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Relegation zwischen Gut und Böse

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Nun ist es wieder soweit und die Relegation hat uns wieder. Dieses Jahr mit einer klaren Rollenverteilung.

Die Guten und Underdogs sind Holstein Kiel mit ihrem Stadion, das Probleme hat für die Bundesliga zugelassen zu werden. Vor nur 2 Saisons spielten sie unambitionierten 3. Liga Fußball. Jetzt sind sie auf dem Sprung in die höchste Spielklasse und das obwohl der eigene Trainer der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen hat und seinen Wechsel nach Köln vor ein paar Wochen verkündet hat.

Kiel steht Kopf und in der Handballmetropole hat sich eine große Euphorie breitgemacht. Bundesliga in Kiel? Nicht in Hamburg oder Rostock. Nein in Kiel. Das klingt ganz nach der Geschichte des gallischen Dorfes, welches gegen alle Übel Widerstand leistet.

Auf der anderen Seite steht Wolfsburg – der Werksclub, der bis vor dem Dieselskandal von Haupteigner VW nur in Championsleague-Sphären dachte. Diese Mannschaft gespickt mit Fußballmillionären in der Niedersächsischen Provinz. Denen fällt die Rolle des Bösen zu, da kein Fußballtraditionalist sich jemals damit anfreunden kann, diese Plastikclubs (Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig) ohne Fanaufkommen im Nirgendwo in der höchsten Spielklasse zu sehen.

Die Rollen sind klar verteilt und das Hinspiel findet neben dem Bahnhof des Lieferbandes für VW in Wolfsburg statt. Wer schon mal da war, weiß wovon ich rede. Dennoch verspricht so ein Spiel eine geniale Stimmung, da dieses von der Spannung lebt. Alles oder Nichts – Es lebe die Relegation!

Holstein Kiel hat eine klasse Saison gespielt und Wolfsburg nicht. Doch hat Wolfsburg einen tollen Sieg über Köln hingelegt. Vom Gefühl her sehe ich Wolfsburg vorn, da sie einfach die besseren Spieler haben und über die gesamte Saison hinweg auf höherem Niveau spielen mussten. Kiel hingegen muss seine Stärken – den Kampf annehmen und ihre Konter konsequent fahren.

Zum Spiel: Wolfsburg nach anfänglichem abtasten dann langsam mehr und mehr überlegen und mit der Führung in der 13. Minute. Danach gibt es wenige Lebenszeichen von Kiel, die mir ein wenig ehrfürchtig erscheinen. 34. Minute endlich der Ausgleich aus dem Nichts. Drechsler mit wunderbarem Solo und der Vorarbeit zum wichtigen Auswärtstor! Nun fühlt es sich wie ein offener Schlagabtausch an. Wolfsburg mit 57% Ballbesitz. 40. Minute und dann ist es passiert – Wolfsburg striked again. Kiel muss vorsichtig sein und sich nicht auf den Schlagabtausch einzulassen. Kiel ist jetzt viel zu offen. Wolfsburg schwimmt auf einer Euphoriewelle.

Doch ab Minute 70 drehen die Kieler nochmal auf. Erspielen sich Chancen fast wie am Fließband. Aber auch in den 5 Minuten Nachspielzeit fehlt die letzte Konsequenz und es bleibt beim einzigen Tor für die Störche. 3:1 gewinne die Wölfe das erste Duell gegen die Störche. Am Pfingstmontag dann das zweite Duell. 0:0, alles auf Anfang.

By Baba

 

Relegation ist geil! Alles oder Nichts! Es lebe die Relegation!

Fußball

Aus aktuellem Anlass ein alter Text (Ende Mai 2017) zum Thema Relegation:

Nachdem uns Nino die Abgründe der Relegation näher gebracht hat möchte ich den großen Stellenwert der Relegation hervorheben!

Ich liebe die Relegationsspiele. Punkt.

Jedes Mal wenn die Relegationsspiele anstehen freue ich mich darauf, auch wenn jetzt Wolfsburg gegen Braunschweig nicht so meine Vereine sind (ohne Übertreibung) und auch mein Verein oft nichts damit zu tun hat. Aber darum geht es nicht, sondern es geht um den Kick – alles oder nichts. Egal wieviel Geld die Vereine investiert haben und wie sehr ein Team auf dem Papier dem anderen überlegen ist – es stehen sich 11 Spieler gegenüber – die einen mit einer miserablen und die anderen mit einer tollen Saison. Und dann gibt es nur Hop oder Top. Da zeigt sich der wahre Charakter der Spieler und Fans.

Na klar ist es Mist, wenn dein Team unterliegt und nicht aufsteigt bzw. absteigt, ABER genau um diesen Kick geht es doch beim Fußball. Wir werden mit so vielen unwichtigen belanglosen Spielen, welche meist 1:1 oder 1:0 ausgehen, gelangweilt und haben einen Abonnement-Meister. Das ist alles langweilig und lässt mich nicht die Glotze anschalten, aber Relegation, Europapokalausscheidungsspiele, und WM oder EM Spiele, nachdem die unsäglichen Qualifikations- bzw. Gruppenspiele vorbei sind interessieren mich. Auch Pokalspiele erinnern mich daran, worum es beim Fußball geht: ein sportliches Kräftemessen von zwei Teams, die jeweils vor heimischer Kulisse die Chance haben sich zu beweisen, Helden und Antihelden hervorzubringen und uns als Fans in Ekstase zu versetzen oder in die Verzweiflung zu drängen.

Ich will beim Fußball noch was fühlen und ich erinnere mich noch sehr lebhaft als Chemnitz in der Relegation gegen Osnabrück für die 2 Liga auswärts das Hinspiel verlor. Kujat hatte den Ball im Strafraum mit der Hand abgewehrt und die Osnabrücker durch Elfmeter das Heimspiel gewonnen. Nachdem Chemnitz in der gesamten Saison so gut wie kein Spiel verloren hatte und seit über 1000 Spielminuten kein Gegentor kassiert hatte und dann das. Es war zum Haare raufen. Zum Rückspiel an der Gellertstraße hatte ich auch Karten und stand in einem hoffnungslos überfüllten Block, als eben jener Kujat das entscheidende 2:0 markierte. Direkt vor unserem Block und dann auf der Werbebande sich feiern ließ. Irre, es war der Wahnsinn. Die Fischerwiese explodierte und in meinem Block war Pogo angesagt. Bier und Menschen flogen umher und es war ein Rausch, den ich heute fast 18 Jahre später immer noch fühle. So sollte sich der Fußball zumindest ab und an mal anfühlen. Relegation hat den selben Geschmack.

Früher als Kids haben wir auch mit dem FC vor-dem-Haus gegen den FC hinter-dem-Haus gespielt und was waren das für Feste wenn wir die Jungs, die ein bissel älter waren, geputzt haben. Daran erinnere ich mich und nicht an ein Unentschieden am 13. Spieltag von Verein X gegen Verein Y in Liga Z.

Die Relegation verspricht Spannung, welche doch vom Vollblutfan gewünscht wird, ganz im Gegensatz zum bloß Fußball konsumierenden Eventfan. Der will seine Bayern, Barcelona oder Madrid nicht verlieren sehen, sondern gesichert zum Titel begleiten. Daher gefällt mir auch der Playoff-Modus ganz gut, weil es da immer die Chance gibt, dass da ein Favorit mal strauchelt und ein kleinerer Verein über sich hinauswächst.

Ich liebe diese Alles oder Nichts Spiele, weil sie den Fußball lebendig machen, Helden und Antihelden hervorbringen, Geschichten erzählen, mich berühren und irgendwie das, was im Fußball durch die Kommerzialisierung verloren gegangen ist, wieder lebendig machen. Relegation ist Anarchie – da sie wie die anderen Alles oder Nichts Spiele nicht planbar ist und nur dafür schaue ich Fußball!!!

By Baba

Lese-Empfehlung: Relegation ist Mist

Halb-Finale in der HSV-Crunchtime

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Moin moin Freunde des Fußballs,

wir sind nun im Endspurt der HSV-Crunchtime. Nach 3 Siegen in 4 Spielen haben die Hamburger das vielbeschworene und zitierte Momentum des Siegers auf ihrer Seite. Und das völlig recht. Durch harte Arbeit und die wiedergefundene mannschaftliche Geschlossenheit befinden sich die Rothosen auf einer Welle der Euphorie. Trainer Titz hat für den 33. Spieltag das „Halbfinale“ ausgerufen, womit er klar und deutlich die Richtung vorgegeben hat. Nämlich, dass am 34. Spieltag zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach das „große Finale“ gespielt wird. Zu Hause im Volksparkstadion. Was für eine Dramatik.

Ich muss ja zugeben, dass diese Wochen der HSV-Crunchtime schon mehr als üblicherweise an meinen Nerven zehren. Klar, nach den letzten Jahren ist man als HSVer einiges gewohnt und weiß, dass erst die letzten Spieltage die ganze Saison entscheiden werden bzw. da der Klassenerhalt gesichert wird. Diese Saison 2017/2018 wurde der Spannungsbogen arg gespannt, aber zum Glück nicht überspannt. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann dieser, dass es wieder etwas ruhiger zugehen kann. Diese mediale Dauerpräsenz ist ja bald nicht mehr zu ertragen. Jeder sog. Experte gibt irgendwo seinen Senf dazu, meist auch ungefragt. Und ständig wird man selbst gefragt, warum man den eigentlich noch HSV-Fan ist. Tsss, was für eine Frage. Einmal die Raute im Herzen, immer die Raute im Herzen! Soweit zu den Leiden eines HSV-Fans, zurück zum sportlichen Geschehen.

Im Halbfinale der HSV-Crunchtime trafen wir auswärts auf Eintracht Frankfurt. Vor dem Spiel war allen klar, dass uns nur ein Sieg weiterhelfen kann. Mit der schmerzlichen 0:3 Auswärtsniederlage stehen wir weiterhin auf dem 17. Tabellenrang. Großer Dank geht auch an die Bullen von RB Leipzig, die die Wolfsburger mit einem 4:1 Heimsieg nach Hause schickten. Die kommen zu Hause an und werden feststellen, dass sie zwar immer noch auf dem 16. Tabellenrang stehen, aber die Angst vor der zweiten Relegation in Folge weiterhin omnipräsent ist.

Die Chancen auf die Triple-Relegation sind dagegen für uns um immer noch da. Im Heimspiel gegen Mönchengladbach wird es das Finale, auf das wir Fans immer gehofft haben. Zum Trotz der zahlreichen Unkenrufe, dass der HSV absteigen würde. Dabei scheint es auch beim letzten Experten nicht angekommen zu sein: Der HSV wird niemals absteigen! Niemals!

Die Niederlage schmerzt natürlich, keine Frage. Aber was nützt es sich damit weiter zu beschäftigen. Wir müssen nach vorne schauen. Und nach Wolfsburg. Die haben auch verloren und somit bleibt es dabei, dass wir es am letzten Spieltag immer noch aus eigener Kraft schaffen können. Das Ziel heißt jetzt Relegation.

Die Relegation, ach wie schön, da haben wir bisher ja nur gute Erfahrungen gemacht. Ungeschlagen sind wir da! Da würden wir erst einmal zum 1. FC Nürnberg aufschließen, der schon dreimal an der Relegation teilgenommen hat. Zweimal gewonnen, einmal verloren. Wir können uns also die alleinige Spitze sichern, indem wir dreimal die Relegation gewinnen. Mehr Motivation geht nicht! Danke auch an die DFL, dass diese Regelung wiedereingeführt wurde. Allen Anschein wird der Verlierer, ähm Gegner Holstein Kiel sein. Aber damit will ich mich erst beschäftigen, wenn es soweit ist.

Jetzt heißt es erst einmal vollste Konzentration auf das große Saisonfinale. Borussia Mönchengladbach hat gegen den SC Freiburg 3:1 gewonnen und hat nur noch theoretische Chancen auf die Europa-League. Zu unstetig ihre Leistungen schon über die ganze Saison. Aber eigentlich ist mir das auch egal, jetzt kann uns nix mehr aufhalten. Samstag, 12. Mai 2018, alle Spiele gleichzeitig, Fußballherz was willst du mehr. Und der HSV? Mittendrin statt nur dabei. All die Hater werden doch mit einem Auge oder Ohr beim HSV sein und verfolgen was da im Volksparkstadion passiert. An die Adresse all derjenigen, ich kann es euch schon mal verraten: Da wird Geschichte geschrieben. HSV-Geschichte! In diesem Sinne: Niemals 2. Liga. Nur der HSV!

By Sören

 

P.s: wiederum vielen Dank an Baba&Nino für die Möglichkeit, auf ihrem Blog meine Gedanken loswerden zu können.

Relegation ist Mist!

Misthaufen

Nun ist es soweit: mit dem VfL Wolfsburg als 16.ten der 1. Fußball-Bundesliga und Eintracht Braunschweig als 3.ten der zweiten Liga stehen die Teilnehmer für die Relegationsspiele 2017 fest. Die Eintracht aus Braunschweig sicherte sich mit einem 2:1 vs. Karlsruher SC den dritten Platz und der VfL rutschte durch eine 1:2 Auswärtsniederlage gegen den schon totgeglaubten HSV auf den 16. Tabellenplatz ab. Nur so viel zum Zustandekommen dieser Relegation. Im Grunde genommen ist es mir nämlich herzlich egal wer diese Spiele spielt, denn für mich ist es klar wie Kloßbrühe: Relegation ist Mist. Warum das so ist, dazu braucht es ein paar Blicke auf und neben den Platz…

Als Erstes der Blick in den Duden: Dort steht geschrieben, was Relegation überhaupt bedeutet. Und siehe da: es bedeutet: „Abstieg“. Ein Abstieg ist es jedoch nur für den 1.Bundesligisten. Es müsste also richtigerweise „Qualifikationsspiele“ heißen #Klugscheißer#1. Qualifikationsspiele für die erste oder zweite Fußball-Bundesliga #Klugscheißer#2.

Als Zweites der Blick bzw. die Frage nach dem Sinn dieser Relegation? 2006 wurde die Relegation (nach 1982-1991) wiedereingeführt. Der damalige DFL-Geschäftsführer begründete dies als die „Rückkehr eines Spannungsfaktors.“ Das mag zu dem Zeitpunkt wohl auch eine angemessene Einschätzung gewesen sein, ändert aber rein gar nix daran, dass die Relegation ein fulminanter Fehlschuss in Punkto Gerechtigkeit ist. Warum das wiederum so ist, dazu reicht ein Blick auf die nackten Zahlen:

Da stehen sich (mindestens) 3060 Spielminuten vs. (mindestens) 180 Spielminuten gegenüber. Oder auch: 34 Spiele vs. 2 Spiele. Oder auch noch: Die Arbeit von 52 Wochen vs. die Arbeit 1er Woche.

Das heißt also, dass sich der VfL Wolfsburg, der die ganze Saison mehr schlecht als recht gespielt hat, mit Andries Jonker den dritten Trainer in dieser Saison, diese jedoch mit zwei Spielen gehen den unterklassigen Eintracht Braunschweig retten kann. Aber was ist gerecht daran, wenn die Eintracht 34 Spieltage so erfolgreich spielt, dass sie Drittbester ist (hinter dem VfB Stuttgart und Hannover 96, beides Bundesliga-Absteiger) und sich noch gegen den höherklassigen VfL Wolfsburg durchsetzen muss? Da ist man dem Aufstieg schon sehr nahe und bekommt noch eine extra Hürde vor die Tür zum Oberhaus gestellt. Und der VfL, der dann doch überraschend am Boden liegt, dem werden helfende Hände entgegengestreckt, damit er vielleicht noch mal aufstehen kann. Diese Ungerechtigkeit schreit ja förmlich zum Himmel.

Zur Beurteilung der Gesamtsituation hilft auch ein Blick in die Vergangenheit. Dieser macht deutlich, dass die Verlierer auch auf längere Sicht die Verlierer sind. Bei den bisher 8 Relegationen hat sich 6mal der Erstligist durchgesetzt. Der Verlierer #2009#Cottbus spielt jetzt in der Regionalliga. Der Verlierer #2015#Karlsruhe ist 2017 in die 3.Liga abgestiegen. Daher lautet das Fazit: Die 1. Liga bleibt unter sich und die Relegation ist bisher eine 1.Liga-Zugehörigkeits-Sicherungsmaßnahme. Vor allem zeigt sich das beim Hamburger SV, der sich gleich 2014 und 2015 mit eher unterirdischen Leistungen die Klasse sicherte. Zudem ist die HSV-Lernkurve immer noch im Minus-Bereich. Alle weiteren Verlierer #Bochum #Düsseldorf #Kaiserslautern #GreutherFürth sind bisher in der 2.Liga geblieben. Sie sind wohl gekommen, um zu bleiben. Einzig #Augsburg und #Hertha BSC Berlin haben nach den Niederlagen später den direkten Aufstieg geschafft.

Zum Abschluss der Blick in die Zukunft: Wie soll es mit der Relegation weitergehen? Im Sinne der Gerechtigkeit sollte sie wieder abgeschafft werden. Auch im Sinne eines leistungsgerechten Fußballs. Es sollte wieder der Grundsatz gelten: Die ersten drei der 2.Liga-Tabelle steigen auf, die letzten drei der 1.Liga steigen ab. Dieser Grundsatz gilt selbstverständlich für die Relegation 2. Liga/3. Liga sowie die vorgenannten Ungerechtigkeiten.

Jens Todt, der aktuelle HSV-Manager, hatte Anfang Mai 2017 als Erster gefordert, die Relegation abzuschaffen. Ein Mann, der sich nun wirklich damit auskennt. 2015 noch mit dem KSC dramatisch gescheitert, jetzt gerade noch mal entgangen. Ob das auch nächste Saison seine Meinung sein wird?

Egal wie die Relegation 2017 ausgeht: Wer für die Relegation ist, hat den Fußball nie geliebt.

By Nino

 

Hass auf RB Leipzig! Nicht mehr alle Dosen im Schrank? Teil 2

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Nachdem ich mir im ersten Teil des Textes zum Hass auf RB Leipzig diese Frage noch gestellt habe, so kann ich sie nun mit einem klaren Ja beantworten. Den bisherigen Tiefpunkt der Protestaktionen gegen RB lieferten nämlich am 19. BL-Spieltag tausende „BVB-Fans“ mit einer Vielzahl an Bannern, u.a. mit: „Burnout Ralle: Häng dich auf!“. Vor dem Spiel kam es zu Gewaltausschreitungen, laut der Pressemitteilung der Dortmunder Polizei: „[…] … zu massivem Bewurf mit Steinen und Dosen auf vorbeigehende Anhänger des RB Leipzig durch Anhänger von Borussia Dortmund.“ Das Geschrei der Medien über diese nicht tolerablen Geschehnisse ist freilich immens und die Forderung des Bundesinnenministers de Maizière nach strafrechtlichen Konsequenzen nachvollziehbar.

Mühsam ist die Ursachenforschung dazu, wie es überhaupt so weit kommen konnte und wer mit welchen Äußerungen zu solch einer Stimmung beigetragen hat. Wer weiß denn schon, welchen Einfluss das Magazin für Fußball-Kultur #11Freunde mit seinem Artikel „Wie die BVB-Fans gegen RB Leipzig protestieren könnten“ auf die Protestaktionen hatte? Zwei der sechs Vorschläge sind einerseits das Werfen von Bullenköpfen und andererseits der Einsatz einer Schallkanone gewesen. Zum „Einsatz“ kamen seitens der „BVB-Fans“, wie schon erwähnt, vor dem Spiel Steine und Dosen sowie während des Spiels Laserpointer. Aber hier einen direkten Zusammenhang herzustellen wäre doch töricht!

Nun ist mehr denn je entscheidend welche Antworten auf die Fragen gefunden werden, wie es mit der hasserfüllten Stimmung gegen RB Leipzig sowie den Protesten weitergehen soll? Was muss passieren damit diese Situation nicht weiter eskaliert? Welche Auswirkungen hat das auf den Verein, die Spieler, den Fans? Spielen die Medien eine Rolle? Welchen Beitrag leisten die anderen Vereine, die Deutsche Fußball-Liga und der Deutsche Fußball-Bund?

Zunächst zu den einfachen Fragen:

Wird RBL sich vom Spielbetrieb abmelden? Eher unwahrscheinlich!

Werden die RB-Fans keine mehr sein wollen? Eher unwahrscheinlich!

Werden die Spieler sich freiwillig einen neuen Verein suchen? Das gilt es abzuwarten.

Wird die sportliche Journaille weniger über RB berichten, um so dem Marketingkonstrukt keine allzu große Medienpräsenz zu bieten? Da wird eher das glatte Gegenteil eintreten und weiterhin über alles und jeden berichtet, um #Dilemma die Verkaufs- und Klickzahlen in die Höhe zu treiben.

Meiner Einschätzung nach wird der ganze Protest eher das Gegenteil bei RB bewirken, im Sinne von „Jetzt erst Recht!“. Ist also das Motto: Kein Protest ist auch eine Lösung? Eher nicht, denn wichtig ist doch bei wem man und gegen was man protestiert! Änderungen am Geschäftsmodell bei Red Bull einfordern? Naiver Gedanke!

Die richtige Protest-Adresse sind daher die Lizenzgeber. ZuSpät#1 ist es beim sächsischen Fußballverband, der als Türöffner für den Einstieg in die 5. Liga fungierte. Auch ZuSpät#2 ist es beim Nordostdeutschen Fußballverband, der anschließend grünes Licht für die Lizenz der 4. Liga gab. Somit bleibt nur noch die Deutsche Fußball-Liga übrig! Die DFL hat nämlich die Lizenz für die 3. Liga erteilt. Sie hat sie für die 2. Liga erteilt und auch für die 1. Liga.

Was muss also passieren, damit die DFL ihre Meinung ändert? Muss da erst ein zweiter Konzern auf’s Spielfeld kommen, der die Spielregeln im Lizenzierungsverfahren bis zum Äußersten auszureizen versucht? Werden dann die Statuten geändert? Das gilt es abzuwarten.

Eine Positionierung der DFL zu den Ausschreitungen in Dortmund sucht man jedenfalls vergeblich auf deren Homepage. Keine Worte sagen manchmal mehr als tausend Worte.

Beim DFB hingegen gibt es zumindest ein Statement des DFB-Präsi Grindel, der sich mit den Worten zitieren lässt: […] „Wichtig ist jetzt vielmehr eine grundlegende Debatte, an deren Ende eine gemeinsame Linie gegen jede Form physischer und psychischer Gewalt stehen muss. Wir brauchen den Aufstand der Anständigen in den Kurven, klare Distanzierungen von Gewalt. […] „. Alles Sätze, die ich im Zusammenhang mit Gewaltprävention sofort unterschreiben würde. Aber wenn es um die Änderung von Strukturen geht, dann ist mal wieder keine Luft im Ball.

Mit all den Unwahrscheinlichkeiten und dem fehlenden Willen zur Veränderung fällt es mir schwer daran zu glauben, das sich früher oder später etwas ändern wird. Selbst ein solch konsequenter Protest wie ein Fan-Boykott bei Spielen gegen RBL wäre ein Bärendienst an der Sache. Die Medien würden darüber wieder in strapaziöser Überlänge berichten und dem Marketing-Gedanken von RB wäre unfreiwillig zur Genüge getan.

Es mangelt also weiterhin an der fehlenden Ignoranz gegenüber RB. Wie wäre es mit Lösungen der anderen Art?

1.tens müssten die Bedingungen, von strukturell über sportlich bis finanziell bei anderen Vereinen attraktiver sein als bei RB. Für die Spieler muss es unattraktiv werden in Leipzig zu spielen.

2.tens müssten die Medien ihrer Verpflichtung nach seriöser Berichterstattung wieder mehr nachkommen. Also z.B. keine Artikel mehr über Vorschläge zu Protesten, nur um des Willens Klicks zu generieren #11Freunde.

3.tens ist das noch nicht so beliebte Ausverkaufs-Modell: Die anderen Vereine kaufen einfach noch mehr die besten Spieler weg. Diese Methode, bisher nur von einzelnen Vereinen praktiziert, könnte dazu beitragen, dass RB auf sportlicher Ebene geschwächt wird und die Ziele #Champions-League in weite Ferne rücken.

Lösung oder nicht Lösung, das ist hier die Frage. Vielleicht besinnt sich die sportliche Konkurrenz auch einfach auf das Wesentliche und sorgt dafür, dass RB in der Bedeutungslosigkeit versinkt, eine Fußzeile im Kapitel über modernen Fußball wird und alle dankbar für die Polarisierung gewesen sind.

Die Taktik-Füchse sprechen beim RB’schen Spielstil vom „offensiven Gegenpressing“. Zeit für #EineFußballWeisheitGehtImmer: Entscheidend ist auf’m Platz!

By Nino

 

Kommentar zum „Transferwahnsinn“ Teil 2

Auch zwei Wochen nach dem Ende der Winter-Transferperiode wird im besten Kahn’schen Modus #ImmerWeiterImmerWeiter drauf los spekuliert welcher Club wie viele Millionen für DEN Transfer-Coup des Sommers zur Verfügung stellen will. 18 Mio. Jahresgehalt für Robert Lewandowski bei Real Madrid? Oder wechselt er doch zu Manchester City mit Pep Guardiola? Dorthin soll auch Neymar transferiert werden, für ein Jahresgehalt von 66 Mio. Als Ersatz soll Mesut Özil zum FC Barcelona kommen, der derzeit als Vorlagengeber bei Arsenal London seine Brötchen verdient. Das Motto lautet: Umso schräger, umso besser. Ich bin dafür, das ein Film gedreht wird: „Das Gerücht. Möge die Wahrheit erwachen.“

Jetzt Rolle rückwärts zum Transferwahnsinn. Dazu kurz zur Erinnerung … mit dem neuen Fernsehvertrag für die Premier League kassieren die englischen Clubs für die Spielzeiten von 2016 bis 2019 insgesamt rund 6,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Fußball Liga #DFL plant für die Saison 2016/2017 mit Einnahmen in Höhe von 835 Millionen Euro. Im ersten Teil zum Transferwahnsinn habe ich versucht u.a. die Chancen für die deutschen Clubs zu skizzieren. Diese Skizze geht noch ein bisschen in die Verlängerung, bevor dann wirklich im Teil 3 der Blick in die Glaskugel zu den Auswirkungen auf das Mannschaftsgefüge, die Identifikation der Spieler mit dem Club und nicht zu Letzt der Fans mit ihren Lieblingsvereinen erfolgen soll.

Was steht also auf der „Must do“-Liste der Bundesliga-Clubs? Auf eine sehr gute Infrastruktur, volle Stadien und prächtige Stimmung können sie schon mal aufbauen.

Eine Aufgabe wird es sein, auch weiterhin in die Ausbildung von jungen Spielern zu investieren, um einerseits auf kostenintensive Einkäufe so gut wie verzichten oder andererseits wechselwillige Spieler zu einem möglichst hohen Erlös verkaufen zu können. Wenn England klingelt, dann bitte die Ablöse schön nach oben treiben. Bayern Pillenkusen hat das schon ganz clever gemacht. Den wechselwilligen Heu Ming Son für 30 Mio. zu Tottenham Hotspur wechseln lassen und sich dafür mit Kevin Kampl und Javier Hernández # Chicharito qualitativ und quantitativ verbessert. Auch das Mittel der Vertragsklauseln sollte offensiver genutzt werden, damit die Vereine bei einem weiteren Transfer auch noch kassieren.

Es muss ja nicht gleich eine 300 Mio. Euro Klausel sein, die laut der Enthüllungsplattform Football Leaks im Vertrag von Toni Kross bei Real Madrid steht. Dieser soll, wenn er Madrid verlassen aber Real ihn nicht ziehen lassen will, die 300 Mio. zahlen bzw. hoffen, dass sein neuer Verein für diese Summe aufkommt. Beide Fälle scheinen mir un-real-istisch. Solche sog. #Abschreckungsklauseln gehören in Spanien zum Transfer-Geschäft dazu. Ist das nicht auch eine Option für die deutschen Clubs? So oder so muss diese Geld-Kuh so lange gemolken werden wie es geht.

Wenn sie nicht zu solchen Mitteln greifen wollen, dann sollten sie optimale Bedingungen für die Profis schaffen, damit auch hier eine Perspektive entwickelt werden kann. Es sollte für mehr Spieler ein Kindheitstraum sein, in der 1. Bundesliga, in der Liga der Weltmeister (zumindest bis 2018) zu spielen. Mit einer erhöhten Anzahl an Top-Spielern erhöht sich auch die Attraktivität der Liga. Was aus der geplanten Reform des Liga-Betriebs und dem DFB-Pokal wird, bleibt abzuwarten. Mit dem Anstoß der Diskussion durch die DFL wurde, typisch deutsch, erst einmal die Runde der Ablehnung eingeläutet. Eine vertiefte Diskussion und inhaltliche Auseinandersetzung erfolgt erst im zweiten, 3ten. Schritt.

Ein paar Schritte nach vorne muss auch der englische Fußballverband FA machen. Sicherlich klopfen die sich angesichts des TV-Vertrags immer noch kräftigst auf die Schultern. Allein das Geld wird die Probleme der Liga und der Nationalmannschaft nicht lösen. Zum einen wird die Ausbildung englischer Nationalspieler weiter ins Stocken geraten, wenn nur ausländische Spieler geholt und diese wohl auch mit Stammplatz-Garantien auf die Insel gelockt werden. Was passiert wenn die Three Lions bei Europameisterschaft 2016 in Frankreich zum wiederholten Male grandios und in Schönheit ausscheiden? Wie tief muss der Absturz sein? Beim DFB reichte das Vorrunden-Aus bei der EM 2000 in Portugal um eine ambitionierte Reform anzustoßen. 14 Jahre später konnten die Früchte dieser Arbeit geerntet werden. Dieser Milchmädchen-Rechnung folgend wäre bei der WM 2030 für England die Zeit reif.

Solange werden die Insulaner nicht warten wollen, denn der letzte Titel liegt ja schon ein halbes Jahrhundert zurück. Geld allein macht also nicht glücklich. Die heraufbeschworene Ära der englischen Dominanz könnte sich also auch ins Negative wenden.

By Nino