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„Was bisher geschah…“ Teil 6

SechsBlog

Aller guten Dinge sind sechs. Daher blicken wir bereits zum sechsten Mal in der Kategorie „Was bisher geschah…“ zurück. Dieser Teil steht ganz im Zeichen der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft haben wir kommentiert, ebenso die Berichterstattung der Sportmedien, die allzu oft unter dem Motto „ohne Hirn und Verstand“ betrieben wurde.

Die 22 Fragen zur EM haben wir direkt nach dem finalen Kommentar zum Spiel Portugal vs. Frankreich beantwortet. Zum Abschluss folgte noch ein Ausblick auf die 3.Liga-Saison 2016/2017, hier mit besonderem Fokus auf die Traditionsmannschaften aus dem Osten Deutschlands. Die Prognose kann sich im Nachhinein durchaus sehen lassen…Viel Spaß beim Stöbern.

By Baba und Nino

 

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und last but not least Teil 5

 

  1. Kommentar zum zweiten Date mit GER vs. POL
  2. EM-Berichterstattung OHV!?
  3. Kommentar zum EM-Spiel NIR vs. GER
  4. Kommentar zum EM-8telfinale Deutschland vs. Slowakei
  5. „Was bisher geschah…“ Teil 2
  6. Angst schießt keine Tore – Kommentar zu GER vs. ITA
  7. Finale ohohh! Ein Kommentar zu #PORFRA
  8. Die 22 Antworten zur EM 2016…die ersten 7
  9. Die 22 Antworten zur EM 2016…die zweiten 7
  10. Die neue – beste und einzigartigste 3. Liga

 

Leserbrief zur stern-Stimme Philipp Köster

Sterne

Lieber Herr Köster,

dies ist ein Leserbrief zu ihrem Artikel „Lasst die Fans doch Timo Werner auspfeifen!„.

Eigentlich war Ihre letzte „Kabinenpredigt“ zum Thema „Der Fußball und der Kommerz – ein hoffnungsloser Fall“ schon ein Leserbrief wert. Ich entschied mich dann aber nicht auf den öden Mecker-Zug aufzuspringen. Dann doch lieber die 10 Anti-Kommerz-Gebote formulieren und proaktiv etwas gegen die Kommerzialisierung im Fußball-Geschäft zu tun.

Mecker-Zug deswegen, weil sich Ihre bisherigen 20 Texte nur um den FC Bayern München, Borussia Dortmund, Kritik am Kommerz oder was alles langweilig ist (die Meisterschaft generell, die dann der FCB gewinnt oder dessen schnöde Meisterfeier) oder den HSV drehen, dann aber nur in Verbindung mit dem FCB (8:0 Niederlage). Neben diesen Themen gibt es lediglich Ausnahmen (Nationalmannschaft, SC Freiburg, gute/böse Schwalben, Sportsgeist von Julian Nagelsmann). Aber das war es dann auch schon. Leider.

Jetzt also Timo Werner und die Pfiffe beim WM-Qualifikationsspiel vs. San Marino. Da die Pfiffe, vor dem Hintergrund der Vorgeschichte, so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche waren, habe ich mich auch mit dem Thema beschäftigt und die passende bzw. luftige Geschäftsidee entwickelt. In der leisen Hoffnung, dass Timo Werner dann von allen sogenannten Fußball-Experten ein amtlicher #BossMove attestiert wird.

Kurz zusammengefasst müsste, wenn es nach Ihrer Meinung ginge, diesem unwürdigem Treiben jedoch kein Ende gesetzt werden, weil Timo Werner selbst dran schuld ist. Richtig so? Also immer schön weiter mit den Pfiffen und der einhergehenden öffentlichen Demontage eines Fußball-Spielers. Besteht denn noch die Chance, dass sich Timo Werner „rehabilitiert“? Ab wann kann denn nach Ihrer Ansicht nach Schluss damit sein? Den Fehler hat er, wenn auch reichlich spät, eingestanden und er würde es gerne rückgängig machen. Soll er mit dem Fußball spielen aufhören? Da sehe ich die Schlagzeile schon vor mir: „Timo Werner beendet Karriere- Die Pfiffe wurden ihm zu viel“. Reißerischer geht’s bestimmt, da kennen Sie sich besser aus.

Dabei geht es bei diesem Thema nicht nur um die Pfiffe, sondern auch um die leidigen Begleiterscheinungen, die sie kritisieren. Dazu will ich Ihnen folgendes sagen, zur besseren Nachvollziehbarkeit geht’s chronologisch oben los.

„Lasst die Fans doch Timo Werner auspfeifen!

Die allgemeine Empörung wegen der Pfiffe gegen Timo Werner ist völlig übertrieben und außerdem kontraproduktiv. Für den Spieler und die Funktionäre gilt: Einfach mal die Klappe halten, findet stern-Stimme Philipp Köster.

Es spricht nicht gerade für den Spannungsgehalt des einseitigen WM-Qualifikationskicks gegen San Marino, dass hinterher nicht über die bisweilen fahrlässige Chancenverwertung der deutschen Elf beim 7:0 debattiert wurde, sondern über die Pfiffe, die sich der Leipziger Stürmer Timo Werner bei seiner Einwechslung anhören musste.

Was war anschließend die Aufregung groß. Bei den Medien, die gleich mal mit ganz großen Kanonen schossen. „Unfassbar dämlich“ seien die Pfiffe gewesen, keuchte die „Welt“, der „Express“ fand sie gleich „einfach nur erbärmlich“ und Eurosport erblickte zitternd „eine wahre Hetzjagd“. Anders als mit derart pochender Halsschlagader können heute fußballerische Themen offenbar nicht mehr verhandelt werden. Was auch an der Dauerempörung der Funktionäre liegt. RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff keifte „Frechheit“ und Bundestrainer Jogi Löw barmte, einer, der 21 Tore in der Liga geschossen habe, „der darf nicht ausgepfiffen werden!““

Die von Ihnen zitierten Medien und deren Überschriften sind wirklich übertrieben und weit von sachlich entfernt, keine Frage. An sich bergen sie jedoch aber auch einen Funken Wahrheit in sich. Leider ist es, nicht wie von Ihnen genannt, ein fußballerisches Thema. Es geht schlichtweg darum, einen jungen Spieler wegen einer unfairen Aktion und seiner Vereinszugehörigkeit öffentlich zu beschimpfen. Ihr 11Freunde-Kollege Reich hat das treffsicherer beschrieben: „Indes: Mit Pfiffen ist es in der Causa Werner nicht mehr getan. Auf Mallorca gibt es mittlerweile T-Shirts mit Werner-Schmähungen zu kaufen, eine Ballermann-Schmeißfliege namens Ikke Hüftgold hat Werner gar ein »Lied« gewidmet, das niemand hören sollte, der nicht direkt zehn IQ-Punkte verlieren will.

Die „Dauerempörung der Funktionäre“ kommt ja auch nur deswegen zu Stande, weil es 1. zu einem Dauerthema geworden und 2. es die Pflicht von Funktionären ist, solchen Entwicklungen nicht tatenlos zuzuschauen. Was würde denn erst geschrieben, wenn die Funktionäre „ihre Klappe halten würden“? Dann heißt es doch: Timo Werner hat keine Unterstützer mehr. Niemand nimmt ihn in Schutz. Niemand stellt sich vor ihn. Die Funktionäre haben schließlich auch eine Verantwortung gegenüber den Spielern.

„Jeder darf pfeifen, wenn er will

Es wird Löw und die anderen Funktionäre erstaunen, aber tatsächlich dürfen Zuschauer in Fußballstadien pfeifen, wann und wo sie wollen. Der Erwerb eines Tickets verpflichtet nicht dazu, brav bei jedem schnöden Kurzpass zu jubeln und bei jedem eingewechselten Stürmer ekstatisch zu jubeln. Derzeit jedenfalls noch nicht, aber vielleicht überarbeitet Oliver Bierhoff ja gerade schon die Geschäftsbedingungen.

Dabei muss man überhaupt nicht darüber streiten, dass die Pfiffe gegen Werner albern sind. Der junge Mann ist vor längerer Zeit mal etwas zu engagiert durch den Schalker Strafraum geflogen, wobei die Schwalbe handwerklich nicht einmal ordentlich gearbeitet war. Sicher, anschließend wäre ratsam gewesen, den Pfiff des Referees nicht auch noch mit gerecktem Daumen zu quittieren und hinterher ein bisschen fixer Reue zu zeigen. Aber er ist noch „so jung“ (Joachim Löw), man könnte es also irgendwann auch mal gut sein lassen, was nicht minder für die bescheuerten Gesänge gilt, Timo Werners Mutter entstamme dem horizontalen Milieu.“

Hmh, wenn man nicht mehr darüber streiten muss, dass die Pfiffe gegen Werner albern sind, warum kann diese Albernheit kein Ende finden? Es stellen sich mir daher immer wieder die gleichen Fragen: Was soll er denn noch machen? Aufhören? Vereinswechsel? Das Bundes-Jogi darauf hinweist, dass er „so jung“ ist, ist absolut gerechtfertigt. Er ist 21 Jahre alt. Wenn’s gut läuft, dann spielt er noch 12 Jahre Fußball.

„Man muss allerdings auch konstatieren, dass sowohl Timo Werner als auch die umgebenden Funktionäre bislang keine allzu glückliche Figur machen. Um es kurz zu machen: Wäre der junge Nationalspieler klug beraten gewesen, hätte er einfach mal den Mund gehalten. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass immer mal wieder einzelne Spieler zu Sündenböcken gemacht werden. Er ist nicht der erste und nicht der letzte, dem so etwas passiert. Damit muss und kann man klar kommen. So wurde Mario Gomez ja über Jahre beharrlich ausgepfiffen. Der Stürmer nahm die Pfiffe des Publikums stets gelassen und unaufgeregt hin, jammerte nicht, kickte unverdrossen weiter und ist inzwischen wieder ein sehr wohlgelittenes Mitglied des Löw-Ensembles.“

Ihr Hinweis auf die früheren Zeiten ist richtig, macht die Sache aber dadurch nicht besser. „Sündenböcke“ oder „Reizfiguren“ wird es wohl auch in Zukunft geben. Dabei ist aber auch entscheidend, von welcher Seite so eine Rolle gefordert und gefördert wird. „Reizfiguren“ werden auch weiterhin ihre Reize neben und auf dem Platz setzen, um für Aufregung sorgen zu können. Da entwickelt sich ein dankbares Geben und Nehmen zwischen Spieler, Medien und Öffentlichkeit. Fußballspieler die gerne im Vordergrund stehen wollen, die gab es schon immer #Kahn #Cantona #Ronaldo #Effenberg #Matthäus #Basler

Haben Sie bei Timo Werner den Eindruck, dass er von den genannten Ex-Profis die Nachfolge antreten will? Das er geradezu nach Aufmerksamkeit giert? Dass er sich ständig in den Mittelpunkt drängt und hochgradig mitteilungsbedürftig ist? Ich schätze eher ein, dass er gerade das alles nicht will.

Des Weiteren hinkt der Vergleich zu Mario Gomez, auch wenn er jahrelang in der Kritik, teilweise berechtigt, teilweise unberechtigt stand. ARD-Kommentator und Ex-Profi Mehmet Scholl hat sich für seinen „Wundliegen-Spruch“ 3 Jahre später bei Gomez öffentlich entschuldigt. 3 Jahre sind in der Fußball-Welt eine verdammt lange Zeit.

Überdies ist Mario Gomez 31 Jahre alt und damit 10 Jahre älter als Timo Werner. Auch das ist in der Fußball-Welt eine verdammt lange Zeit.

Es stellt sich auch die Frage, woher Sie einschätzen wollen, dass man damit klarkommen muss und kommen kann? Abgesehen davon, ist es doch an der Zeit, mal die Regeln des Umgangs neu zu ordnen bzw. zu alten Tugenden zurück zu kehren. Was ist das denn bitte für eine Fußball-Kultur? Da braucht man sich auch nicht wundern, wenn sich immer mehr Fans vom Fußball abwenden, weil sie von solchen Aktionen einfach angewidert sind.

„Timo Werner: „Ein bisschen frech“

Werners Einlassungen zu dem Thema waren hingegen eher konfliktfördernd. „Ein bisschen frech“ seien die Pfiffe gewesen, konstatierte Werner. Das klang tatsächlich so, als weise ein Lehrer einen vorlauten Schulbuben zurecht. Auch sein Hinweis darauf, das Thema werde nur deshalb aufgebauscht, weil er bei RB Leipzig spiele, war eher unglücklich, lud diese Bemerkung die Pfiffe doch völlig unnötig noch mehr auf, nicht nur als Kritik an Werner, sondern en passant auch noch als Kritik am Brause-Franchise RB Leipzig.“

Nunja, wie oben bereits erwähnt, kam die Einsicht bei Werner reichlich spät und sein professioneller Umgang mit den Reaktionen ist noch, sagen wir mal, ausbaufähig. Der Hinweis auf RB Leipzig ist allerdings absolut richtig. RB Leipzig hat sich mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga zum polarisierendsten Club in Deutschland „entwickelt“. Der Hass auf RB Leipzig ist in der Gänze bald nicht mehr zu erklären. Meine Vermutung zu den Pfiffen von Nürnberg ist daher auch, weil Timo Werner die Schwalbe in einem Spiel vs. Schalke 04 „gearbeitet“ hat, wie Sie es so schön handwerklich beschrieben haben, und der 1. FC Nürnberg seit über 30 Jahren eine Fanfreundschaft mit Schalke 04 vereint. In den Farben getrennt, im Hass vereint. Manchmal ist die Fußballwelt eine kleine, wahrscheinlich beim IQ der Pfeifenden auch.

„Es sind die alten Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie: Je mehr öffentlichen Widerhall die Pfiffe finde, je mehr sich das Establishment aufregt, je mehr Schlagzeilen aufgeregt einen vermeintlichen Tabubruch verkünden, desto mehr werden sich die Leute beim nächsten Länderspiel wieder die Seele aus dem Leib pfeifen. Nicht, weil Werner das „Kollektiv-Feindbild der Fans“ ist, wie verkündet wurde. Sondern, weil es so verlockend ist, mit ein paar billigen Pfiffen die Fußballwelt in Aufruhr zu versetzen.“

Diese Einschätzung ist wahrlich eine originelle. Das würde also im Umkehrschluss bedeuten, dass die Nürnberger Fans im Wissen der alten Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie deshalb gepfiffen haben, weil sie mit ein paar billigen Pfiffen die Fußballwelt in Aufruhr versetzen wollten!? Dies wäre eine ganz und gar intellektuelle Glanzleistung. Damit spielt man dann in einer Liga mit dem ehemaligen BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, der mit einem Tweet einen „Twitter-Shitstorm“ auslöst und sich am Ende dafür selbst lobt, wie er allen Twitteren die Mechanismen der Branche vor Augen geführt hat. Wenn es denn so wäre…

Außerdem können Sie doch nicht so naiv sein bzw. so tun, als würden Sie nicht zum Establishment gehören!? Sie sind der Chefredakteur des Magazins für Fußball-Kultur 11Freunde, geben Einschätzungen für Funk und Fernsehen ab und haben eine Kolumne bei stern.de. Auf neudeutsch heißt das ja #Influencer.

Das 11Freunde-Magazin hat sich ja bisher als kritischste Medium zum Thema Kommerzialisierung/RB Leipzig positioniert. Leider schießen Sie dabei auch eins ums andere Mal am Tor vorbei. Die Vorschläge wie gegen RB protestiert werden kann, reichten ja von Schallkanone bis zum Werfen von Bullenköpfen. Und sie machen sich ernsthaft Sorgen um die Fußball-Kultur? Wenn von Ihnen die öffentliche Demontage eines 21jährigen Fußball-Spielers nur als albern eingeschätzt wird, dann mache ich mir wirklich Sorgen um die deutsche Fußball-Kultur. Und nicht von der Sorte alà der jährlichen Uwe-Seeler-Sorgen um seinen HSV.

Daher wiederhole ich gern meine Fragen an Sie: Was kann Timo Werner tun, damit die Pfiffe gegen ihn ein Ende haben? Was muss Ihrer Ansicht nach passieren? Wo ist für Sie die Grenze des Erträglichen erreicht?

Soll es erst soweit kommen, dass wieder Abschiedsbriefe geschrieben werden? Sie erinnern sich an den für Mario Götze, von einem Focus-Online-Redakteur. Auch eine ganz feine Leistung. Soll das jetzt eine neue Tradition werden? Oder sehen Sie Schmähungen, Pfiffe und Anti-Gesänge als „Schmerzensgeld“ des horrenden und völlig überzogenen Gehalts? Und wer das nicht aushält, der solle lieber Beamtenmikado spielen?

Ich wäre wirklich dankbar, wenn Sie mir die Antworten zuspielen könnten.

Mit sportlichen Grüßen
By Nino

 

„Was bisher geschah…“ Teil 5

Römische5

Die Reihe „Was bisher geschah…“ geht bereits in die fünfte Runde. Diesmal sorgte Baba für den Blick über den „großen Teich“, in dem er sich hautnah und ausführlich dem Hudson Derby zwischen Red Bull New York und dem New York City FC widmete. Dieses endete 7:0 für Red Bull. Solch ein Ergebnis hat man ja in der Bundesliga nur, wenn der FC Bayern München auf den Hamburger SV trifft. Mal sehen wie lange noch

Weiter ging es mit der Abmahnung von Baba zu den finanziellen Auswüchsen in der Welt des Fußballs und den letzten beiden Teilen des Rückblicks auf die Bundesliga-Saison 2016. Danach war Schluss mit der Vergangenheit und wir haben uns mit der anstehenden Europameisterschaft in Frankreich beschäftigt. Dabei gab es die 22 Fragen zur EM und die Berichterstattung zum ersten Spiel vs. die Ukraine, bei dem Bastian Schweinsteiger seinen leider letzten grandiosen Auftritt hatte.

Wie immer: viel Spaß beim Stöbern!

By Baba und Nino

 

P.s: Weitere Leseempfehlungen sind auch der Teil 1, Teil 2, Teil 3 und last but not least Teil 4

41. Das Hudson Derby und die schlechte Kopie.

42. Saison-Rückblick 2016 Teil 2 Platz 12-7

43. Eine Abmahnung

44. Frankreich, Frankreich – Wir fahren nach Frankreich!

45. Saison-Rückblick Teil 3 Platz 6 – 1

46. In 22 Fragen zur EM 2016…die 1.ten 7

47. In 22 Fragen zur EM 2016…die 2.ten 7

48. In 22 Fragen zur EM 2016…die letzten 8

49. Das erste Date mit GER bei der EM vs. UKR

50. „Was bisher geschah…“ Teil 1

By Baba und Nino

 

 

Stationen eines fast Gescheiterten?

PoldiFußball

Liebe Fußballgemeinde. An dieser Stelle möchte ich mich einmal zu dem wahnwitzigen Karriereverlauf unseres Fast-oder Halb-Weltmeisters Prinzenrolle Poldi äußern.

Persönlich fand ich es eine begeisternde Geschichte als er mit Köln in der Bundesliga spielte und einige Tore als junger Vollblutproll schoss. Erfrischend war sein Spiel und hart die Bälle, die er ins Tor drosch. Hätte Hoffenheim damals schon in der Bundesliga gespielt, wären wohl mehrere Netze in die Kreisklasse degradiert wurden.

Schnell wurden er und damals noch Schweini (Kampfname: „Kampfschwein“, „Weltmeistermacher“ oder „Tennisrohrverleger“) zu den Helden erkoren, um die am Boden dahinsiechende Adlertruppe zu neuem Ruhm zu führen. Irgendwie kam es dann auch dazu über Umwege, mit großer Verzögerung und anders als gedacht. Jedenfalls wurde der jugendliche Poldi zum Prinz erkoren, um in die Fußstapfen des nun wirklich „Chefrohrverlegers“ Kaiser und leider senilen Beckenbauer zu treten. Dies war eine ganz schöne Bürde, denn wie in den Analen nachzuschauen ist, muss Rohrgott Beckenbauer wohl ein ganz intelligenter Spieler gewesen sein, der strategisch plante und mit vielen spielerischen und fußballerischen Talenten daherkam.

Wie auch immer man es sieht, der Prinz zog aus ins Großherzogtum von Steuerrechtsverbieger & Wurstdreher Uli, um seinen Thron zu besteigen. Doch wie wir alle wissen hat das irgendwie nicht funktioniert. Ob es an dem neuen Umfeld lag oder an der Ferne zu Mutti? Es lässt sich nur vermuten, aber irgendwie hat der Prinz, welcher bei der WM im eigenen  Lande noch zum besten Nachwuchsspieler vor dem unbekannten Spiel-mir-ein-Loch-in-den-Fuß-Messi und Ich-hab-die-Haare-schön-Ronaldo gewählt wurde, nie richtig die Weltmetropole am Rhein verlassen.

Ein typischer Schritt von $$$ in den Augen des Managers und wahrscheinlich auch in Poldis haben sozusagen alle Vorbehalte beseitigt und doch wurde der Prinz kein König und machte die Rolle zurück ins Erzbistum. Auch lässt sich über die Freundschaft zu Schweinebesteiger nur spekulieren: Fakt ist, nach anfänglicher Freundschaft in der Adlertruppe ist diese Freundschaft wohl in München verloren gegangen. Da beide nicht gerade mit allzu vielen verknüpften Synapsen gesegnet sind, kann ich nur vermuten, dass sich eine Freundschaft wohl doch nicht auf einer Affinität zum Playstationspiel aufbauen lässt.

Zurück im Chaosverein am Rhein wurde noch mehr vom ihm erwartet als bei Uli und das Management des Vereins hat nichts unversucht gelassen, dieses Unterfangen zu sabotieren. ER war zu groß geworden für den Geißbockclub und wollte nicht ewig gegen den Abstieg spielen. Es war fast wie, als hätte der Papst in der lokalen Gemeinde angefangen sich als Messdiener zu verdingen.

Nach dem zweiten Abstieg war endlich Schluss mit zurück in die Zukunft und der Verschwendung von Humankapital und Poldi zog aus, um der englischen Königin zu huldigen und ihr vorzuspielen. Man glaubte, dass er endlich angekommen war im großen Fußball und für eine Weile sah es auch so aus, da sein Ziehvater vor Ort große Stücke auf ihn hielt. Dies änderte sich bald, da auch Papa Wenger erkannte, dass aus dem jungen Talent zwar ein Mann geworden war, der aber leider sein Talent nicht weiter entwickelte hatte, wie seinerzeit sein Adlersturmpartner Super Salto Klößchen. Die Jahre im grauen Niemandsland der Bundesliga ohne wirkliche Konkurrenz rächten sich jetzt und ehe er sich versah, war seine Zeit auch hier abgelaufen und die Bank sein zu Hause.

In der Adlertruppe spielte er auch zunehmend eine kleinere Rolle und bei der WM beim 7:1 gegen Brasilien war sein Beitrag auf dem Platz marginal. Dennoch stach er als Hofnarr hervor und unterhielt die gleichgeschaltete Versicherungs-AG genannt „Löws Buben“ in beträchtlichem Maße. Selfies von ihm gingen um die Welt und wirklich jeder fand ihn sympathisch, auch ich, nachdem ich jahrelang meinen Groll hegte, da der Prinz es gewagt hatte, dem Capitano Ballack eine zu knallen. Aus dem Prinzen war ein Hofnarr geworden und es schien, dass er sich mit dieser Rolle für eine Zeitlang wohl fühlte. Und dennoch konnte er auch diese Rolle nicht allzu lange ausfüllen oder war er dieser überdrüssig geworden. Nach der EM 2016 ist auch der Prinzenrolle bewusst geworden, dass er nicht als Maskottchen in Erinnerung bleiben wollte und tat Allen und vor allem sich selbst und Jogibär einen riesigen Gefallen und trat zurück – gefühlte 9 Jahre zu spät.

Nach seinem farblosen Intermezzo bei Inter Mailand schlug er bei Galatasaray Istanbul auf, wo er schon an fußballerisch gute Zeiten anknüpfen hätte können, doch leider seine Affinität zu sozialen Medien und sein unbedingter Wille zu Gefallen, ihm zum Kasper von Dikta…äh Präsident Erdogan machten.  #wennmankeineAhnunghateinfachmaldieFingerstillhalten – sieheTrumpf.

Jetzt da er endlich den Weg frei gemacht hat, für ehrlichen Leistungskampf im Adlerteam verlässt er uns auch schon, um beim japanischen Kaiser vorzuspielen und ich kann es kaum erwarten, wenn er sich in die internationalen Belange in Fernost einmischen wird. Es wird nicht langweilig um ihn und auch wird er nicht weniger bezahlt.

Ich kann es kaum erwarten Poldi nach seiner Bolzplatzkarriere als Unterhalter der Deutschen im Dschungel zu sehen oder als Juror für DSDS oder als Szenekenner für Fußball auf RTL2. Nun könnte man meinen, dass dies gemein ist und seine Karriere schmälert, aber dem ist nicht so. Ich denke, er wäre auf lange Sicht in Köln wohl sehr froh gewesen, anstatt rumgereicht zu werden, als Fußballer mit einem Versprechen auf die Zukunft, dass er nicht einlösen konnte, da es für jeden jungen Fußballer zu groß gewesen wäre. Der junge Mann Podolski hat immer Spaß gemacht, wenn er auf dem Platz seine Klebe rausgeholt hat oder halt neben dem Platz den sympathischen Spaßmacher gemimt hat. Genau für diese Unbeschwertheit muss man ihn einfach mögen.

Alles Gute in Japan Prinz Poldi. Wir sehen uns!!! Garantiert!

By Baba

 

Hass auf RB Leipzig! Nicht mehr alle Dosen im Schrank? Teil 1

redbulldose

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer öfter. Nicht weil ich ein Sympathisant des Projekts RB Leipzig bin, sondern weil ich die Entwicklungen und die Ausmaße des Hasses auf RB mit Unbehagen beobachte.

Angefangen hatte es mit dem Kommentar über die fehlende Ignoranz für RB. Als eines der Beispiele wurde darin die Empfehlung der Dresdner-Spielorganisatoren genannt, dass die Leipzig Fans doch in getarnten Bussen zum DD-Stadion fahren sollten. Da war von dem abgeschnittenen Bullenkopf, welcher erstaunlicherweise den Weg ins Stadion fand, noch nicht die Rede. Diese Bullenkopf-Affäre ist auch „nur“ einer der unappetitlichen Höhepunkte, die in der zweiten 2016er Jahreshälfte gegen RBL gestartet wurden. Denn keiner der 16. Bundesliga-Spieltage verging ohne eine Protestaktion gegen RBL. Diese reichten von Boykottaufrufen der Auswärtsspiele #Dortmund #Augsburg, einem Protestmarsch #Hamburg, einer Sitzblockade vor dem Spiel #Köln, einer Farbbeutel-Attacke vs. den Bus von RB #Leverkusen, einem „Traditionstag“ #Darmstadt, über selbstironische Statements „nur wir ruinieren den Fußball“ #Hoffenheim und ernstgemeinte „Gegründet von Kumpeln und Malochern“ #Schalke sowie am falschen Platz „Gegen den modernen Fußball“#München.

Die widerlichste Aktion brachten hingegen einige Hertha BSC „Fans“ zu Stande, die sich mit einem Banner direkt an RB-Sportdirektor Ralf Rangnick wendeten: „Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout“. Einem Menschen eine Krankheit zu wünschen, ist absolut würdelos und hat auf keinem Platz irgendeine Berechtigung. Wie dumm muss man sein? Waren es 50 (geschätzte Zahl, um einen Banner hochzuhalten) muskelbepackte Stiernacken-Glatzen mit Springerstiefeln, die jeden Aufruf zur Zivilcourage ad absurdum führen? Denn abgesehen von Aussehen und Bildung ist es unverständlich bzw. wirft die Frage auf, wie solch ein Banner überhaupt ins Stadion transportiert werden kann und warum keiner der restlichen 4.450 Berliner-Fans rein gar nix dagegen getan hat!? Nur zur Erinnerung: Vor sieben Jahren hatte sich der Hannoveraner- und Nationaltorhüter Robert Enke das Leben genommen. Die Anteilnahme war enorm groß, ebenso die Anzahl der Mahnungen, doch mal Druck vom Ball zu nehmen und sich klar zu werden, dass es in einem (Sportler)-Leben Höhen und Tiefen gibt. Aus diesem tragischen Ereignis haben offensichtlich nur die Wenigsten etwas gelernt.

Somit scheinen Appelle an die Moral so sinnlos wie ein Sandkasten in der Sahara. Bei RB Leipzig läuft eben die Empörungsmaschine besonders heiß, da wird alles und jeder noch genauer und intensiver betrachtet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Als Nachweis genügt ein Blick in die Kommentarspalten unter jeden beliebigen Text der im Internet zum Thema RB Leipzig veröffentlicht wird. Auch ich habe da meinen Anteil, da ich mir erlaubt habe, bei einigen Texten Links zu unseren Texten „Danke für die Polarisierung, Teil 1“ und „Teil 2“ einzufügen. Einem Empörten gefiel dies gar nicht und kommentierte wiederum mit einem „Verpiss dich“. Eine Antwort auf das Warum, wieso, weshalb ist der Kommentierende leider immer noch schuldig geblieben. Aus Datenschutzgründen wird daher auf die Nennung des Profilnamens, der sich aus seiner Fanzugehörigkeit und des Arbeitgebers ergibt, verzichtet. Nur so viel sei verraten: Mit der Einflussnahme eines Investors macht sein Herzensvereins gerade so seine ganz eigenen Erfahrungen. Das ist jedoch nur ein kleines Beispiel, was sich so in den sogenannten „sozialen Netzwerken“ abspielen kann.

Dass es viel härter zugeht, hat der Fall des RB-Spielers Timo Werner gezeigt. Nämlich seine Schwalbe im Spiel gegen Schalke 04. Postfaktisch ist er nämlich der allererste Spieler in der Fußballbundesliga-Geschichte, der sich zu einer derartigen Aktion hinreißen lassen hat. Das er nie wieder ein Tor schießen soll, war noch einer der harmloseren Wünsche.

Normalerweise dauert das mediale „Sau durch’s Dorf treiben“ eine Woche, bei Werner’s Schwalbe ging es in die 1-wöchige-Verlängerung. Das sich Werner für die Schwalbe entschuldigte, interessierte da schon keine Sau mehr. Schon gar nicht die paar betrunkenen Darts-Fans, die bei der Weltmeisterschaft im #AllyPally „Timo Werner ist ein Hurensohn“ grölten. Die Mehrheit der Sportjournaille war selbstverständlich wieder dankbar und stürzte sich Taurin-besoffen auf diese „Geschichte“.

Nun stellt sich auch die Frage, wie es mit dem ganzen Hass und den Auswirkungen weitergehen soll. Für die Traditionalisten ist und bleibt RB Leipzig sowieso die Wurzel allen Übels. Aber was macht das mit dem Verein, den Spielern, den Fans? Warum gibt es eigentlich keine Demo gegen die Deutsche Fußball-Liga, die RB die Lizenz für die 3. Liga, die 2. Liga und die 1. Liga gegeben hat? Mehr dazu im zweiten Teil…

By Nino

 

Traditionsvereine vs. Plastikclubs Teil 2

laterne

Im ersten Teil von „Traditionsvereine vs. Plastikclubs“ habe ich mich am Parade-Beispiel des schlechten Traditionsvereins [Trommelwirbel] dem Hamburger SV… abgearbeitet. Seitdem hat sich am Zustand des HSV nicht viel geändert, zum Stand des 9ten Spieltages in der Fußball-Bundesliga stehen 1 Trainerwechsel, 2 Tore und 3 Platzverweise zu Buche. 30 Mäzen-Kühne-Millionen wurden in der Sommertransferperiode ausgegeben #FunFact. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil des grassierenden Transferwahnsinns (Teil 1 und Teil 2).

Nun soll sich jedoch der Ball um das erklärte Feindbild der Traditionsvereine drehen, um die Plastikclubs. Wieder gebe ich diesen Begriff in einer unbekannten Suchmaschine ein und erhalte ungefähr 24.500 Ergebnisse. Im Gegensatz zu den 397.000 Ergebnissen bei „Traditionsverein“ sind das ganz schön wenig. 1:0 für die Tradition.

Auch die Gruppe der Plastikclubs ist eher überschaubar. Am Rande der Fußballgesellschaft tummeln sich die Werksklubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, der „Brauseclub“ RasenBallsport Leipzig und auch ein bisschen der FC Ingolstadt, der vom Hauptsponsor Audi unterstützt wird. Warum also eigentlich dieses ganze Bohei um fünf von 56 Profivereinen? Das sind nach Adam Riese gerade mal 8,9%. Statistisch gesehen nicht viel. Als Zündstoff für hochkochende Emotionen sorgen diese Clubs dennoch.

Für die einen geht es um Tradition, Werte und auch die Liebe zu einem Verein. Für die anderen geht es um das schadhafte Anhäufen von Money Money Money, der Verein als Marketinginstrument #RedBull oder als Ansammlung von Legionären. Es geht also um viel mehr als nur um das runde Leder und die Geschichten die rundherum geschrieben werden. Mit Baba habe ich mich schon vor Jahren darüber unterhalten, gern möchte ich ihn hier zitieren: „Zu Wolfsburg könnte man noch schreiben, das Geld doch Tore schießt und/oder die Stadt wahnsinnig unattraktiv ist und der Club immer noch riesige Imageprobleme hat, eben auch so ein Plastikclub ist. Wegen den vielen Söldnern, und der unmöglichen Identifikation mit dem Dorf Wolfsburg hat der Club schon immer ein Problem mit mangelnder Leidenschaft. Seit Roy Präger gab es keinen Sympathieträger, nur überbezahlte Scheißlegionäre, die den ersten Weg raus genommen haben.“ Dies entspricht auch so gut wie dem aktuellen Bild des VfL, da haben die Vizemeisterschaft und der Pokalsieg 2015 nicht viel ändern können.

Nach dem Aufstieg von RB Leipzig in die 1. Liga und dem zum Stand des neunten Spieltages zweiten Tabellenrang wird die Diskussion der Traditionsvereine vs. Plastikclubs weiterhin in alle Richtungen geführt. Denn einerseits fehlt es den Traditionalisten an der fehlenden Ignoranz für RB Leipzig , andererseits sollten doch alle Fußballfans den „Bullen“ dankbar für die Polarisierung sein (Teil 1 und Teil 2).

Für den Moment kommt mir wieder der Spruch von #GeorgeBernardShaw ins Gedächtnis: „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“

Was gilt es also zu tun? Sich an der Laterne festhalten oder den beleuchteten Weg nutzen? Einige der Traditionalisten wollen offensichtlich Letzteres tun. Die Clubs Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, VfB Stuttgart, Hamburger SV, 1. FC Köln und Hertha BSC haben sich zum „Team Marktwert“ zusammengeschlossen. Ziel ist es höhere Fernseheinnahmen für die sogenannten Traditionsvereine zu generieren. Bislang gibt es für jeden Verein der 1. und 2. Bundesliga einen festen Sockelbetrag sowie weiteres Geld abhängig davon, welchen Tabellenplatz der jeweilige Klub in den vergangenen fünf Jahren belegt hat.

Diesen beiden Säulen soll eine weitere hinzufügt werden. In einer gemeinsamen Pressemitteilung wurde erklärt, dass auch der Marktwert eines Klubs berücksichtigt werden soll: „Dieser Marktwert kann sich aus objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media errechnen. So sollte beispielsweise eine große, leidenschaftliche Fangemeinde als Wert im TV-Ranking Berücksichtigung finden – denn sie führt zu höheren Einschaltquoten und einer größeren Wahrnehmung der Gesamtmarke Bundesliga in der Öffentlichkeit.“

Bei den sog. Plastikclubs fand diese Idee, oh Wunder, wenig Begeisterung. Denn RB Leipzig’s Reichweite überschreitet ja jetzt schon die vieler Traditionsmannschaften und die von Wolfsburg und Vizekusen ohnehin.

Ist das nun der Weg des Klugen oder eher ein Eigentor der Initiatoren? Antworten dazu und warum RB auch kein normaler Plastikclub ist, wollen wir im Teil 3 von „Traditionsvereine vs. Plastikclubs“ finden…

By Nino

Danke für die Polarisierung, RB Leipzig! Teil 2

rb-leipzig-supporters

Im ersten Teil des Aufrufs für mehr Dankbarkeit für RB Leipzig haben wir argumentiert, dass RB Leipzig die willkommene Abwechslung sein kann, die an den alten Strukturen rüttelt und dazu anregt, dass eingefahrene System zu überdenken. Und vielleicht sogar dazu beiträgt, dass die Dominanz in der Fußball-Bundesliga von nur einem Verein #FCBayernMünchen gebrochen wird. Die Sportmedien hätten dann auch mehr Themen, als hauptsächlich zu jeder neuen Saison den FCB als künftigen Titelträger und die damit einhergehende Langeweile herbei zu schreiben.

Spielen wir den Ball etwas weiter und spinnen über die Zukunft:

Mit RB wird nun der Osten wieder auf die Landkarte der Beletage des Fußballs gesetzt. In der 2.ten versuchen Union Berlin, Dynamo Dresden und die Schachtis von Erzgebirge Aue ihr Glück. In der 3. Liga spielen mit zurzeit 6 ostdeutschen Clubs die meisten in einer Profi-Liga. Die Aussichten auf einen Aufstieg haben leider auch nicht alle. So oder so wird dort auch weiterhin die Party steigen.

Kurzer Rückpass in die Geschichte: Nicht zu vergessen ist der Fakt, dass die Leute in Leipzig mit den Füßen abgestimmt haben und nur dadurch das Projekt RB funktionieren konnte, denn wenn niemand zu den Heimspielen gegangen wäre, dann gebe es kein RB. Auch besteht die Chance, dass dadurch Leipzig geeint wird und gemeinsam Brot und Spiele (und Brause) abgefeiert werden können. Erstaunlich ist auch, dass sich die RB-Fans durch die jahrelangen Schmähungen, Protesten usw. nicht provozieren lassen. Selbst eine kleine Gruppe, die es meist nur dafür braucht, hat sich nicht zur offenen Konfrontation hinreißen lassen. Ob das über die Dauer und Anzahl der Aktionen auch die Fans von Frankfurt, Köln oder Dortmund (um nur einige Beispiele zu nennen) schaffen würden, das darf stark bezweifelt werden.

Zurück in die Zukunft: Nicht nur auf nationaler Ebene kann RB Leipzig etwas bewirken. Wenn es sportlich so weiterläuft, dann können sie auch dem Abstieg der Bundesliga im internationalen Vergleich entgegenwirken. So wie es sich jetzt abspielt, kann es auch nicht weitergehen. Nur der FCB und mit Abstrichen der BVB halten die Fahne hoch? Die spanische La Liga und die englische Premier League sind der Bundesliga enteilt. Wenn jetzt ein Club dazukommt, der die bestehenden Strukturen mal so richtig aufmischt, weil er die anderen zwingt sich selbst zu reflektieren, dann ist das nur begrüßenswert. Augenscheinlich ist es doch so, dass ein fast diktatorisch gemanagter Verein besser ist – da zielstrebiger.

Jeder Verein sollte sich daher hinterfragen: Arbeiten wir professionell genug? Haben wir Fachleute für Fußball, für wirtschaftliches Arbeiten, für Fitness, für Marketing usw. im Verein? Können diese Fachleute alle zusammenarbeiten? Stehen sie für die gleichen Ziele ein? Welche Priorität hat die Jugendarbeit? Wollen wir kurzfristigen oder langfristigen Erfolg? Welchen Gestaltungsspielraum soll der Trainer haben? Wie finanzieren wir den Verein?

Leider gibt es noch viel zu viele Vereine wie der Hamburger SV, Werder Bremen, Schalke 04, bei denen diese Fragen offensichtlich nicht beantwortet werden können und anschaulich zeigt, wohin das Reinreden von Altgedienten führt. Nicht zuletzt verdeutlichen die Trainer-Entlassungen bei diesen Vereinen die ganze Misere.

Vielleicht sieht die Zukunft so aus: RB Leipzig spielt im Champions-League Finale gegen Bayern München. Ganz Deutschland ist stolz und jubelt ihnen zu, wie sie auch Sebastian Vettel in der Formel 1 zugejubelt haben – und da war und ist RB ja willkommen. Alle anderen Fußball-Clubs haben mehr oder weniger ihre Strukturen professionalisiert, wenn nicht sogar eine eigene Spielphilosophie entwickelt (sofern noch nicht vorhanden). Dann hat auf lange Sicht der RB den deutschen Fußball weitergebracht und die Bundesliga verbessert. Zudem besteht die leise Hoffnung, dass diejenigen Clubs, die ihre erfolgreiche Vergangenheit in einer Fremdscham-Monstranz vor sich hertragen, mehr als nur Sparringspartner für die Münchner Bayern und die Borussen aus Dortmund sind.

Fazit: Irgendwie ist es cool so einen Aufmischer, Punker und Typen auf der Party zu haben, der sich nicht um die traditionellen Konventionen schert, sondern öffentlich & offensiv präsentiert was er will und die anderen sich nicht richtig aufregen können, da sie a) es genauso machen wollen, aber nicht können oder b) auch genauso schon machen, es aber nicht zugeben können. Denn bei aller Mitbestimmung und Teilhabe bei einem Verein: Bei den üblich verdächtigen Traditionsvereinen wie z.B. Werder Bremen, Schalke 04, HSV, BVB oder FCB hat kein Fan und Mitglied Einfluss auf das operative Geschäft. In diesem Sinne: Nicht aufregen und Danke für die Polarisierung, RB Leipzig!

By Baba&Nino