Die Mutter aller Bezirksderbies

CFC

Am Wochenende war es wieder soweit, nach langen 13 Jahren in verschiedenen Ligen trafen endlich wieder mein Verein der FCK und die Schachtis aus Aue aufeinander. Das war schon ein seltsames Gefühl und im Laufe der letzten Woche baute sich eine unheimliche Spannung in mir auf. Ich war überrascht, dass ich nach all den Jahren noch so intensiv davon beeinflusst werden würde. Ich verfolgte jede Meldung in den einschlägigen Foren und las jeden erdenklichen Zeitungsartikel. Ich verschlang diese geradezu und auch alle möglichen Beitrage, die sich rund um Provokationen von beiden Seiten drehten, konnte ich nicht vermeiden. Jeden Tag wurde das Gefühl intensiver und Freitagabend vor dem Spiel dekorierte ich mein Wohnzimmer mit CFC und FCK Devotionalien, um am Morgen dann fit fürs Spiel zu sein. Ich war bereit und dennoch war neben der Vorfreude auch eine gewisse Angst vorhanden das es nicht friedlich abgehen würde.

Mein Vater, der nun wirklich kein Fußballfan ist, aber schon seit Ewigkeiten Chemnitzer ist erzählte mir wie er auch immer total beeindruckt von diesem Derby im Bezirk war. Als er jung war, nahm ihn sein Schwager Bernd in den 1970ern mit zu den Duellen und nicht nur einmal regnete es Flaschen und Steine zwischen den Blöcken. Mein Vater erzählte mir, dass sein Schwager dann immer seine Lederjacke hochhielt, um beide zu schützen. Wow, diese Erzählung brannte sich in mein Gehirn ein und es war klar, dass diese Auer einfach der Gegner sind und sich falsch benehmen. Dem mussten Grenzen aufgezeigt werden.

Heute frage ich mich manchmal wie es sein kann, das sich Leute die unter der Woche miteinander arbeiten und zum großen Teil miteinander verwandt sind auf dem Fußballplatz all das vergessen und dann einen eigentlich kleinsten und sinnlosen Lokalpatriotismus ausleben??? Der einzige Spruch der mir dazu einfällt ist, das Bruder-Kriege oft heftiger geführt werden als anderen, weil man mehr Zeit hat, sich auf den Keks zu gehen. Naja ich weiß nicht, da ich meine Erzgebirgssippe echt mag und auch der Arbeit von Wismut Aue positiv gegenüber stehe. Jedenfalls geht es in diesem Duell um das Prestige. Absteigen ist hart – das Bezirksduell verlieren… Diese Schmach fühlt man länger und die wird mir von meiner Sippe für die gefühlten nächsten 10 Jahre unter die Nase gerieben.

Am Samstag kam es dann wie es kommen musste. Erst wurde in den frühen Morgenstunden eine CFC Fankneipe von vermummten Auern angegriffen und verwüstet und das alles schön im Internet aufbereitet. Und zu allem Überfluss verlieren wir noch das Spiel! Zu Hause! Gegen die Schachtis! Oh Mann. Meine Anspannung schlug schnell um in Frustration und dann in Enttäuschung. Jetzt kann ich nur aufs nächste Derby hoffen. Trost gibt mir der Gedanke, dass ich diesmal nicht dreizehn Jahre warten muss.

By Baba

2 Kommentare zu „Die Mutter aller Bezirksderbies“

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