Angst schießt keine Tore – Kommentar zu GER vs. ITA

ItalienGER

Italien-Trauma! Italien-Fluch! Angstgegner! Vorgezogenes EM-Finale! Es reichen diese Schlagwörter aus, um die Vorberichterstattung zum EM-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Italien zu beschreiben. Ohne Frage und klar wie Kloßbrühe: Gegen die Italiener haben die DFB-Auswahlen bei Turnier-Spielen noch nie „was gerissen“. Wäre es also an der Zeit, ein neues Kapitel in dieser Geschichte zu schreiben? Spieler wie Kroos, T. und Boateng, J. haben zumindest keinen Zweifel daran gelassen, dass sie weder Angst und noch ein Trauma von „nur“ einem verlorenen EM-Halbfinale #2012 davon getragen haben.

Für die Startaufstellung griff Bundestrainer Löw erneut knöcheltief in die Taktikkiste und überraschte mit einer geänderten Startaufstellung. Höwedes, B. gesellte sich für den im Achtelfinale gegen die Slowakei stark auftrumpfenden Draxler, J.  zu Boateng-Gomez-Hector-Hummels-Khedira-Kimmich-Kroos-Müller-Neuer-Özil.

Und wie im Leben so ist es auch im Fußball. Wenn du Pläne machst, kommt dir das Leben dazwischen. Khedira, S. verletzte sich nach 15min und Schweinsteiger, B. reihte sich in das neue taktische Gefüge. Seine stärkste Szene hatte der Kapitän bei einem Kopfball-Tor, was allerdings aufgrund eines regelwidrigen Schubsers nicht gegeben wurde. Ansonsten ist die Geschichte der ersten Halbzeit schnell erzählt. Sie war vom gegenseitigen Abtasten und großem Respekt geprägt #Phrasenschwein#1. Den ersten Gedanken an eine Verlängerung konnte ich noch erfolgreich hinunterspülen.

In der zweiten Halbzeit begann die deutsche 11 etwas offensiver, dieses stetige Bemühen wurde mit einem schönen Angriff über Neuer-Gomez-Hector von Özil, M. gekrönt. 1:0 Führung, bei einem EM-Spiel. Von dem Gedanken an eine Verlängerung konnte ich mich erleichtern. Diese Erleichterung hielt jedoch nicht lange an. In der 78. Minute ließ sich Boateng, J. zu einer noch-nie-gesehenen-Abwehr-Bewegung hinreißen, die in der B-Note mit einem 11er quittiert wurde. Der Schiedsrichter traute auch seinen Augen nicht, er zückte glücklicherweise keine gelbe Karte. Bonucci, L. verwandelte sicher zum 1:1 Ausgleich.

Nun schlich sich dieser eine Gedanke wieder an und er brachte ein paar Fragen mit. Wie schießen die Italiener aus 11 Metern? Muss Neuer, M. seine Ankündigung wahr machen und doch „zur Not“ auch einen schießen? Ich wollte auf diese Fragen keine Antwort und hoffte einfach darauf, dass Löw irgendwann noch Götze, M. einwechselt und alles gut wird. Wie damals 2014. In Brasilien. Im WM-Finale. Diese Hoffnung starb dann allerdings mit dem Abpfiff der Verlängerung, in der sich das Spiel aus dem Anfangsdrittel wiederholte. Abtasten. Bloß keine Fehler machen. Dann also doch auf die ganze harte Tour. Elfmeterschießen. Es gehört ja auch immer ein bisschen Glück dazu #Phrasenschwein#2. Was dann aber folgte, hatte wenig mit Glück zu tun. Ich lasse daher einfach die schlichte Statistik wirken…lesen und zählen:

0:1 L. Insigne (verwandelt)

1:1 T. Kroos (verwandelt)

1:1 Zaza (nicht verwandelt)

1:1 T. Müller (nicht verwandelt)

1:2 Barzagli (verwandelt)

1:2 Özil (nicht verwandelt)

1:2 Pelle (nicht verwandelt)

2:2 Draxler (verwandelt)

2:2 Bonucci (nicht verwandelt)

2:2 B. Schweinsteiger (nicht verwandelt)

2:3 Giaccherini (verwandelt)

3:3 Hummels (verwandelt)

3:4 Parolo (verwandelt)

4:4 Kimmich (verwandelt)

4:5 de Sciglio (verwandelt)

5:5 J. Boateng (verwandelt)

5:5 Darmian (nicht verwandelt)

6:5 Hector (verwandelt)

Ja, genau gezählt. 18. Elfmeter(!). 11 verwandelte, 7 verschossene. Nicht im Text: Jubel, Frust, Freude, Trauer, Staunen, Zittern, Hoffnung, letztendliche Erlösung. Ein Drama für die Geschichtsbücher. Für mich der Algerien-Moment dieser EM. Nach diesem Sieg ist nun alles möglich.

Im Halbfinale wartet mit Frankreich nicht nur der Gastgeber, sondern auch die offensivstärkste Mannschaft der bisherigen EM. Bisher 11 französischen Treffern stehen 7 deutsche entgegen. Bundesjogi wird sich für die Anfangself wieder etwas Neues einfallen lassen müssen. Hummels, M. fehlt gelbgesperrt, Gomez. M. und Khedira, S. fehlen verletzt. Bei seiner Entscheidungsfindung wird er sich höggschdwahrscheinlich nicht vom Experten Scholl, M. beraten lassen. Dieser hatte nach dem Sieg die Aufstellung mit 3er-Kette hart kritisiert. Leider mit einer Begründung, die vor 20 Jahren vielleicht noch hätte gelten können. Oder um es mit Dieter Hildebrandt zu sagen: „Meinungen sind wie Grundstücke: Erstens sind sie zu teuer, und zweitens kann man nicht immer darauf bauen.“

By Nino

 

4 Kommentare zu „Angst schießt keine Tore – Kommentar zu GER vs. ITA“

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