Schlagwort-Archive: Erzgebirge Aue

Danke für die Polarisierung, RB Leipzig! Teil 2

rb-leipzig-supporters

Im ersten Teil des Aufrufs für mehr Dankbarkeit für RB Leipzig haben wir argumentiert, dass RB Leipzig die willkommene Abwechslung sein kann, die an den alten Strukturen rüttelt und dazu anregt, dass eingefahrene System zu überdenken. Und vielleicht sogar dazu beiträgt, dass die Dominanz in der Fußball-Bundesliga von nur einem Verein #FCBayernMünchen gebrochen wird. Die Sportmedien hätten dann auch mehr Themen, als hauptsächlich zu jeder neuen Saison den FCB als künftigen Titelträger und die damit einhergehende Langeweile herbei zu schreiben.

Spielen wir den Ball etwas weiter und spinnen über die Zukunft:

Mit RB wird nun der Osten wieder auf die Landkarte der Beletage des Fußballs gesetzt. In der 2.ten versuchen Union Berlin, Dynamo Dresden und die Schachtis von Erzgebirge Aue ihr Glück. In der 3. Liga spielen mit zurzeit 6 ostdeutschen Clubs die meisten in einer Profi-Liga. Die Aussichten auf einen Aufstieg haben leider auch nicht alle. So oder so wird dort auch weiterhin die Party steigen.

Kurzer Rückpass in die Geschichte: Nicht zu vergessen ist der Fakt, dass die Leute in Leipzig mit den Füßen abgestimmt haben und nur dadurch das Projekt RB funktionieren konnte, denn wenn niemand zu den Heimspielen gegangen wäre, dann gebe es kein RB. Auch besteht die Chance, dass dadurch Leipzig geeint wird und gemeinsam Brot und Spiele (und Brause) abgefeiert werden können. Erstaunlich ist auch, dass sich die RB-Fans durch die jahrelangen Schmähungen, Protesten usw. nicht provozieren lassen. Selbst eine kleine Gruppe, die es meist nur dafür braucht, hat sich nicht zur offenen Konfrontation hinreißen lassen. Ob das über die Dauer und Anzahl der Aktionen auch die Fans von Frankfurt, Köln oder Dortmund (um nur einige Beispiele zu nennen) schaffen würden, das darf stark bezweifelt werden.

Zurück in die Zukunft: Nicht nur auf nationaler Ebene kann RB Leipzig etwas bewirken. Wenn es sportlich so weiterläuft, dann können sie auch dem Abstieg der Bundesliga im internationalen Vergleich entgegenwirken. So wie es sich jetzt abspielt, kann es auch nicht weitergehen. Nur der FCB und mit Abstrichen der BVB halten die Fahne hoch? Die spanische La Liga und die englische Premier League sind der Bundesliga enteilt. Wenn jetzt ein Club dazukommt, der die bestehenden Strukturen mal so richtig aufmischt, weil er die anderen zwingt sich selbst zu reflektieren, dann ist das nur begrüßenswert. Augenscheinlich ist es doch so, dass ein fast diktatorisch gemanagter Verein besser ist – da zielstrebiger.

Jeder Verein sollte sich daher hinterfragen: Arbeiten wir professionell genug? Haben wir Fachleute für Fußball, für wirtschaftliches Arbeiten, für Fitness, für Marketing usw. im Verein? Können diese Fachleute alle zusammenarbeiten? Stehen sie für die gleichen Ziele ein? Welche Priorität hat die Jugendarbeit? Wollen wir kurzfristigen oder langfristigen Erfolg? Welchen Gestaltungsspielraum soll der Trainer haben? Wie finanzieren wir den Verein?

Leider gibt es noch viel zu viele Vereine wie der Hamburger SV, Werder Bremen, Schalke 04, bei denen diese Fragen offensichtlich nicht beantwortet werden können und anschaulich zeigt, wohin das Reinreden von Altgedienten führt. Nicht zuletzt verdeutlichen die Trainer-Entlassungen bei diesen Vereinen die ganze Misere.

Vielleicht sieht die Zukunft so aus: RB Leipzig spielt im Champions-League Finale gegen Bayern München. Ganz Deutschland ist stolz und jubelt ihnen zu, wie sie auch Sebastian Vettel in der Formel 1 zugejubelt haben – und da war und ist RB ja willkommen. Alle anderen Fußball-Clubs haben mehr oder weniger ihre Strukturen professionalisiert, wenn nicht sogar eine eigene Spielphilosophie entwickelt (sofern noch nicht vorhanden). Dann hat auf lange Sicht der RB den deutschen Fußball weitergebracht und die Bundesliga verbessert. Zudem besteht die leise Hoffnung, dass diejenigen Clubs, die ihre erfolgreiche Vergangenheit in einer Fremdscham-Monstranz vor sich hertragen, mehr als nur Sparringspartner für die Münchner Bayern und die Borussen aus Dortmund sind.

Fazit: Irgendwie ist es cool so einen Aufmischer, Punker und Typen auf der Party zu haben, der sich nicht um die traditionellen Konventionen schert, sondern öffentlich & offensiv präsentiert was er will und die anderen sich nicht richtig aufregen können, da sie a) es genauso machen wollen, aber nicht können oder b) auch genauso schon machen, es aber nicht zugeben können. Denn bei aller Mitbestimmung und Teilhabe bei einem Verein: Bei den üblich verdächtigen Traditionsvereinen wie z.B. Werder Bremen, Schalke 04, HSV, BVB oder FCB hat kein Fan und Mitglied Einfluss auf das operative Geschäft. In diesem Sinne: Nicht aufregen und Danke für die Polarisierung, RB Leipzig!

By Baba&Nino

 

Die Mutter aller Bezirksderbies

CFC

Am Wochenende war es wieder soweit, nach langen 13 Jahren in verschiedenen Ligen trafen endlich wieder mein Verein der FCK und die Schachtis aus Aue aufeinander. Das war schon ein seltsames Gefühl und im Laufe der letzten Woche baute sich eine unheimliche Spannung in mir auf. Ich war überrascht, dass ich nach all den Jahren noch so intensiv davon beeinflusst werden würde. Ich verfolgte jede Meldung in den einschlägigen Foren und las jeden erdenklichen Zeitungsartikel. Ich verschlang diese geradezu und auch alle möglichen Beitrage, die sich rund um Provokationen von beiden Seiten drehten, konnte ich nicht vermeiden. Jeden Tag wurde das Gefühl intensiver und Freitagabend vor dem Spiel dekorierte ich mein Wohnzimmer mit CFC und FCK Devotionalien, um am Morgen dann fit fürs Spiel zu sein. Ich war bereit und dennoch war neben der Vorfreude auch eine gewisse Angst vorhanden das es nicht friedlich abgehen würde.

Mein Vater, der nun wirklich kein Fußballfan ist, aber schon seit Ewigkeiten Chemnitzer ist erzählte mir wie er auch immer total beeindruckt von diesem Derby im Bezirk war. Als er jung war, nahm ihn sein Schwager Bernd in den 1970ern mit zu den Duellen und nicht nur einmal regnete es Flaschen und Steine zwischen den Blöcken. Mein Vater erzählte mir, dass sein Schwager dann immer seine Lederjacke hochhielt, um beide zu schützen. Wow, diese Erzählung brannte sich in mein Gehirn ein und es war klar, dass diese Auer einfach der Gegner sind und sich falsch benehmen. Dem mussten Grenzen aufgezeigt werden.

Heute frage ich mich manchmal wie es sein kann, das sich Leute die unter der Woche miteinander arbeiten und zum großen Teil miteinander verwandt sind auf dem Fußballplatz all das vergessen und dann einen eigentlich kleinsten und sinnlosen Lokalpatriotismus ausleben??? Der einzige Spruch der mir dazu einfällt ist, das Bruder-Kriege oft heftiger geführt werden als anderen, weil man mehr Zeit hat, sich auf den Keks zu gehen. Naja ich weiß nicht, da ich meine Erzgebirgssippe echt mag und auch der Arbeit von Wismut Aue positiv gegenüber stehe. Jedenfalls geht es in diesem Duell um das Prestige. Absteigen ist hart – das Bezirksduell verlieren… Diese Schmach fühlt man länger und die wird mir von meiner Sippe für die gefühlten nächsten 10 Jahre unter die Nase gerieben.

Am Samstag kam es dann wie es kommen musste. Erst wurde in den frühen Morgenstunden eine CFC Fankneipe von vermummten Auern angegriffen und verwüstet und das alles schön im Internet aufbereitet. Und zu allem Überfluss verlieren wir noch das Spiel! Zu Hause! Gegen die Schachtis! Oh Mann. Meine Anspannung schlug schnell um in Frustration und dann in Enttäuschung. Jetzt kann ich nur aufs nächste Derby hoffen. Trost gibt mir der Gedanke, dass ich diesmal nicht dreizehn Jahre warten muss.

By Baba