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Das Armutszeugnis der 1. Fußball-Bundesliga

WahnsinnBundesliga

Das Armutszeugnis der 1. Fußball-Bundesliga wurde am 32. Spieltag der Saison 2017/2018 eindrucksvoll abgelegt. Was war geschehen?

Der Hamburger SV gewinnt 3:1 auswärts gegen den VfL Wolfsburg. Nach 14 sieglosen Auswärtsspielen gewinnen die Hamburger das 2te Mal (!) in dieser Saison. Den letzten Sieg in der Ferne gab es am 2. Spieltag gegen den 1. FC Köln. Die Kölner? Mittlerweile abgestiegen! Der HSV? Noch 2 Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Wie haben sie das geschafft? Drei Trainerwechsel und durch Siege gegen FC Schalke 04. Mit hoher Wahrscheinlichkeit nächste Saison ein deutscher Vertreter in der Champions-League. Der 17.te schlägt den 2ten. Eine Woche später gewinnen die Schalker im Derby gegen Borussia Dortmund (2:0), den 3.ten der Tabelle. Schalke hat 24 Punkte Rückstand zum schon feststehenden Deutschen Meister Bayern München. Der FCB übrigens als einziger verbliebener Vertreter auf europäischer Fußball-Bühne. Wie viele Punkte hat der aktuell Absteiger Köln? 22 Punkte.

Die Bayern gewinnen mit einer C-Elf 4:1 gegen Eintracht Frankfurt. Jenes Frankfurt, welches Schalke im DFB-Pokalhalbfinale mit 1:0 rausgeschmissen hat und somit im Finale auf die Bayern trifft. Frankfurt damit nächste Saison ein deutscher Vertreter in der Europa League. Nächster Gegner des Hamburger SV? Eintracht Frankfurt, zuletzt drei sieglose Spiele hintereinander.

Das sich eingefleischte HSV-Fans wie Sören jetzt wieder berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen, ist völlig verständlich. Für ihn ist der HSV mittendrin in seiner Crunchtime. Die Rothosen schwimmen auf einer Welle der Euphorie und kann Frankfurt auswärts 3 Punkte abnehmen. Dann empfangen sie zum Endspiel die Borussia aus Mönchengladbach.

Ich selbst habe gehofft, dass sie es diesmal nicht schaffen. Dass es endlich vorbei ist, mit diesem ganzen „Niemals 2. Liga“ und „Unabsteigbar“. Nach diesem Spieltag ist alles wieder offen. Auch wenn ich in solchen Fällen kein Fan von Prognosen bin, so sehe ich folgende Szenarien vor mir: Szenario 1: Der HSV schafft wieder den direkten Klassenerhalt, der VfL Wolfsburg darf wie in der letzten Saison noch in die Relegation. Szenario 2: Der HSV schafft es am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz und schafft den Klassenerhalt über diesen Umweg. Die Relegation spielen sie wahrscheinlich gegen Holstein Kiel, die am letzten Spieltag den dritten Platz erst endgültig gesichert haben. Noch völlig fertig davon, treffen sie auf einen euphorisierten HSV, der dann zweimal unentschieden spielt und aufgrund der Auswärtstorregel in der ersten Liga bleiben. Relegation, das können die Hamburger. Lewis Holtby wird sich mit stolz geschwelter Brust durchs Volksparkstadion tragen lassen. Mannschaft und Fans werden feiern, als hätten sie mal wieder die Deutscher Meisterschaft gewonnen. Allein du kannst es dir nicht ausdenken, aber wahrscheinlich wird es genauso kommen. So bitter so süß.

Was mich bei allem am meisten verwundert, ist die Tatsache, dass der HSV die Lizenz für die 1. Bundesliga bekommen hat. Ohne Auflagen. Ohne Bedingungen. Im Kicker ist zu lesen: „Das abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 hatten die Hamburger mit einem Minus von 13,4 Millionen Euro abgeschlossen. Die Verbindlichkeiten hatten mit 105,5 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht.“ Wie ist es möglich, dass aufgrund solcher Voraussetzungen der HSV die Lizenz bekommt? Die Wette auf die Zukunft heißt höhere Einnahmen „durch Transfererlöse oder übermäßigen sportlichen Erfolg, zum Beispiel im DFB-Pokal„. Allein dafür: Respekt HSV.

Seitens der DFL wird den Hanseaten wohl so einiges zugetraut, in sportlicher wie finanzieller Perspektive. Und das ist dann wahrlich ein Armutszeugnis der gesamten Bundesliga. Es spricht ja nicht für die Ausgeglichenheit der Liga, wenn der 17.te den 2ten schlägt, sondern für fehlende Qualität. Nach 7 Siegen, 7 unentschieden und 18 (!) Niederlagen ist der HSV nach dem 32. Spieltag rechnerisch immer noch in der Lage die Liga zu halten. Eine Tatsche, die von vielen Experten geflissentlich übersehen wird.

Am Ende twittert der HSV wohl wie 2017: „Tick Tack, wir gehen euch weiter auf den Sack!  #therewillbehaters #immerersteliga“. Danke, Bundesliga!

By Nino

 

Willkommen in Schollis Welt!

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Es war mal wieder an der Zeit. Für ein paar Schollis. Für Standpunkte die hängenbleiben, im Gedächtnis oder irgendeinem Jahresrückblick.

Der Ex-ARD-Doping-Experte und Ex-Profi-Fußballspieler Mehmet Scholl hat mal wieder ein paar Volltreffer gelandet. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf den Spielplätzen der medialen Berichterstattung. In seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ hatte er sich zu einem aktuellen Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim Deutschen Fußball-Bund ausgelassen.

Nach seiner 2015er Kritik an den sog. „Laptop-Trainern“ sind es nun die „Systemtrainer“, die Scholli ein Dorn im Auge sind, da u.a. die individuellen Fähigkeiten des Spielers nicht mehr zählen würden. Konkret nannte er D. Tedesco (aktuell Schalke 04) und H. Wolf (aktuell VfB Stuttgart), beides auch noch Ex-Spieler, die es nicht über den Amateur-Bereich hinausgeschafft haben. Die Ausbildung beim DFB zur Trainer A-Lizenz nannte er eine „elfmonatige Gehirn-Wäsche“. Scholli hatte den Trainer-Lehrgang im Jahre 2012 abgeschlossen.

Die mediale Debatte war, wenig überraschend in Zeiten der dauerhaften Empörung, davon geprägt, dass die Sau (also in diesem Falle Scholli) eine Woche durchs Medien-Dorf getrieben wurde. Soweit so beschämend normal.

Einige Bundesligatrainer sprangen den Aussagen Schollis bei, andere kritisierten sie. Bei SpiegelOnline ließ Sportredakteur P. Ahrens seine Tochter die Aussagen kommentieren: „Wer ist Mehmet Scholl?“. Das ist natürlich für einen Journalisten aus dem Hause des Spiegels ah bissel dürftig. Einen mehr oder weniger meinungsstarken Kommentar hätte es schon sein können. Aber sei’s drum.

Ich schätze, es ging dem Scholli eh um mehr als nur darum, Kritik an einem bestimmten Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim DFB zu üben. Scholli hat das große Ganze im Blick. Das existenzielle am Fußball. Er macht sich Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs. Vor allem wie darüber gesprochen und von wem darüber gesprochen wird! Was wiederum zu der Frage führt: Wer darf was sagen? Wer darf nix dazu sagen?

Er kritisiert ja, dass vermehrt die Akademiker mit ihrem Arbeitsansatz „Spielsystem, nix Individualität“, die in der Spitze begrenzten Trainer-Stühle besetzen würden. Bezogen auf die Nachwuchsspieler moniert er: „Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen“. Was will er damit sagen?

Im Grunde genommen will Scholli, rhetorisch etwas unbeholfen, damit sagen, dass nur richtige Profi-Fußballer auch richtige Profi-Trainer werden sollen. Also, Spieler die alle Höhen und Tiefen einer Profi-Fußballer-Karriere durchlebt haben. Diejenigen, die auch die großen Titel gewonnen haben und nicht nur erfolgreich waren.

Wenn ich schon mal diesen Argumentations-Ball aufnehme und ins Dribbling gehe, dann kommen noch viele andere Gedanken. Dann geht es nämlich auch darum, wer was über Fußball sagen kann. Ist es der Fan, der nur in seiner Freizeit gegen den Ball tritt? Oder die Journalisten, die vielleicht viel über Fußball geschrieben, aber nie in der Bundesliga gespielt haben!? Oder ich als Blogger, der nicht mal eine journalistische Ausbildung gemacht hat, aber dafür unabhängig über alles und jenes in der Fußball-Welt schreibt? In Schollis Welt da urteilen Fußballer über Fußballer. Da urteilen Trainer über Trainer. Da werden jene, die nie wirklich was mit dem Fußball zu tun hatten, als nicht glaubwürdig abgestempelt. Nur wer auf dem Platz stand, der darf auch darüber berichten, urteilen, kritisieren.

Solch ein Quereinsteiger wie D. Tedesco hat da natürlich keinen Platz. Ein System-Trainer. Buuhhh, System. Dann arbeitet er wohl auch noch mit einen so neumodischen Arbeitsgerät wie einen Laptop. Buuuh, ein Laptop-Trainer. In Schollis Welt wird wohl noch auf Papier geschrieben. Mit einem Kugelschreiber. Alles andere könnte ja wegradiert werden.

Nun ist diese Sichtweise in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Ich z.B. bin Marathon-Läufer. 3mal bin ich diese Distanz gelaufen und kann daher ganz gut einschätzen, was nötig ist, solch einen Lauf im Ziel zu beenden. Wenn dann jemand ankommt und meint, mir erklären zu können, wie es ist einen Marathon laufen zu müssen, ohne selber einen gelaufen zu sein, dann ordne ich seine Tipps auch eher in der Schublade „unglaubwürdig“ ein und murmele leise vor mich hin: „Lauf doch erstmal einen Marathon“.

Nun muss man sich dabei selbstkritisch fragen, ob diese Denk- und Vorgehensweise nicht elitäres Denken und Handeln hervorruft. Wenn all jene Unbeteiligten, die nur Nur-Zuschauenden zu Nicht-Wissenden degradiert werden, weil sie keine Erfahrung als Profi-Fußballspieler, geschweige denn Profi-Trainer vorweisen können.

Nunja, ob Scholli so weit gedacht hat, wie ich das interpretiere? Ich denke nein, den er weiß ganz genau Bescheid. Er ist der Typ mit den dicksten Eiern im Stall. Einer der sich wirklich auskennt. Welches Trainer-Amt hat Scholli nochmal inne gehabt? Von 2008 bis 2013 war er in den Jugend- und Reservemannschaften des FC Bayern München tätig. Ah okay. Er dürfte dann also über die Situation der Jugendtrainer sprechen. Und die der Bundesliga-Trainer?

Verwunderlich ist auch, woher seine penetrante Meinungskundgabe herkommt. Vielleicht weil er für seinen ersten richtigen Scholli, die Attacke auf Mario Gomez („Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“) 2012 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur den Deutschen Fußball-Kulturpreis für den Fußballspruch des Jahres bekam? Will er sich einen zweiten Titel sichern oder fehlt ihm die Aufmerksamkeit? Als Fußballer war er mit der Attitüde des Straßenfußballers ausgestattet. Der Typ Zaubermaus, wenn es gut läuft, aber ansonsten eher kein Leader, sondern Mitläufer. Das passt nun alles irgendwie gar nicht zusammen. Ich werde einfach nicht schlau aus dem Scholli.

Und wie geht’s nun weiter? Scholli hat sich nicht mehr dazu geäußert. Er hat den Ball ins Spielfeld gedroschen und sich nicht wirklich mehr weiter darum gekümmert, ob aus der angestoßenen Debatte etwas zielführendes geworden ist. Einzig war von ihm noch zu vernehmen: „Was wir in den Europapokalspielen erlebt haben, ist erst der Anfang. Wir fahren gegen die Wand“. Ich liebe ja solche Prognosen.

Nun könnte man sagen, dass mit RB Leipzig und TSG Hoffenheim zwei Mannschaften erstmals auf europäischer Ebene mitspielen durften bzw. noch dürfen, der 1. FC Köln seit 25 Jahren wieder mal dabei ist und Hertha BSC hat nur knapp die Europa-League erreicht hatte. Kurzum: alles keine Mannschaften mit einer Dauerkarte auf Europas Fußball-Bühne. Die bisherigen Dauerkartenbesitzer wie der FC Bayern München steht wieder im Champions League Achtelfinale, der Borussia Dortmund nach turbulenten Jahr und schwerer Gruppe wenigstens in der Europa-League. In der nächsten Saison sieht das sicherlich wieder anders aus. Aber weiß ich schon? Ein Blogger, der nie selbst oben gespielt und auch keine Ahnung, wie ein Profi auf höchstem Niveau tickt und nur in der Freizeit mal Fußball spielt? Scholli hingegen könnte es möglicherweise vielleicht eventuell unter Umständen gegebenenfalls wissen.

By Nino

 

Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

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Mit GoPro-Kameras an Biergläsern, Musik-Auftritten in der Halbzeitpause #HeleneFischer #DFB-Pokal, Anastacia #BayernMünchen oder vor dem Spiel #CL-Finale Real Madrid vs. #Juventus Turin hat der Fußball-Kommerz-Zug nochmal richtig an Fahrt und die Diskussion um ihn an Chili-Schärfe zugenommen. Die Stichwörter #SuperBowlisierung und #Eventisierung sind dabei nur die Spitze des Kommerz-Berges.

Nüchtern betrachtet muss dabei zunächst darauf hingewiesen werden, dass die Debatte um die Kommerzialisierung des Fußballs nicht neu ist. Diese gibt es schon sehr viel länger. Da waren die meisten noch Quark im Schaufenster, auch wir. Im Jahr 1973 erschloss sich Eintracht Braunschweig mit seiner Trikotwerbung #Jägermeister eine neue Geldquelle und sorgte damit für einen weiteren Sündenfall. Also, historisch betrachtet nix Neues im hiesigen Fußball-Geschäft. Es geht beim Fußball auch um’s Geld. Punkt.

Die Frage ist also nur, wie es mit der Kommerzialisierung des Fußballs weitergeht? Wann und mit was sind die Grenzen erreicht? Ab wann wendet sich die große Masse an Fans ab? Wann sind die Fans vom Fußball gesättigt?

Sollte man in diesem Zusammenhang dem FC Bayern München nicht auch dankbar sein? Dass er die Grenzen des Möglichen austestet und sofern es nicht bejubelt wird, gleich noch die Kritik dafür einsteckt? Einer muss ja mal für eine Weiterentwicklung sorgen, neue Akzente setzen. Ohne Weiterentwicklung kommt es zum Stillstand. Stillstand bedeutet Langeweile. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite beschäftigt sich mit dem, was man gegen die zunehmende Kommerzialisierung tun kann. Nun wäre der radikalste Ansatz dem Fußball einfach fernzubleiben. Kompletter Entzug. Kein Stadionbesuch. Kein Lesen eines Magazins. Kein Besuch einer Webseite. Keine Sportschau oder sonst irgendeine Fernsehsendung. Kein Youtube usw. Das ist auch so utopisch wie das Donald Trump mal eine vernünftige Entscheidung treffen wird.

Also muss es schrittweise gehen. Wir haben dazu, im Jahr 750 nach Martin Luther und dessen Geboten, die 10 Gebote für den Protest gegen die Kommerzialisierung formuliert:

Das erste Gebot:
Der Fußball ist das schönste Spiel. Du sollst kein Fan von anderen Sportarten sein.

Das zweite Gebot:
Du sollst Fußball nicht für andere Zwecke wie Gewalt, Hass, Intoleranz oder Rassismus missbrauchen. Zelebriere Fußball als das schönste Spiel.

Das dritte Gebot:
Du sollst den Spieltag heiligen. Du sollst dazu ins Stadion gehen. Kaufe dir kein Streaming-Dienst-Abo, mit dem Du z.B. die Champions-League schauen kannst. Treffe dich lieber mit Freunden in der Kneipe deines Vertrauens. Spende dem Besitzer ein bisschen mehr Trinkgeld, damit er die Kosten für die Live-Übertragung begleichen kann.

Das vierte Gebot:
Du sollst deinem Verein ehren. Trainer, Spieler, Manager werden kommen und gehen. Der Verein bleibt.

Das fünfte Gebot:
Du sollst ins Stadion gehen. Schau dir nach Möglichkeit keine Spiele im Fernsehen an. Das vollendete Fußball-Erlebnis kriegst du nur im Stadion.

Das sechste Gebot:
Du sollst deinem Verein treu bleiben. Kaufe dir nur Andenken von deinem Verein. Unterstütze deinen Verein, damit er sich nicht von Investoren abhängig machen muss.

Das siebte Gebot:
Du sollst nur Fußball-Magazine mit Qualität kaufen. Die #SportBild und der #Kicker (nur die Sonderhefte) gehören nicht dazu.

Das achte Gebot:
Du sollst nicht falsch über andere Fans reden. Beachte dies z.B. bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken #Facebook #Twitter #Instagram.

Das neunte Gebot:
Du sollst deinen Freunden von den 10 Geboten erzählen und von der Umsetzung überzeugen. Du sollst dich dabei nicht wie ein Missionar anstellen.

Das zehnte Gebot:
Du sollst die Gebote 1 bis 9 einhalten.

 

By Baba und Nino

Kommentar zur FC Bayern-Journalismus-Hysterie

Test

Eine Woche ist es nun her, als der FC Bayern München gegen Borussia Dortmund im 2017er-DFB-Pokalhalbfinale verloren hat. In der Nachbetrachtung war dies ein Spiel von Alt vs. Jung, bei dem die jüngere Mannschaft mit mehr Glück, aber auch am Ende verdient gewonnen hat. Der FCB mal nicht im Pokalfinale, der BVB hingegen schon zum 4.mal in Folge. Soweit zum Außergewöhnlichen an diesem Spiel. An den Tagen danach erweckte jedoch der Blick in den deutschen Blätterwald den Eindruck, als hätten die Sport-Journalisten allesamt mächtig am Hysterie-Rad gedreht.

Dass die #BILD mit Überschriften wie „Bayern am Boden“, „Die schlimmste Krise seit 2012“, „7 Fragen, ob Ancelotti noch der Richtige ist“ und „Ende einer Ära“ besonders kräftig gedreht hat, ok, das gehört ja zur Tradition des Boulevard-Blattes.

Aber das auch die als seriös geltenden Medien auf den Hysterie-Zug aufgesprungen sind, das bleibt mir immer noch schleierhaft. Bei #SpiegelOnline war von der „Woche des Grauens“ zu lesen, beim #Stern das „Ende einer Ära – Jetzt helfen nur noch verrückte Dinge“, die #FAZ stellte fest, dass nicht nur die Spieler in die Jahre gekommen sind, die #Süddeutsche schrieb von einem „Falschen Spiel zur falschen Zeit“. Für den #Tagesspiegel war der FCB „Eine Ansammlung müder, verbrauchter Helden“. Die Sportmagazine/-seiten wie #11Freunde kamen zu dem Schluss, dass Trainer Ancelotti die Arbeit in München aufnehmen sollte. Bei #Sport1 kam man vergleichsweise zu einem milden Urteil und attestierte den Bayern einen Abwärtstrend, erwartet jedoch eine „Monster-Transfer-Offensive“ mit Transfers jenseits von 100 Millionen Euro. Bei #ZeitOnline stellte man dann (un)passenderweise fest, dass es „Festtage für Bayernhasser“ sind.

Bei dieser geballten Kritik, weit entfernt von journalistischer Objektivität stellt sich schon einem die Frage, ob es für alle diese Sportjournalisten nicht eine willkommene Gelegenheit war, mal hart, aber unfair auf den Bayern-Punching-Ball einzudreschen? Klar, die Fallhöhe und die Ansprüche des FCB sind historisch gewachsen groß und der Umgang mit Niederlagen, gerade das Aus in der Champions-League vs. Real Madrid nicht immer souverän gewesen. Die derartige Infragestellung des bisher in der Saison Erreichtem und des Personals (Trainer wie Spieler) ist jedoch schlichtweg unangemessen.

Zudem stellt sich die Frage, warum die Leistung von Borussia Dortmund nicht das TOP-Thema war? Wenn der BVB mit seinem Jugendstil so weitermacht, hat er dann nicht eine #GoldeneZukunft vor sich? Ein weiterer Bayern-Konkurrent, der wieder mehr Spannung in den Meisterschaftskampf bringt. Dazu hätte ich gern etwas Ausführliches gelesen. Tagein tagaus wird doch über die langweilige Bundesliga lamentiert. Und dabei ist es offensichtlich gar nicht so schwer für diese BVB-Mannschaft Sympathien zu entwickeln.

Aber nein, keine positiven Schlagzeilen für den BVB. Dann lieber auf das Bayern-Mega-Krisen-Pferd aufspringen und alles auf die Klicks-Generierung und Auflage setzen.

Außerdem stellt sich mir bei diesem ganzen Mecker-Journalismus auch die Frage, ob das alles so repräsentativ ist? Am Ende sind es vielleicht 50 Sportjournalisten, die für die veröffentlichte Meinung der Reichweite-stärksten Medienhäuser sorgen. Wie die öffentliche Meinung hingegen aussieht, bleibt meist unklar.

Nach all der hysterischen Berichterstattung war interessant zu beobachten, wie die Verantwortlichen des FCB damit umgegangen sind: Trainer Ancelotti äußerte sich ein paar Tage später und gab Fehler bei seinen Entscheidungen zu Protokoll. Vorstandsvorsitzender Kalle Rummenigge wies bezüglich der Trainer-Frage darauf hin, dass über die Vertragslaufzeit nicht diskutiert wird. Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß ließ verlauten, dass er es gar nicht so sieht, dass der Transfermarkt das Allheilmittel ist. Dies wurde dann auch gleich bestätigt, nämlich mit der Verlängerung der Verträge mit Kingsley Coman bis #2020 und Thiago bis #2021.

Die sportliche Reaktion zeigten die Spieler 3 Tage später auf dem Rasen. Mit 6:0 spielten sie den VfL Wolfsburg an die Wand. Da RB Leipzig in Ingolstadt nur Null zu Null spielte, feierte der FCB seine fünfte Meisterschaft in Folge. Der #Kicker wertete diese Meisterschaft nur als Trostpreis…

Nur zur Erinnerung: Vor gut zweieinhalb Jahren, zum Start in die Rückrunde der Saison 2014/2015, haben die Wolfsburger noch Lederhosen getragen und die Bayern mit 4:1 nach Hause geschickt. Aktuell spielt der VfL noch gegen den Abstieg, die erste Relegation wäre möglich, sofern der Hamburger SV sich nicht durch ein Relegations-Triple selbstverwirklichen will.

Meiner bescheidenen Meinung nach, verdichten sich die Anzeichen, dass die Bayern keine „verrückten Dinge machen“ werden, so wie es ARD-Kommentator Mehmet Scholl nach dem Pokalspiel populistisch formulierte. Vielleicht kommen noch ein, zwei Spieler und unzufriedene werden verkauft #Costa. Das ist aber auch nur Kaffeesatzleserei, spätestens zum Anpfiff der neuen Saison wird feststehen, welche Schlüsse sie aus dieser Saison gezogen haben. Eins scheint aber wohl sicher: Das Nachwuchsleistungszentrum soll nicht umsonst gebaut worden sein. Wie man lesen konnte, soll dies das Hoeneß’sche Vermächtnis werden. Mehr Jugendstil würde dem FCB nicht so schlecht zu Gesicht stehen.

By Nino

 

 

 

Leserbrief zum 11Freunde Artikel „Gezutzelte Weißwurst“

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Lieber Herr Jürgens,

dies ist ein Leserbrief zu Ihrem Text „Gezutzelte Weißwurst – Warum die Bayern langweilig geworden sind“. Ich möchte gerne von Ihnen wissen, mit welchen Ziel Sie diesen geschrieben haben. Ging es um die schlichte Klicks-Generierung für die 11Freunde-Seite? Meckern um den Meckern-Willens? Eine „offene Rechnung“ mit dem FCB?

Ich habe mir das Champions-League Viertelfinalspiel vs. Real Madrid nicht angeschaut, sondern über ein Internetradio #Sport1.fm verfolgt. Das war im Nachhinein nicht besonders schlau, aber das tut auch nix zur Sache. Bevor Sie sich fragen, wer hier Ihnen einen Leserbrief schreibt, dann sei so viel gesagt, dass Sie einen Bayern-Sympathisanten ziemlich aufgeregt haben. Daher will ich Ihnen in aller gebotenen Sachlichkeit aufzeigen, warum es so weit kommen konnte. Zu besseren Nachvollziehbarkeit fange ich chronologisch oben an. Achtung Spoiler! es ist viel Text:-):

„Das Aus des FC Bayern in der Champions League beweist: Der Rekordmeister ist längst nicht so überirdisch, wie es seine Darbietungen in der Bundesliga glauben machen.“

Welche Darbietungen in der aktuellen Bundesliga-Saison haben Sie glauben machen, dass der Rekordmeister überirdisch ist bzw. spielt? Rein von den Ergebnissen her vielleicht der 8:0 Sieg gegen den Hamburger Sportverein? Der HSV ist in den letzten Jahren ein besserer 2.ligist, der sich mit Hilfe der Kühne-Millionen seine 1.Ligazugehörigkeit sichern konnte.
Selbst das 4:1 gegen Borussia Dortmund, das 3:0 gegen RB Leipzig waren keine überirdischen Leistungen. Der FCB spielt wieder eine überragende Saison, keine Frage.

Es war nicht das erste Mal, dass uns Fußballfans das seltsame Gefühl beschlich, nur Teil einer großen Inszenierung zu sein, die uns weißmachen will, die Bundesliga sei mit die beste Spielklasse der Welt und die Mannschaft des FC Bayern ein mit sensibler Expertenhand zusammengestelltes Ensemble aus Genies und Halbgöttern.

Fakt ist doch, dass die Bundesliga auf europäischer Ebene zurzeit die zweitbeste Liga ist. Grundlage ist dafür die UEFA-5-Jahres-Wertung. Haben Sie Kenntnis von Statistiken, die eine weltweite Vergleichbarkeit herstellen könnte?
Zum Kader des FCB: In einer der letzten Ausgaben von 11Freunde wurde der Kaderplaner des FCB, Michael Reschke, interviewt. Er gewährte einen kleinen Einblick in die Strategie, wie und warum er Spieler empfohlen hat. Das Bild einer sensiblen Expertenhand wurde da gezeichnet. Aber die Erwartung von „Genies und Halbgöttern“ ist doch eine zum Scheitern verurteilte. Steckt dahinter wiederum das Kalkül, die Bayern in den Himmel, ähm ins Überirdische zu loben, um sie dann möglichst tief fallen lassen zu können?

Das Viertelfinal-Aus gegen Real Madrid war trotz des wackeren Aufbäumens der Münchner ein Beweis, dass etwas faul ist im Freistaat Bayern – und damit im ganzen Land. Schließlich gibt es nunmehr im fünften Jahr keinen Klub mehr, der hierzulande dem FCB ernsthaft das Wasser reichen kann. Wir haben uns damit abgefunden, dass Uli Hoeneß’ feuchter Traum von zehn Meistertiteln in zehn Jahren keine größenwahnsinnige Dystopie mehr ist, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Jahr 2022 Realität sein wird. Doch wenn es auf internationaler Bühne um die Wurst geht, fehlt dem Klub beständig das Instrumentarium für die großen Siege.

Soweit ich mich erinnern kann, hatte Uli Hoeneß mal die Wunschvorstellung einer perfekten Saison, also ohne Niederlage geäußert. Ich denke, dass wird auch weiterhin ein Wunsch bleiben. Im Übrigens ist eine Dystopie laut Wikipedia „ein Gegenbild zur positiven Utopie“. Nach Ihrer Aussage ist es der Hoeneß’sche feuchte Traum das 10 Meistertitel in 10 Jahren nicht zustande kommen? Oder wie haben Sie das gemeint?
Und wenn Sie von Instrumentarium für die großen Siege schreiben, dann meinen Sie damit die Spieler? Eine sehr seltsame Sicht auf Menschen.

Es wäre leicht, den FC Bayern für seine Dominanz in der Bundesliga zu hassen. Ein gelernter Vorgang. Ein Gefühl, das wir kennen. Seit Ewigkeiten. Nun aber müssen wir uns eingestehen: Dieser Klub verdirbt uns nicht nur mit seiner übermächtigen Stärke den Spaß am Spiel, auch seine Machtlosigkeit in den entscheidenden Momenten nervt zunehmend.

Es wäre nicht leicht, den FC Bayern für seine Dominanz in der Bundesliga zu hassen. Nein, es ist leicht den FC Bayern zu hassen. Als Bayern-Sympathisant kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass ich mich regelmäßig erklären muss, warum man denn dem FCB die Daumen drückt. Das ist mit der Zeit wirklich langweilig geworden. Bezeichnend ist es daher, dass Sie den Hass als gelernten Vorgang beschreiben. Vielleicht ist es Ihre Vereinsbrille!? Gegen den FCB zu sein, ist wahrlich leicht. Sie bieten ja zugegebenermaßen auch eine große Angriffsfläche.

Zu akzeptieren, dass die Münchner mit Trainingsspiel-Leichtfüßigkeit in der Liga die Konkurrenz in Grund und Boden spielen, ist das eine. Die Regelmäßigkeit, mit der sie nun bereits zum vierten Mal in Folge von einem spanischen Team aus der Champions League katapultiert werden, aber ist deprimierend. Denn das Aus gegen die Königlichen zeigt: Trotz der enormen Investitionen, stetig wachsender Gewinne und des überquellenden Festgeldkontos, bleiben die Münchner in der Phalanx internationaler Spitzenklubs ein Juniorpartner.

„Juniorpartner“ in der Phalanx internationaler Spitzenklubs. Das ist wirklich eine steile These. Ist Ihnen entgangen, dass der FCB in den letzten 10 Jahren mindestens im CL-Viertelfinale war? In den letzten 5 Jahre sogar mindestens im Halbfinale. Und das 2013 der Titel geholt wurde?. Allein diese Fakten widerlegen einen Juniorpartner-Status. Eine feste Größe im Konzert der Großen trifft es wohl eher. Juniorpartner ist für mich z.B. Paris Saint-Germain, die mit wesentlich mehr Geld, viel weniger erreicht haben. Nicht mal ein 4:0 Hinspiel-Sieg kriegen sie gegen den FC Barcelona über die Runden. Da braucht es schon ein Team wie die #AlteDame Juventus Turin, die mit einem 3:0 Heimsieg und einem 0:0 den Einzug ins Halbfinale erspielte.

Daran ändert auch Trophäensammler Carlo Ancelotti nichts. Bislang gingen Experten davon aus, dass erst in der Crunch Time der Saison die wahre Größe des Italieners sichtbar würde. Dass das Pokerface trotz Hinspielniederlage gegen seinen Lehrling Zidane noch einen Trumpf aus dem Ärmel zöge. Schließlich war es spätestens seit Ancelottis Inthronisierung offizielle Lesart, dass Vorgänger Pep Guardiola mit seinem strapaziösen Stil die alleinige Schuld daran trage, dass dem FCB-Kader wiederkehrend in der Rückrunde die Luft ausgegangen sei. Ein Scharade, die nun aufgeflogen ist. Denn unterm Strich kann die Bilanz im Ergebnissport Fußball nur lauten: Der deutsche Rekordmeister ist international nicht gut genug. Nachdem der Klub unter Guardiola drei Mal im Halbfinale ausschied, war nun bereits im Viertelfinale Schluss.

Das unter Pep Guardiola nicht alles rund lief und es ohne ihn besser ist, damit habe ich mich auch schon beschäftigt. Aber erst nachdem er drei Jahre beim FCB war und eine Bilanz gezogen werden konnte!
Wie Sie ja sicherlich wissen, ist Carlo Ancelotti in seiner ersten Saison beim FCB. Eine Bilanz nach einer Saison in den Vergleich zu 3 Spielzeiten von Guardiola zu stellen, ist noch verfrüht. Um eine einigermaßen sachlichen Vergleich vollziehen zu können, müsste erst einmal abgewartet werden, welche Bilanz Ancelotti nach drei Jahren vorzuweisen hat. Das beide Trainer sich in Punkto Taktik, Menschenführung voneinander unterscheiden, kann man jedoch bereits jetzt schon konstatieren.

Der FCB ist vor allem: langweilig
Und noch etwas ist alarmierend. Vom früheren Pressechef des FCB, Markus Hörwick, stammt der Satz: »Wir sind im Unterhaltungsgeschäft«. Wenn die Bayern früher keine Titel gewannen, machten sie wenigstens mit zerstrittenen Leitwölfen, P1-Eskapaden, Hoeneß-Wutanfällen oder Angestellten Schlagzeilen, die wahlweise Interna aus der Kabine an Boulevardzeitungen kabelten oder ihren Cousinen zu nachtschlafender Zeit das Entmüdungsbecken an der Säbener vorführten. Inzwischen gibt sich der Kader als verschworene Einheit, die sich vor Spielfreude und gegenseitiger Sympathie kaum noch einkriegt, Negativmeldungen so fürchtet wie der Teufel das Weihwasser – kurz: vor lauter guter Laune und Opferbereitschaft langsam aber sicher den Entertainment-Faktor einer gezutzelten Weißwurst besitzt. Wer national außer Konkurrenz spielt und ein chemisch gereinigtes Medienbild abliefert, international aber verlässlich den eigenen Ansprüchen hinterher hinkt, ist vor allem: langweilig.

Ohha, Sie kritisieren also, dass der FCB keine Boulevard-Schlagzeilen mehr produziert? Und diese Kritik kommt nicht von einem Bild/SportBild-Journalisten, sondern von einem der bei 11Freunde seine Brötchen verdient. Ja, das Lied von „den guten alten Zeiten“ wird von Ihnen wohl jeden Morgen stimmgewaltig angestimmt. Aber die Zeiten des FC Hollywood sind vorbei. Die Zeiten haben sich nämlich geändert #Klugscheißer. Mit den Möglichkeiten von Social Media wurden schon einige Eigentore geschossen. Und jede Woche wird eine andere Sau durch’s Mediendorf getrieben. Da passen die Spieler schon ganz genau auf, welche Äußerungen in den Schreibblock oder die Tastatur der Journalisten gelangen.

Außer Konkurrenz zu spielen, dafür ist der FCB, ausgenommen gezielter Abkäufe, doch nicht verantwortlich zu machen. Vereine wie Schalke, Leverkusen, Wolfsburg stehen sich doch mehr selbst im Wege. Sie haben doch erst in der letzten Ausgabe der 11Freunde in der Titelstory „Meister von Morgen“ über die junge Dortmunder Borussia geschrieben. Bestand da nicht die leise Hoffnung, dass beim BVB was ganz Großes, gar Überirdisches sich entwickeln würde? Und was ist mit RB Leipzig? Meinen Sie nicht, dass sich da ein ernstzunehmender Konkurrent entwickelt? Ach nee, sorry, mein Fehler. Falsches Thema. Da fehlt gemeinhin die Ignoranz.

Daran wird sich auch nichts mehr ändern, sollte der FC Bayern auch noch das Double verpassen. Die Saison ist gelaufen. Der gemeine Fußballfan darf sich am Abstiegskampf erfreuen oder kanalisiert sein Erregungspotential in Richtung der florierenden Retortenklubs. Über den FCB braucht sich bis zum Beginn der neuen Spielzeit niemand mehr Gedanken zu machen. Der Klub steht vor einem Generationswechsel, der mit dem heutigen Tag beginnt.

Jetzt schon zu konstatieren, dass die Saison gelaufen ist. Viel zu voreilig.
Ja, der Klub steht vor einem Generationswechsel. Und weiter? Da mussten auch schon andere Mannschaften durch. Das ist übrigens auch die Gelegenheit für die Bundesliga-Konkurrenz diese Zeit des Umbruchs zu nutzen, um die Bundesliga noch spannender zu machen. Leidiges Thema ist ja auch, dass die Bundesliga langweilig wäre. Damit reduziert man die Liga auch nur auf den Titelkampf. Dabei gibt es noch die Plätze 2-18. Championsleague, Europa-League, Relegationsplatz, Abstiegsränge.

Die Bayern brauchen eine Imagekorrektur
Dabei stellt sich den Verantwortlichen neben der Frage, mit welchen Transfers sie den Neuanfang starten, auch das Problem, wie sie ihren Klub zukünftig ausrichten: Will die selbsternannte Lokomotive vor dem Bundesliga-Zug das Spektakel der deutschen Eliteklasse bleiben, braucht sie eine Imagekorrektur. Und eine Kader-Qualität, die einerseits für die bundesdeutsche Konkurrenz erreichbar erscheint, aber auch stark genug ist, um im Wettbewerb mit internationalen Top-Vereinen nicht ständig zweiter Sieger zu bleiben.
Wie auch immer die Bayern diese Quadratur des Kreises angehen, sicher ist an diesem Punkt nur eins: Die »Truman Show« ist zu Ende, die Tür fällt krachend von außen zu. Willkommen in der richtigen Welt.

Zum Schluss kommt dann immer das Beste? Ja, hier kommt wirklich das Beste. Die Sätze muss man sich wirklich noch einmal vor Augen führen. „Und eine Kader-Qualität, die einerseits für die bundesdeutsche Konkurrenz erreichbar erscheint, aber auch stark genug ist, um im Wettbewerb mit internationalen Top-Vereinen nicht ständig zweiter Sieger zu bleiben.“  Ganz einfach ausgedrückt heißt das wohl: Der FCB soll sich schwächen, um dann mit der geschwächten Mannschaft, auf Augenhöhe mit den stärksten Mannschaften aus Europa zu konkurrieren?
In der Tat ist das die Quadratur des Kreises. Das ist jedoch auch die Quadratur des Unsinns. Das muss doch nicht noch aufgeschrieben werden. Verschenkte Zeilen. Es ist gar nicht notwendig, diese Quadratur anzugehen. Die Lösung wird wohl sein, dass man sich auf ein, zwei Positionen (Sturm, Mittelfeld) verstärkt. Das Gros der Mannschaft hat laufende Verträge bis 2021 und mit Rudy und Süle wurden bereits zwei Spieler für die neue Saison verpflichtet.

So, der Spoiler-Alarm war nicht umsonst:-) Sind sie so freundlich und geben mir Antworten auf meine Fragen? Dafür bin ich Voraus sehr dankbar.

Mit sportlichen Grüßen,

By Nino

 

Das Hör-Spiel Real Madrid vs. FC Bayern München

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Wer nicht sehen will, der muss hören. So war mein Motto für das Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid vs. FC Bayern München. Die fehlende Fernsehübertragung des ZDF, die ungewohnte Unlust sich in eine Kneipe zu begeben und die erste leise Hoffnung, dass noch weitere Spiele des FCB in der CL folgen würden, führten zu dieser etwas anderen Spiel-Verfolgung. Die zweite leise Hoffnung war, dass der Kommentator nicht „Was für ein Tor. Das müssen sie gesehen haben!“ ins Mikro schreien würde. Als Kind habe ich gelegentlich die Bundesliga-Konferenz-Schaltung mit meinem Opa angehört, in den letzten Jahren war der ein oder andere Samstag-Nachmittag dabei, an dem die Konferenz-Schaltung bei Sport1.fm verfolgt wurde. Das war zuweilen sehr unterhaltsam. Unterhaltsam sollte eigentlich auch der SPORT1 Fantalk mit den Quasselstrippen #Neururer #Pocher und #Helmer sein. Diese Sprachpoeten kann man sich aber nicht mal besoffen geben. Also hieß es Radio, mit Kopfhören auf der Couch.

Nach der 1:2 Hinspiel-Pleite war die Vorgabe für die Münchner Bayern klar. Zwei Tore und das Weiterkommen wäre gesichert. Für Reals Madrilenen war klar, dass auch ein 0:0 reichen würde, um das Ziel der 1. Titelverteidigung in der CL-Geschichte weiter verfolgen zu können.

Gern würde ich jetzt ein paar bessere Eindrücke niederschreiben können. Jedoch sind mir nur noch Sprachfetzten in Erinnerung: „Schuss geklärt von Boateng auf der Linie!“, „Kross aus der Mitteldistanz.“, „3.te gute Chance für Real“. Die durchgehend rasante Kommentierung lässt kaum Zeit, das Gesagte zu verarbeiten. Die Halbzeit-Pause war daher eine willkommene Abwechslung.

Mit der zweiten Halbzeit ging der wilde Sinnes-Kick weiter. „Auf der Linie gerettet. Marcelo mit dem Kopf auf der Linie.“, „Elfmeter für die Bayern. Lewandowski trifft.“ „Vidaaaal drüüüberrrr! Über den Kasten donnert.“ Ich versuchte mir alles bildlich vorzustellen, scheiterte aber zunehmend an den Entwicklungen des Spiels. Der Einwechslung von Müller folgte das Kopfball-Tor von Ronaldo. Diesem folgt das Eigentor von Ramos. Dann Platzverweis für Vidal. Man hört, es wäre ein faires Tackling gewesen. Dann eben wieder 11 vs. 10. Man hört, das sich Hummels und Boateng über den Platz schleppen. Nach 90 Minuten steht es 2:1 für den FCB. Das bedeutet Verlängerung, 30min mehr in Unterzahl. In dieser Verlängerung schießt Ronaldo seine Viertelfinal-Tore 4 und 5, sein 100. CL-Tor insgesamt. Der Typ schafft es eben, alle in den Wahnsinn zu treiben. In allen Belangen.

Dass das fünfte Tor aus klarem Abseits gefallen sein soll, das würde ich auch gerne einschätzen können. Höre es aber eben nur. Auch wenn der Kommentator eloquent und mit der nötigen Neutralität das Spiel beschreibt und dies zu einem Erlebnis der anderen Art werden lässt, so bleibt diese Spielverfolgung nur eines der 2. Klasse. Zumal ein CL-Spiel zwischen diesen beiden Mannschaften bisher nicht für Langeweile und Rumpelfußball stand.

So erfüllte sich zumindest nur die zweite leise Hoffnung. „Was für ein Tor. Das müssen sie gesehen haben!“ wurde nicht gesagt. Dafür aber insgeheim das ganze Spiel. Wer nicht sehen will, muss leiden. Das ist jedenfalls meine Lehre aus diesem Hör-Spiel. Welche die Bayern daraus ziehen sollen, darüber wird sicherlich treffsicher diskutiert werden.

By Nino

 

 

Der FC Bayern München ohne Pep? Gut so…Teil 2!

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Der FC Bayern München ohne Pep? Und dann noch Gut so! Was erlaube Nino? Für manchen Bayern-Fan ist der Abschied von Guardiola ja ein Verlust. Im ersten Teil habe ich beschrieben, warum diese Trennung auch sein Gutes hat. Wie geht es nun mit dem Liga-Primus FCB weiter? Quo Vadis FC Bayern?

Was die Position des Trainers betrifft, so haben die Verantwortlichen um Kalle Rummenigge und Matze Sammer so gut wie alles richtig gemacht. Beide haben öffentlich für den Verbleib des Trainers geworben, den sog. roten Teppich ausgelegt. Sie haben sich fast ganz den Vorstellungen von Pep untergeordnet. Die Transferwünsche wurden ihm erfüllt. Auch die Spieler haben offen bekundet, dass eine weitere Zusammenarbeit wünschenswert ist.

Als sie irgendwann gemerkt haben, dass es nix werden wird, dann sind sie noch rechtzeitig von der Klippe der Würdelosigkeit gesprungen und haben den Verein als über allem stehenden Fixpunkt ausgemacht. „Der Verein ist größer als der Trainer“ ist die von Matze Sammer ausgerufene Marschroute. „Spieler kommen, Spieler gehen, Trainer kommen, Trainer gehen“ waren die Worte von Vorstandsboss Rummenigge. Sie haben versucht ihn zu halten, er wollte nicht #NeueHerausforderung.

Mit Carlo Ancelotti wurde ein erfahren-erfolgreicher Trainer geholt. Gut möglich, dass sich Geschichte wiederholt. Denn Louis van Gaal hat das Spielsystem auf eine neue Ebene gebracht, danach kam Jupp Heynckes (Anm. d. Verf.: Andries Jonker war zum Saison-Ende 2011 zweieinhalb Monate da und der Assi van Gaal, also keine längere Trainerposten-Periode), der mit seinem Spielverständnis die van Gaalschen Grundlagen verfeinerte und mit seiner väterlichen Art genau das richtige Klima für den absoluten Erfolg schaffte. Nicht zu vergessen die Großmutter aller Niederlagen, das Finale Dahoam 2012. Nun hat Guardiola in den letzten drei Jahren das System derart flexibel gemacht, dass sie die Spiele gewinnen weil sie so spielen, wie sie wollen und sich nicht dem Gegner anpassen (ok, vorbehaltlich der CL-Saison). Mit Ancelotti kommt nun ein ähnlicher Typ wie Heynckes an die Säbener Str. und es wird interessant zu beobachten sein, was er aus dieser Variabilität macht. Wird er sie auch verfeinern oder sogar komplett umkrempeln? Dafür bräuchte er sicherlich andere Spieler, die wahrscheinlich nicht in großer Anzahl kommen werden. Die Transfer-Gerüchte-Küche wird bis dahin wohl auch kein 3-Sterne-Gericht auf den Platz, ähm Teller zaubern können.

Was die Mannschaft betrifft so wurden vor Jahresende 2015 noch die Verträge mit den Spielern Jérôme Boateng, Javi Martinez und Thomas Müller langfristig verlängert. Dazu kommt noch, kurz vor Frühlingsbeginn zwosechszehn, die Verlängerung von David Alaba. Damit sind weitere wichtige Spieler, die zum Stamm der Mannschaft gehören über 2017 hinaus gebunden. Die Voraussetzungen für eine Ära sind gelegt. In der Transferpolitik haben sie soweit alles richtig gemacht. Es ist im aktuellen Kader kein Spieler dabei, der im Sommer seine Karriere beendet. Die Mannschaft kann also zusammen bleiben. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die englische Transfer-Offensive auf den Kader der Bayern hat. Zu Manchester City werden sicherlich keine wechseln. Auszuschließen ist dies allerdings nicht, bei aller Fußball-Romantik.

Die große Unbekannte ist der wahrlich nicht unbekannte Uli Hoeneß. Noch ist unklar in welche Rolle, der zu Recht Verurteile Ex-Präsident zurückkehrt. Verbleibt er eher unbemerkt in der Jugendabteilung oder gibt es ein Comeback der #AbteilungAttacke? Der aktuelle Präsident Karl Hopfner, vormals Finanzvorstand, scheut ja die Öffentlichkeit, wie Vampire das Tageslicht. Im Sommer 2016 soll die Entscheidung fallen welche Rolle Hoeneß bei quasi seinem Verein spielen wird.

Ich würde es begrüßen, wenn Hoeneß sich mehr um die Nachwuchsspieler kümmert und nicht im hektischen Tagesgeschäft mitmischt. Denn die Ausbildung junger Talente, die den Sprung von der 2.ten in die erste Mannschaft schafften, war schon immer die Schwachstelle der Bayern. Jedoch werden sie auch nicht zu einem Ausbildungsverein werden können. Zu hoch sind die mittlerweile gewachsenen Erfolgsansprüche #Triple. Ein bis zwei Spieler können im besten Fall den Sprung in die Profi-Mannschaft schaffen. Eine Alternative war bisher auch über Leihgeschäfte den Spielern Spielpraxis zu geben. Ansonsten werden sie weiterhin davon abhängig sein, von anderen Clubs die Top-Spieler zu holen. Das dürfte den ein oder anderen deutschen Club auch weiterhin in die Geld-Hände spielen, denn zum Nulltarif sind nur wenige Spieler nach München gewechselt.

Um das Ziel, weiterhin in der international Oberklasse vertreten sein zu können, spielt die globale Vermarktung eine immer größere Rolle. Bei der im Sommer 2015 durchgeführten USA-Reise konnte man sich schon einen guten Eindruck davon machen, wohin diese Reise im wahrsten Sinne des Wortes gehen wird. Die noch „unerschlossenen Märkte“ wie China und Indien gilt als nächstes zu bespielen. Auch die letzten Bemühungen neue Sponsoren einzubinden, zeugen von der Strategie zu einer weltweiten Marke zu werden.

Dabei sollten die Bayern allerdings nicht auf Länder wie Katar zugehen. Auch wenn mit dem katarischen Flughafen Doha, als neuer Premium-Partner versucht wird, u.a. das Thema Menschenrecht aktiv anzugehen. Da bleiben die Bayern noch Antworten schuldig bzw. sollten mal seriöse Journalisten, also nicht von der BLÖD, danach fragen.

Aus sportlicher Sicht war der erste Prüfstein das Champions-League-Achtelfinale. Dort wartete mit Juventus Turin, Vorjahresfinalist und aktueller, italienischer Tabellenführer nicht gerade ein Glückslos. Nach dem 2:2 Hinspiel war der 4:2 Rückspiel-Sieg in seiner epischen Ausführung auch ein Sieg gegen die taktische Besessenheit von Guardiola. Mit den einfacheren Mitteln (Flanke-Kopfball) wurden die Tore erzielt. Aus dem Chaos geboren. Dieser Sieg kann ein #Brustlöser sein, eine befreiende Wirkung entfalten, wie im Triple Jahr 2013. Denn die Spieler wissen jedenfalls um was es geht: um den gemeinsamen Erfolg. Das Gefüge Mannschaft und Trainer reduziert sich nun auf eine Zweckgemeinschaft. Im Viertelfinale scheint mit Benfica Lissabon zumindest ein machbarer Gegner zu warten.

Wie auch immer das Ende der Ära Guardiola ausgehen wird, der FC Bayern München hat sich in die Beletage der europäischen Top-Clubs gespielt. Die Voraussetzungen sind gegeben, dies auch in den nächsten Jahren tun zu können. Inwieweit die „Mia san Mia“-Folklore mit der Lederhose mit der Strategie zur globalen Marke einhergehen ist schwer einzuschätzen. Umso globaler, umso weniger lokaler!?

By Nino