Alt vs. Jung. Kommentar zum Pokal-Halbfinale FCB vs. BVB

Lederhose

Nachdem ich das Champions-League Viertelfinal-Rückspiel des FC Bayern München vs. Real Madrid bedauerlicherweise nur per Radio verfolgt hatte, wollte ich diesmal auf Nummer sicher gehen und das 2017er DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund wenigstens vor dem heimischen Fernsehgerät anschauen. Lieber hören und wieder sehen. Ein Wiedersehen zwischen dem FCB und dem BVB gab es im DFB-Pokal nun schon im sechsten Jahr in Folge. Spätestens im Finale trafen die Teams aufeinander, zuletzt 2016 mit dem Sieg des FCB im 11er Schießen.

Solch einen 11meter-Sieg schaffte auch die Eintracht aus Frankfurt. Im ersten Halbfinale setzten sie sich gegen die Borussia aus Mönchengladbach durch. In Frankfurt wurde also schon die Reise nach Berlin geplant. Da wollen ja unglücklicherweise alle hin, vor allem die Bayern, um u.a. mit ihren Altmeistern #Lahm und #Alonso einen gebührenden Karriereabschluss feiern zu können. BVB-Trainer T. Tuchel ließ im Vorfeld wissen, dass sie die Saison der Bayern vermiesen wollen. Solche Kampfansagen gehören zur Fußball-Folklore dazu. Auch das Geschwätz von einem „vorgezogenen Finale“ #Kicker oder dem deutschen Clasicó. Zu dieser Einschätzung hatte ich mich vor nicht allzu langer Zeit in jugendlicher Naivität auch hinreißen lassen. Es ist sicherlich, rein historisch gesehen, kein Duell wie Real Madrid vs. FC Barcelona. Zumindest ist es jedoch seit den 2010er-Jahren das spannendste Duell zweier deutscher Mannschaften. Und die Sympathien sind klar verteilt: Auf der einen Seite die Bayern-Fans und auf der anderen Seite die Dortmunder Fans plus der Rest der Republik, der den Bayern an die Lederhosen will. Jeder konnte sich also irgendwie freuen.

In der ersten Halbzeit durften sich alle über ein Spiel der Extraklasse freuen. Es war alles dabei, was die Fußballerherzen so begehren. Eine frühe Chance des Dortmunders P. Aubameyang für die Chancen-Zähler, ein unbeabsichtigtes(!?) Handspiel von J. Weigl für die „wir-brauchen-den-Video-Beweis“-Leute, die 1:0 Führung durch Reus nach einem Martinez-„den-man-nicht-mal-in-der-Kreisliga-spielen-darf“-Pass, also Fehlerkette Deluxe#1. In der 25. Minute eine Szene, die entweder mit „ganz-klar-Ball-gespielt“, aber auch „klassisch von der Seite umgesenst“ gesehen werden konnte. Schiedsrichter Gräfe entschied das Duell Ribery vs. Dembelé mit der Gelben Karte für Letzteren. In der 29. Minute bügelte Martinez seinen Fehler aus und köpfte wuchtig zum 1:1 Ausgleich ein. Für was Neues sorgte der holländische Jungbrunnen Robben, der sich eine Gelbe Karte für das Selbstausmessen der bayerischen Freistoßmauer einholte. Gut, ein Mauer bauen ist eh keine gute Idee mehr…

Im Anschluss sorgte Dortmunds Bender mit einer EM-2016-Höwedes-Gedächtnis-Grätsche für Erstaunen. Weitere Chancen gab es durch Vidal und Martinez, der den Pfosten per Kopf traf. Besser machte es hingegen Hummels, der nach Vorlage von Ribery ganz trocken in bester Stürmer-Manier zur 2:1 traf. Kurz vor der Pause haute der Kommentar Bartels noch eine Ancelotti Weisheit raus: „Junge Spieler gewinnen Spiele, erfahrene Spieler gewinnen Titel“. Ohha. Mehr dazu später.

Die zweite Halbzeit begann etwas ruhiger. Die erste Chance verbuchte Robben in der 57. Minute. Die zweite nennenswerte Chance hatte wieder Robben in der 63. Minute auf dem Fuß. Nach einem Torwart-Patzer rettete Bender mit seiner zweiten Deluxe-Grätsche an den Pfosten. Die BILD fordert bestimmt, dass Bundesjogi flugs zum Hörer greifen soll und die Nominierung zum Confed-Cup klar macht. Aber das nur am Rande der Spekulation.

Das nächste Sehenswerte kam aus der Kategorie „wie-aus-dem-Nichts“. Dembelé mit einem Pass der Marke #Zucker auf Aubameyang, der zum 2:2 einköpfte. Also alles wieder auf Anfang dieses Dramas. Die tragischen Figuren wurden dann die Altmeister #Lahm und #Alonso. Der sonst so fehlerlos spielende Lahm verlor den Ball im Mittelfeld, den gewonnen Ball vollendet volledelte Dembelé zur 3:2 Führung. Die Bayern versuchten alles, sogar die Provokation eines 11ers. Zu dieser ließ sich Alonso hinreißen. Er holte sich dafür eine gelbe Karte ab. Im Folgenden versuchte es Robben noch 4mal. Alle Chancen wurden vergeben.

Die ausgerufene Nachspielzeit betrug 5 Minuten. Für alle Nicht-Bayern-Anhänger natürlich viel zu lang. Aber auch diese 5 Minuten konnten die Bayern-Spieler nicht nutzen. So spielte sich Dortmund schlussendlich verdient ins Finale. Zum vierten Mal in Folge. Für alle Bayern-Fans ist diese Anwesenheit wohl viel zu lang.

Und mit den Worten der Trainer Tuchel und Ancelotti abzuschließen: Die Dortmunder haben es geschafft, die Saison der Bayern zu vermiesen. Ausgerechnet der junge Trainer, der Taktik-Bruder im Geiste von Ex-Bayern-Coach Guardiola. Und Ancelotti? Der darf sich nun an seinen Worten hinsichtlich dessen messen lassen, wer die Titel holt. Die Diskussionen wie die Bayern das in Zukunft schaffen wollen, begannen wohl schon direkt nach Abpfiff. Dazu dann auch wieder mehr auf diesem Blog.

By Nino

 

2 Kommentare zu „Alt vs. Jung. Kommentar zum Pokal-Halbfinale FCB vs. BVB“

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