Das Hör-Spiel Real Madrid vs. FC Bayern München

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Wer nicht sehen will, der muss hören. So war mein Motto für das Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid vs. FC Bayern München. Die fehlende Fernsehübertragung des ZDF, die ungewohnte Unlust sich in eine Kneipe zu begeben und die erste leise Hoffnung, dass noch weitere Spiele des FCB in der CL folgen würden, führten zu dieser etwas anderen Spiel-Verfolgung. Die zweite leise Hoffnung war, dass der Kommentator nicht „Was für ein Tor. Das müssen sie gesehen haben!“ ins Mikro schreien würde. Als Kind habe ich gelegentlich die Bundesliga-Konferenz-Schaltung mit meinem Opa angehört, in den letzten Jahren war der ein oder andere Samstag-Nachmittag dabei, an dem die Konferenz-Schaltung bei Sport1.fm verfolgt wurde. Das war zuweilen sehr unterhaltsam. Unterhaltsam sollte eigentlich auch der SPORT1 Fantalk mit den Quasselstrippen #Neururer #Pocher und #Helmer sein. Diese Sprachpoeten kann man sich aber nicht mal besoffen geben. Also hieß es Radio, mit Kopfhören auf der Couch.

Nach der 1:2 Hinspiel-Pleite war die Vorgabe für die Münchner Bayern klar. Zwei Tore und das Weiterkommen wäre gesichert. Für Reals Madrilenen war klar, dass auch ein 0:0 reichen würde, um das Ziel der 1. Titelverteidigung in der CL-Geschichte weiter verfolgen zu können.

Gern würde ich jetzt ein paar bessere Eindrücke niederschreiben können. Jedoch sind mir nur noch Sprachfetzten in Erinnerung: „Schuss geklärt von Boateng auf der Linie!“, „Kross aus der Mitteldistanz.“, „3.te gute Chance für Real“. Die durchgehend rasante Kommentierung lässt kaum Zeit, das Gesagte zu verarbeiten. Die Halbzeit-Pause war daher eine willkommene Abwechslung.

Mit der zweiten Halbzeit ging der wilde Sinnes-Kick weiter. „Auf der Linie gerettet. Marcelo mit dem Kopf auf der Linie.“, „Elfmeter für die Bayern. Lewandowski trifft.“ „Vidaaaal drüüüberrrr! Über den Kasten donnert.“ Ich versuchte mir alles bildlich vorzustellen, scheiterte aber zunehmend an den Entwicklungen des Spiels. Der Einwechslung von Müller folgte das Kopfball-Tor von Ronaldo. Diesem folgt das Eigentor von Ramos. Dann Platzverweis für Vidal. Man hört, es wäre ein faires Tackling gewesen. Dann eben wieder 11 vs. 10. Man hört, das sich Hummels und Boateng über den Platz schleppen. Nach 90 Minuten steht es 2:1 für den FCB. Das bedeutet Verlängerung, 30min mehr in Unterzahl. In dieser Verlängerung schießt Ronaldo seine Viertelfinal-Tore 4 und 5, sein 100. CL-Tor insgesamt. Der Typ schafft es eben, alle in den Wahnsinn zu treiben. In allen Belangen.

Dass das fünfte Tor aus klarem Abseits gefallen sein soll, das würde ich auch gerne einschätzen können. Höre es aber eben nur. Auch wenn der Kommentator eloquent und mit der nötigen Neutralität das Spiel beschreibt und dies zu einem Erlebnis der anderen Art werden lässt, so bleibt diese Spielverfolgung nur eines der 2. Klasse. Zumal ein CL-Spiel zwischen diesen beiden Mannschaften bisher nicht für Langeweile und Rumpelfußball stand.

So erfüllte sich zumindest nur die zweite leise Hoffnung. „Was für ein Tor. Das müssen sie gesehen haben!“ wurde nicht gesagt. Dafür aber insgeheim das ganze Spiel. Wer nicht sehen will, muss leiden. Das ist jedenfalls meine Lehre aus diesem Hör-Spiel. Welche die Bayern daraus ziehen sollen, darüber wird sicherlich treffsicher diskutiert werden.

By Nino

 

 

3 Kommentare zu „Das Hör-Spiel Real Madrid vs. FC Bayern München“

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