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Und niemals vergessen – Bericht zu #FCUDSC

EingangAlteFörsterei

Gemäß den 10-Anti-Kommerz-Geboten war es wieder an der Zeit eines der Gebote in die Tat umzusetzen. Um genauer zu sein, das Fünfte: „Du sollst ins Stadion gehen. Schau dir nach Möglichkeit keine Spiele im Fernsehen an. Das vollendete Fußball-Erlebnis kriegst du nur im Stadion.

Die Entscheidung fiel dieses Mal auf das Heimspiel des 1. FC Union Berlin vs. DSC Arminia Bielefeld. Sonntags-Mittag im Stadion an der Alten Försterei, dem Sehnsuchtsort vieler Fußballromantiker. Ein schmuckes Stadion, in vielen tausenden Arbeitsstunden von vielen tausenden Eisernen mit gebaut.

BauPilzAlteFörsterei

Ich war hier schon öfters, erstmals bei einem Testspiel gegen Hannover 96, bei minus 10 Grad. Dafür aber direkt hinterm Tor und bestem Blick auf’s Spiel, 2:1 siegten damals Union. Es folgten noch weitere Spiele, alle bei angenehmeren Temperaturen. Besonders in Erinnerung bleibt mir der Besuch im #WMWohnzimmer zur Weltmeisterschaft 2014. Die Niederlande spielte im Halbfinale vs. Argentinien und es wurde ein langer Abend mit wechselnden Wetterverhältnissen. Am Ende gewannen die Argentinier mit 4:2 nach 11er Schießen und zogen ins Finale ein. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Diese ganz besondere WM-Aktion brachte Union Berlin bundesweite Sympathien ein und ich frage mich heute noch, warum nicht viel mehr Clubs solche schönen Aktionen auf die Beine gestellt haben. Aber so viel zur Vergangenheit, zurück in die Gegenwart.

BlickvonOben

In diesem Spiel trafen der spieltagsbedingte Tabellensechste auf den Tabellenzweiten aufeinander. Bei sommerlichen Temperaturen machten wir uns auf den Weg und von weitem konnten wir schon die ersten Gesänge von den Rängen hören. Der Einlass konnte zügig erfolgen und auch die Ordner waren allesamt freundlich und zuvorkommend. Das erste Bier war schnell besorgt und der Stehplatz nach Umrundung des Stadions dann auch gefunden.

Vor dem Anpfiff wurde die Vereinshymne von den Union-Fans in aller Inbrunst mitgesungen, auch die Bielefelder erzeugten mit ihren Trommeln und Geklatsche einiges an Lautstärke. Der Anpfiff erfolgte pünktlich und die Stimmung war von da an prächtig.

BlickvonObenTeil2

Auf dem Platz entwickelte sich ein rasantes Spiel, bei dem Union Berlin mehr Spielanteile und Chancen hatte. Bielefeld war dementsprechend bemüht die Abwehrreihen geschlossen zu halten und ab und an einen Gegenangriff zu starten. Einziges Highlight war der Lattenknaller eines Bielefelders, der von unserer Sicht damit zu erkennen war, dass der Ball sich rasant vom Tor entfernt hatte. Somit blieb es beim 0:0 Unentschieden und pünktlich wurde zur Halbzeitpause abgepfiffen.

Die Pause haben wir zur Besorgung des Doubles Stadionwurst&Bier genutzt. Da dies etwas länger als gedacht dauerte, verpassten wir den ersten Torjubel. Quasi mit Anpfiff und der ersten Aktion gelang den Bielefeldern die 1:0 Führung, die in der ersten Jubel-Wahrnehmung eher ein Tor für Union war. So kann man sich täuschen.

PanoramaStadion

Die Rückkehr auf den Rang erfolge umso schneller und wir verfolgten das weiterhin turbulente Spiel. Union drängte auf den Ausgleich, der dann auch nach wenigen Minuten, in der 55.ten um genau zu sein, gelang. Hartel staubte im 5-Meter-Raum nach Vorarbeit von Polster ab.

Es folgte eine Sturm und Drang Phase von Union, die von den Bielefeldern mit allen Kräften abgewehrt wurde. Zu einer insgesamt unschönen Szene kam es, als Polter mit einem Bielefelder eine akrobatische Einlage vorführten. Polter blieb länger auf dem Boden liegen und nachdem der Schiri keine Gelbe Karte zeigte, entwickelte sich gellendes Pfeifkonzert, garniert mit anfänglichen „Schieber“-Rufen und letztlich „Hoyzer-Rufen“. Da wurde mir wieder klar, dass der Schiri die ärmste Sau auf dem Platz bleiben wird. Selbst wenn der Video-Assistent unterstützend zur Seite steht, die Wahrnehmung im Stadion selbst wird immer eine andere sein. In diesem Zusammenhang erwischte ich mich dabei auch, dass ich da gerne mal die Wiederholung gesehen hätte. Aber soviel dazu.

Standardsituation

Die weiteren Angriffsbemühungen der Unioner blieben erfolglos, so dass das Spiel 1:1 endete. Die Bielefelder stehen nun mit 10 Punkten auf dem 3. Tabellenplatz, Union folgt mit 8 Punkten auf dem 4. Rang.

BlickaufSpielfeld1

Dank der Fans, des attraktiven Spiels war es wieder mal ein rundum tolles Stadion-Erlebnis, dass nicht zu ersetzen ist. Die Gesänge, die Nähe zum Spielfeld, das Verfolgen des Spiels ohne 10 Zeitlupen-Wiederholungen, das Raunen nach einer vergebenen Chance. Das alles macht den Stadion-Besuch zu einem Ereignis. Besonders auch im Stadion an der Alten Försterei.

By Nino

 

 

Die 10 Anti-Kommerz-Gebote

10Gebote

 

Mit GoPro-Kameras an Biergläsern, Musik-Auftritten in der Halbzeitpause #HeleneFischer #DFB-Pokal, Anastacia #BayernMünchen oder vor dem Spiel #CL-Finale Real Madrid vs. #Juventus Turin hat der Fußball-Kommerz-Zug nochmal richtig an Fahrt und die Diskussion um ihn an Chili-Schärfe zugenommen. Die Stichwörter #SuperBowlisierung und #Eventisierung sind dabei nur die Spitze des Kommerz-Berges.

Nüchtern betrachtet muss dabei zunächst darauf hingewiesen werden, dass die Debatte um die Kommerzialisierung des Fußballs nicht neu ist. Diese gibt es schon sehr viel länger. Da waren die meisten noch Quark im Schaufenster, auch wir. Im Jahr 1973 erschloss sich Eintracht Braunschweig mit seiner Trikotwerbung #Jägermeister eine neue Geldquelle und sorgte damit für einen weiteren Sündenfall. Also, historisch betrachtet nix Neues im hiesigen Fußball-Geschäft. Es geht beim Fußball auch um’s Geld. Punkt.

Die Frage ist also nur, wie es mit der Kommerzialisierung des Fußballs weitergeht? Wann und mit was sind die Grenzen erreicht? Ab wann wendet sich die große Masse an Fans ab? Wann sind die Fans vom Fußball gesättigt?

Sollte man in diesem Zusammenhang dem FC Bayern München nicht auch dankbar sein? Dass er die Grenzen des Möglichen austestet und sofern es nicht bejubelt wird, gleich noch die Kritik dafür einsteckt? Einer muss ja mal für eine Weiterentwicklung sorgen, neue Akzente setzen. Ohne Weiterentwicklung kommt es zum Stillstand. Stillstand bedeutet Langeweile. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite beschäftigt sich mit dem, was man gegen die zunehmende Kommerzialisierung tun kann. Nun wäre der radikalste Ansatz dem Fußball einfach fernzubleiben. Kompletter Entzug. Kein Stadionbesuch. Kein Lesen eines Magazins. Kein Besuch einer Webseite. Keine Sportschau oder sonst irgendeine Fernsehsendung. Kein Youtube usw. Das ist auch so utopisch wie das Donald Trump mal eine vernünftige Entscheidung treffen wird.

Also muss es schrittweise gehen. Wir haben dazu, im Jahr 750 nach Martin Luther und dessen Geboten, die 10 Gebote für den Protest gegen die Kommerzialisierung formuliert:

Das erste Gebot:
Der Fußball ist das schönste Spiel. Du sollst kein Fan von anderen Sportarten sein.

Das zweite Gebot:
Du sollst Fußball nicht für andere Zwecke wie Gewalt, Hass, Intoleranz oder Rassismus missbrauchen. Zelebriere Fußball als das schönste Spiel.

Das dritte Gebot:
Du sollst den Spieltag heiligen. Du sollst dazu ins Stadion gehen. Kaufe dir kein Streaming-Dienst-Abo, mit dem Du z.B. die Champions-League schauen kannst. Treffe dich lieber mit Freunden in der Kneipe deines Vertrauens. Spende dem Besitzer ein bisschen mehr Trinkgeld, damit er die Kosten für die Live-Übertragung begleichen kann.

Das vierte Gebot:
Du sollst deinem Verein ehren. Trainer, Spieler, Manager werden kommen und gehen. Der Verein bleibt.

Das fünfte Gebot:
Du sollst ins Stadion gehen. Schau dir nach Möglichkeit keine Spiele im Fernsehen an. Das vollendete Fußball-Erlebnis kriegst du nur im Stadion.

Das sechste Gebot:
Du sollst deinem Verein treu bleiben. Kaufe dir nur Andenken von deinem Verein. Unterstütze deinen Verein, damit er sich nicht von Investoren abhängig machen muss.

Das siebte Gebot:
Du sollst nur Fußball-Magazine mit Qualität kaufen. Die #SportBild und der #Kicker (nur die Sonderhefte) gehören nicht dazu.

Das achte Gebot:
Du sollst nicht falsch über andere Fans reden. Beachte dies z.B. bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken #Facebook #Twitter #Instagram.

Das neunte Gebot:
Du sollst deinen Freunden von den 10 Geboten erzählen und von der Umsetzung überzeugen. Du sollst dich dabei nicht wie ein Missionar anstellen.

Das zehnte Gebot:
Du sollst die Gebote 1 bis 9 einhalten.

 

By Baba und Nino