Kommentar zum Dokumentarfilm „Die Mannschaft“

FilmPosterDieMannschaft

Zum Anpfiff des Fußballjahres 2015 zeigte die ARD zur Primetime „Die Mannschaft“, den Dokumentarfilm über den 2014er-WM-Triumph der deutschen Männer-Nationalmannschaft in Brasilien. Das gab mir zu einem kurz das gute Gefühl, dass die Zwangsgebühr der GEZ halbwegs gut angelegt wird und andererseits zum eigenen #BildDirDeineMeinung.

Der Film, der bereits an den Kinokassen für volle Lichtspielhäuser gesorgt hatte, wurde in der Filmkritik von Sommermärchen 2.0 bis zum schäbigen Werbefilm von FIFA und DFB betitelt. Die Wahrheit liegt wohl im Irgendwo dazwischen. Denn für diejenigen, die alle WM-Spiele, Jahresrückblicke und den sehenswerten ARD-Rückblick „Das Leben ist ein Hauch“ gesehen haben, gibt es nur ein paar neue Szenen und insbesondere Wortbeiträge, bei denen ich gerne nachgefragt hätte.

Zum Beispiel zu den Szenen, wie die Entscheidung Philipp Lahm im Halbfinal-Spiel gegen die Franzmänner wieder auf die Position des Rechtsverteidigers aufzustellen, zustande kam. Da sieht man Lahm und Löw im lockeren Dialog im Kinderbecken des Pools. Dann faselt noch Sami Khedira irgendwas von „so einem Gefühl“, dass es besser wäre wenn Lahm wieder von hinten rechts kommen sollte. Ob das alles so freiwillig wie einvernehmlich und im Dienste der Mannschaft geschah sei mal dahin gestellt. Das Bild einer harmonisch herbeigeführten Neujustierung der taktischen Architektur soll offensichtlich nicht beschädigt werden.

Im Gegensatz dazu sorgte der madrilenische Bankdrücker Khedira dann doch noch für eine offen sympathische Aussage als er über sein Final-Aus sprach: „Persönlich die schwerste Entscheidung, für die Mannschaft die genialste“. Treffsicherer konnte er seinen Stellenwert in der Mannschaft nicht beschreiben.
Ob jedoch der für ihn aufgelaufene Christoph Kramer wirklich den Rang ablaufen wird bleibt offen, denn er ist wohl derjenige Spieler dem der Weltmeistertitel am höggschden zu Kopf gestiegen ist. Seine Aussagen in Interviews und Auftritte im TV stehen noch nicht im Verhältnis zu den Verdiensten in der National11.

Dann lieber ein Typ wie Thomas Müller. Der sorgte eins um andere Mal für die lustigen Szenen und Momente. Zum Beispiel als er im Dirndl eine verlorene Golf-Wette einlöste oder mit einem Zettel bei Bundes-Jogi höflich anfragte, ob ein Golfspiel möglich sei. Ob er ihn auch zu einer Singeinlage nach dem Finalsieg gegen die Gauchos animieren konnte, bleibt eine Frage für Aktenzeichen XY …ungelöst. So oder so…ein Spieler der wirklich auf dem Boden bleibt und auch gern daran erinnert das Fußball lediglich ein beautiful Game ist und das Privatleben nicht mit der Öffentlichkeit geteilt werden muss. Davon sollte es viel mehr geben.

Für die Fremdschäm-Momente sorgte hingegen DFB-Chefchen Wolle Niersbach, der in seinen Ansprachen nach den Siegen im Viertel- und Halbfinale und natürlich auch nach dem Finale gar nicht mehr von den Dankes-und Freudes-Wolken runter kommen wollte…Fremdschäm-Momente mit 4 Sternen…

FremdschämDieMannschaft

Das Team-Mutti Oliver Bierhoff beim DFB arbeitet, hat er wohl auch nur seinem #GoldenGoal bei der EM 1996 zu verdanken. Ihm war es ja u.a. besonders wichtig, dass die Ankunft im Campo Bahia in den Morgenstunden erfolgte, damit die Spieler einen Eindruck vom Ort bekommen konnten. Da wird nun wirklich auch das kleinste Detail geplant. Weltmeister in der Vorbereitung und Organisation war der DFB schon seit der Heim-WM 2006. Und zum Glück für Bierhoff das dieses ganze Gelaber aus dem „Wir-Gefühl-Emotions-Topf“ zum erhofften Erfolg geführt hat.

Und was bedeutet das für die kommenden Weltmeisterschaften? Werden das alle anderen Mannschaften auch so machen? Sich abschotten und lediglich Kontakt mit den Menschen im unmittelbaren Umfeld suchen? Für die nächste WM 2018 in Russland stelle ich mir das in ungefähr so vor: Jedes Team in einem Dorf und zur Begrüßung gibt’s Wodka&Blinis.

Bei all der gelungenen Dokumentation des WM-Sieges ist die Tatsache nicht zu vergessen, dass solche Filme auch immer die Geschichte des Siegers zeigen. Über die Erlebnisse der Mannschaften aus Portugal, Ghana, USA, Algerien, Frankreich, Brasilien und Argentinien wird es sicherlich keine Dokumentation geben.

Als Erinnerung an den WM-Triumph eignet sich der Film allemal und im Gegensatz zum Sommermärchen gab es diesmal ein Happy End. Und wer nicht schauen will, der soll lieber lesen. Unser WM-Blog http://thebeautifulgame2014.wordpress.com/ ist auch bestens dafür geeignet, das Abenteuer Brasilien Revue passieren zu lassen 🙂

By Nino

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