis Fanszene e.V. sowie Rücktritten aus Aufsichtsrat und Ehrenrat grüßt der CFC mittlerweile täglich aus den Boulevardmedien.

Für diese ist das CFC-Chaos natürlich ein gefundenes Fressen, lässt es doch viel Spielraum für Spekulationen und dummes Geschwätz. Nicht zuletzt tragen die Beteiligten mehr oder weniger (un-)freiwillig dazu bei. Zum Beispiel ist in der Stellungnahme des Aufsichtsrats zu lesen: „…Ebenso stimmt der Aufsichtsrat mit dem Insolvenzverwalter überein, dass tatsächliche private Befindlichkeiten und Animositäten in solchen richtungsweisenden Zeiten zurück zu stehen haben.“ Dadurch festigt sich leider der Eindruck, dass das Insolvenzverfahren auch zu einem Rosenkrieg zwischen den Vereinsoberen ausgeufert ist. Insolvenzverwalter (IV) K. Siemon lässt sich beim MDR damit zitieren: „Es war die Woche der Selbstreinigung. Es wäre schön gewesen, wenn alle den Weg einvernehmlich mitgegangen wären.“ Solche Worte kann locker vom Hocker derjenige sagen, der ganz genau weiß, dass er am längeren Insolvenz-Hebel sitzt. Frei nach dem Motto „Insolvenzrecht schlägt Vereinsrecht“.

Es ist aber auch so, dass es wohl allerhöchste Zeit war, dass alles auf den Prüfstand bei den Himmelblauen kommt. Zur Wahrheit gehört ja auch, dass nicht jeder ein Fan des CFC in Chemnitz ist. Ist es daher immer zum Wohle des CFC gewesen, sich von der Stadt und seinen (ex-)städtischen Unternehmen abhängig zu machen? Die GGG könnte ihr Sponsoren-Geld auch in die Renovierung ihrer Wohnungen stecken. Oder was ist mit dem Energieversorger „eins“? Bisschen weniger Strom bezahlen, da sagt auch keiner nein. Auch die Unterstützung durch die Stadt Chemnitz könnte hinterfragt werden. Klar, ohne das Steuergeld wäre das Stadion nie gebaut worden. Aber wäre eine Unabhängigkeit von der Stadt und ihren Räten nicht auch ein Zukunftsmodell?

Was die Zukunft betrifft, so ist ohnehin die drängendere Frage, wie es denn nun mit dem CFC weitergehen soll? Welcher neue Hauptsponsor wird vom IV-Siemon aus dem Hut gezaubert? Welche weiteren Pläne hat er noch? Die Ausgliederung der Profiabteilung steht ja schon als „Zukunftsvision“ im Raum. Läuft es auf die Gretchenfrage „Sponsoren oder Investoren?“ hinaus?

In der Siemon-Stellungnahme zur Pressemitteilung von eins energie steht: „Aus Gläubigersicht ist es so, dass viele Beteiligte im Umfeld des Chemnitzer FC die Wirkungen der Insolvenzeröffnung noch nicht richtig realisiert haben. Ein „weiter so“ kann und wird es nicht geben.“ Wichtig ist es aus Gläubigersicht, dass die neuen Gegebenheiten nunmehr vom Umfeld akzeptiert werden und die bereits an vielen Stellen sehr deutlich vorangeschrittenen Restrukturierungsergebnisse unterstützt werden.“

Dass es ein „weiter so“ nicht geben kann, daran zweifelt eh keiner mehr. Also keiner mit gesundem Menschenverstand. Es geht aber um das „wie“ es weiter geht. Ruhe bewahren, abwarten und hoffen, dass IV-Siemon schon das Richtige tun wird, ist mir zu wenig. Auch wenn er schon den FSV Zwickau 1999 und den VFC Plauen 2015 durch das Insolvenzverfahren geführt hat. Ein Fußballclub, insbesondere wie der CFC, ist nämlich keine reine Insolvenzmasse, um mal in der Sprache des Insolvenzrechts zu bleiben. Der Verein lebt auch von seinen Mitgliedern und Fans, die sich einbringen und das auch noch in Zukunft wollen.

In dieser eh schon schwierigen Phase wäre also mehr Kommunikation miteinander statt gegeneinander angebracht. Überzogene Aktionen wie Haus- und Stadionverbote erwecken den Eindruck, als wenn Kriminelle am Werke wären. A. Georgi und U. Bauch sind davon weit entfernt und auch keine Kinder mehr, die Ansagen nicht verstehen würden. Akzeptanz schaffen, das geht definitiv anders.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich beim 3. Fanclub-Treffen des CFC an. Dort will sich der CFC und IV-Siemon über die aktuelle Situation austauschen und steht im persönlichen Dialog für Fragen zur Verfügung. Ob da die zweite „Woche der Selbstreinigung“ folgt?

By Nino

 

 

Kommentar zum himmelblauen März und April 2018

CFCMärzApril18

Im Kommentar zum himmelblauen Januar und Februar 2018 hatten wir die These aufgestellt, dass Ende April 2018 feststehen wird, ob die #MissionKlassenerhalt erfolgreich war oder als gescheitert angesehen werden muss. Aus den anstehenden direkten Duellen mit Tabellennachbarn schöpften wir die Hoffnung, dass wichtige Punkte geholt werden könnten. So wirklich gelungen ist das nicht und mühsam es wäre, diese Ergebnisse nochmal zu dokumentieren.

Es ist auch schlicht egal, denn das Zusammenspiel von sportlicher und damit einhergehender wirtschaftlicher Talfahrt führte dazu, dass die CFC-Verantwortlichen am 10. April 2018 den Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellten. Hier geht’s zum Kommentar. Am 23. April 2018 teilte dann die DFL mit, dass den Himmelblauen aufgrund dieses Antrags neun Punkte abgezogen werden. Damit steht der Abstieg nun fest und der schwere Gang in die 4. Liga muss leider begonnen werden.

Auch wenn es noch kleine Funken der Marke Resthoffnung gibt. Diese speisen sich aus Gerüchten, dass andere Vereine wie der Karlsruher SC Probleme mit der Lizenz bekommen könnte. Für den Fall, dass sie nicht den Aufstieg in die 2. Liga schaffen würden. Oder der 1. FC Kaiserslautern, bereits erster feststehender 2. Liga-Absteiger soll evtl. auch Probleme mit der Lizenz für die 3. Liga bekommen. Ebenso wie SV Darmstadt 98. Die Lizenz-Gerüchteküche brodelt zwar ordentlich, die CFC-Verantwortlichen sollten sich damit aber nicht allzu lange beschäftigen bzw. darauf hoffen, dass zwei Vereine noch zwangsabsteigen. Denn bei all dem darf man nicht vergessen, dass die sportliche Leistung auf dem Platz auch mitentscheidend ist. Im letzten Heimspiel gegen Preußen Münster durfte man sich schon fragen, ob es überhaupt bei allen Spielern für die 3. Liga reicht.

Ob es reicht? Das ist wohl eh die Frage, die alle Himmelblauen zurzeit am meisten beschäftigen dürfte. Reicht es für einen Neuanfang? Können die Gläubiger vom Insolvenzplan überzeugt werden? Nach allem was man so hört und liest, tut sich ja besonders der Vermarkter Infront schwer. Immer wieder ist von Streitigkeiten, schlechten Verträgen und Altlasten die Rede. Ohne jetzt alles schwarz malen zu wollen, zu naiv darf man jedoch auch nicht sein: Es kann auch ganz anders kommen. Das schlechteste aller Ergebnisse wäre die Auflösung des Vereins. Dann ist der Chemnitzer FC Geschichte. Neugründung, Beginn in der Kreisklasse, irgendwo weit weg vom bezahlten Fußball wären die Zukunftsaussichten.

Um dieses Szenario zu verhindern, versuchen die Verantwortlichen mit den Fans neue Kräfte zu mobilisieren. Mit Hilfe des Fanszene Chemnitz e.V. und dem AWO Fanprojekt wurde Ende April 2018 die Mitgliederkampagne unter dem Motto „Tradition erhalten – Gemeinsam – Zukunft gestalten“ gestartet. Jeder und jede Himmelblaue, der noch nicht Mitglied des CFC ist, der sollte es jetzt werden. Einen besseren Zeitpunkt zu zeigen, dass man in schlechten Zeiten zusammensteht, wird es in Zukunft hoffentlich nicht mehr geben.

So oder so werden es turbulente Monate für den CFC. November/Dezember 2018 stehen als Datum für das voraussichtliche Ende des Insolvenzverfahrens. Das sportliche Geschehen tritt da schon etwas in den Hintergrund. Im Mai 2018 stehen noch das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Magdeburg mit dem Ex-Himmelblauen Türpitz und das letzte Heimspiel gegen Hansa Rostock an. Zum Abschluss dieser vorerst letzten Drittliga-Saison nochmal zwei schöne Ostduelle. Obwohl es von denen ja in der nächsten Saison sowieso ganz viele geben wird…

Wir hoffen natürlich, dass schnell und sauber der Rucksack der Vergangenheit abgelegt werden kann und nicht weiter mit Pflastersteinen gefüllt wird. Dann kann der Marsch in die Zukunft mit einem Koffer voller Zuversicht begonnen werden. In diesem Sinne:
Für Verein und Heimatstadt.

By Baba und Nino

 

Lese-Empfehlung:

Der Drops ist noch nicht gelutscht! Der CFC und der Abstiegskampf

Kommentar zum Insolvenzantrag des CFC

Chemnitzer FC vs. FC Rot-Weiß Erfurt

Premiere, Premiere! Seit dem Blog zur WM 2014 schreiben wir, Baba und Nino, über Dies und Das im weltweiten Fußballgeschehen. Wir freuen uns, dass wir nun erstmalig einen Gastbeitrag veröffentlichen können. Der Blogger Chasing hat sich dem Spiel Chemnitzer FC vs. Rot-Weiß Erfurt und hier insbesondere dem Support der Ultras gewidmet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Chemnitzer FC vs. FC Rot Weiß Erfurt

An diesem Wochenende musste ich leider auf das Spiel meines Herzensvereins verzichten. Dafür aber besuchte ich am Freitagabend ein kleines Ost-Duell unter Flutlicht. Der Einladung meines Chefs folgend, machte ich mich gemeinsam mit seinem Sohn auf den Weg nach Sachsen, genauer gesagt nach Chemnitz. Hier galt es, Berufliches mit einem hoffentlich interessanten Fußballspiel zu verbinden. Doch genug davon.

Die „Community4you ARENA“ in der Chemnitzer Gellertstraße füllte sich nur sehr langsam und die jeweiligen Fanlager schienen ziemlich unbeeindruckt von der Gegenseite zu sein. Zur Stadionhymne deutete sich eine kleine Schalparade an, doch im Stadionrund, wie auch auf der Südtribüne gelang dies nicht flächendeckend. Aufgrund der spärlichen Mitmachquote blieben viele Lücken. Erst beim Einlaufen der Spieler erwachte nun auch der Gästeblock, der mit 1000 Schlachtenbummlern doch recht ordentlich gefüllt war.

Mein Interesse galt vor allem der Südtribüne, da diese nach einem Zwischenfall auf dem Heimweg des Auswärtsspieles bei Wehen Wiesbaden eine kleine Umstrukturierung hatte vornehmen müssen. Seitdem wird diese nur noch von einer Ultra-Gruppe angeführt. Da die „Ultras Chemnitz“ somit den alleinigen Führungsanspruch stellt, war ich gespannt, wie der Support der Gastgeber ausfallen würde.

„ULTRAS“ – schlicht in Weiß auf schwarzem Hintergrund bildete das Herzstück der Beflaggung der Südtribüne. An den Seiten waren außerdem weitere Gruppenfahnen angebracht, was für ein einfaches, aber dennoch gut gefülltes und schickes Gesamtbild sorgte. Die Mitte des Blocks legte ebenso einen guten, engagierten und beherzten Auftritt hin, wobei es allerdings schwer schien, die gesamte Südtribüne am Support zu beteiligen. Hier besteht mit Sicherheit noch viel Luft nach oben. Ebenfalls viel Potenzial sehe ich in punkto Schal und Schalparaden, denn hier könnte die Südtribüne als geschlossene Formation optisch noch sehr viel bessere Akzente setzen.

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Der Einsatz der Schwenkfahnen und Doppelhalter war ebenfalls sehr simpel gehalten und beschränkte sich auf einige wenige mit Bezug zu alten FC Karl Marx Stadt Zeiten. Der Farbeinsatz dabei ist geprägt von Blau-Weiß und Himmelblau. Somit ist der optische Gesamtauftritt der Chemnitzer als mager zu bewerten und auch akustisch gelang es ihnen nicht, mit den Gästefans mitzuhalten. Dies bringt mich zum Auftritt der Gäste aus der thüringischen Landeshauptstadt.

Etwa 45 Minuten vor Anpfiff war der Gästeblock nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt. Zu Spielbeginn war der Eckblock dann jedoch prall besetzt und der couragierte, laute und gut koordinierte akustische Support der mitgereisten RWE-Anhänger begann. Angeführt wurde die Fangemeinschaft der „Steigerwaldkurve“ von den „Erfordia Ultras“. Diese lieferten mit schlichter Zaunbeflaggung sowie drei bis vier Schwenkfahnen, jedoch ohne Doppelhalter eine gute Performance ab. Optisch war der Gästeblock vor allem durch die Farbe Schwarz geprägt. Die Mehrheit der Schlachtenbummler war eher schlicht gekleidet und von dem zu erwartenden „Rot-Weiß“ war nichts zu sehen.

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Was mir am meisten imponierte, war definitiv die Mitmachquote der Gäste, da mindestens der halbe Block die gesamte Zeit über mit voller Motivation supportete. Immer wieder war auch der komplette Block beteiligt. Was die Lautstärke betrifft, so konnten die Chemnitzer nicht mit ihren Rivalen mithalten. Melodische Lieder im Wechsel mit lauten Anfeuerungen sorgten für eine gute akustische Stimmung der Gäste. Auch das späte 1:0 und somit Endstand der Gastgeber konnte für keinen Stimmungsabbruch sorgen. In den letzten Minuten gab die Gastmannschaft noch einmal alles, um wenigstens mit einem Punkt aus dem Spiel hervorzugehen. Der unermüdliche Support der Gäste reichte dem RWE jedoch leider nicht und so musste der Verein die Heimreise ohne Punkte antreten.

Alles in allem blieb der Spieltag ruhig. Auch der Derbycharakter blieb gänzlich aus, obwohl dies vor dieser Partie noch groß vom Stadionsprecher angekündigt worden war.  Beide Fanlager beschränkten sich auf den Support der eigenen Mannschaft, sodass Spruchbänder oder Dergleichen völlig ausblieben. Dass der CFC Probleme damit hat, die Zuschauer in Chemnitz anzuziehen, merkte man auch an diesem Abend. Trotzdem sahen sich an diesem Abend rund 7.000 Zuschauer das Spiel vor Ort an.

Das Ergebnis ist mit 1:0 völlig in Ordnung und ist dem Spielverlauf gerecht, wobei zu sagen ist, dass die Erfurter einen ihrer besseren Auswärtsauftritte hinlegten. Für sie wird dies vermutlich die schwierigste Drittliga-Saison seit Gründung, weshalb zu erwarten ist, dass sie am Ende gegen den Abstieg anspielen werden müssen. Letztlich bleibt die „Community4you ARENA“ als schickes und modernes Fußballstadion zu loben, weshalb ein Besuch der Spiele auch immer zu empfehlen ist. Die „Ultras Chemnitz“ und die Südtribüne haben noch einen weiten Weg vor sich, aber nach der Auflösung zweier anderer Gruppen kann man die Bildung einer neuen, großen Einheit sicher nicht über Nacht erwarten.

By Chasing