Ein Kommentar zum Testspiel Frankreich vs. Deutschland

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Der Anlass dieses Textes war ein ganz Anderer: Baba hatte mich gefragt, über welches Thema man noch schreiben könnte? „Vielleicht lass ich mich noch mal über Gomez aus oder generell an der Fifa oder der N11. mal sehen“, war seine Nachricht. Ich antwortete ihm: „naja, die Sache mit der Premier League und dem TV-Vertrag wäre noch offen. Ansonsten noch DFB-Affäre. Alle anderen hast du schon genannt. Vielleicht schreibe ich morgen was zu dem Testspiel gegen Frankreich…“ Und diesem Ansinnen folgend setzte ich mich Freitagsabend hin und verfolgte die Vorberichterstattung des Spiels. Viel Stoff hatte diese Partie zu bieten, jedoch mehr abseits den Rasens.

Ich fing während des Spiels an, ein paar Zeilen und Stichworte zu schreiben. Dazu ein Screenshot, um auch mal zu zeigen (mit allen fehlenden Satzzeichen und angefangenen Sätzen) wie die Texte auf diesem Blog entstehen.

Screenshot

Ich habe über diese zwei lauten Knalle geschrieben. Die Leerzeichen aufgrund des Unwissens, da es noch unklar war, was passiert ist.

Im Laufe des Spiels sickerten immer mehr Details über die Ereignisse durch, die seriös von Tom Bartels kommentiert wurden, und ich dachte währenddessen: Oh nein, über dieses Spiel kannst du keinen Kommentar mehr schreiben. Das ist pietätlos, schließlich geht es hier nur um ein Fußball-Spiel, bei dem 22 Menschen einem Ball hinter laufen und versuchen diesen in ein Tor zu schießen. So banal kann Fußball sein. Aber Fußball ist auch viel mehr als diese Beschreibung. Fußball und auch der Sport an sich, gibt den Menschen z.B. Halt, Ablenkung, Identifikation, begeisternde Abende, Emotionen und Erinnerungen. Zum Beispiel können sicherlich noch viele davon berichten, wo und mit wem sie den Weltmeistertitel der National11 2014 erlebt haben.

An diesem Freitag-Abend rückte der Fußball jedoch weit in den Hintergrund. Die Terroranschläge von Paris sind schwer zu begreifen und leider reihen sie sich in die Reihe von vergangenen Attentaten ein, die mehr oder weniger schon in Vergessenheit geraten sind. Es gibt denen mehr Argumente, die sich gegen die jetzige Einwanderung von Flüchtlingen aussprechen. Denen sei gesagt, dass diejenigen genau vor diesem Terror fliehen und in Europa nach einem sicheren Aufenthalt suchen. Und ich hoffe, dass die Regierungen sich nicht zu Kurzschlussreaktionen verleiten lassen.

Aus der Psychologie gibt es dafür einen Begriff, mit dem versucht wird, zu erklären, wie die Menschen mit besonderen, aber auch im Allgemeinen mit dem Geschehen in der Welt versuchen umzugehen: Komplexitätsreduktion. Die ganze Welt in ihrer Gänze zu verstehen, überfordert die meisten Menschen. An diesem Tag wurden auch 8 Babyleichen in Bayern gefunden. Ein ebenso erschütterndes Ereignis, welches ich nicht in einen Vergleich mit den Attentaten von Paris setzen möchte. In allem ist es leider viel komplizierter.

Ende August diesen Jahres habe ich einen kleinen Beitrag in Form einer Sachspende für Flüchtlinge geleistet. Es folgte noch eine Kleiderspende, die ich bei der Berliner Stadtmission abgegeben habe. Damit habe ich zunächst mein Gewissen beruhigt, doch irgendwie einen Beitrag zu der aktuellen Situation beigetragen zu können. Doch immer öfter fragte ich mich, ob ich jetzt noch was über Fußball schreiben sollte. Über die „Wir helfen“ Aktion der BILD-Zeitung, bei der sich die Mehrzahl der Bundesliga-Vereine zu Steigbügelhaltern der Springer-Presse und vor allem des Egomanischen Chefchen-Redakteur Kai Diekmann gemacht haben. Oder über die Skandale bei der FIFA. Oder dem Transferwahnsinn der Premier League, bei dem so viel Geld versenkt wird, mit dem sehr sehr vielen Flüchtlingen geholfen werden könnte. Und schon diese Überlegung, ob man jetzt noch darüber schreiben sollte, führt einem zu der Erkenntnis, dass die Terroristen genau ihr Ziel erreicht hätten. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die Freiheit aller, zu schreiben über das was sie berührt und wie sie darüber denken. Und sei es nur der Fußball.

Damit hätten diejenigen gewonnen, die nicht für die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einstehen. Die alles andere als das wollen, für das jahrhundertelang gestritten und demonstriert wurde. Für eine freiheitliche, friedliche Gesellschaft. Oder um es pragmatisch zu sagen: Leben und leben lassen.

Fußball mit all seinen Geschichten und Facetten sollte nicht politisch sein. Es geht hier schließlich um ein Spiel. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer. Es gibt Glücksgefühle und ebenso tiefe Traurigkeit. Aber alles in dem Wissen, das es irgendwann genau andersherum sein kann. In diesem Wissen schätze ich den Moment des Augenblicks. Ich werde mich daher immer an den Abend des Weltmeistertitels von 2014 erinnern. Und an den Abend, an dem meine Lieblingsmannschaft bitterstmöglichst verloren hat. In diesen Momenten ist der Fußball doch mehr als ein schönes Spiel. Er gibt den Menschen viel mehr als man glaubt. Und diese Momente…Erinnerungen…Erfahrungen können nicht von irgendwelchen fanatischen Menschen kaputt gemacht werden. In diesem Sinne werden wir auch weiterhin über all die Themen schreiben…die uns interessieren…zur Weißglut bringen oder uns Freude bereiten…und noch vieles mehr ohne dabei die Realität abseits der schönsten Nebensache der Welt aus dem Auge zu verlieren oder schmählern zu wollen. Denn nur wenn wir das Leben zelebrieren wie wir es für richtig halten und uns nicht einschüchtern lassen, können wir fanatischen Mördern die rote Karte zeigen und klarstellen, das sie ihre Furcht nicht in unsere Herzen tragen!!!

For the people who suffer. For the beautiful game!

By Nino

 

 

 

 

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