Schlagwort-Archive: DFB-Pokal

Himmelblaue Fassungslosigkeit

WahnsinnBundesliga

Nach dem ich Anfang April über die Geschehnisse am und nach dem 9. März 2019 und deren Aufarbeitung nur noch wütend war , so machen einem die neuesten Entwicklungen beim Chemnitzer FC nur noch fassungslos. Nach jeder Meldung bleibt man erstmal sprachlos zurück und hofft, dass irgendjemand den Stopp-Button drückt, um die himmelblaue Eskalation zu beenden.

Den Anfang machte die Stellungnahme des CFC-Notvorstandes, in der dieser u.a. den Insolvenzverwalter Klaus Siemon der Lüge hinsichtlich der Beteiligung an oben stattgefundener Trauerzeremonie bezichtigt. Eine interessante Wendung und sofern dann auch so von der Staatsanwaltschaft eingeschätzt, wäre das eine Bankrotterklärung in Sachen Glaubwürdigkeit für Herrn Siemon. Soweit ist es aber noch nicht und daher wurde von ihm die Zeit genutzt, von dieser Aktion mit einer Reaktion in Form des Antrags auf Masseunzulänglichkeit des Chemnitzer FC e.V. abzulenken. „Eine Insolvenz in der Insolvenz“ steht einem Insolvenzverwalter an sich nicht wirklich gut zu Gesicht. Aber vielleicht steckt dahinter ja ein viel größerer Plan, den nur er kennt. Nicht viel scheint er aber von dem Fußball-Verein zu wissen, den er gerade offensichtlich völlig instinktlos sanieren soll. Anders kann ich mir die ein paar Tage später unangekündigten Kündigungen der Nachwuchstrainer nicht erklären. Hinter den Planstellen stehen immer noch Menschen. Und da es um den Nachwuchs geht, kochen die Emotionen verständlicherweise noch ein wenig höher.

Um das Emotionsfass dann aber zum Überlaufen zu bringen, bedurfte es noch der Entlassung des Mannschaftskapitäns und Publikumslieblings Daniel Frahn wegen massiv vereinsschädigenden Verhaltens. Als massiv vereinsschädigend wird die „offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ und der aufgelösten Gruppe „NS-Boys““ angeführt. Zur Begründung des CFC wurde die gemeinsame An-und Abreise zum Auswärtsspiel gegen den Hallenser FC mit oben genannten Köpfen angeführt.

Im ersten Moment dachte ich: „Was für eine Scheiße mit Frahn. Das können die doch nicht machen!“ Mit die, sind die Gesellschafter bzw. die CFC Fußball GmbH gemeint. Vor allem der Stil der sofortigen Trennung wirkt teilweise völlig unangemessen. Den Teil „Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr.“ hätte man sich wirklich sparen können. Man denkt halt dann auch nicht mehr die paar Schritte weiter, die vor dem Eingang des Arbeitsgerichts enden könnten.

Umso länger ich jedoch darüber nachdenke, umso verwirrender ist die ganze Situation. Letztes Jahr ist Frahn beim CFC geblieben, obwohl er hätte woanders spielen können und mehr verdient hätte. Warum soll er jetzt gehen? Vielleicht weil die ganzen Jahre nur Unruhe im Verein war und weiterhin ist? Selbst mit dem Aufstieg bzw. der Rückkehr in die 3. Liga und dem Sachsenpokal-Gewinn ist keine richtige Euphorie entstanden. Und dann noch einen ordentlichen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. Aber darum soll er jetzt gehen? Das macht keinen Sinn. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Ein streitbarer Typ war Frahn auf dem Platz schon immer. Sportlich gesehen hinterlässt er eine riesen Lücke.

Derweil drehte sich das kuriose-Meldungen-Kreisel weiter. Nun bot sich ausgerechnet der Aue Präsident Helge Leonhardt an, um den CFC-Nachwuchs zu retten. Mein ehemaliger Nachbar (glühender Aue-Fan) erzählte mir oft und gerne, dass früher die besten Auer-Spieler zum FCK geschickt wurden und Aue (und vor allem er) sehr darunter gelitten hatten. Die beste Gelegenheit also um alte Rechnungen zu begleichen? Nach aktuellem Stand wird dieses Szenario aber nur ein feuchter Schacht-Traum bleiben. Denn „glücklicherweise“ wollen sich jetzt die CFC Fußball GmbH auf der einen Seite und ein Bündnis aus verschiedenen Vereinen u. Institutionen aus Chemnitz auf der anderen Seite um den Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums kümmern. An sich schön, dass wenigstens zu viele Leute als zu wenige Leute auf dieser himmelblauen Baustelle stehen.

Für positive Nachrichten könnte der CFC in der 1. Runde des DFB-Pokals sorgen. Vor einer wahrscheinlich ausverkauften Fischerwiese treffen die Himmelblauen auf den bisherigen Chaos-Club Nr. 1 aus Deutschland. Mit dem sportlichen Fehlstart ist der CFC zumindest in dieser Kategorie mit dem Hamburger SV auf Augenhöhe.

Die himmelblaue Hoffnung stirbt zuletzt, dass der CFC sich nur sportlich mit dem HSV auf Augenhöhe begegnet.

By Nino

Hinweis auf Richtigstellung:

In der ersten Version dieses Textes ist mir ein Fehler unterlaufen. Bei der Vorbereitung habe ich ein in der Lokalpresse veröffentlichtes Bild als Grundlage zur Beschreibung eines Sachverhalts genutzt. Dieser wurde jedoch meinerseits unbeabsichtigt falsch dargestellt. Ich wurde dankenswerterweise von zwei Lesern auf den Fehler hingewiesen. Ich bedaure diesen und möchte hiermit bei den Beteiligten um Entschuldigung bitten. Der Text wurde entsprechend aktualisiert.

 

 

„Was bisher geschah…“ Teil 9

Neun

Das letzte Mal einstellig, dann sind wir schon bei Numero 10. Vorher können wir in aller gebotenen Bescheidenheit in unserer Rückblicks-Kategorie „Was bisher geschah…“ wie eh und je auf einen bunten Strauß an Themen zurückblicken. Wir haben uns dem ewigen Thema „Relegation“ mit einem Pro und Contra gewidmet und so wie es aussieht, werden wir wohl dazu niemals einer Meinung sein. Wenn schon dann beim Thema Kommerz. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote sind immer noch eine gute Orientierung, etwas proaktiv gegen die Kommerzialisierung im Fußball-Geschäft zu tun. Bei aller Schwierigkeit der konsequenten Umsetzung.

Eine luftige Geschäftsidee hatten wir allerdings für Timo Werner. Leider aufgrund der ihn ereilenden Schmäh-Rufe aus der Not geboren. Einen empörten und immer noch unbeantworteten Leserbrief an den 11Freunde Chefredakteur und u.a. auch SternStimme Philip Köster hatte dies auch noch zur Folge.

Fehlen durfte unser geliebter Chemnitzer FC selbstverständlich nicht. Diesmal vertreten mit einem Kommentar zum Sieg im Sachsenpokal 2017, der wiederum zum vermeintlichen Traumlos FC Bayern München in der 1. Runde des DFB-Pokals geführt hatte.

Wie immer: Viel Spaß beim Stöbern!

By Baba und Nino

81. Was bisher geschah…Teil 5

82. Relegation ist Mist

83. Der unabsteigbare HSV – der Traum von einer Huldigung!

84. Kommentar zum Sachsenpokalfinale Lok Leipzig vs. CFC

85. Relegation ist geil! Alles oder Nichts! Es lebe die Relegation!

86. Die luftige Geschäftsidee für Timo Werner

87. Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

88. CFC vs. FCB – Das Pokal-Traumlos!?

89. Leserbrief zur stern-Stimme Philipp Köster

90. Ein Bericht vom Spiel Houston Dynamo vs. FC Dallas

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7 und last but not least Teil 8.

 

Ein Blick in die himmelblaue Glaskugel

ball-3528226_960_720

Hurra, Hurra die Chemnitzer sind wieder da! Zurück in Liga 3 der Fußball-Bundesliga. Oder wie die Spötter von den Dächern rufen: „Pleite-Liga!“, „Insolvenzliga!“, „Millionengrab!“ Diesen Rufen wollen wir uns hier aber nicht anschließen. Stattdessen widmen wir uns frei nach dem Motto von Ron Atkinson „Ich wage mal eine Prognose: Es könnte so oder so ausgehen.“ einer nicht ganz ernstgemeinten himmelblauen Hinrunden-Aussicht.

Ernst meint es dagegen nunmehr die MDR-Sportredaktion. Für die ausschließliche Berichterstattung über den Chemnitzer FC wird ein zusätzlicher Praktikant eingestellt. Laut Aussage des MDR-Sportchefs Raiko Richter soll der Anschein einer „ausgewogenen Berichterstattung“ weiter gefestigt werden.

Offiziell startet die 3. Liga mit dem trost-wie-torlosen Duell zwischen dem TSV 1860 München und Preußen Münster. Der CFC startet hingegen mit zwei Siegen gegen die Mitaufstiegs-Teams Waldhof Mannheim und Viktoria Köln. Der erste Tabellenplatz wird auch in der Englischen Woche in den Duellen vs. SV Meppen und Hallescher FC überraschend verteidigt. In Halle reicht es allerdings nur zu einem Unentschieden. Trainer David Bergner begründet dies mit „die Spieler sind mit dem Kopf schon im Pokal“. Damit meint er das anstehende DFB-Pokal-Duell gegen die Traditionsmannschaft Hamburger SV. Die zweitklassigen Elbstädter liefern sich vor ausverkauften Stadion ein mitreißendes Duell, welches letztendlich durch einen verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit entschieden wird. Sportvorstand Thomas Sobotzik bedankt sich insbesondere bei den Mitgliedern des CFC, die mit den Ticketkäufen maßgeblich zum ausverkauften Stadion beigetragen haben.

Das erste Freitagsspiel bestreitet der CFC gegen den 1. FC Magdeburg. Die Magdeburger haben aufgrund der Pokal-Niederlage vs. SC Freiburg eine gehörige Portion Wut im Bauch und besiegen die Himmelblauen mit einem Tor Unterschied. Die Bergner-Schützlinge bekommen dennoch zwei Tage Urlaub. Diese nutzt die Mannschaft u.a. zu einem gemeinsamen Abendessen. Es wird Zigeuner-Schnitzel serviert. Der MDR-Praktikant wittert den ersten handgeschriebenen Skandal. Jedoch gibt es keine Videoaufnahmen, so dass sein Chefchen Tom Scheunemann grimmig dreinschauend entscheidet, dass die prallgefüllte Skandal-Akte des CFC zunächst keinen weiteren Eintrag erhalten soll. Der Praktikant wird unterdessen in der MDR-Sportreporter-WhatsApp-Gruppe freundlich auf die Laufzeit seines Praktikums hingewiesen.

Das himmelblaue Trainer-Team ruft dagegen die bayerischen Wochen aus. In den Duellen gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München, den TSV 1860 München und die Börsianer aus Unterhaching sollen mindestens sieben Punkte eingefahren werden. Als Belohnung wird ein Besuch auf dem Münchner Oktoberfest ausgerufen. Der MDR-Praktikant wittert Skandal-Luft und sucht schon mal günstige Mitfahrgelegenheiten gen München. Trotz dieses Anreizes verpasst das Team die angestrebte Punktezahl. Nach harten Duellen auf dem Platz werden am Ende vier Punkte aus Bayern mitgenommen. Der Mannschaftsrat kann das Trainer-Team dennoch vom Besuch des Oktoberfests überzeugen. Dem MDR-Praktikanten wird geflüstert, dass wohl ein Obazda-Wettessen mit anschließender Wetteinsatz-Einlösung vor Ort erfolgen soll. A riesen Gaudi soll’s werden. Erste Entwürfe für eine reißerische Überschrift werden noch direkt nach Bekanntwerden der Eilmeldung von TAG24 erstellt.

Das dritte Ost-Duell vs. Carl Zeiss Jena kann der CFC überzeugend für sich entscheiden. Die Tabellensituation entschärft sich somit langsam aber sicher. Die Mannschaft nutzt dieses Momentum und tritt die Reise zum Oktoberfest an. Der MDR-Praktikant scheitert an der Einlass-Kontrolle zum Käferzelt. Somit bewahrheitet sich das Mannschafts-Motto „Was in München passiert, bleibt in München“. Per Anhalter tritt der geknickte MDR-Praktikant die Heimreise nach Chemnitz an. Währenddessen erhält er wohlmeinende Recherche-Tipps (#Rassismus #Insolvenz #Gerichtsverfahren).

Gegen den Zuschauermagneten SG Sonnenhof Großaspach erspielt sich das himmelblaue Team einen weiteren Auswärtsdreier. Gegen die Zebras aus Duisburg und die Schanzer aus Ingolstadt reicht es nur für magere Unentschieden. Erste „Bergner-Raus“-Rufe sind vom leicht-erregbarem Chemnitzer Publikum zu hören. Die Chefetage vereinbart zur Trainer-Frage bis auf Weiteres „Stillschweigen“. Zum Traditionsduell #FCKFCK reist extra die Chemnitzer Katze Michael Ballack an. Aus der eigenen VIP-Loge fiebert er mit seiner alten Liebe FCK dem Sieg entgegen.

Im Vorfeld des Spiels vs. Preußen Münster machen Insolvenzgerüchte die Runde. Die Münsteraner, so der erstberichtende MDR wollen Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Chemnitzer FC abwerben. Koste es, was es wolle. Zur Not, so der Vorstand, soll der Weg durch alle gerichtlichen Instanzen gegangen werden. Der so umworbene Siemon wird dann auch auf der Tribüne vom Preußenstadion gesichtet. Die örtlichen Boulevardmedien zerreißen sich über das Warum zwar tagelang genüsslich, schließlich aber ohne Ergebnis das Maul. Die Erweiterung des Erfahrungshorizonts der CFC-Spieler durch das knappe Nicht-Gewinnen geht dabei schlussendlich unter.

Mit der Niederlage beginnt der zweitspielreichste Monat dieser 2019/2020er Hinrunde. Noch in Münster sind wieder unüberhörbar „Bergner-Raus“-Rufe zu vernehmen. Das Stillschweigen der Verantwortungsträger wird ausnahmsweise gebrochen. In einem Exklusivinterview mit der CFC-Fanpage erklärt Sportvorstand Thomas Sobotzik, dass der Trainer seinen Vertrag erfüllen wird. Mindestens bis zum Ende der Saison. Diese vertrauensvolle Rückendeckung wirkt sich wiederum positiv auf die Mannschaft aus. Gegen die Kickers aus Würzburg und Braunschweig zeigt sich die himmelblaue Eintracht auch auf dem Spielfeld. Ein Sieg und ein Unentschieden lassen auch die letzten Meckerer kleinlaut werden.

Beim vorvorletzten Duell vor der Winterpause indes herrscht wieder der (T-)Rubel. Der Pöbel-Russe Mikhail Ponomarew zeigte seinem Trainer Heiko den Vogel und lotst Peter Neururer aus Wattenscheid an den Rhein. Der Retter-Mythos und „neuer-Trainer-Effekt“ zieht aber wie eh und je nicht. Die Himmelblauen siegen unbeeindruckt und Kapitän Daniel Frahn schießt sich mit einem lupenreinen 3er-Pack zurück an die Spitze der Torjägerliste.

In den letzten beiden Hinrunden-Duellen, gleichsam die heißersehnten Ostduelle gegen die Schwäne aus Zwickau und die Koggeianer aus Rostock werden die Punkte jeweils brüderlich geteilt. Der CFC beendet die Hinrunde auf dem 6. Tabellenplatz.

Der weihnachtliche Rückrunden-Auftakt vs. Waldhof Mannheim wird ebenso gewonnen. Tage später erleben die himmelblauen Fans sowie alle Beauftragten und Bevollmächtigten die Erstauflage des „Weihnachtssingens“. Am Mittelkreis der Fischerwiese werden glühweingeschwängert „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Alle Jahre wieder“ sowie „Ihr Hirten, erwacht!“ zusammen gesungen. Schön, dass auch diese Tradition noch zu Kommerz veredelt wird. Bei den Gründern des Weihnachtssingens, Fans des 1. FC Union Berlin, werden dazu genervt die Augen gerollt.

Keine rollenden, sondern tränende Augen hat am 23. Dezember 2019 der MDR Praktikant. Kurz vor den Betriebsferien wird ihm das frühzeitige Ende des Praktikums per Bote übermittelt. Offiziell aus Kostengründen. Aus dem geleakten WhatsApp-Chatprotokoll wird jedoch deutlich, dass der Praktikant die Erwartungen seiner Oberen massiv enttäuscht hat. Die Ansage war glasklar: mehr Follower! mehr Likes! mehr Klicks! mehr Content! Und das bei einer solch leichten Skandalnudel wie dem Chemnitzer FC. Wir hätten jedenfalls Geduld walten lassen. Schließlich kommt noch die Rückrunde…

By Baba&Nino