Ja, ich bin ein Bayern München Sympathisant.

StadionBayern

In der „Dunklen Vorhersage“ hatte der hoch geschätzte Baba eine Vielzahl von Themen aufgeworfen. Eines davon war „Erfolgsfans“, jene Fans also die nur im Erfolgsfall ihrer Mannschaft zujubeln oder sich erfolgreichen Mannschaften widmen, um sich in der Sonne des Erfolgs wohlfühlen zu können.

Nun wird bei diesem Thema gern argumentiert: „Nicht der Fan sucht sich seinen Verein aus, sondern der Verein den Fan.“ #NickHornby. Darüber hinaus wird die familiäre Vorprägung als Grund angeführt Fan diesen oder jenen Vereins geworden zu sein. Oder der erste Stadion-Besuch mit dem Vater oder der Lieblingsverein der ersten großen Liebe.

Nun war ich mit meinem Vater nie bei einem Bayern München Spiel und meine erste große Liebe konnte mit Fußball nicht viel anfangen. Dafür kann ich mich aber noch sehr gut an diesen einen Abend in der heimischen Wohnzimmerstube erinnern, als ich mit meinen Eltern das Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United verfolgt habe. Dieses Spiel, die Mutter aller Niederlagen. Ich traute meinen Augen nicht, als in der Nachspielzeit auf höchst verwirrende Art dieses Match verloren ging.

Von da an folgte ich den Bayern. Als sie 2000 gegen Real Madrid knapp im Halbfinale scheiterten. Sich von dieser Niederlage aber nicht beirren ließen, um 2001 in jenem denkwürdigen Elfmeterschießen gegen den FC Valencia endlich wieder die europäische Fußball-Krone aufsetzen und das Trauma von Barcelona verarbeiten zu können.

Oliver Kahn wurde damals zum Inbegriff des „niemals aufgeben“ und „immer gewinnen wollen“. Und mit dieser Mentalität konnte und kann ich mich noch immer am besten identifizieren. Wenn ich spiele, dann will ich gewinnen. Verlieren kann ich nur sehr schlecht, gute Freunde können das bestätigen. Aber nicht nur für dieses „Immer weiter, immer siegen wollen“ sympathisiere ich mit dem FCB.

Die Bayern waren der erste Club in dem Fußballsachverstand und ökonomisches Denken symbiotisch zu einer Einheit gewachsen sind. Es war damals Uli Hoeneß, der nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Karriere das Management übernahm und die Bayern zu dem machte was sie heute sind. Einer der Knackpunkt waren die Olympischen Spiele, in dessen Rahmen den Münchnern eines der modernsten Stadien zur Verfügung gestellt wurde. Ein Standardortvorteil, den andere Mannschaften wie z.B. die Borussen aus Mönchengladbach nicht hatten. Aus den anderen Vorteilen haben sie das maximale rausgeholt. Das dies kritisch beurteilt wird, keine Frage. Eines muss man den Bayern aber lassen, sie haben nie über ihre Verhältnisse gelebt. Stichwort Festgeldkonto, was die Hamburger und ihr SV wohl nie hinbekommen werden.

Das nicht immer alles Gentleman-like abgelaufen ist, die Bayern wenig dazu beitragen Everybody’s Darling zu werden, sozusagen den Ball gelegentlich über’s Tor schießen (#Breitner#Unfähigkeit#DiePersönliche#Jedoch#Nicht#Erkennen), das weiß ich auch. Nur wer kann von „seinem“ Verein behaupten, dass da immer alles gut lief und jede Entscheidung oder Transfergebaren für gut empfunden wurde? Dreck am Stecken haben sie alle.

Aber zurück zum beautiful Game. FC Bayern München, das hieß auch immer europäischer Fußball, attraktiver Fußball, die besten Spieler, die gefühlt besten Trainer, hohe mediale Aufmerksamkeit (FC Hollywood lässt grüßen) und vor allem Titel und Siege. Das hat alles eine besondere Anziehungskraft auf mich, das will ich gar nicht bestreiten. Aber deswegen bin ich noch lange kein Erfolgsfan. Diesen zu dünn argumentierten, ähm geschnürten Fußballschuh ziehe ich mir nicht an.

In diesem Zusammenhang wird als „Beweis“ der wahren Zugehörigkeit gefordert, dass man auch in den schlechten Phasen zu Lieblingsverein steht, echte Liebe und so. Nun sind die Bayern nie wirklich in Abstiegsgefahr geraten, sondern haben fast immer oben mitgespielt. Neben den großen Siegen gab es aber auch eine Reihe von bestürzenden Niederlagen. Die Niederlagen gegen die Borussen aus Dortmund in den Jahren 2011 bis 2012. Das Champions-League-Finale 2010 gegen Inter Mailand.

Oder die Großmutter aller Niederlagen, das Finale Dahoam 2012, welches ich wieder mit meinen Eltern geschaut habe. Jenes Spiel in dem die Bayern bis zur 88. Minute führten, in der Verlängerung einen Elfmeter verschossen und dann im 11er-Schießen die Nerven verloren. Wer dachte, dass es nach dem 99er Finale nicht schlimmer kommen könnte, der wurde eines Besseren belehrt.

Ein was Gutes hatte diese Niederlage, allerdings nur für meine Mutter. Nach vielen schlaffördernden Bieren wurde am darauffolgenden Sonntag in einer zweistündigen Frustbewältigungsaktion der olle Kirschbaum im Garten entfernt. Zum Erstaunen meines Vaters und mir hatte dieser beträchtlich mehr Wurzeln als Blüten.

Und was folgte auf dieses unsägliche sportliche Trauma? Die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Das Triple aus Deutscher Meister, DFB-Pokal und Champions-League-Sieg. Ein Jahr danach. „Immer weiter, immer gewinnen wollen“…nie war das so präsent. Nach Niederlagen wieder aufstehen, aus Frust neue Motivation werden zu lassen, zu kämpfen bis man am Ziel ist. Davon kann auch viel auf das Leben übertragen werden.

Insofern habe ich mir nicht die Bayern als Fan ausgesucht, sondern die Bayern haben sie mich ausgesucht. Und im Gegensatz zur Liebe kann man sich im Leben nicht alles aussuchen…

By Nino

5 Kommentare zu „Ja, ich bin ein Bayern München Sympathisant.“

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