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Pokal-Krimi deluxe! Das 13:12 des CFC vs. Lok Leipzig.

UltrasBeginn

Die Zutaten für ein herrlich-schönes Halbfinale im Sachsenpokal 2019 lagen auf dem Rasen. Abendsonne, Ostduell unter Flutlicht, der Chemnitzer FC vs. 1. FC Lokomotive Leipzig. Himmelblau vs. Blau-Gelb. Der Tabellenführer vs. den 6.ten der Regionalliga Nordost. 26 Punkte Unterschied. Im Hinspiel siegte noch der CFC-ICE vs. die Bummel-Lok mit 3:1, im Rückspiel gab es trotz 2:0 Führung eine 2:4 Auswärtsniederlage für die Himmelblauen. In dieser Saison also unentschieden. Aber was interessieren schon die Ergebnisse in der Liga? Der Pokal, ja genau der Klassiker darf nicht fehlen: der Pokal hat seine eigenen Gesetze!

Gemäß diesem Gesetz konnte man auch gern darauf hinweisen, dass der CFC die letzten drei Duelle für sich entscheiden konnte, allen voran das Finale 2016. Das war aber kein Grund übermütig zu werden. CFC-Trainer D. Bergner sprach daher im Vorfeld fast ehrfürchtig von Lok Leipzig als „Team der Stunde in der Regionalliga“. Gegen dieses fehlte weiterhin T. Müller, der mit den Nachwirkungen einer Gürtelrose zu kämpfen hatte.

Der Lok-Trainer B. Joppe konnte hingegen mit voller Kapelle nach Chemnitz reisen. Oder wie er es ausdrückte: „Seit heute sind alle wieder an Bord. Wir fahren mit großem Besteck nach Chemnitz.“ Jaja, da hat wohl jemand sein Praktikum in der Phrasendrescherei erfolgreich bestanden.

Angepfiffen wurde pünktlich unter stimmgewaltiger Begleitung und Ansage der Chemnitzer Fans.

Das Spiel startete flott, das Bemühen auf beiden Seiten war ersichtlich. Die Chemnitzer erwischten dabei den besseren Start und holten in den ersten Minuten einen Freistoß und zwei Ecken heraus. Letztere Ecke drückte der wiedergenesene M. Langer aus fünf Metern zur 1:0 Führung über die Linie. Lok-Torwart B. Kirsten war das erste Mal geschlagen.

M. Salewski reagierte auf seine Art und konnte sich nur mit einem groben Foul an D. Grote in der 11. Minute helfen. Diese hatte dann auch weitere Konsequenzen, denn Lok-Trainer B. Joppe holte den Heißsporn in der 22. Minute vom Platz. Ein Sicherheitswechsel, bevor die falsche Abfahrt, sprich Gelb-Rot genommen wurde. Zwar nicht die Gelb-Rote, aber eine weitere Gelbe Karte für den Leipziger R. Berger erzürnte B. Joppe im Folgenden dermaßen, dass er auf die Tribüne geschickt wurde. Nuja, nix mehr mit voller Kapelle.

Die Himmelblauen ließen sich einfach mal gar nicht davon beeindrucken und schenkten zwei Minuten später das nächste Tor ein. Wieder war es M. Langer, der aus 20 Metern zielsicher abzog und das zweite Mal B. Kirsten überwand. Was für ein Comeback.

Im Ergebnis des weiteren Spielverlaufs war ich fast geneigt zu schreiben, dass es eine eingleisige Angelegenheit werden würde. Aber so ist eben Fußball: keine voreiligen Urteile bilden. Mit der gefühlt ersten richtigen Torchance markierten die Leipziger in der 40. Minute den 1:2 Anschluss-Treffer. Die letzten Minuten nutzten die Himmelblauen für stürmische, aber leider erfolglose Bemühungen den alten 2 Tore-Abstand wiederherzustellen. So ging es 2:1 in die Halbzeitpause, aus derer beide Teams wechsellos zurückkamen.

Etwas weniger engagiert gestalteten sich die ersten 10 Minuten der 2. Halbzeit. Das bemerkten wohl vor allem die Leipziger, die später wesentlich robuster und zielstrebiger in die Zweikämpfe gingen und sich tatsächlich auch Torchancen erspielten. Dieses Engagement wurde auch prompt belohnt. In der 66. Minute vollendete M. Pommer seinen eigenen eingeleiteten Angriff mit dem 2:2 Ausgleich. Großes Aufstöhnen auf der Chemnitzer Seite. Wieder eine 2:0 Führung verspielt. Sollte sich die Saison-Rückspiel-Geschichte wiederholen? Oder wird der Pokal seine eigene Geschichte weitererzählen?

Die Gedanken kreisten natürlich und die Nervosität stieg mit jeder Minute. Diese wurde mit Chancen auf beiden Seiten entsprechend erhöht oder beruhigt. Auf die Spitze getrieben wurde es dann in der 86. Minute von D. Bozic, D. Frahn und P. Itter. Alle drei schafften es nicht, den Ball im Tor unterzubringen bzw. B. Kirsten ein drittes Mal zu überwinden. Ganz fair betrachtet: Bester Mann der Leipziger. So blieb es beim 2:2 und die unvermeidliche Verlängerung musste die Entscheidung bringen.

In dieser zeigten sich die Himmelblauen wieder anfangs couragierter. Diese Phase unterstützte CFC-Trainer D. Bergner mit dem ersten Wechsel. In der 99. Minute brachte er P. Hoppe für D. Bociz. Das nützte aber 1.mal überhaupt nix, denn wieder machten die Leipziger das Tor. In der 102. Minute markierte K. Schulze den 3:2 Führungstreffer. In drei Halbzeiten ein Tor, nicht von schlechten Eltern. Aber auch die Himmelblauen haben gute Eltern, z.B. I. Karsanidis, welcher den Ball aus 20 Metern ins Tor drosch. 3:3 Ausgleich! Was für ein Spiel. Das Nervenkostüm war auf dem besten Wege ziemlich dünn zu werden. Und die nächste Zerreißprobe folgte wenige Minuten, denn es blieb beim 3:3 und das Elfmeterschießen musste diesen Pokal-Krimi entscheiden. Um sich der Entscheidung so nüchtern wie nur gerade möglich zu nähern, folgt das 11er Schießen folgendermaßen:

Hoheneder: Trifft zum 4:3

Schinke:       Trifft zum 4:4

Karsanidis:  Trifft zum 5:4

Steinborn:   Trifft nicht.

Blum:            Trifft zum 6:4

Urban:          Trifft zum 6:5

Grote:            Trifft zum 7:5

Schulze:        Trifft zum 7:6

Frahn:           Trifft nicht.

Pfeffer:          Trifft zum 7:7

Garcia:          Trifft zum 8:7

Zickert:          Trifft zum 8:8

Langer:         Trifft zum 9:8

Gottschick:    Trifft zum 9:9

Itter:               Trifft zum 10:9

Ziane:             Trifft zum 10:10

Hoppe:           Trifft zum 11:10

Urbaun:         Trifft zum 11:11

Jakubov:        Trifft zum 12:11

Kirsten:          Trifft zum 12:12

Hoheneder:   Trifft zum 13:12

Schinke:        Trifft nicht!!!!!!!!!!!!

Unfassbar!

Wahnsinn!

Das Nervenkostüm war nun nicht mehr dünn, es war einfach weg. 13:12! Wer sollte das einem glauben? Die Anzeigetafel hielt dieses verrückte Ergebnis an diesem jetzt schon legendären Abend fest.

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Von diesem Spiel werden wir unseren Kindern erzählen, versprochen!

Der CFC gewinnt diesen mittlerweile fantastischen Pokal-Krimi deluxe! Im Finale wartet der FSV Zwickau. Die „Schwäne“ stehen nach 34 Spieltagen auf dem 7. Rang der 3. Liga. Das schwerste Spiel des Jahres 2019 steht also für den Chemnitzer FC noch an. Aber heute heißt es erstmal Feiern! Für Zwickau heißt es: Chemnitz! Chemnitz! Wir fahren nach Chemnitz! Immer eine Reise wert…

By Nino