Tibet oder China? Fußball!!!

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Also dann ist es endlich passiert. Das erste Spiel der chinesischen U20 auf deutschem Boden. Am Samstag spielte Schott Mainz gegen die U 20 aus China und es kam nicht zu den erwarteten Protesten durch Fußballtraditionalisten à la 11Feinde, sondern Proteste welche ich zumindest überhaupt nicht auf dem Plan hatte.

Klar weiß ich um die protestierenden Tibeter aus meiner Zeit in Berlin und habe auch in meinem Bekanntenkreis ein paar Hipster und Ökomuddis, die im Prenzelberg oder Friedrichshain eine Tibet-Flagge auf dem Balkon haben. Auf die Nachfrage warum, wurde ich meist moralisch belehrt und mir der Konflikt dargelegt: Tibet und Buddhismus gut. China und Kommunismus böse oder so ähnlich. So schön und so einfach. Jedenfalls gefällt vielen die Flagge und auch ich finde diese farbenfroh. Naja, soweit so hip. Dennoch hatte ich diese Demonstranten nicht für dieses Spiel auf dem Plan.

Das Spiel lief schon, als ein Funktionär der Chinesen die Mannschaft dazu bewegte vom Platz zu gehen. Aus meiner Sicht ein vollkommen sinnfreier Akt, da das Spiel ja schon lief und sich bis dahin keiner an den 3-5 Tibet-Flaggen gestört hatte, auch nicht die Spieler. Aber auch das muss man in aller Ernsthaftigkeit sagen, wissen wir nicht unter welchem ungeheurem Druck der Funktionär stand oder er vielleicht annahm zu stehen. Die Tibetprotestierer suchten in gewohnt friedlicher Weise den Dialog mit Medien und Security und Spielern von Schott und ließen sich dazu bewegen, nach einer Weile ihre Flaggen einzurollen. Das Spiel wurde fortgesetzt und Mainz gewann 3-0. Soweit zum Ablauf der Partie.

Lange dachte ich noch nach und es war klar, dass diese Flaggen da waren um zu demonstrieren und ich auch kein großer Fan davon bin, politische Inhalte in Fußballstadien zu verbreiten. ABER das ist nun mal in Deutschland üblich: Den Gegner mit Transparenten, Fahnen, Pyro, Sprechchören usw. zu provozieren. Es gehört zum Spiel und macht die Fankultur auch aus. Nun darf bezweifelt werden, dass die Tibet-Fans jedes Wochenende ihre Flaggen bei Schott Mainz zeigen, sondern extra dafür angereist sind, um ihrem Protest gegen Chinas Tibet-Politik Ausdruck zu verleihen. Ich finde, dass das nicht sein muss, aber es ist durchaus legitim. Nichts wäre passiert, hätte der eine chinesische Funktionär nicht gedacht, etwas unternehmen zu müssen. Man hätte den Protest einfach ignorieren sollen und gut.

Aber und nun hat der Funktionär wahrscheinlich aus Angst richtig viel Öl ins Feuer gekippt und es ist damit zu rechnen, dass selbst Hooligans und Ultras welche politisch noch nichts mit Tibet zu tun hatten, ihre große Liebe zum Hochland finden und in den nächsten Spielen zum Ausdruck bringen. Und was dann??? Wird die chinesische Mannschaft auf ihre Gastspiele verzichten, wie sie es unter der Woche angekündigt haben? Wir werden sehen, aber ich denke daran, dass die chinesische Mannschaft hierherkam, um ihren Fußball zu verbessern und sich einzuspielen und zu lernen. Und genau darum geht es, dass die chinesische Mannschaft lernt was Fußballkultur in Deutschland heißt: Bratwurst, Bier, Provokation, Lärm und Meckerrentner – vor allem in der Regionalliga. China kann hier auch lernen, dass sie ihre Gesinnung nicht jedem Land aufdrücken können, vor allem wenn es in diesem Land so etwas wie Meinungsfreiheit gibt. Und China kann davon lernen, dass es nicht notwendig ist, andere zu unterdrücken oder zu zensieren. Und das hoffe ich, werden die Funktionäre lernen. Sollte China sich jemals für eine WM bewerben, müssen sie diese Provokationen hinnehmen lernen und einfach ignorieren. Das Zeigen von Tibet-Flaggen bei einem Regionalligaspiel wird nicht die Tibet-Politik Chinas ändern, zeigt es doch die Hilfslosigkeit der Betroffenen. Damit liegt im Besuch der chinesischen Mannschaft die Chance für China Coolness und Abgeklärtheit im Fußball und in der Politik zu erleben und zu erlernen. Die deutsche Wirtschaft und Politik will Geschäfte mit China und versucht schon durch den DFB Einfluss zu nehmen, aber dies lassen sich die Deutschen Fußballfans nicht nehmen: Provokation im Fußball.

Ich habe mich schon die ganze Zeit gewundert, warum die U20 Chinas sich so hochoffiziell anmeldet und damit für Verwunderung und Widerstand in den Vereinen sorgt. Im Sommer war die japanische U20 in Chemnitz zu Gast und soweit ich weiß, haben die im Sommer viele Freundschaftsspiele in Europa absolviert. Kein großes Gewese und eine Nachricht an die Fans 3 Tage vorher sorgten für schöne Freundschaftsspielatmosphäre. Die Vereine werden direkt eine Spende von den Japanern erhalten haben und der DFB war nicht involviert. Ich halte das für den einfacheren und besseren Weg, als die U20 Chinas in eine Regionalliga zu platzieren und die Vereine mit der mageren Summe von 15000 Euros abzuspeisen. Ich denke, der chinesische Fußballverband hat dies auf politischer Ebene ausgehandelt und nun wird deren Präsenz in den Stadien zu einem Politikum. Als Großmacht sollte China viel cleverer und abgeklärter auf Provokationen im fernen Ausland reagieren und unsere Verbandsbosse und Politiker müssen noch lernen, dass sie nicht umfallen und Handlanger der Chinesen werden, nur weil sie durch die Eurozeichen in ihren Augen erblindet sind.

Ich hoffe die U20 spielt alle Freundschaftsspiele und ignoriert alle Anfeindungen und Provokationen. Und ich hoffe, dass die deutschen Fans unserer Vereine gute Gastgeber bleiben, ohne sich zu verbiegen.

By Baba

Ein Gedanke zu „Tibet oder China? Fußball!!!“

  1. Schöner Text. Ich fand’s richtig gut, dass die Sache durch die Tibeter auf eine politische Ebene gehoben wurde. Denn Politik war eh schon im Spiel, die ging dieser „Freundschaftsspielserie“ voraus. Jetzt noch ein paar gesalzene Proteste am Wochenende beim FSV Frankfurt, und die Chinesischen trollen sich beleidigt nach Hause. So ist das halt, wenn man Probleme mit der Meinungsfreiheit in einer Demokratie hat. Adiós dann.

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