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Versammlung am Pulverfass?

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Knapp zwei Monate nach den Vorfällen rund um das Heimspiel vs. VSG Altglienicke am 9. März 2019 hat der Nordostdeutsche Fußballverband sein Urteil nach mündlicher Verhandlung verkündet. Dies lautet in Kurzform für den Chemnitzer FC:

  • Geldstrafe von 12.000€, hiervon können bis zu 5.000€ für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden,
  • Zuschauerausschluss in den Blöcken der Südtribüne des Stadions für das kommende Regionalliga-Meisterschaftsspiel und zwei weitere Blocksperren auf Bewährung für Meisterschaftsheimspiele in den kommenden zwei Spielzeiten,
  • Entwicklung von strategischen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus mit Unterstützung externer Fachleute,
  • Besetzung der Stellen eines Fanbeauftragten und eines Antirassismusbeauftragten.

Der CFC hat das Urteil akzeptiert und somit ist dieses rechtskräftig. Zur Umsetzung der Blocksperre hat der CFC einen Tag nach Urteilsverkündung mitgeteilt, dass er aufgrund dessen dazu verpflichtet ist, „den Umzug in andere Blöcke des Stadions – An der Gellertstraße zu unterbinden. Ein Umtausch von Tickets, Kompensationsgeschäfte, Rücknahmen etc. sind deshalb untersagt. Bei Zuwiderhandlung droht dem Chemnitzer FC eine Ausweitung der Blocksperre auf weitere Heimspiele sowie Strafen bis hin zu Punktabzug oder Strafversetzung.“ Die Aufforderung an alle Anhänger lautet daher: „Wir stehen unter besonderer Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je. Ich wünsche mir, dass unsere Fans den hart erarbeiteten, sportlichen Erfolg nicht durch unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus gefährden.“

Meine erste Reaktion dazu: „Ach du Scheiße!“ Und so länger ich darüber nachdenke, habe ich erhebliche Zweifel, dass das ein gutes Ende für den CFC nimmt. Es mutet wie die Versammlung am Pulverfass an. Eine falsche Aktion kann die zündende sein.

Die moralische bzw. Anstands-Latte wurde von Sportvorstand Sobotzik jedenfalls ordentlich hochgelegt … „unüberlegte Aktionen aus der Emotion heraus“ … gewiss ist ihm dabei nicht entgangen, dass mit einem Punktgewinn die Meisterschaft der Regionalliga Nordost 2018/2019 endgültig klargemacht werden kann. Wenn nicht, wann dann führen solche sportlichen Ereignisse bzw. erreichten Ziele zu einem Platzsturm oder zu emotionalen Aktionen/Reaktionen? Wenn nicht sogar nur aus der reinen Freude und puren Emotion am schönen Spiel Fußball heraus? Ihm wird doch wohl auch nicht entgangenen sein, dass gerade im Fußball die Emotion gerne als Erklärung für alles Mögliche genutzt wird. Der dezente Hinweis auf die „besondere Beobachtung“ ist jedenfalls provokativ wie zutreffend. Die örtlichen wie bundesweit berichtenden Pressevertreter werden wieder zahlreich und nicht nur wegen der Bilder einer leeren Süd ins Stadion kommen. Die ganz große Aufmerksamkeits-Bühne steht bereit und wartet nur darauf, betreten zu werden. Das wissen sicherlich alle Beteiligten.

Neue Ränge werden jene Fans betreten müssen, die sonst in der Südkurve stehen. In dieser versammeln sich auch diejenigen, die vielleicht nicht dem CFC, aber den aktuell handelnden Personen, insbesondere Insolvenzverwalter Siemon in die Parade fahren wollen könnten. Die „Siemon-raus-Rufer“ also. Trifft man sich vielleicht auf der Haupttribüne? Man könnte fast meinen, diese ganzen Maßnahmen sind eine gezielte Provokation der CFC-Verantwortlichen. Die Provokation von unüberlegten Aktionen, quasi in irgendeiner Weise unsportliches Verhalten herbeizuführen. Dieses könnte dann elegant unter dem Deckmantel des Hinweises auf die „besondere Beobachtung – während der Zulassungsperiode mehr denn je“ und der Gefährdung der Rückkehr in die 3. Liga demonstrativ moralisch und im Enddefekt (je nach Vorkommnis) auch juristisch geahndet werden. Und die möglichen Beschwerden würden souverän abgebügelt werden.

Aber ist Siemon so ausgebufft? Hat er mit der Auslegung des Urteils einen riesigen Honigtopf ins Stadion gestellt? Und sind die „Siemon-raus-Rufer“ so wahnwitzig leichtsinnig, um dahin zu laufen bzw. in die Falle rein zu stolpern? Denkt er wirklich, dass seine Widersacher dieses Spiel nutzen, um deutlich zu machen, wer wirklich der Chemnitzer FC ist? Wohl nicht ganz zufällig hat er am Tag der Mitteilung zur Umsetzung der Blocksperre in einem Interview mit der Freien Presse u.a. mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren noch Jahre dauern kann und er verhindern will, dass „sich die Saboteure der Sanierung in einer Mitgliederversammlung durchsetzen“. Nicht gerade diplomatisch in Zeiten, in der ein Miteinander besser wäre, als ein Gegeneinander (mal ganz vereinfacht gesagt). Das Pulverfass scheint gut gefüllt zu sein.

Also wohlgesonnener CFC-Fan kann ich jedenfalls nur inständig hoffen, dass es im Spiel gegen den ZFC Meuselwitz zu keinen „unüberlegten Aktionen aus der Emotion heraus“ kommt. Wenn ich gläubig wäre, dann würde ich sicherheitshalber bis Sonntag einmal täglich für ein ruhiges Spiel beten. Ich gehe aber felsenfest davon aus, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger piekfein, auf jeden Fall nicht unsportlich verhalten und die Meisterschaft, so sie denn gefeiert werden kann, bejubelt wird.

Abgesehen davon gibt es allerdings keinen ungünstigeren Zeitpunkt als dieses wohlmöglich vorentscheidende Meisterschaftsspiel, um eine Blocksperre quasi abzusitzen. Pessimistisch gesehen könnte nämlich dieses Spiel auch zu einem weiteren eher traurigen Höhepunkt in der langen Geschichte des CFC werden. Die Suche nach den Schuldigen könnte dann interessant werden.

Für Spannung ist also auf und neben dem Platz bzw. um das Pulverfass herum gesorgt. Und wie hieß es schon bei Forrest Gump? „Dumm ist der, der Dummes tut.“

In diesem Sinne auf die himmelblaue Hoffnung, dass jeder ein schönes Spiel sehen will und im besten Fall auch die vorzeitige Regionalliga-Nordost-Meisterschaft bejubelt werden kann.

By Nino

 

Gänse-Pelle. Der CFC zu Gast beim VfB Auerbach.

Bunt

Der Anlauf Nummero 3 führte nun doch dazu, dass der Chemnitzer FC und der VfB Auerbach das Duell vom 22. Spieltag der Regionalliga-Nordost-Saison 2018/2019 bestreiten konnten. Die Verschiebung war für den CFC nicht so das Problem, schließlich kennt man sich damit mittlerweile bestens aus.

Die Himmelblauen gaben, nach drei Auswärtsniederlagen in Folge, die Losung aus, dass „Mit Plan und alter Stärke“ der Gegner bezwungen werden sollte. So als wenn der CFC seit Anfang März 2019 planlos und ohne Stärke gewesen wäre!? Da muss sicherlich ein rechts großer Irrtum vorgelegen haben.

Die Auerbacher teilten im Vorfeld mit, dass man „seine Chance wahren“ will. Wie sie das gestalten wollten, konnte jeder Fußball-Liebhaber und all jene Nicht-Allesfahrer per Internet-Livestream beim geliebten Heimatsender MDR verfolgen.

Die Gestaltung der taktischen Grundordnung von Trainer D. Bergner war auch von hohem Interesse, schließlich mussten die Ausfälle von T. Müller und M. Blume kompensiert werden. Sollte es daher eher ein Spiel über Rechtsaußen werden? Oder doch lieber über Linksaußen? Oder die goldene Mitte, die ist schließlich auch noch da.

Die Auerbacher traten in gelb-schwarzen Trikots an, die Himmelblauen traditionell in himmelblau-weiß, das Schiri-Dreigespann trug ein geschmeidiges Schwarz. Also alles so schön bunt im VfB-Stadion, in dem pünktlich zu diesem Derby die Gegengerade eingeweiht wurde.

Angepfiffen wurde pünktlich eine Minute nach 19 Uhr. Oder war der Livestream nur zeitversetzt? Egal, Hauptsache der Ball rollt, denn Fußball, der macht das Leben doch so lebenswert. Mit der Phrasendrescherei war’s dann auch schnell vorbei, denn die erste Chance verbuchten die Vogtländer. Nachdem K. Velkow der Ball auf dem Auerbacher Ackerplatz versprang, letztlich aber von M-P. Zimmermann nicht zählbar verwertet werden konnte. Im Anschluss aber übernahmen die Chemnitzer Spieler das Zepter und bauten durchgehend spielerischen Druck auf. Die Auerbacher widerstanden jedoch diesem und bauten fast schon ein kleines Bollwerk vor dem eigenen Tor auf. Dieses hielt aber nicht bis zur Halbzeitpause. In der 40. Minute flankte P. Milde mustergültig auf D. Bociz, der lehrbuchmäßig wie völlig freistehend zum 1:0 einköpfte. Die mitgereisten CFC-Fans jubelten lautstark, die Stimmung bei den Auerbachern war hingegen schlagartig wie auf einer Trauerfeier.

Mit dieser 1:0 Führung ging es in die Halbzeitpause. Unverändert der CFC, der VfB mit einem Wechsel in der Aufstellung für die zweiten 45 Minuten. Ob dieser oder die nun prächtig zur Geltung kommenden Flutlichtmasten Einfluss auf das Auerbacher Spiel hatten, kann nicht wirklich geklärt werden, denn die Spieler zündeten ein kleines, aber feines Feuerwerk ab. Chance um Chance wurde herausgespielt. Die CFC-Abwehr eierte da einigermaßen fahrlässig herum. Gut, dass in dieser Phase nicht der Ausgleich erzielt werden konnte.

Das Spiel wurde nach dieser Phase etwas ruppiger. Weniger Fairness, mehr Rücksichtslosigkeit. Teilweise ging es eher radikal zu, aber nicht extrem radikal. Insgesamt gesehen aber immer noch alles im (ver-)tretbaren Rahmen. Das Fairplay konnte noch großgeschrieben werden. Den modetechnischen Höhepunkt lieferte ab der 59. Minute das Geburtstagskind P. Itter, der fortan mit einem Turban aus Mull aufspielte. Ursprung dessen war ein Zusammenprall mit dem Ergebnis einer bloody Platzwunde.

Das letzte Drittel des Spiels gestaltete sich als Ritt auf der nervlichen Rasierklinge. Das beruhigende zweite Tor wollte trotz aller himmelblauen Bemühungen nicht fallen. Und wie es manchmal so ist: Machst du die Dinger nicht vorne, kriegste hinten einen rein. Diese Phrase blieb aber ein Ferkel, denn N. Hoheneder verhinderte grätschenderweise auf der Linie den 1:1 Ausgleich. Das ließ den Puls wieder rasanter werden. Ein wenig später wurde dann der 1. Wechsel auf CFC-Seite vollzogen. Winterneuzugang J.-P. Hoppe kam für D. Frahn, der den 19jährigen dann von der Bank aus supportete. Dieser Support fruchtete gleich erfolgreich, denn der Jungspund setzte sich an der Auerbach’schen Grundlinie durch und vollendete seine Einzelaktion mit einem herrlichen Heber zum 2:0 Endstand. Was für ein geiles Tor in der 96. Minute. Respekt auch für den verletzungsfreien Knie-Diver in Richtung der Gästetribüne.

Mit dem 0:2 Auswärtssieg hat der CFC seine Spitzenreiter-Position mit nun 7 Punkten Vorsprung ausgebaut. Die Taktiknerds dürften enttäuscht sein, eine klare Linie war auf dem Platz nicht wirklich zu sehen. Vielleicht gibt es diese bald im Doppelpack auf und neben dem Platz. Als Spitzenreiter könnte man sich durchaus wieder souveräner präsentieren. Die nächste Gelegenheit folgt schon am 28. Spieltag. Da steht das Duell vs. den Tabellenletzten FSV Optik Rathenow an.

By Nino

 

Zum Vergessen. Der CFC beim Berliner AK.

BAK Panorama

25. Spieltag in der Regionalliga Nordost Saison 2018/2019. Der Berliner AK vs. Chemnitzer FC. Wieder das Topspiel des Tages. Wieder ein Spiel in turbulenten Zeiten. Das Hinspiel, dass zu einem Tanz der Emotionen wurde gewann der CFC überragend mit 3:1. Die Stadt Chemnitz stand wegen der rechtsextremistischen Vorkommnisse in Folge des Todes von Daniel H. im Mittelpunkt. Nun steht der CFC wegen der Trauerzeremonie für den verstorbenen Thomas H. erneut in der Kritik. Das Abhalten dieser und der anschließende Umgang damit, führten zu Suspendierungen, Rücktrittserklärungen, Amtsniederlegungen und zur Sperre von Daniel Frahn. Summa summarum befindet sich der CFC seit sieben Tagen im Ausnahmezustand. Das Nachholspiel vs. BFC Dynamo unter der Woche verloren die Himmelblauen noch dazu mit 1:2. Da der Berliner AK auch nicht gewinnen konnte, konnte diese Niederlage ohne größere Schmerzen verarbeitet werden.

Schmerzen hingegen bereitete mir eher die öffentliche Darstellung des CFC durch seine Vertreter und derjenigen, die zu der ganzen Misere eher schweigen, anstatt zur Aufklärung beizutragen. Wo sind denn z.B. die sonst so lautstarken Ultras Chemnitz 99? Sie standen ja bei der Trauerzeremonie in der ersten Reihe. Den ganzen Aufruhr können sie sich allerdings gar nicht erklären. In Teilen ist das sogar verständlich, hatten doch viele in der Stadt wie z.B. die Freie Presse, die Sparkasse Chemnitz, die Stadt Chemnitz die Dienste von Haller Security bzw. über Subunternehmen in Anspruch genommen. Doppelmoral lässt grüßen. Unverständlich bleibt aber immer noch, warum ausgerechnet im Stadion An der Gellertstraße einem Rechtsextremisten gedacht werden musste! Das konnte und kann man nicht von der Person Thomas H. trennen. Gerade auch nicht Politik und Fußball, die in Chemnitz ja schon immer mit im Stadion zusammensaßen. Aber diesem Thema widme ich mich mal später.

Nun erstmal wieder Fußball, denn an sich hatte ich mich auf dieses Spiel schon länger gefreut. Nur wurde diese Freude durch die bittere Woche erheblich eingetrübt. So passte es dann auch, dass der Wettergott es auch nicht gut meinte. Der Sonntag startete mit Sonnenschein, jedoch kamen 20 Minuten nach Spielbeginn Wolken und obendrein noch Regen mit kräftigem Wind hinzu. Vor dem Anpfiff setzte der Berliner AK noch ein Zeichen und hielt eine Trauerminute für die Opfer des Anschlags in Christchurch in Neuseeland ab. Das war angemessen und würdig.

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Angepfiffen wurde pünktlich und das Spitzenspiel hatte schnell seinen ersten Höhepunkt. In der 9. Minute traf die Nr. 11 A. Kargbo mit einem sehenswerten Fallrückzieher zur 1:0 BAK-Führung. Das im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit nicht noch weitere BAK-Tore fielen, lag einzig an deren Unvermögen, das runde Leder im Chemnitzer Kasten unterzubringen. Die Himmelblauen blieben derweil blass, die Angriffsbemühungen verliefen erfolglos. So ging es mit dem 0:1 Rückstand in die Pause. In dieser wurden die 1.127 Zuschauer u.a. mit „Hurra“ von den Ärzten und „Und wir leben“ von den Toten Hosen musikalisch unterhalten. In Anbetracht der derzeitigen Situation beim CFC vielleicht ein kleiner Seitenhieb des BAK-Präsidenten Han, der diesmal bei keiner privaten Hochzeitsfeier zugegen war, sondern kurz vor dem Spiel noch mit Auto erschien.

Unterhaltsam ging es auch in der zweiten Halbzeit weiter, denn schon sieben Minuten nach Wieder-Anpfiff gab es den nächsten Aufreger. Zunächst jedoch im positiven Sinne, denn der Jakubow-Ersatz J. Mroß rettete mit einer klasse Parade. Diese hatten wohl alle Zuschauer gesehen, jedoch nicht die Grote’sche Hand bei einer Abwehrreaktion. In Folge dessen gab es Diskussionen, die nicht das Ergebnis hatten, dass es keinen Elfmeter gab. T. Deniz traf mit einem flachen Schuss zum 2:0 für den BAK.

Danach war es für den CFC ein Spiel zum Vergessen. Keine wirklichen Angriffsbemühungen und weiterhin Glück aufgrund des sich fortsetzenden Unvermögens der Berliner weitere Tore zu schießen. Die mitgereisten CFC-Fans harrten im Regen aus und sorgten auch für unüberhörbare Grüße an den Insolvenzverwalter K. Siemon. Diese hier wiederzugeben entspricht nicht meiner Kinderstube. Ganz abgesehen davon, dass damit weiterhin die Zeichen auf Konfrontation stehen und beiden Seiten auf ihrer Sicht der Dinge behaaren.

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Mit der 0:2 Niederlage setzt der CFC seine sportliche Mini-Krise mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen in Folge fort. Der Abstand zum Berliner AK beträgt nun sieben Punkte, kann jedoch mit dem Nachholspiel gegen den VfB Auerbach wieder auf 10 Punkte ausgebaut werden. Ausbaufähig ist hingegen auch die Musik-Auswahl bei den Berlinern. Nach dem Abpfiff ertönte noch D. Hasselhoff mit „Looking for Freedom“. Mehr gibt es dazu und zu diesem Spiel nicht zu sagen.

By Nino

 

Die Bubis der Alten Dame. Der CFC vs. Hertha BSC II

Abschluss Fans

13.ter Sieg? Erstes Unentschieden? Oder sogar erste Niederlage? Ausrutscher oder Ausbau der Rekordserie? Immer wieder diese Fragen rund um den fabelhaften Start des Chemnitzer FC e.V. in die Regionalliga Nordost Saison 2018/2019.

Neben dem grünen Platze stellen sich auch gerade eine Menge anderer Fragen. Wer ist z.B. der ominöse Investor mit dem die Gründung der Chemnitz Fußball GmbH durchgeführt wurde? Ich tippe mal auf die KPM Bau GmbH. Wie soll die Etatlücke von 493.000 Euro geschlossen werden? Ist das vielleicht nur eine eingeplante Finte des Insolvenzverwalters, die alles zukünftige Handeln als alternativlos erscheinen lässt? Die Antworten wird’s erstmal nicht geben, daher lieber Fußball, der ist zum Glück meistens auch keine so komplexe Sache wie ein Insolvenzverfahren. Der Ball muss ins Tor, um zu gewinnen, einmal mehr als es der Gegner schafft.

So stand zur willkommenen Ablenkung, nach dem mühevollen 3:1 Pokalsieg gegen die Kickers Markkleeberg, wieder der Alltag der Regionalliga an. Und in diesem gastierten die, auch in Zukunft weiterhin so heißenden, „Himmelblauen“ am 13. Spieltag bei der Nachwuchsmannschaft U23 von Hertha BSC. Der zweiten Mannschaft, den Bubis der Alten Dame. Abseits solcher Beschreibungen standen sich der tabellarisch betrachtet der aktuell Tabellendritte mit der zweitbesten Offensive gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter mit der besten Offensive gegenüber. Die zweitbeste Heim- gegen die auswärtsstärkste Mannschaft. So oder so ein Spitzenspiel. Viele Tore könnten also bejubelt werden.

Der Wettergott Petrus zeigte sich allerdings nicht von seiner besten Seite: 12 Grad bei bedecktem Himmel. Die 516 mitgereisten CFC-Fans hielten sich auch bedeckt. Stimmungsboykott war die Ansage.

Stadion Wetter

Das Spiel begann zunächst mit dem üblichen Spitzenspiel-Abtasten, bloß keine Fehler machen. Etwas offensiver waren zunächst die Herthaner, die mit ersten Torschüssen unseren Torhüter J. Jakubow prüften. Den ersten Aufreger für die Chemnitzer gab es in der 22.ten Minute. Nach Foul an D. Frahn war ein sächsisches „meine Fresse“ im ganzen Stadion zu hören. Alle Achtung dafür 😉 Der zweiter Aufreger folgte prompt. Hertha Bubi F. Egerer holte sich nach einem Foul als letzter Mann an D. Bozic den roten Karton ab. Dieser diente gewissermaßen als Initialzündung. Allerdings nicht für ein anschauliches Spiel, sondern für die weitere Verteilung von Karten. Es folgten innerhalb von vier Minuten drei Gelbe Karten, mit dem Höhepunkt der roten Karte für K. Velkow in der 42. Minute. Somit ging es 10 gegen 10 weiter. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass einige Spieler nur ihr dünnes Nervenkostüm übergestreift hatten. Fußballerisch lief es für den CFC dann auch noch schlechter. Ein erst abgewehrter Freistoß konnte nicht unter Kontrolle gebracht werden, so dass R. Morack zur 1:0 Führung traf.

Mit diesem weiteren Stimmungssenker ging es in die Halbzeitpause, in der Zeit blieb sich alkoholfreies Bier zu kaufen. Im Ernst, liebe Herthaner. Nur alkfreie Plörre im gesamten Stadion? In Berlin? Bei einem Spiel in der Regionalliga? Das war mitnichten ein Risikospiel!

Unverändert ging es in die zweite Runde, in der die Himmelblauen von Beginn an zeigten, hier noch was holen zu wollen. Eine gelbe Karte wollte auch S. Kurt, das ehemalige Supertalent des deutschen Fußballs. Eine gelbe Karte für die Blockierung des Abstoßes. Jugendlicher Leichtsinn oder erfahrene Dummheit, ich weiß es nicht so genau. Mehr Cleverness und erfrahner machte es dann unsere Sturmspitze, in dem er den vorher von N. Hoheneder herausgeholten 11er sicher verwandelte.

Frahn 11er

Im Folgenden ließen sich die Chemnitzer nicht aus der Ruhe bringen, denn es folgten die 3G der Hertha Bubis: Geschiebe, Gefoule und Gemaule. Zweiteres hörte dann zum Glück auf, denn R. Garcia packte sich ein Herz, ließ am Mittelkreis zwei Bubis aussteigen und fand Kapitän D. Grote. Dieser traf aus 16 Metern unhaltbar für J. Klinsmann zum 2:1 Führungstreffer in der 71. Minute. 4 Minuten später schaffte es D. Bozic, nach toller Vorarbeit von D. Frahn, auf 3:1 zu erhöhen. Von diesen Schocks erholten sich die Bubis nicht mehr. Die Schlussminuten wurden von Cheftrainer D. Bergner genutzt, um die Torschützen R. Garcia und D. Bozic auszuwechseln. Das quittierten die still gebliebenen CFC-Fans, außer dem dreifachen Torjubel und „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen, mit einem warmen Applaus. Publikumsliebling K. Hovi durfte ab der 89. Minute ran, konnte aber keine Akzente mehr setzen.

So blieb es beim 3:1 Auswärtssieg und dem unfassbar 13.ten Sieg in Folge. Große Freude brach dann nach Abpfiff aber nicht aus. Zumindest kam es noch zum Abklatschen der Fans mit den Spielern. Mehr Versöhnliches gab es dann aber nicht mehr. Vielleicht teilen sich Wacker Nordhausen und der Berliner AK noch die Punkte, das wäre das i-Tüpfelchen dieses Spieltags.

Endstand

Am 14. Spieltag kommt der FC Oberlausitz Neugersdorf zum Heimspiel ins Stadion Chemnitz. Ein neuer Name soll bis Ende des Jahres 2018 gefunden sein. Bis dahin wohl auch ein Investor bzw. dessen Name. Diskussionsstoff gibt es auch weiterhin in Hülle und Fülle bei den Himmelblauen.

By Nino

 

 

ICE vs. Bummelzug. Der 10.te Sieg des CFC

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Fußball, endlich wieder Fußball. Nach nervenaufreibenden Tagen mit dem vorläufigen Höhepunkt der Gläubigerversammlung im Rahmen des Insolvenzverfahrens ging es am 10. Spieltag der Regionalliga Nordost 2018/2019 wieder um die Ausbeute von Punkten. Das letzte Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig gab es im Finale des Sachsenpokals 2016. Der 2:1 Sieg berechtigte am DFB-Pokal teilzunehmen, bei dem die Himmelblauen per Traumlos dem FC Bayern München zugelost wurden. Im Duell der Rekordpokalsieger musste man sich 0:5 geschlagen geben . Aber so viel zum Blick in die Vergangenheit.

Die Realität sieht aktuell so aus, dass der Chemnitzer FC mit 9 Siegen unangefochten von der Tabellenspitze grüßt. Lok Leipzig stand vor Anpfiff auf dem 15. Rang und ersetzte aufgrund dessen Trainer H. Scholz durch B. Joppe, frei nach dem Motto „neue Besen kehren gut“. Dabei war eher die Frage, wie die LOK nun vom Abstell- zurück auf das Erfolgsgleis fahren sollte.

Aus privaten Gründen war leider kein Stadionbesuch möglich, aber dank des MDR „Sport im Osten“ konnte die Abfahrt, ähm der Anpfiff der Live-Übertragung von der heimischen Couch aus verfolgt werden. Gleich zu Beginn gab es aus dem Gäste-Block Rauchzeichen zu vermelden. Der Techniker würde sagen, dass es einen Schadensfall gibt. Den gab es nach schwungvollem Beginn beider Teams aber zuerst im Tor der Leipziger. K. Velkow köpfte nach einer Grotschen Ecke zur 1:0 Führung ein. Im Zuge dieses Erfolges suchte der CFC angespornt eine weitere Ausfahrt Richtung zweites Tor. Diese Suche war schon nach vier Minuten erfolgreich beendet. R. Garcia dribbelte in den Strafraum, fand dort aber seinen Meister in Lok-Torwart L. Wenzel. Aber was nützt der Meister, wenn du den aktuellen König der Torschützen in deinen Reihen weißt!? D. Bozic nutzte den Wenzelschen Abpraller und staubte trocken zum 2:0 ab. So richtig in Fahrt gekommen, spielten die Himmelblauen fast schon über dem Tempolimit. Jäh gestoppt wurde das Spiel durch ein Foul an R. Garcia. Ausgerechnet auch im 11er-Raum, was folgerichtig nur bedeuten konnte: Elfmeter. Diesmal war D. Frahn am Zug und verwandelte mit einem satten Schuss zum 3:0. Drei Tore in 14 Minuten. Der CFC ist der ICE der Regionalliga Nordost. Und wie es sich für einen ICE gehört, ging es pünktlich in die Halbzeitpause, haha.

In dieser konnte ich alle Vor-Züge genießen, die man sich ebenso einredet, wann man nicht im Stadion ist. Keine Warteschlange am WC, schneller Zugriff zum kalten Bier und kurzer Weg zurück auf den angestammten Couch-Platz. Diese Vorteile können aber dennoch nicht das Stadionerlebnis mit den exakt abgezählten 7.438 Fans ersetzen. Gerechnet wurde mit 3.500. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Die Frage zur zweiten Halbzeit war, ob die LOK aus Leipzig nochmal an Fahrt aufnehmen würde oder der ICE CFC hier alles in Grund und Boden spielt. Diese Frage wurde dann auch schon nach 15 Minuten teilweise beantwortet. Es war wiederum K. Velkov, der nach einer LOK-Ecke unglücklich ins eigene Tor einnetzte. Durch diesen 1:3 Treffer legten die Lokscher einiges mehr an Stimmung und spielerischer Kultur an den Spieltag. Auf einmal war es wieder ein Fußballspiel zweier Mannschaften, offenes Visier, so wie es sich der Fußball-Fan wünscht. Höhepunkt dieser heißen Phase war dann die 77. Minute, in der unser N. Hoheneder die rote Karte für ein Foul an M. Steinborn sah. Als letzter Mann wohlgemerkt. Aber herrlich-himmelblau, wenn man den 12. Mann hinter sich weiß und die Fans mit aufmunternden Gesängen die Mannschaft weiter anpeitschte. Diese Unterstützung war denn auch einer Spitzenmannschaft ebenso würdig, wie die Himmelblauen das Spiel zu Ende brachten, ohne große Aufregung. So war es fast wie bei einer Bahnfahrt, noch ein bisschen zittern, ob man auch pünktlich ankommt.

Aber die Himmelblauen ließen sich nicht mehr beeindrucken. Im Sinne einer Spitzenmannschaft, ja der Regionalliga, spielten sie es gekonnt runter und fuhren die 3 Punkte ins sichere Ziel. 30 Punkte nach 10 Spielen. Maximale Ausbeute. Regionalliga-Rekord. Ein sportlicher Wahnsinn.

Am Tag der Deutschen Einheit fährt der CFC nach Brandenburg, Zielort Rathenow. Über Berlin zweimal umsteigen. Ohne einen ICE-Halt viereinhalb Stunden. Eine lange Fahrt, bei der es genug Gelegenheiten geben sollte, über das ein oder andere Projekt in der Zukunft noch einmal nachdenken zu können. Welches auch immer das sein mag.

By Nino