Willkommen in Schollis Welt!

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Es war mal wieder an der Zeit. Für ein paar Schollis. Für Standpunkte die hängenbleiben, im Gedächtnis oder irgendeinem Jahresrückblick.

Der Ex-ARD-Doping-Experte und Ex-Profi-Fußballspieler Mehmet Scholl hat mal wieder ein paar Volltreffer gelandet. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf den Spielplätzen der medialen Berichterstattung. In seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ hatte er sich zu einem aktuellen Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim Deutschen Fußball-Bund ausgelassen.

Nach seiner 2015er Kritik an den sog. „Laptop-Trainern“ sind es nun die „Systemtrainer“, die Scholli ein Dorn im Auge sind, da u.a. die individuellen Fähigkeiten des Spielers nicht mehr zählen würden. Konkret nannte er D. Tedesco (aktuell Schalke 04) und H. Wolf (aktuell VfB Stuttgart), beides auch noch Ex-Spieler, die es nicht über den Amateur-Bereich hinausgeschafft haben. Die Ausbildung beim DFB zur Trainer A-Lizenz nannte er eine „elfmonatige Gehirn-Wäsche“. Scholli hatte den Trainer-Lehrgang im Jahre 2012 abgeschlossen.

Die mediale Debatte war, wenig überraschend in Zeiten der dauerhaften Empörung, davon geprägt, dass die Sau (also in diesem Falle Scholli) eine Woche durchs Medien-Dorf getrieben wurde. Soweit so beschämend normal.

Einige Bundesligatrainer sprangen den Aussagen Schollis bei, andere kritisierten sie. Bei SpiegelOnline ließ Sportredakteur P. Ahrens seine Tochter die Aussagen kommentieren: „Wer ist Mehmet Scholl?“. Das ist natürlich für einen Journalisten aus dem Hause des Spiegels ah bissel dürftig. Einen mehr oder weniger meinungsstarken Kommentar hätte es schon sein können. Aber sei’s drum.

Ich schätze, es ging dem Scholli eh um mehr als nur darum, Kritik an einem bestimmten Trainer-Typus und der Trainerausbildung beim DFB zu üben. Scholli hat das große Ganze im Blick. Das existenzielle am Fußball. Er macht sich Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs. Vor allem wie darüber gesprochen und von wem darüber gesprochen wird! Was wiederum zu der Frage führt: Wer darf was sagen? Wer darf nix dazu sagen?

Er kritisiert ja, dass vermehrt die Akademiker mit ihrem Arbeitsansatz „Spielsystem, nix Individualität“, die in der Spitze begrenzten Trainer-Stühle besetzen würden. Bezogen auf die Nachwuchsspieler moniert er: „Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen“. Was will er damit sagen?

Im Grunde genommen will Scholli, rhetorisch etwas unbeholfen, damit sagen, dass nur richtige Profi-Fußballer auch richtige Profi-Trainer werden sollen. Also, Spieler die alle Höhen und Tiefen einer Profi-Fußballer-Karriere durchlebt haben. Diejenigen, die auch die großen Titel gewonnen haben und nicht nur erfolgreich waren.

Wenn ich schon mal diesen Argumentations-Ball aufnehme und ins Dribbling gehe, dann kommen noch viele andere Gedanken. Dann geht es nämlich auch darum, wer was über Fußball sagen kann. Ist es der Fan, der nur in seiner Freizeit gegen den Ball tritt? Oder die Journalisten, die vielleicht viel über Fußball geschrieben, aber nie in der Bundesliga gespielt haben!? Oder ich als Blogger, der nicht mal eine journalistische Ausbildung gemacht hat, aber dafür unabhängig über alles und jenes in der Fußball-Welt schreibt? In Schollis Welt da urteilen Fußballer über Fußballer. Da urteilen Trainer über Trainer. Da werden jene, die nie wirklich was mit dem Fußball zu tun hatten, als nicht glaubwürdig abgestempelt. Nur wer auf dem Platz stand, der darf auch darüber berichten, urteilen, kritisieren.

Solch ein Quereinsteiger wie D. Tedesco hat da natürlich keinen Platz. Ein System-Trainer. Buuhhh, System. Dann arbeitet er wohl auch noch mit einen so neumodischen Arbeitsgerät wie einen Laptop. Buuuh, ein Laptop-Trainer. In Schollis Welt wird wohl noch auf Papier geschrieben. Mit einem Kugelschreiber. Alles andere könnte ja wegradiert werden.

Nun ist diese Sichtweise in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Ich z.B. bin Marathon-Läufer. 3mal bin ich diese Distanz gelaufen und kann daher ganz gut einschätzen, was nötig ist, solch einen Lauf im Ziel zu beenden. Wenn dann jemand ankommt und meint, mir erklären zu können, wie es ist einen Marathon laufen zu müssen, ohne selber einen gelaufen zu sein, dann ordne ich seine Tipps auch eher in der Schublade „unglaubwürdig“ ein und murmele leise vor mich hin: „Lauf doch erstmal einen Marathon“.

Nun muss man sich dabei selbstkritisch fragen, ob diese Denk- und Vorgehensweise nicht elitäres Denken und Handeln hervorruft. Wenn all jene Unbeteiligten, die nur Nur-Zuschauenden zu Nicht-Wissenden degradiert werden, weil sie keine Erfahrung als Profi-Fußballspieler, geschweige denn Profi-Trainer vorweisen können.

Nunja, ob Scholli so weit gedacht hat, wie ich das interpretiere? Ich denke nein, den er weiß ganz genau Bescheid. Er ist der Typ mit den dicksten Eiern im Stall. Einer der sich wirklich auskennt. Welches Trainer-Amt hat Scholli nochmal inne gehabt? Von 2008 bis 2013 war er in den Jugend- und Reservemannschaften des FC Bayern München tätig. Ah okay. Er dürfte dann also über die Situation der Jugendtrainer sprechen. Und die der Bundesliga-Trainer?

Verwunderlich ist auch, woher seine penetrante Meinungskundgabe herkommt. Vielleicht weil er für seinen ersten richtigen Scholli, die Attacke auf Mario Gomez („Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“) 2012 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur den Deutschen Fußball-Kulturpreis für den Fußballspruch des Jahres bekam? Will er sich einen zweiten Titel sichern oder fehlt ihm die Aufmerksamkeit? Als Fußballer war er mit der Attitüde des Straßenfußballers ausgestattet. Der Typ Zaubermaus, wenn es gut läuft, aber ansonsten eher kein Leader, sondern Mitläufer. Das passt nun alles irgendwie gar nicht zusammen. Ich werde einfach nicht schlau aus dem Scholli.

Und wie geht’s nun weiter? Scholli hat sich nicht mehr dazu geäußert. Er hat den Ball ins Spielfeld gedroschen und sich nicht wirklich mehr weiter darum gekümmert, ob aus der angestoßenen Debatte etwas zielführendes geworden ist. Einzig war von ihm noch zu vernehmen: „Was wir in den Europapokalspielen erlebt haben, ist erst der Anfang. Wir fahren gegen die Wand“. Ich liebe ja solche Prognosen.

Nun könnte man sagen, dass mit RB Leipzig und TSG Hoffenheim zwei Mannschaften erstmals auf europäischer Ebene mitspielen durften bzw. noch dürfen, der 1. FC Köln seit 25 Jahren wieder mal dabei ist und Hertha BSC hat nur knapp die Europa-League erreicht hatte. Kurzum: alles keine Mannschaften mit einer Dauerkarte auf Europas Fußball-Bühne. Die bisherigen Dauerkartenbesitzer wie der FC Bayern München steht wieder im Champions League Achtelfinale, der Borussia Dortmund nach turbulenten Jahr und schwerer Gruppe wenigstens in der Europa-League. In der nächsten Saison sieht das sicherlich wieder anders aus. Aber weiß ich schon? Ein Blogger, der nie selbst oben gespielt und auch keine Ahnung, wie ein Profi auf höchstem Niveau tickt und nur in der Freizeit mal Fußball spielt? Scholli hingegen könnte es möglicherweise vielleicht eventuell unter Umständen gegebenenfalls wissen.

By Nino

 

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