Eindrücke vom Sachsenderby CFC vs. SGD

CFC Panorama

Nach dem Baba über die Mutter aller Bezirksderbies berichtete, folgen nun ein paar Eindrücke zum Sachsenderby des Chemnitzer FC gegen SG Dynamo Dresden. Das Duell gegen die Landeshauptstädter hat immer eine gewisse Brisanz, zumal der aktuelle Tabellenführer der 3. Liga sich anschickte, alle drei Punkte aus der Stadt der Moderne mitnehmen zu wollen. Diese drei Punkte benötigt der CFC allemal mehr, denn mit Platz 14. steht er nicht in der angepeilten Tabellenregion.

Modern kann ich als gebürtiger Karl-Marx-Städter zumindest den sich in der Schlussphase befindlichen Neubau des Stadions bezeichnen. Dieser wird mit der gewohnten sächsischen Handwerkerkunst und nötigen haushälterischen Vernunft errichtet. Zum offiziellen Eröffnungsspiel im Sommer soll sich nach aktuellem Stand die Nummer zwei des deutschen Fußballs, die Borussia aus Dortmund die Ehre geben. Dann wird hoffentlich angenehmeres Wetter sein, denn an diesem 26. Spieltag war das Wetter schlicht und ehrgreifend richtig mies…ein Grad Celsius, gepaart mit Regen und stürmischem Wind.

Doch wie Klugscheißer schon immer zu sagen pflegten: Es gibt nicht das falsche Wetter, nur die falsche Kleidung. Mein Vater und ich machten uns, um diese Worte natürlich wissend, im besten Klamotten-Zwiebel-Stil auf dem Weg zum Stadion. Selten war ich derart gezwiebelt angezogen. Die ständige Begleitung des beschriebenen Wetters erleichterte allerdings die Entscheidung lieber mehr als weniger anzuziehen. Der Einlass zum Stadion verlief unproblematisch, die übliche Fummelei der Ordner auf Wurfgeschosse oder ähnliches war ein Griff ins Leere. Die Inspektion der örtlichen Urinale gestaltete sich auch ohne Zeitverzug, die Suche nach Platz im Westminster Block #PremiumSponsor ebenso. Mein Bruder hingegen nahm geschmeidig auf der Ersatzbank Platz. Nur wer fit, darf so was.

Einem Sachsenderby angemessen, vollzogen die Chemnitzer Fans eine grandiose Choreografie, bei der Vereinslegenden gewürdigt wurden.

CFC Choreo Kopie

Die Dresdner Fans hatten auch irgendwas auf irgendein Plakat geschrieben…die Erinnerung daran ist zu flüchtig…vielleicht war es: „Niemand will Dynamo poppen“…leider war auch der Film der Kamera genau zu diesem Zeitpunkt zu Ende, so dass dieses Plakat nicht dokumentarisch festgehalten werden konnte. Ein Jammer ersten Grades.

Ein Jammer für die Chemnitzer Mannschaft war auch die erste Chance der Dresdner, die wiederum in der 1:0 für die SGD mündete. Nach einer Ecke des CFC genügten ein paar schnörkellose Passstationen und Aosman traf in der 6. Minute. Damit war auch die Gelegenheit verstrichen mit dem Spruch „Dem Spiel würde ein Tor gut tun“, das Phrasenschwein zum grunzen zu bringen. Hätte ich dieses eingepackt, dann hätte ich allein bis zur Halbzeitpause das Eintrittsgeld wieder einnehmen können, denn die Redseligkeit des Gegengerade-Publikums steigerte sich von Minute und Spielszene. Hätte hätte Fahrradkette.

Immer mehr, vornehmlich Herren, entpuppten sich als Trainer mit langjähriger Erfahrung und Experten des Schiedsrichterwesens. Auch auf Höhe der Mittellinie konnten diese selbstverständlich, über jeden Zweifel erhaben und alternativlos feststellen, dass die Dresdner Spieler so gut wie immer im Abseits standen, der CFC-geführte Ball NICHT im Aus der Tor-Linie war und die gefoulten Dresdner Spieler alles Weicheier, Memmen und Schauspieler sind. In einer Szene war durchaus Talent erkennbar: der Spieler (Name egal, Hauptsache Dresdner) humpelte erst schmerzverzerrt an die Seitenlinie, um nach wenigen Minuten nach einer Art Blitzheilung wie ein junges Reh die Außenlinie des gepflegten Chemnitzer Rasens entlang zu spurten.

Die 1:0 Führung hielt jedoch nicht lange, denn der CFC antwortete mit einer couragierten Leistung in der 13. Minute. Das Tor entpuppte sich in der Nachbetrachtung jedoch als Eigentor des DD-Abwehrchefs Hefele. Egal, Hauptsache drin, das Ding! Es folgten eher zähe Minuten, die von den stimmgewaltigen Fan-Blocks mit durchaus lustigen Gesängen begleitet wurden. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit brachten die Dresdner dann doch noch einen Angriff erfolgreich zu Ende und der #TorschützeDesMonatsJanuar Testroet netzte auf Chemnitzer Seite ein.

In der Halbzeitpause wurde die Gelegenheit genutzt, um die Ergebnisse aus den anderen Stadien zu checken, schließlich spielen ja noch sechs andere Ostclubs in der 3. Liga, in der bekanntlich die Party steigt. Die angefangenen soziologischen Studien über die Zusammensetzung des Fußball-Stadion-Publikums wurden kurzerhand auf später verschoben, die eigne Erwärmung hatte dann doch Priorität. Dabei hätte ich auch nie gedacht, dass es mir fürs Bier trinken zu ungemütlich-kalt ist. Was die Studien auch herausfinden sollten: Die Liebe zum Spiel eint das Publikum. Ob es dabei in der Südkurve steht, in der Gegengeraden sitzt oder Lachschnittchen im VIP-Bereich vertilgt.

Die zweite Halbzeit wurde dann durch das Angriffsspiel des CFC geprägt. Es gab viele CFC-Chancen und das heimische Publikum erhob sich mehrmals freudig in der Erwartung eines Tores. Der Dresdner Dynamo kam nur selten ins Laufen, wie ein würdiger Tabellenführer spielten sie jedenfalls nicht mehr. Die strittigen Szenen wurden vom gewohnt fachmännischen Publikum mit „du Schauspieler“ oder „das war niemals Abseits“ beurteilt. Dieser Rhetorik konnte auch ich mich nicht entziehen und war erstaunt, wie schnell der Adrenalin-Pegel doch steigen kann. Es dauerte bis zur 85. Minute als der erlösende und verdiente Ausgleichstreffer durch Danneberg fiel. Kollektiver Freudentaumel inklusive.

Dieser bescherte mir wieder die Einsicht, dass nichts über einen Stadion-Besuch geht. Die Fangesänge, die gefühlten 100 Trainer um einen herum, die Luft die sich mit der Fahne des Alkohols und der Zigaretten mischt und vieles Anderes mehr, was der Kneipen-Trip oder das Lauschen des Sportradios von der heimischen Couch aus nicht leisten kann.

Am Ende steht ein 2:2 Unentschieden mit dem beide Mannschaften nicht zufrieden sein können. Für die Fans war es allemal wärmste Unterhaltung. Und die Dresdner wissen nun auch, dass aus Chemnitz nicht einfach so 3 Punkte mitgenommen werden können.

Pünktlich zum Abpfiff gesellte sich zum Regen wieder der stürmische Wind der uns auf dem Rückweg auch nicht von der Seite wich. Auf diesem folgte die Nachbesprechung. Auch kam die Frage auf, ob mit dem Video-Beweis das Fußballspiel gerechter oder diskussionsärmer werden würde. Eine mögliche Antwort folgt vielleicht auf diesem Blog… oder beim nächsten Spiel. Gern etwas wärmer und wieder mit dem Duo Bier&Stadion-Wurst. #BockwurstMitSenf #NurDerCFC

By Nino

 

2 Kommentare zu „Eindrücke vom Sachsenderby CFC vs. SGD“

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